Bruno Walter (* 15. September 1876 in Berlin; † 17. Februar 1962 in Beverly Hills; geboren als Bruno Walter Schlesinger) war ein österreichisch-US-amerikanischer Dirigent, Pianist und Komponist deutscher Herkunft. Er wird zu den bedeutendsten Dirigenten des 20. Jahrhunderts gerechnet.
Walter war Kapellmeister des Leipziger Gewandhauses (1929-1933), Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker (1947-1949) und Ständiger Gastdirigent der Wiener Philharmoniker.
In der Folgezeit beginnt seine internationale Karriere, er hat Gastdirigate in Prag, London und Rom. Nach dem Tod Mahlers 1911 dirigiert er die Uraufführungen zweier seiner bedeutenden Spätwerke: Das Lied von der Erde (1911 in München) und die 9. Sinfonie (1912 in Wien).
1911 wird Walter österreichischer Staatsbürger und streicht zu diesem Anlass das "Schlesinger" offiziell aus seinem Namen, nachdem er den Künstlernamen Bruno Walter schon seit seinem Engagement in Breslau verwendet hatte. 1913 verlässt er Wien und wird Musikalischer Direktor an der Oper in München, wo er bis 1922 bleibt. Er erneuert das Repertoire dieses Opernhauses und setzt sich für die Musik seiner Zeit ein (u.a. engagiert er sich sehr für die Komponistin Ethel Smyth). Er selber befreit sich in dieser Zeit von dem starken Einfluss und Musikverständnis von Mahler.
1923 dirigiert Walter das erste Mal in den USA. 1925 geht er als Musikalischer Direktor an die Städtische Oper in Berlin-Charlottenburg und beginnt seine langjährige Tätigkeit bei den Salzburger Festspielen, an deren Gründung er maßgeblich beteiligt war. 1929 wechselt er von Berlin nach Leipzig, wo er Nachfolger von Wilhelm Furtwängler als Leiter des Gewandhausorchesters wird.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 emigriert Walter nach Österreich. Dort dirigiert der in Deutschland unerwünschte Musiker oft die Wiener Philharmoniker, außerdem leiter er zahlreiche Opernaufführungen an der Wiener Staatsoper sowie bei den Salzburger Festspielen. Nach dem Anschluss Österreichs 1938 muss er abermals emigrieren, erhält die französische Staatsbürgerschaft, geht aber 1939 doch in die USA (1946 amerikanische Staatsbürgerschaft). Dort dirigiert er einige der bedeutendsten Orchester des Landes sowie von 1941 bis 1959 Aufführungen an der Metropolitan Opera in New York. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrt Walter ab 1947 zu Dirigaten häufig nach Europa zurück. Von den späten 1940er Jahren an arbeitete er auch erneut mit den Wiener Philharmonikern zusammen.
1943 verhilft er dem damals 25 jährigen Leonard Bernstein durch Zufall zu seinem kometenhaften Aufstieg. Als Bruno Walter wegen einer Grippe ein Konzert der New Yorker Philharmoniker nicht dirigieren kann, daß über Radio im ganzen Land übertragen werden soll, schickt er Bernstein, der für ihn einspringt und über Nacht schlagartig berühmt wird.
Zu den außergewöhnlichsten Künstlerinnen, die Bruno Walter entdeckt und gefördert hat, zählt besonders die britische Altistin Kathleen Ferrier, die sich während ihrer kurzen Karriere zu einer der bedeutendsten Vertreterinnen ihres Faches entwickelte. Unter Bruno Walter sang sie in Glucks Orfeo ed Euridice, u.a. beim Glyndebourne Festival in England, und Gustav Mahlers Lied von der Erde. In mehreren Liedaufnahmen mit Kathleen Ferrier zeigt Bruno Walter auch später noch sein großes Talent als Pianist. 1949 spielte er mit Ferrier und den Wiener Philharmonikern Mahlers Kindertotenlieder ein, 1952 die Rückert-Lieder und in demselben Jahr noch das Lied von der Erde.Walter zählt dabei zu den ersten Dirigenten, die nach dem Zweiten Weltkrieg Werke des von den Nazis verfemten Gustav Mahler aufführen.
1955 und 1956 tritt Walter noch einmal mit den Wiener Philharmonikern auf und musiziert mit ihnen und der Sopranistin Sena Jurinac u. a. in der Staatsoper sowie im Wiener Musikverein und bei den Salzburger Festspielen (darunter Werke von Gustav Mahler).
1957 wählt Walter Musiker der amerikanischen Westküste für das Columbia Symphony Orchestra aus, um wichtige Teile seines Repertoires nochmals in stereo einzuspielen.
1960 gastiert Walter zum letzten Mal in Wien.
Im Kontrast zu seiner Dirigentenkarriere blieb der Komponist Bruno Walter bis heute weitgehend unbeachtet. Seine Werke liegen mit dem Nachlass in Wien in der Bibliothek der Universität für Musik und darstellende Kunst, der sie von Walters Tochter nach dessen Tod übergeben wurden. Darunter befinden sich zwei Sinfonien und eine Violinsonate
Dirigent | Pianist | Anthroposoph | Österreicher | US-amerikanischer Komponist | Deutscher Komponist | Komponist (Klassische Musik) | Geboren 1876 | Gestorben 1962
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