Unter einer Bubble Economy (zu deutsch: Luftblasen-Wirtschaft) versteht man eine Volkswirtschaft bzw. einen Wirtschaftszweig, der durch zu viele und zu hohe Investitionen höher bewertet wird, als es den realen Entwicklungen entspricht. Dadurch beruhen die Aktienkurse nicht mehr auf der tatsächlichen Wirtschaftlichkeit der Unternehmen, sondern auf dem übertriebenen Enthusiasmus der Anleger. Dies führt im Endeffekt zum Platzen der Blase, was einen rapiden Fall der Aktienkurse zur Folge hat. In vielen Fällen ist das Vertrauen der Anleger so zerstört, dass die Wirtschaft bzw. der Wirtschaftszweig in den Folgejahren unterbewertet wird.
Im Plaza-Abkommen 1985 vereinbarten die G5 (USA, Japan, Deutschland, Großbritannien, Frankreich) eine Abwertung des US-Dollar gegenüber den Währungen der anderen vier Länder. Insbesondere der Yen machte gegenüber dem Dollar innerhalb von zwei Jahren eine kontrollierte Wertsteigerung um 100%, der durch Spekulationen weiter angeheizt wurde. Internationale Investoren und die Japaner selbst kauften alles, was seinen Wert in Yen hatte, zum einen Yen selbst, aber auch japanische Aktien und Immobilien, um von der Wertsteigerung des Yen zu profitieren. Durch die Nachfrage wurden Börse und Immobilienmarkt weiter angeheizt, und eine Spirale nach oben begann.
Im Louvre-Abkommen sollte nun gegengesteuert und der Dollar wieder aufgewertet werden, aber die Spirale in Japan drehte sich weiter. Auf dem Höhepunkt der Blase war der Park des Kaiserpalastes im Zentrum von Tokio nach Schätzungen genauso viel Wert wie alles Land in Kalifornien zusammen.
Strenge japanische Auflagen, die gegenseitige Unterstützung in der Wirtschaft und der schiere Preis der Unternehmen verhinderten dabei, dass ein japanisches Unternehmen übernommen wurde. Die japanischen Unternehmen selbst profitierten von dem (im Vergleich zur USA) gestiegenen Wert ihrer Aktien und Grundstücke und gingen in den USA auf Einkaufs- und Übernahmetour. Dass der gestiegene Wert des Yen auch die Arbeitskosten in Japan relativ zum Rest der Welt erhöhte, glichen die japanischen Unternehmen dadurch aus, dass sie Produktion weiter ins Ausland verlagerten, insbesondere nach Südostasien.
Die Situation wurde riskant, als japanische Banken begannen, durch die überbewerteten Immobilien gegenfinanzierte Kredite auszugeben. Im Jahr 1990 platzte die Blase. Der Wert der Immobilien sank innerhalb kurzer Zeit auf ein Viertel zurück und der Aktienmarkt implodierte. Die Banken blieben auf ihren Krediten sitzen. Mehrere große japanische Banken und Lebensversicherer mussten Konkurs anmelden, andere konnten von der Regierung gerettet werden.
Mehrere Jahre konnte sich die japanische Wirtschaft nicht davon erholen, diese Zeit wird in Japan auch als das "Verlorene Jahrzehnt" bezeichnet. Diese Zeit war geprägt von Deflation und Nullwachstum (siehe auch Kakaku Hakai). Nur langsam konnte der Bankensektor saniert werden, und die Staatsverschuldung stieg durch immer wieder verpuffende Konjunkturprogramme auf über 150% des BIP.
Auf die wirtschaftliche Krise folgte auch die politische Krise. In der heißen Phase der Bubble Economy ließen sich viele Politiker wohlwollend am Geldüberfluß der Wirtschaft beteiligen, die Korruption grassierte. Im Jahr 1993 war die gesamte LDP-Führung in Skandale verwickelt. Sie verlor die Unterhauswahlen und stellte zum ersten Mal seit den Fünfziger Jahren nicht die Mehrheit im Kabinett.
Wirtschaft (Japan) | Japanische Geschichte | Wirtschaftsgeschichte
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