Das_Buch_Mormon.jpg Das Buch Mormon (englisch: The Book of Mormon) ist eine wichtige religiöse Schrift der nach ihm benannten religiösen Gemeinschaften der Mormonen. Die vom traditionellen Christentum nicht geteilte Anerkennung dieses Werkes als Heilige Schrift und weitestgehend historisch korrekte Geschichtsschreibung gilt als wesentliches gemeinsames Kennzeichen der ansonsten recht unterschiedlichen Kirchen. Der Name geht auf den Propheten Mormon zurück, der als Hauptredakteur des Berichtes aufscheint. Mit der Erstveröffentlichung des Buches begann das öffentliche Wirken des Kirchengründers Joseph Smith.
Der Ursprung des Buches Mormon ist umstritten. In der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage wird der Ursprung, wie er im Buch selbst geschildert ist, ergänzt um den Bericht von Joseph Smith über das Hervorkommen und die Übersetzung als historische Tatsache betrachtet und als unverzichtbarer Teil des Glaubens angenommen und gelehrt. Dennoch existiert am Rande der Kirche eine kleine liberale Minderheit, die die Annahme des Buches Mormon als historischen Bericht ablehnt.
Etwa seit dem Jahr 2000 ist die zweitgrößte mormonische Gemeinschaft, die Gemeinschaft Christi, offiziell von der Auffassung des Buches Mormon als historischem Bericht abgerückt und betrachtet es nur mehr als "inspirierte und glaubensstärkende" Schrift.
Das Buch Mormon berichtet selbst über seine Entstehung: Der ca. 600 v. Chr. aus Jerusalem geflohene Prophet Nephi habe auf Goldplatten einen Bericht über den Umgang Gottes mit seiner Familie angefertigt. Dieser Bericht, „die kleinen Platten Nephis“, sei bis ca. 130 v. Chr. von Nephis direkten Nachkommen weitergeführt und dann, nach dem Erlöschen der Abstammungslinie, an die politischen Führer des Gemeinwesens übergeben worden. Auf einem zweiten Satz von Goldplatten, den „großen Platten Nephis“, habe Nephi die politische und gesellschaftliche Geschichte seines Volkes niedergeschrieben; dieser wesentlich ausführlichere Bericht sei dann nach Nephis Tod von den Anführern des Gemeinwesens fortgeschrieben worden. Als dritte Quelle gelten die „Platten Ethers“, ein Bericht über ein älteres Volk, das kurz nach dem Turmbau zu Babel nach Amerika gelangt sei.
Diese Vorlagen sollen dann um 400 n. Chr. vom außerhalb des Mormonismus historisch nicht nachgewiesenen Propheten Mormon und danach von dessen Sohn Moroni zusammengefasst, kommentiert und für ihre eigene Zeit ergänzt worden sein. Die kleinen Platten Nephis im Original, sowie die Zusammenfassung der großen Platten Nephis und der Platten Ethers, habe Moroni dann versteckt, um sie für zukünftige Generationen zu bewahren.
Joseph Smith ergänzt dazu als Geschichte der Entdeckung des Buches: ihm sei Moroni 1823 als Engel erschienen, habe ihm von diesen Aufzeichnungen berichtet und ihm den Platz beschrieben, an dem die Platten versteckt seien. 1827 habe er, Smith, die Platten dann aus dem nahe gelegenen Hügel Cumorah geborgen und – mit einigen Unterbrechungen – mit Hilfe der Sehersteine Urim und Tummim, welche sich bei den Platten befanden, ins Englische übertragen. Nach Abschluss der Übersetzung habe Moroni die Platten wieder an sich genommen.
Laut Berichten seiner Mitarbeiter habe Joseph Smith, abgetrennt durch eine im Raum aufgehängte Decke, den Inhalt des Buches Mormon einem auf der anderen Seite der Decke sitzenden Schreiber diktiert. Heute gilt als sicher, dass der größte Teil von Oliver Cowdery aufgeschrieben wurde, während Emma Smith und möglicherweise noch andere kurzzeitig für Joseph als Schreiber des Buches Mormon tätig waren.
Außerhalb der mormonischen Gemeinschaft wird davon ausgegangen, dass der 25-jährige Smith das Buch unter Nutzung zeitgenössischer Quellen selber verfasst hat.
Das Buch Mormon wurde Anfang 1830 bei Egbert Grandin and Company in Palmyra, New York gedruckt und im März veröffentlicht. Diese Erstauflage umfasste 5.000 Exemplare und wurde von Martin Harris, einem wohlhabenden Nachbarn und Anhänger von Joseph Smith, finanziert. Die noch existierenden Exemplare der Erstauflage sind heute seltene und sehr teure Sammlerstücke.
Das Buch Mormon ist ähnlich der Bibel in einzelne Bücher eingeteilt; anders als in der Bibel ist jedoch der Zusammenhang der einzelnen Bücher etwas enger. Es besteht aus folgenden Büchern:
Das Buch berichtet von einem Propheten namens Lehi, der ca. 600 vor Christus in Jerusalem den göttlichen Auftrag erhielt, mit seiner Familie, der Familie von Ischmael und Schriften auf Messingplatten die Stadt zu verlassen und in die Wildnis zu ziehen. Dadurch entgehen sie der Vernichtung der Stadt durch die Babylonier einige Jahre später. Lehis Sohn Nephi übernimmt auf Gottes Geheiß die Führung für den Bau eines Schiffes, mit dem die Gruppe in ein verheißenes Land segelt. Laman und Lemuel, die älteren Brüder von Nephi lehnen sich auf. Nach dem Tod des Vaters Lehi kommt es zum völligen Bruch, der zur Ausbildung von zwei verfeindeten Völkern führt, den Nephiten und den Lamaniten, die sich immer wieder bekriegen. Nephi ist der erste Prophet der Nephiten. Er zitiert und erläutert Jesaja ausführlich.
Im weiteren Verlauf werden die wechselnden Beziehungen dieser Völker, ihre Wanderungen, Missionsbemühungen, Kriege, politischen Streitigkeiten usw. geschildert. Dabei werden ausführlich die Zeiten von ca. 600 bis ca. 550 v. Chr, von ca. 130 v. Chr. bis ca. 40 n. Chr. und von ca. 320 bis ca. 420 n. Chr. geschildert, während sich für die beiden Perioden 550-130 v. Chr. und 40-320 n. Chr. nur knappe Angaben finden.
Im weiteren Verlauf treffen die Nephiten auf ein weiteres Volk, das von Flüchtlingen um Mulek, einen Sohn von Zdikija, König in Jerusalem zur Zeit der Zerstörung der Stadt durch die Babylonier, abstammt. Die beiden Gruppen vereinigen sich.
Höhepunkt des Berichtes ist ein Besuch des auferstandenen Christus bei den Nephiten. Der Heiland habe dort mit minimalen Veränderungen die Bergpredigt wiederholt und ein zweites Mal das Abendmahl gestiftet.
Rund zwei Jahrhunderte leben die vereinten Nephiten und Lamaniten völlig nach den Grundsätzen der Bergpredigt in vollkommenem Frieden. Das Verlassen dieser Grundsätze führt schließlich zu einer erneuten Trennung in Nephiten und Lamaniten und einem hasserfüllten, blutigen Krieg, in dem die Nephiten schließlich völlig vernichtet werden. In den letzten Kriegsjahren treten Mormon und sein Sohn Moroni als militärische Befehlshaber und Chronisten auf.
Ein nach Darstellung des Buches von Moroni eingeschobener und kommentierter Teil befasst sich mit der Geschichte eines viel älteren Volkes, der Jarediten, das Gott vom Turm zu Babel in das verheißene Land geführt habe. Missachtung göttlicher Grundsätze hätten auch bei ihnen zu Spaltungen, blutigen Kriegen und, kurz vor der Ankunft der Gruppe um Lehi, zu ihrer vollständigen Vernichtung geführt. Die Aufzeichnungen ihres letzten Propheten, Ether, seien später von den Nephiten gefunden und mit Hilfe der Urim und Thummim übersetzt worden.
Es existieren zwei Hauptmanuskripte des Buches, beide befinden sich heute in Obhut der Gemeinschaft Christi:
Daneben existieren als Textquellen die drei Druckauflagen (1830, 1837, 1842), die bereits zu Smiths Lebzeiten und mehr oder minder unter seiner Aufsicht entstanden, sowie Korrekturen, die Joseph Smith handschriftlich in seine eigenen Druckexemplare eingefügt hat. Eine echte textkritische Ausgabe, die die verschiedenen Versionen und ihre Unterschiede dokumentiert, ist zur Zeit (2005) in Arbeit und teilweise veröffentlicht.
Da die ursprünglichen Manuskripte fast völlig ohne Satzzeichen waren, fügte sie der Setzer der ersten Auflage ein. Die erste Ausgabe außerhalb der Vereinigten Staaten erschien 1840 in Großbritannien. Spätere Ausgaben beruhten meist auf der 1837-er Edition, da es in Utah lange Zeit keine Buchdruckerei gab und somit die Kirche jahrzehntelang das Buch nur in Großbritannien druckte, wohin die 1842-er Edition nie gelangt war. Erst ab 1981 flossen Änderungen der 1842-er Edition wieder in die Ausgaben der Kirche ein.
Die erste nicht englische Ausgabe war eine dänische Übersetzung 1851. 1852 folgte die erste deutsche Ausgabe.
1876 wurden die Kapitel der einzelnen Bücher neu eingeteilt und eine Versnummerierung hinzugefügt.
Zwischen heutigen Ausgaben des Buches und der Erstauflage gibt es ca. 3000 Unterschiede. Die meisten dieser Veränderungen finden sich bereits ab der 1837-er Auflage. Es handelt sich zumeist um Korrekturen von Zeichensetzung, Rechtschreibung und Grammatik; allerdings gibt es auch einige tiefgreifendere Änderungen, die von Kritikern dahingehend interpretiert werden, dass sie dazu dienen sollten, revidierten Lehren oder gewandelten politischen Verhältnissen die passende Grundlage zu geben.
Seit 1989 ist an der Brigham Young University eine kritische Textausgabe in vier Bänden in Arbeit. Band 1 und 2, veröffentlicht 2001, enthalten Transkripte aller Textvarianten der englischen Ausgabe des Buches Mormon vom ursprünglichen Manuskript (so weit erhalten) bis zu den neuesten Ausgaben. Band 4, veröffentlicht 2005 in zwei Teilen, enthält kritische Analysen aller Textvarianten. Band 3, der noch nicht veröffentlicht ist, soll die Geschichte aller englischen Buch Mormon Texte von Joseph Smith bis heute beschreiben.
Mittlerweile ist der gesamte Text in 72 Sprachen übersetzt worden, Auszüge des Buches gibt es in 32 weiteren Sprachen. Übersetzungen des Buches in Afrikaans, Albanisch, Amharisch, Arabisch, Aymara, Bislama, Bulgarisch, Cebuano, Chinesisch, Dänisch, Deutsch, Englisch, Estnisch, Fante, Fidschi, Finnisch, Französisch, Griechisch, Haitianisch, Hawaiianisch, Hindi, Hmong, Igbo, Ilokano, Indonesisch, Xhosa, Isländisch, Italienisch, Japanisch, Khmer (Kambodschanisch), Katalanisch, Kekchi, Kiribatisch, Koreanisch, Kroatisch, Lettisch, Lingala, Litauisch, Malagasy, Maori, Marshallisch, Mongolisch, Neomelanesisch, Niederländisch, Norwegisch, Ostarmenisch, Pangasinan (Philippinische Sprache), Polnisch, Portugiesisch, Rarotonganisch, Rumänisch, Russisch, Samoanisch, Schwedisch, Shona, Slowenisch, Spanisch, Swahili, Tagalog, Tahitianisch, Telugu, Thailändisch, Tongaisch, Tschechisch, Tswana, Türkisch, Ukrainisch, Ungarisch, Vietnamesisch, Walisisch, Yapesisch und Zulu sind erhältlich.
Im Jahre 1852 erstellte der spätere dritte Prophet, John Taylor, während einer Missionsreise in Deutschland zusammen mit deutschen Helfern eine erste deutsche Übersetzung, die in Hamburg erschien. Diese blieb, mit wiederholten Überarbeitungen, bei den deutschsprachigen Mormonen bis 1978 im Gebrauch. Die extrem häufige Formulierung des englischen Buches "And it came to pass" wird hier im Deutschen nur durch ein leeres Paar eckige Klammern angedeutet. Biblische Texte und Zitate sowie viele einzelne Formulierungen biblischen Ursprungs entstammen der Lutherbibel. (Seit es die ökumenische Einheitsübersetzung gibt, wechselten die deutschsprachigen Mormonen von der revidierten Lutherbibel auf diese als bevorzugte Bibelversion.)
Im Jahre 1978 verfasste der Österreicher Immo Luschin von Ebengreuth im Auftrag der sog. Ersten Präsidentschaft, das ist das Führungsgremium der Kirche, eine komplette Neuübersetzung, die anstrebte, wesentlich wörtlicher als die erste Übersetzung zu sein. "And it came to pass" wird seither mit "Und es begab sich:" wiedergegeben. Diese Ausgabe des Buch Mormon wurde bis 2003 verwendet. Seit Ende 2003 gibt es eine überarbeitete Version der deutschen Übersetzung des Buches Mormon.
Seit der Gründung dieser Kirche im Jahr 1860 erstellt sie ihre eigenen Ausgaben des Buches Mormon mit im wesentlichen gleichem Text, aber unterschiedlicher Redaktionsgeschichte. Diese verwendet bis heute die alte Kapiteleinteilung der Originalausgabe und hat eine eigene Verseinteilung. Aus dieser Tradition gibt es auch eine eigenständige deutsche Übersetzung.
„Bericht der Nephiten“, engl. „The Record of the Nephites“, ist die offizielle Bezeichnung der Kirche Christi mit der Elias-Botschaft für das Buch Mormon. Das Wort "record" lässt sich auch mit "Urkunde" übersetzen, so dass die Bezeichnung "Urkunde der Nephiten" im deutschen Sprachraum ebenfalls anzutreffen ist. Anerkannt wird lediglich der Text der ersten veröffentlichten Buch-Mormon-Version von 1830, der sogenannten Palmyra-Ausgabe. Die Kirche mit der Elias-Botschaft veröffentlichte seit 1957 unter dem Titel „The Record of the Nephites“ (letzte Auflage von 2004 auf fast 650 DIN-A4-Seiten, davon über 200 Seiten ausführliches Stichwortverzeichnis) diesen Text von 1830. Die spätere Einteilung der HLT-Kirche in Kapitel und Verse wurde inzwischen jedoch übernommen. Dieses Werk ist nur in englischer Sprache erhältlich. Der Buch-Mormon-Text von 1830 mit der Bezeichnung "The Record of the Nephites" ist auch unter www.elijahmessage.com zu finden.
Um die Bedeutung des Buches Mormon zu unterstreichen, ließ Joseph Smith drei Personen aus seinem Umfeld, denen die goldenen Platten vom Engel Moroni gezeigt worden seien, ihr Zeugnis in schriftlicher Form mit Unterschrift geben. Seither ist es in jeder Ausgabe des Buches Mormon am Anfang abgedruckt. Joseph Smith zeigte die goldenen Platten auch acht weiteren Personen, die ebenfalls schriftlich bezeugen, sie in der Hand gehabt und umgeblättert zu haben. Auch dieses Zeugnis findet sich in jeder Ausgabe des Buches Mormon.
Obwohl sich alle "drei Zeugen" und einige der "acht Zeugen" später, zumindest zeitweise, von Joseph Smith distanzierten oder exkommuniziert wurden, ist nicht bekannt, dass einer sein Zeugnis je widerrufen hätte. Hingegen existieren schriftliche Bestätigungen einiger Zeugen (von David Whitmer sogar mit notarieller Beglaubigung), dass ihr Zeugnis im Buch Mormon der Wahrheit entspräche.
Inoffizielle Zeugen sind Emma Smith, die Ehefrau des Propheten und seine Mutter Lucy, die angeben, die Platten, die in ein Tuch eingewickelt waren, befühlt zu haben.
Als Neuoffenbarung widerspricht das Buch Mormon aus Sicht des traditionellen Christentums in einigen wesentlichen Punkten der Bibel. Alle christlichen Gruppierungen, die die Bibel als einzig schriftliches Wort Gottes betrachten, bezeichnen das Buch Mormon als eine frei erfundene Geschichte. Vom religionsvergleichenden Standpunkt hat im deutschen Sprachraum der Sektenbeauftragte der evangelischen Kirche in Nordrhein-Westfalen, Dr. Rüdiger Hauth, das Buch Mormon eigenständig in schriftlicher Form kritisiert. Seine Ausführungen und die von amerikanischen Kritikern werden häufig von anderen Kritikern im deutschen Sprachraum zitiert. Jerald und Sandra Tanner, die selbst früher Mormonen waren, haben in ihrem Buch Mormonism: Shadow or Reality in einer detaillierten Gegenüberstellung auf Stellen im Buch Mormon hingewiesen, die im Widerspruch mit der Bibel stehen, ja sogar auf solche, die ihrer Meinung nach zu anderen Stellen im Buch Mormon oder zu den heutigen Lehren der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage einen Widerspruch darstellen.
Hinzu kommt, dass weder in der Bibel noch in anderen Quellen die Propheten Lehi und Nephi erwähnt werden. Auch Mulek, ein angeblicher Sohn von Zidkija, ist bisher nicht belegt.
Von offizieller Seite der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist zu diesen Punkten bisher keine Stellungnahme erfolgt.
Im 19. Jahrhundert wurde in Amerika allerdings noch ernsthaft unter Historikern und Archäologen die Annahme vertreten, die Indianer könnten Nachfahren der sog. Verlorenen Stämme Israels sein. Das Buch Mormon war deshalb noch zu dieser Zeit für die Wissenschaft von Interesse, da es ähnliche Annahmen vermittelt. Heutztage befasst sich die wissenschaftliche Gemeinschaft nicht mehr unmittelbar mit dem Buch Mormon, da die darin enthaltende Geschichte mit dem heutigen Kenntnisstand der Wissenschaft nicht vereinbar ist. Die Wahrscheinlichkeit ist zu gering, dass bestimmte Indianerstämme von Hebräern, die um 600 v Chr. nach Amerika gelangt sein sollen, abstammen. Dies Annahme wird durch unabhängige Untersuchungen am Erbmaterial heutiger Indianer gestützt, welche ergeben haben, dass diese von Ostasiaten abstammen, keinesfalls aber von Hebräern. Deshalb bleibt die Buch Mormon Forschung bis heute fast ausschließlich solchen Wissenschaftlern vorbehalten, die noch an die Echtheit des Buches Mormon glauben.
Kritiker führen an, dass es im Buch Mormon viele Widersprüche mit aktuellen Forschungsergebnissen gebe. Es werden Pferde und Wagen genannt, die es jedoch nach allgemeiner Ansicht vor Kolumbus auf dem amerikanischen Kontinent nicht gegeben habe. Das Buch Mormon berichtet außerdem von Erfindungen wie Stahl oder der Siebentagewoche, lange bevor diese Dinge tatsächlich eingeführt worden sind. Zudem wird von stark bevölkerten Städten und großen Schlachten mit mehreren zehntausend Teilnehmern berichtet, von denen sich bisher nicht eine einzige Spur finden ließ. Moderne DNA-Vergleiche haben eindeutig ergeben, dass Indianer mit den Ostasiaten verwandt sind. Das schließt nach Meinung von Kritikern aus, dass Hebräer, wie es die „Lamaniten“ angeblich sein sollen, zu ihren Vorfahren zählen. (Quelle: Krakauer: Mord im Auftrag Gottes, S. 105 f., Piper Verlag: München 2003).
Zu all diesen Argumenten existieren Widerlegungen mit detaillierten Erklärungen von mormonischen Wissenschaftlern und von Apologeten, die aber von den Kritikern als nicht stichhaltig abgelehnt werden.
Die in F.A.R.M.S. zusammengeschlossenen Wissenschaftler haben im Laufe der letzten Jahre mit unterschiedlichen Methoden, durch Vergleich mit Texten und archäologischen Befunden aus dem Nahen Osten und aus Mittelamerika versucht, den Anspruch des Buches Mormon, ein antiker Bericht aus der Kultur des Nahen Ostens und aus einer Kultur des alten Amerika zu sein, zu erhärten, und gleichzeitig die These von Kritikern, es sei ein Phantasieprodukt des 19. Jahrhunderts zu entkräften. F.A.R.M.S. bringt seit 1992 zweimal jährlich eine wissenschaftliche Zeitschrift mit dem Titel "Journal of Book of Mormon Studies" heraus, die Forschungsergebnisse rund um das Buch Mormon publiziert. Die Ausführungen sind auch im Internet zu finden. Andere mormonische Wissenschaftler haben sich in der AAF (Ancient America Foundation) zusammengefunden, um an Hand von vorhandenen archäologischen und historischen Befunden Bezüge zwischen dem Buch Mormon und den Völkern von Mittelamerika und Mexiko herzustellen.
Nach Einschätzung der Apologeten und mormonischen Wissenschaftler seien auf diese Weise während der vergangenen zwei oder drei Jahrzehnte sehr viele Hinweise gefunden worden, die mit dem Anspruch des Buches Mormon, ein authentischer, antiker Text zu sein, voll und ganz im Einklang stünden. Jedoch weisen sie immer wieder darauf hin, dass grundsätzlich ein Beweis für den göttlichen Ursprung des Buches Mormon mit wissenschaftlichen Methoden nicht zu führen sei, denn es bleibe letztlich eine Glaubenssache.
Mittlerweile ist die früher weithin, auch von Joseph Smith und anderen Präsidenten der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, angenommene These, die Lamaniten seien die einzigen Vorfahren der Indianer und das Buch Mormon beziehe sich auf die ganze westliche Hemisphäre, von einigen Apologeten aufgegeben worden. Heute wird vor allem unter Wissenschaftlern und Apologeten die These bevorzugt, das Buch Mormon beziehe sich, auf eine relativ kleine Gruppe von Menschen hebräischer Abstammung, die durchaus im Kontakt mit anderen Völkern anderen Ursprungs stand und sich mit ihnen vermischte. Als wahrscheinlichste Gegend des Geschehens wird Mittelamerika angenommen. Dieser Schluss resultiert aus detaillierten Untersuchungen und Interpretationen des Buches Mormon sowie aus Analysen in unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen. Offiziell vertritt die Kirche keines der beiden Modelle. Allerdings wird im kirchlichen Alltag, auch im Bereich der Mission, weiterhin die Annahme vertreten, die Ureinwohner sowohl von Nord- als auch von Südamerika, seien Nachkommen der Lamaniten, von welchem Volk das Buch Mormon berichtet. Die Einleitung des Buches Mormon, welche von Joseph Smith selbst verfasst wurde, berichtet jedenfalls davon, dass die Lamaniten im Wesentlichen die Vorfahren der heutigen Indianer seien.
Diese Aufstellung ist nicht vollständig, da immer neue Methoden angewandt werden, um Hinweise dafür zu finden, ob das Buch Mormon tatsächlich das ist, was es zu sein vorgibt.
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