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Die Nuraghenkultur der Bronzezeit errichtete auf Sardinien Heiligtümer an Brunnen- bzw. Quellen, deren ital. Bezeichnung "Pozzo sacro" lautet. Wie die meisten Inseln des Mittelmeeres litt Sardinen in der Vorzeit zumindest zeitweise unter Wasserarmut, einige der mediterranen Inseln tun dies noch heute. Daraus entstand im mediterranen Raum ein Wasserkult, der (zum Teil bis heute) den Glauben an die Heilkraft mancher Brunnen und Heiliger Quellen einschließt.

Sardinien


Auf Sardinien sind etwa 50 solcher Wasserkult-Orte bekannt. Die Heiligtümer geben sich, durch gefundene Votivgaben, primär als Orte des Fertilitätskultes zu erkennen. Ihre bauliche Gestaltung ist relativ einheitlich. Von einem für kultischen Handlungen genutzten Vorraum führen zwischen 5 und 25 Stufen zum Wasser, oder wie im Falle von Funtana Coberta, Is Pirois und Kukkuru Nuraxi zu einer tieferliegenden (bzw. völlig unterirdischen) Tholos, von der aus man das Wasser aus den bis 15 m tieferen Brunnenschächten schöpfen konnte. Einen brunnenartigen Unterbau, dessen Bestimmung allerdings ungeklärt ist, hat auch der archaische Nuraghe Is Paras. Bei den Quellheiligtümern Su Lumarzu und Su Tempiesu) gibt es eine etwas veränderte, aber ähnliche Architektur.

Zu den besterhaltenen bzw. größeren Brunnenanlagen gehören: Sa Testa und Milis bei Olbia, Predio Canopoli bei Perfugas, das Hypogeum San Salvatore bei Cabras, Santa Cristina bei Paulilatino, Santa Vittoria bei Serri und Serra Niedda bei Sorso. Dass einige Anlagen moderne Namen tragen, belegt die Fortdauer des Wasserkultes in christlichem Gewand. Ein fein gearbeiteter, aber völlig andersartiger Brunnen und ein Rundtempel (Capanna circolare) liegt am Nuraghen Noddule bei Bitti.

Portugal


In Portugal heißen eisenzeitlich Bauten in Megalithtechnik, die für Wasser- bzw. Brunnenheiligtümer angesehen werden Pedra Formosa und sind in einigen baulichen Details in gewisser Weise den Portalstellen der sardischen Gigantengräbern ähnlich. Pedra Formosa bedeutet schöner Stein. Das Heiligtum besteht aus Kammern und Wasserbecken. Bekannt sind die Pedra Formosa von Briteiros (von F. Martins Sarmento im 19. Jh ergraben), Sanfins (beide als Höhenkultplatz) sowie das besonders schön verzierte Famalicao, Freixo und Santa Maria de Galegos.

Sonstige


In Großbritannien und Irland ersetzen Heilige Quellen und Seen die Baulichkeiten des mediterranen Wasserkultes. Auf den trockenen schwedischen Inseln Gotland (Bro Opferquelle) und Öland (St. Elufs Källa) sind ebenfalls Anzeichen für einen ausgeprägteren Wasserkult zu finden, der in etwas schwächere Form auch in Mitteleuropa nachweisbar ist. So könnten die zirkumalpinen Pfahlbauten und die italienischen Terramaren in der Poebene Anlagen eines Wasserkultes sein, der auch von den Etruskern überliefert ist.

In Amerika werden besonders die Maya und Nasca-Kultur mit Wasser- oder Brunnenkulten (Cenote) in Verbindung gebracht.

Literatur


  • Paolo Melis: Nuraghenkultur 2003. ISBN 88-7138-276-5
  • Juergen E. Walkowitz: Das Megalithsyndrom. 2003. ISBN 3-930036-70-3

Kultbau | Architekturgeschichte | Brunnen | Sardinien (Geschichte und Kultur) | Archäologischer Fachbegriff

 

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