Die prächtige Burg von Brunhild heißt Isenstein, und hier empfängt Brünhild Gunther, Siegfried, sowie Gunthers Gefolgsmänner Hagen und Dankwart. Auch Siegfried gibt sich ihr gegenüber als ein Vasall Gunthers aus, obwohl sie zunächst ihn für den Höherrangigen hält. Die beiden scheinen sich sogar von früher zu kennen, was das Nibelungenlied allerdings nicht näher erklärt. In anderen Varianten der Geschichte wird erzählt, Brunhild sei mit Siegfried liiert gewesen und habe darauf gewartet, dass er kommt um sie zu heiraten, aber durch den Trunk von Kriemhild hatte Siegfried sein Versprechen ihr gegenüber vergessen.
Brünhild erscheint als mächtige Königin, immer wieder wird ihre physische Stärke hervorgehoben. Diese Stärke wird ganz klar als Bedrohung empfunden, geschildert wird sie als des Teufels Weib. Wer um sie freien möchte, muss sich mit ihr im Speerwurf, Steinwurf und im Weitsprung messen – was Gunther nur mit Hilfe des unter einer Tarnkappe verborgenen Siegfried schafft.
Johann Heinrich Füssli 003.jpg, 1807]] Gunther führt Brünhild als seine Braut heim, doch bereits in der Hochzeitsnacht erweist sie sich wieder als übermächtig: als ihr Bräutigam sich ihr nahen will, ringt sie ihn nieder und hängt ihn mit seinem eigenen Gürtel gebunden an einem Nagel auf. Wieder muss Siegfried einspringen: Er bezwingt sie, so dass Gunther seinen ehelichen Pflichten nachkommen kann. Siegfried nimmt Brünhilds Ring und ihren Gürtel mit, was ein Zeichen der Defloration ist.
Brünhild ist sehr betrübt, dass Gunthers Schwester Kriemhild dem angeblichen Gefolgsmann Siegfried zur Frau gegeben wird, was einem sozialen Abstieg gleich kommt. Niemand klärt sie darüber auf, dass Siegfried tatsächlich ein freier König im eigenen Land ist.
Nach Jahren lädt Gunther auf ihr Betreiben Siegfried und Kriemhild, die inzwischen wieder in Xanten sind, zu einem Fest ein. In dessen Verlauf streiten die beiden Königinnen Kriemhild und Brünhild darum, welcher ihrer Männer den Vorrang vor dem anderen habe.
Schließlich kommt es auf den Stufen des Wormser Doms zum Streit der Königinnen: Es geht um den Vortritt einer der beiden, eine überaus repräsentative Geste. Diejenige, deren Mann mächtiger ist, soll als erste das Münster betreten. Brünhild, die immer noch glaubt, Siegfried sei Gunthers Vasall, wird mit Ring und Gürtel konfrontiert, den vorgeblichen Beweisen dafür, dass ein Gefolgsmann ihr die Jungfernschaft genommen hätte. Brünhild weint und klagt Hagen ihren Kummer, der daraufhin den Mord an Siegfried plant und ausführt. Im weiteren Verlauf der Geschichte tritt sie nur mehr in kurzen Erwähnungen am Rand in Erscheinung.
Brünhild trägt wesentlich zur Entwicklung der Handlung bis zu Siegfrieds Tod bei, verschwindet dann bis auf zwei kleinere Erwähnungen gänzlich aus der Sage, um erst in der anschließenden Klage wieder aufzutauchen. Ihre Figur wird immer mehr in einen höfischen Kontext gedrängt, man könnte sogar sagen, sie würde innerhalb desselben gezähmt. Diese Tendenz erreicht schließlich in der Klage ihren Höhepunkt, wo nichts mehr von der Wildheit einer kriegerischen Königin zu spüren ist.
Im jüngern Sigurdlied erscheint sie als Brünhild, Budlis Tochter (Brynhild Buðledóttir) und Schwester des Atli (= Attila) und damit als eine ganz normale Sterbliche. Sie ist eine Schildmaid, eine kämpfende Jungfrau, und wird von Atli zwangsweise an Gunnar verheiratet. Sie neidet Gudrun (Guðrun Jukedóttir) die Ehe mit Sigurd, zettelt den Mord an, stößt sich nach Sigurds Tod das Schwert in die Seite, um mit ihm vereint zu sein.
Im ebenfalls ins 13. Jahrhundert datierte Helreið Brynhildar (Brünhilds Fahrt in die Unterwelt) sind schließlich beide Figuren zu einer Person verschmolzen. Die Sprecherin erscheint als Brynhild, Budlis Tochter, kann aber Attribute vorweisen, die sie eindeutig als übermenschlich kennzeichnen.
In der Völsunga-Saga ist Brünhild sowohl Walküre als auch Schildjungfer und Ziehtochter Heimirs. Weiters kennt sie außer Sigurd auch Gudrun schon vorher: Sie deutet ihr einen prophetischen Traum. Auch hier freit Sigurd sie in Gunnars (~ Gunthers) Namen, lässt sie unberührt und nimmt ihr den unheilbringenden Ring Andwaranaut, den er ihr bei ihrer vorherigen Verlobung gegeben hat, heimlich weg, um ihn Gudrun zu schenken. Der Königinnenstreit spielt in einem Fluss wie auch in der Snorra-Edda. Brünhild verlangt den Tod eines an diesem schändlichen Dreiecksverhältnis beteiligten – mit bekanntem Ausgang.
„Verdammt“, dachte der Krieger bei sich, „wenn ich jetzt mein Leben durch die Hand eines Mädchens verliere, dann können künftig alle Frauen ihren Männern gegenüber auftrumpfen, die vorher nie an so etwas gedacht haben.“ (Übers.: Siegfried Grosse)
Brünhild repräsentiert, wie auch Siegfried, anfangs ein anderes (älteres) Konzept von Führerschaft, für das physische Stärke ausschlaggebend ist – und das dem der burgundischen Könige und der höfischen Gesellschaft, für die Epen wie das Nibelungenlied niedergeschrieben wurden, klar widerspricht.
Im Nibelungenlied ist es nicht einmal mehr sie, die Siegfrieds Tod verlangt. Sie berichtet von ihrem Unglück, und Hagen beschließt, Siegfried zu töten. Danach kommt sie nur mehr an zwei Stellen als gehorsame, von der Welt abgeschlossene Ehefrau kurz vor. In den nordischen Versionen findet eine solche „Verhöfischung“ nicht statt. Hier erscheint sie machtvoller und in ihrer Eigenschaft als Walküre auch in einen heidnischen Kontext eingebunden.
Eine historische Persönlichkeit namens Brunihildis war die Tochter des Westgotenkönigs Athanagild. 567 heiratete sie Sigibert I, der die östliche Hälfte des merowingischen Reiches regierte. Ihre Schwester heiratete Sigiberts Bruder Chilperich I., der diese jedoch bald auf Betreiben seiner Geliebten Fredegundis umbrachte. Nicht nur deshalb kam es zum Streit zwischen beiden Herrschern und auch beiden Herrscherinnen. Sigibert wurde schließlich von seinen Widersachern ermordet, Brunihildis schaffte es nur mit knapper Not, ihren Sohn krönen zu lassen. Nach dessen Tod übernahm sie die Regierungsgeschäfte für ihre unmündigen Enkel. Immer wieder musste sie sich gegen den aufstrebenden Adel in ihrem eigenen Reich behaupten. Sie soll zu den gleichen moralisch bedenklichen Mitteln wie ihre Gegner gegriffen haben, jedoch auch großzügig gegenüber Armen und Kirche gewesen sein. Zahlreiche nach ihr benannte Straßen und Örtlichkeiten künden von dem Eindruck, den sie auf die Nachwelt hinterlassen haben muss (etwa große Felsen, die im Volksmund ‚Brünhildenbett’ genannt werden).
Paradoxerweise würde diese Brunihildis sich eher als Vorbild für die Kriemhild des Nibelungenlieds eignen als für Brünhild. Solche Verschiebungen sind allerdings nicht unüblich, wenn man bedenkt, dass zwischen den tatsächlichen Ereignissen und den uns schriftlich überlieferten Quellen des Nibelungenstoffes mehrere Jahrhunderte mündlicher Überlieferung liegen.
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