Als Buchbinden bezeichnet man den letzten Arbeitsgang der Buchherstellung. In diesem werden die Seiten bzw. Lagen eines Buches zusammengefügt und mit einem aus Rücken und Deckeln bestehenden Umschlag (Einband) versehen.
Es war zur Zeit des Zunftwesens und in kleineren Städten noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts ein einfaches Handwerk, bei welchem jeder Buchbinder, vom Gesellen an, die Befähigung hatte, ein Buch mit Goldschnitt und mit goldverziertem Lederdeckel durchweg selbständig anzufertigen. Seitdem nahm die industrielle Serien-Buchbindung am Automaten oberhand und wird nur noch in Einzelfällen als Handwerk ausgeführt.
Das Handwerk des Buchbindens hat sich im Laufe der Geschichte grundlegend geändert. Heut unterscheidet man zwischen dem handwerklichen und dem industriellen Buchbinder; ein relativ neuer Beruf ist der des Buchrestaurators. Die weitaus größte Produktion übernimmt heute die industrielle Buchbinderei. Die handwerklichen Betriebe dagegen beschäftigen sich vorwiegend mit Einzelanfertigungen und Reparaturen, z.B. die Sortimentsbuchbinderei, die Bücher für Bibliotheken, Behörden Geschäfts- und Privatleute einbindet und der Kunst- oder Handbuchbinder, der nur Einzelanfertigungen, Sondereinbände, Schuber und Kästen produziert. Der Buchrestaurator ist dagegen mit der Restaurierung wertvoller und oft alter Bücher beschäftigt.
Das Buchbinden gehört zu den ältesten Gewerben. Zahn Gerhard Zahn: Grundwissen für Buchbinder. Bielefeld 1990. ISBN 380133867 spricht von einer Entstehung um 300 n.Chr.; um 250 wurden "koptische Handschriften gnostischen Inhalts bereits in Lederbände gebunden und mit Deckelschmuck versehen".
In den Anfängen des Buchdrucks (ab dem 15. Jahrhundert) mussten die Druckbögen zunächst von Hand gefalzt werden. Je nach Format der Bögen und nach der Zahl der Falzungen unterscheidet man historisch zwischen Folio-, Quart-, Oktav- und Duodezbüchern; diese Unterscheidung ist in der heutigen Buchherstellung nicht mehr üblich, wird aber noch in einigen Bibliotheken zur Beschreibung der Buchgröße verwandt. Das Falzen der Druckbögen zu Lagen wird heute von Maschinen ausgeführt.
Im Laufe der Geschichte wurden einige Techniken in der Buchbinderei verändert und verbessert. Prinzipiell fanden größere Veränderungen in zwei Bereichen statt: In der Heft- und in der Einbandtechnik.
Die ersten Heftungen sind koptisch; die Lagen wurden nur durch Fäden verbunden. Später erhielten die Bücher Bünde aus Hanfkordeln oder aus Leder. Diese Bünde waren generell erhaben und unterteilten so den Rücken in Felder. Mit dem Aufkommen der Handvergoldung wurde versucht, einen möglichst glatten Rücken zu erhalten; der Rücken wurde eingesägt, um die Bünde in den Lagen zu vertiefen. Der Rücken wurde anschließend weiter hinterklebt.
Einen besonders glatten Rücken erhielt man um 1800 durch die Einführung des hohlen Rückens. Bis jetzt hatte man vorwiegend Einbände mit festem Rücken hergestellt, d. h. dass das Einbandmaterial direkt auf den Rücken des Buchblocks geklebt wurde. Beim hohlen Rücken dagegen ist das Einbandmaterial vom Rücken des Buchblocks getrennt, und wird oft noch durch zusätzliches Papier oder einen leichten Karton verstärkt. Der hohle Rücken wurde technisch später verbessert durch die Hülse. Er hat vor allem den Vorteil, dass sich das Buch besser aufschlagen lässt und dass die Vergoldung auf dem Rücken beim Öffnen des Buches keinen Schaden mehr nimmt.
Mit dem Aufkommen des Deckenbandes im 19. Jahrhundert wurde auch das umständlichere Ansetzen der Deckel direkt am Buchblock abgelöst. Die separate Anfertigung des Deckels hatte viele Vorteile. Die Arbeiten an der Buchdecke, wie z.B. die Einbandgestaltung und die Titelprägung konnten unabhängig vom Buchblock ausgeführt werden. Man konnte plan, d.h. auf einer Ebene arbeiten, vor allem auch auf dem Rücken.
Die Einbanddekoration wurde grundsätzlich durch den Buchbinder ausgeführt. Im Laufe der Geschichte veränderten sich die Techniken und die Gestaltung des Einbandes. Im Mittelalter wurde der Lederschnitt, Treibarbeiten und Punzierungen auf Leder angewandt, oder mit Stempeln Ornamente aufgeprägt. Ein weiterer Buchschmuck und Buchschutz waren im Mittelalter die Beschläge zum Schutz der Ecken, die Knöpfe, um den Deckel beim Aufschlagen zu schützen, und die Schließen. Diese zweite, mittelalterliche Periode schloss mit der Erfindung der Buchdruckerkunst ab. Es entstand nunmehr die gewerbsmäßige Buchbinderei, welche das Einbandleder oder -pergament mit verschiedenen Ornamenten schmückte. Dazu zählen Leisten, Vignetten, Fleurons und Embleme, die sich in schwarz oder Gold geprägt, oder auch im Blinddruck auf dem Deckel wiederfanden. Die Ornamente wurden im Lauf der Geschichte in verschiedenen Kompositionen angeordnet (Einbanddekoration). Vor allem durch den italienischen Buchbinder Thomas Majoli und den französischen Buchbinder Jean Grolier (1489/90-1565) wurde das Ledermosaik perfektioniert. Auch war wohl Jean Grolier derjenige, der begann, den Buchtitel auf den Rücken zu prägen; im Mittelalter wurde er noch auf mit Tinte oder Tusche auf den Buchvorderschnitt geschrieben. Im 17. Jahrhundert wurde die Filete eingeführt, ein metallener, sichelförmiger Stempel, mit dem vor allem Linienornamente gearbeitet wurden.
Im 16. Jahrhundert wurde in Deutschland und den Niederlanden Malereien mit Lackfarben auf den Ledereinband gebracht, die fälschlich auch als Email bezeichnet worden sind. Im 17. Jahrhundert erneuerte sich die Vorliebe für Metallbeschläge, welche, durchbrochen, die kostbare Unterlage, z.B. roten Samt, durchblicken lassen. Heute ist die Einbandgestaltung in der Kunstbuchbinderei stilistisch vollkommen gelöst; es werden zahlreiche Techniken gemischt, auch die Pappdeckel können skulpturenhaft gestaltet werden.
Mit der Explosion der Buchproduktion in der Neuzeit, mit dem Aufkommen von Papier und der Erfindung der Buchdruckerkunst im 15. Jahrhundert, dem ständig wachsenden Bedarf an Büchern in der Bürgerschicht, war der Beruf des Buchbinders immer gefragter. Die Nachfrage konnte aber zunächst noch durch die Buchbinder befriedigt werden, bis sie Ende des 19. Jahrhunderts zu hoch wurde. Daher wurde nach neuen Möglichkeiten gesucht, die Bücher wirtschaftlicher einzubinden. Im 19. Jahrhundert trat daher mehr und mehr die Maschine in das Buchbindergewerbe ein. Die Erfindung der Verlagsdecke bzw. des Deckenbandes war ein entscheidender Schritt in der Industralisierung des Buchbindens. Der maschinengefertigte Einband konnte billiger hergestellt werden und kam damit dem Bedürfnis nach Massenauflagen entgegen.
Das Beschneiden des Buchblocks mit dem Beschneidehobel musste vor allem vereinfacht werden. Guillaume Massiquot, ein französischer Mechaniker, entwickelte 1844/ 1852 einfache Hebel- und Radschneidemaschinen, die im Aufbau den heutigen ähneln. Danach folgten Erfindungen wie die Falzmaschine (Patent vom Amerikaner Edward Smith 1849), Heftmaschine (Drahtheftmaschine 1875 von Hugo Brehmer), Prägepressen, usw.
Heute dominieren in der modernen Industriebuchbinderei elektronisch gesteuerte Maschinen. Die Produktionsabfolge wird als Buchstraße bezeichnet.
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