Brustkrebs (Synonym: Mammakarzinom) ist ein von den (Epithel-)Zellen der Drüsenläppchen oder der Milchgänge ausgehender bösartiger Tumor.
Bei Tieren spricht man vom Gesäugekarzinom.
Von den Malignomen der Frau entfallen ca. 25% auf das Mammakarzinom, es ist damit die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Sie betrifft jede 8. bis 10. Frau im Laufe ihres Lebens. Die Wahrscheinlichkeit, an Brustkrebs zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter, es sind jedoch zunehmend auch junge Frauen betroffen. Pro Jahr treten ca. 110 Neuerkrankungen pro 100.000 Frauen auf, das sind in Deutschland etwa 47.000 Fälle.
Bei Frauen zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr ist Brustkrebs die häufigste Todesursache in der westlichen Welt. Insgesamt sterben jährlich ca. 19.000 Frauen an Brustkrebs (Quelle: Robert-Koch-Institut).
Auch Männer können an Brustkrebs erkranken; hier ist das Auftreten jedoch sehr selten.
Dagegen ist die Selbstuntersuchung der Brust nicht geeignet, Brustkrebs im frühen Stadium zu erkennen; ein fehlender Tastbefund schließt eine Tumorerkrankung nicht aus. Die Selbstuntersuchung der Brust trägt im Gegensatz zur Screening-Mammografie auch nicht zur Senkung der Sterblichkeit an Brustkrebs bei (wissenschaftlicher Nachweis hier: Regular self-examination or clinical examination for early detection of breast cancer.).
Die Mammografie ist der wesentliche Bestandteil der Früherkennung und Grundlage des bevölkerungsbezogenen Brustkrebs-Screening. In Deutschland wird derzeit ein qualitätsgesichertes Mammographie-Screening-Programm aufgebaut, und zwar auf der Grundlage der „Europäischen Leitlinien für die Qualitätssicherung des Mammographie-Screenings“. Insgesamt 89 dieser Einheiten sind bis Ende 2007 in ganz Deutschland geplant. In einigen Regionen wird ein Mammographie-Screening bereits für die Zielgruppe (Frauen zwischen 50 und 69 Jahren) angeboten.
Zusätzlich zur Untersuchung der Brust und zur Mammografie wird insbesondere bei jüngeren Frauen eine Ultraschalluntersuchung der Brust durchgeführt, da es Tumoren gibt, die in der Mammografie nicht auffallen. Etwa 10-15% der Karzinome sind nicht in der Mammografie sichtbar, können aber bei der Ultraschall-Untersuchung eventuell entdeckt werden.
Eine aktuelle Metastudie über den Zusammenhang zwischen Mutterschaft, Stillen und Brustkrebsrisiko ergab, dass mit zunehmender Kinderzahl und zunehmender kumulierter Stillzeit das Risiko, ein Mammakarzinom zu entwickeln, signifikant sinkt.
Die Tabelle soll eine Übersicht über die Risikofaktoren geben:
(nach: Gynäkologie und Geburtshilfe (Stauber und Weyerstahl), Thieme/MLP 2005)
| Risikofaktor | Erhöhung des relativen Risikos um den Faktor |
| genetische Disposition (BRCA-1, BRCA-2, familiäre Belastung: Mutter, Schwester betroffen) | 2-9 |
| Adipositas (Fettsucht) | 2-3 |
| Alkohol-Konsum > 20 g pro Tag | 2-3 |
| Kinderlosigkeit | 1,5-2,3 |
| Mastopathie | ~2 |
| Brustkrebs der anderen Brust | 2-10 |
| Alter > 30 bei Erstschwangerschaft | ~3 |
| frühe Menarche und späte Menopause | 1,0-2 |
| orale Kontrazeptiva („Pille“) | 1,2-1,5 ? |
| Rauchen | |
| hoher Fleischkonsum | |
| ionisierende Strahlung | |
| höheres Alter | |
| ethnische Faktoren | |
| asymmetrische Brüste (siehe: *) |
Einige neuere Studien schreiben auch dem dauerhaften Tragen von Büstenhaltern eine Erhöhung des Erkrankungsrisikos zuSiehe http://www.vivrenu.de/kleidung/buestenhalter/index.html.
Sehr gute Erklärung in Bild und Ton unter: *
Manchmal gruppiert man die TNM-Befunde:
Stadium I
T1, N0,M0
Stadium II
IIA: T0-1,N1,M0 oder T2,N0,M0
IIb: T2,N1,M0 oder T3,N0,M0
Stadium III
IIIA: T3,N1,M0 oder T0-3,N2,M0
IIIB: T4, jedes N-Stadium,M0
IIIc: jedes T-Stadium,N3,M0
Stadium IV
jedes T-Stadium, jedes N-Stadium, M1
Die Deutsche Krebsgesellschaft hat dafür in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Senologie (Senologie: Lehre von den Brusterkrankungen) einen Anforderungskatalog für Brustzentren entwickelt, der europäische Richtlinien mit einbezieht („EUSOMA“-Kriterien für Brustzentren) und darüber hinaus die Dokumentation der Behandlungsergebnisse fordert. Diese inhaltlichen Anforderungen wurden in einem Katalog „Fachliche Anforderungen für Brustzentren“ zusammengefasst und in Probe- und Pilotzertifizierungen an vier Brustzentren in Deutschland überprüft.
Zusätzlich fordert die Krebsgesellschaft, dass das Brustzentrum ein anerkanntes Qualitätsmanagementsystem eingeführt hat, d.h. das Brustzentrum hat sich optimal auf der Grundlage international anerkannter Richtlinien (z.B. DIN ISO 9001) organisiert, arbeitet kontinuierlich an Verbesserungen und die Organisationsstruktur wird jährlich extern durch eine staatlich zugelassene Gesellschaft (z.B. TÜV, DEKRA, NIS-Zert u.a.) überprüft.
Nur wenn das Brustzentrum ein extern anerkanntes Qualitätsmanagementsystem eingeführt hat und die „Fachlichen Anforderungen für Brustzentren“ erfüllt sind, wird das Qualitätssiegel „Zertifiziertes Brustzentrum“ vergeben.
Eine grobe Orientierung, ob ein Zentrum qualitative Mindeststandards erfüllt, können Sie den folgenden Fragen entnehmen. Sie stellen einen Auszug aus den „Fachlichen Anforderungen für Brustzentren“ dar.
Link der deutschen Krebsgesellschaft e.V. über Brustzentren in Deutschland *
Für die Weiterbehandlung und zur Beurteilung der Prognose werden auf der betroffenen Seite zumeist die Achsel-Lymphknoten entfernt und untersucht. Um hierbei unnötige Lymphknoten-Entfernungen zu vermeiden, kann - sofern der Tumor eine bestimmte Größe nicht überschreitet - auch zunächst nur ein einzelner (sog. Sentinel-oder Wächterlymphknoten) entfernt und untersucht werden. Dazu wird um den Tumor herum Farbstoff oder ein Radionuklid injiziert und so der Lymphabfluss und damit auch die erste Lymphknotenstation dargestellt. So kann gezielt diese erste Station des Lymphabflusses aus dem Tumor entfernt werden.Sollte diese von Krebszellen befallen sein, werden erst dann die übrigen Lymphknoten entfernt.
Gegenwärtig ist bei über 90% aller Patientinnen eine Chemotherapie notwendig. Dabei handelt es sich oft um eine Behandlung mit FEC oder TEC. Die Behandlung wird in mehreren Zyklen durchgeführt.
Bei hormonpositiven Tumoren erfolgt zusätzlich eine Antihormon-Behandlung mit selektiven Östrogenantagonisten wie Tamoxifen oder Aromatasehemmern wie Arimidex, die jedoch erst nach der Chemotherapie beginnen sollte. Wegen der hohen Kosten von Arimidex (30-mal teuerer) und der deutlich kürzeren klinischen Erfahrung mit diesem Medikament ist gegenwärtig Tamoxifen der Goldstandard. Neuesten Studien zu Folge scheint Arimidex etwas bessere Ergebnisse zu zeigen in Hinblick auf das krankheitsfreie Überleben bei jedoch leicht erhöhten Nebenwirkungen (Osteoporose mit der Folge von Knochenbrüchen). Eine gleichzeitige Behandlung mit beiden Mitteln ist nicht sinnvoll.
Leider treten häufig Rezidive (gleiche Brust) oder Metastasen auf. Während Rezidive gut therapierbar sind, kommt es bei Metastasen gewöhnlich zu keiner Heilung. Dabei haben Lungen- und Lebermetastasen eine deutlich schlechtere Prognose als Knochen- und Hautmetastasen.
Für eine einheitliche Qualität bei der (Nach-)Therapie bieten die gesetzlichen Krankenkassen seit 2003 Disease-Management-Programme (DMP) an. Die teilnehmenden Ärzte orientieren sich bei der Therapie an den jeweils aktuellen Leitlinien zur Behandlung und Nachsorge des Brustkrebses. Eine Teilnahme ist bei allen Ärzten möglich, die sich diesen qualitätssichernden Programmen angeschlossen haben. Informationen über teilnehmende Ärzte und/oder angeschlossene Krankenhäuser sind bei jeder gesetzlichen Krankenkasse zu erhalten. Für die Patientinnen bedeutet die Teilnahme an diesem Programm eine Einschränkung der freien Arztwahl.
Im Jahre 1998 wurde der Wirkstoff Trastuzumab (Handelsname Herceptin®) in den USA und 2000 in der Europäischen Union für Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs zugelassen. Er ist ein therapeutischer monoklonaler Antikörper gegen den Wachstumsrezeptor HER2/neu auf der Zelloberfläche von Krebszellen und ist zur Behandlung von Patientinnen mit Brustkrebs zugelassen, wenn die Tumorzellen vermehrt HER2/neu auf ihrer Zelloberfläche ausbilden (exprimieren), was bei etwa jeder vierten Brustkrebspatientin der Fall ist. Studien ergaben, dass mit dieser soganannten Targeted-Therapy-Substanz das Risiko eines Rückfalls um etwa 50 % gemindert werden konnte. Seit 2005 deutet sich in klinischen Studien an, dass auch Frauen ohne Metastasen profitieren, wenn sie unter HER2-positivem Brustkrebs leiden.
Bei nodalnegativem Brustkrebs (d.h. nicht von Brustkrebszellen befallenen Lymphknoten) betragen die langfristigen Heilungschancen ca. 85%.
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