Bruno Delbonnel (* in Nancy) ist ein französischer Kameramann und Filmregisseur.
Biografie
Kindheit und Ausbildung
Bruno Delbonnel wurde in Nancy, im
Département Meurthe-et-Moselle im Osten Frankreichs geboren. Im Alter von zehn Jahren zog seine Familie in die französische Hauptstadt
Paris. Ursprünglich war Delbonnel weder an der Arbeit mit der Filmkamera interessiert, noch konnte er sich für
Fotografie begeistern. Er war fasziniert von den Biografien der großen Maler und träumte davon selbst eine Karriere als Künstler einzuschlagen. Sein Wunsch eine Kunsthochschule zu besuchen traf aber auf die Ablehnung seines Vaters, der sich für seinen Sohn eine solidere Ausbildung, etwa die eines
Rechtsanwalts, vorgestellt hatte. Für den Film zu interessieren begann sich Delbonnel beim Besuch des
Collèges. Mit fünfzehn Jahren bekam er von seinen Eltern eine
Instamatic-Kamera geschenkt, mit der er laut eigener Aussage niemals Menschen aufnahm, sondern vorwiegend Landschaften oder leere Plätze. Nach seinem Schulabschluss begann Delbonnel ein Studium der
Philosophie, das er an der Pariser
Sorbonne abschloss, und studierte anschließend an einer Privatschule
Filmwissenschaft. Zu diesem Zeitpunkt beeinflussten ihn vorwiegend die
Filmregisseure
Ingmar Bergman,
Julien Duvivier,
Sergei Eisenstein und
Federico Fellini, sowie
Francis Ford Coppolas Filme
Liebe niemals einen Fremden (1969) und
Der Pate (1972) und
Jerry Schatzbergs
Asphaltblüten (1973).
Um 1975 begann Bruno Delbonnel ein Drehbuch für einen Kurzfilm auszuarbeiten und erhielt im Alter von 18 Jahren vom Centre national de la cinématographie (CNC) eine finanzielle staatliche Unterstützung, um diesen zu realisieren. Delbonnel machte sich auf die Suche nach einen Filmproduzenten und lernte so Jean-Pierre Jeunet kennen, der für eine Filmproduktionsgesellschaft arbeitete. Man einigte sich darauf Delbonnels Film zu produzieren, jedoch unter der Bedingung, dass das Werk als Animationsfilm abgedreht werden sollte. Der junge Delbonnel erklärte sich nicht dazu bereit und suchte einen anderen Produzenten auf. Ihm gelang es knapp sechs Monate später, kurz vor der Streichung des staatlichen Zuschusses, mit Jean-Pierre Jeunet als Assistenten und der Hilfe des Kameramannes Henri Alekan (1909–2001) seinen ersten Kurzfilm Réalités rares zu inszenieren. Alekan zählte in Frankreich zu den renommierten Kameraleuten, war in seiner langen Karriere unter anderem für die Bilder von Jean Cocteaus Die Schöne und das Biest (1946) genauso zuständig gewesen wie für William Wylers Ein Herz und eine Krone (1953) und galt als Meister des Schwarzweißfilms.
Arbeit in der Werbebranche
Durch die Mitarbeit Alekans kam Delbonnel mit der Kameraarbeit in Berührung und entschied sich dafür eine Karriere als Kameramann anzustreben. Er versuchte sich sein Wissen aus Büchern zu erarbeiten, fiel aber bei der Aufnahmeprüfung an der Pariser Filmhochschule durch. Delbonnel begann daraufhin abends Unterricht zu nehmen und entschloss sich 1980 nach
New York zu gehen, als der Erfolg weiterhin ausblieb. Nach sechs bis neun Monaten in den USA erhielt der Franzose von dem Kameramann
Nestor Almendros den Rat zurück nach Frankreich zu gehen. Durch den Aufenthalt in Übersee hatte Delbonnel sein
Englisch verbessert und zurück in der Heimat erhielt er Arbeit als
Kamera-Assistent in der Werbebranche. Delbonnel arbeitete laut eigenen Aussagen zehn bis fünfzehn Jahre in der Werbebranche und assistierte unter anderem dem drei Mal für den
Oscar nominierten
Briten Douglas Slocombe und
Gerry Fisher, ehe er sich auch für die Arbeit beim Film empfehlen konnte. 1981 war er als Kameraschwenker für Jean-Pierre Jeunets und
Marc Caros dritten Kurzfilm
Letzter Feuerstoß im Bunker zuständig. Drei Jahre später war Delbonnel in der gleichen Position in den Dreharbeiten zu Jeunets Kurzfilm
Pas de repos pour Billy Brakko involviert. 1986 folgte ein Engagement als zweiter
Assistent Operator an der Produktion von
Jean-Jacques Beineix' Beziehungsdrama
Betty Blue – 37,2 Grad am Morgen, der 1987 (offizielle Zählung 1986) für den
Oscar als
Beste fremdsprachige Produktion nominiert werden sollte. Nach der 80-minütigen Dokumentation
Le Grand cirque (1989), bei der er Regie führte, war Delbonnel 1991 als Kamera-Assistent an den Dreharbeiten von
François Dupeyrons Drama
Un coeur qui bat beteiligt.
Zusammenarbeit mit Jean-Pierre Jeunet
Nach zehn Jahren als erfahrener Kamera-Assistent im Film sah sich Bruno Delbonnel bereit dafür seine eigenen Ideen in der Kameraführung und dem Einsetzen von Licht umzusetzen. 1993 arbeitete Delbonnel zum ersten Mal als Kameramann an Vincent Monnets 14-minütigen Kurzfilm
Jour de fauche. Im selben Jahr folgte ein Engagement als Kameramann für
Jean-Jacques Zilbermanns semiautobiografische Komödie
Tout le monde n'a pas eu la chance d'avoir des parents communistes, die von der Kritik gelobt wurde. In den kommenden Jahren wechselte sich die Arbeit an einem
Low-Budget-Film pro Jahr mit Delbonnels Arbeit in der Werbebranche ab, in der als Kameramann ebenso experimentieren konnte. Der große Erfolg in Frankreich sowie auch international sollte erst 2001 folgen, als er mit Jean-Pierre Jeunet an dem Film
Die fabelhafte Welt der Amélie zusammen arbeitete. Ursprünglich als Ersatzmann für
Darius Khondji gewonnen, bereitete er sich drei Monate lang mit Jeunet auf die Dreharbeiten für den Film vor, der über eine junge Kellnerin (gespielt von
Audrey Tautou) handelt, die versucht das Leben ihrer Mitmenschen im Pariser Viertel
Montmartre zu verbessern. Die in Gold- und Grüntönen gehaltenen märchenhaften Bilder, die Delbonnel durch die Technik des
Digital Timings schuf, trugen zum Erfolg des Films bei, der in der Gunst des Publikums und der Kritiker stand und weltweit bei geschätzten 11,4 Millionen Euro Produktionskosten 140 Millionen US-Dollar einspielte.
Die fabelhafte Welt der Amélie gewann 49 internationale Filmpreise, darunter den französischen
César als
Bester Film des Jahres, zwei britische
BAFTA-Awards und fünf Oscar-Nominierungen. Delbonnel selbst erhielt den
Europäischen Filmpreis, sowie Nominierungen für den César, Oscar, BAFTA-Award und den Preis der
American Society of Cinematographers.
Nach der Arbeit mit Peter Bogdanovich (The Cat's Meow, 2001) und Cédric Klapisch (Not For, Not Against – Es gibt kein zurück, 2003) arbeite Delbonnel erneut mit Jean-Pierre Jeunet zusammen an dem Kriegsdrama Mathilde – Eine große Liebe, der wieder mit Audrey Tautou in der Hauptrolle besetzt wurde. Mit 47 Millionen Euro eine der teuersten europäischen Produktionen in der Filmgeschichte, gelang es Jeunet erneut das Lob der Kritiker zu erhalten, jedoch nicht den großen finanziellen Erfolg seines Vorgängerfilms zu wiederholen. Bruno Delbonnel gewann für die im Vergleich zu Die fabelhafte Welt der Amélie düsteren Bilder des Ersten Weltkriegs den César und den Preis der American Society of Cinematographers. Hatte Delbonnel bei der Oscarverleihung drei Jahre zuvor noch gegenüber dem Australier Andrew Lesnie ( Die Gefährten (Film)) das Nachsehen gehabt, musste er sich bei der Oscarverleihung 2005 (offizielle Zählung 2004) dem US-Amerikaner Robert Richardson geschlagen geben, der für Martin Scorseses Howard-Hughes-Biografie Aviator den Academy Award erhielt.
Nach der erfolgreichen Zusammenarbeit mit Jean-Pierre Jeunet trat Bruno Delbonnel erst 2006 wieder als Kameramann an dem Projekt Paris je t'aime in Erscheinung. In dem Kompilationsfilm nehmen sich vierundzwanzig internationale Regisseure, darunter Tom Tykwer, Gus Van Sant und Walter Salles, zwanzig Liebesgeschichten an, die in den zwanzig verschiedenen Arrondissements der französischen Hauptstadt angesiedelt sind. 2006 ging Delbonnel in die USA und arbeitete gemeinsam mit Regisseur Douglas McGrath an dem Film Infamous, der sich wie schon Bennett Millers Capote (2005) der legendären Recherche-Arbeit Truman Capotes für sein Buch Kaltblütig annimmt. Im selben Jahr war der Franzose für die Bilder von Julie Taymors Musical Across the Universe zuständig. Nach dem bosnischen Film Prvi put s ocem na izbore soll 2007 eine erneute Zusammenarbeit mit Jean-Pierre Jeunet folgen. In dem US-amerikanischen Film Life of Pi erzählt Jeunet, basierend auf dem erfolgreichen Roman von Yann Martel, die Geschichte eines indischen Jungen, Sohn eines Zoobesitzers, der eine Schiffskatastrophe überlebt und sich mit einer Hyäne, einem Orang-Utan, einem Zebra und einem 450 Pfund schweren Bengaltiger in einem Rettungsboot auf dem Pazifik wiederfindet. Delbonnel selbst spricht von Filmen als „Reflektionen unseres Lebens“ (Original-Ton: „reflections of our lives“). „Sie sind eine andere Art von Literatur, die uns erlaubt Menschen zu berühren, sie zum Nachdenken anzuregen und unsere Welt besser zu verstehen“ („They are another form of literature that allows us to touch people and make them think and better understand our world“), so der Kameramann.
Filmografie (Auswahl)
- 1993 - Jour de fauche (Kurzfilm)
- 1993 - Tout le monde n'a pas eu la chance d'avoir des parents communistes
- 1996 - C'est jamais loin
- 1996 - Regarde-moi (Kurzfilm)
- 1999 - Chambre n° 13 (TV-Serie, Segment Chair en vie)
- 2000 - Raveparty (Marie, Nonna, la vierge et moi)
- 2001 - Die fabelhafte Welt der Amélie (Le Fabuleux destin d'Amélie Poulain)
- 2001 - The Cat's Meow
- 2003 - Not For, Not Against – Es gibt kein zurück (Ni pour, ni contre (bien au contraire))
- 2004 - Mathilde – Eine große Liebe (Un long dimanche de fiançailles)
- 2006 - Paris, je t'aime
- 2006 - Infamous
- 2006 - Across the Universe
- 2006 - Prvi put s ocem na izbore
- 2007 - Life of Pi
Auszeichnungen
- 2001 - nominiert in der Kategorie Beste Kamera für Die fabelhafte Welt der Amélie
- 2004 - nominiert in der Kategorie Beste Kamera für Mathilde – Eine große Liebe
- 2002 - nominiert in der Kategorie Beste Kamera für Die fabelhafte Welt der Amélie
- 2002 - nominiert in der Kategorie Beste Kamera für Die fabelhafte Welt der Amélie
- 2005 - Beste Kamera für Mathilde – Eine große Liebe
- 2001 - Bester Kamera für Die fabelhafte Welt der Amélie
- 2005 - nominiert in der Kategorie Beste Kamera für Mathilde – Eine große Liebe
Weitere
American Society of Cinematographers
- 2002 - nominiert in der Kategorie Beste Kamera für Die fabelhafte Welt der Amélie
- 2005 - Beste Kamera für Mathilde – Eine große Liebe
Satellite Awards
- 2005 - nominiert in der Kategorie Beste Kamera für Mathilde – Eine große Liebe
Weblinks
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