Bruce Grobbelaar (* 6. Oktober 1957 in Durban, Südafrika) ist ein ehemaliger simbabwischer Fußballtorwart und war während seiner aktiven Laufbahn dabei sowohl für die simbabwische Nationalmannschaft als auch für zahlreiche englische Profivereine - dabei vor allem langjährig für den FC Liverpool - aktiv.
Während seiner Liverpooler Zeit zwischen 1981 und 1994 stand er bei 627 Spielen für seine Mannschaft zwischen den Pfosten und war dabei für seinen exzentrischen und extravaganten Stil bekannt. Beim Endspiel des Jahres 1984 im Europapokal der Landesmeister, das nach Verlängerung gegen den AS Rom 1:1 endete, war er der Sieger im anschließenden spektakulären Elfmeterschießen. Als Bruno Conti zur Ausführung seines Strafstoßes antrat, lächelte Grobbelaar selbstbewusst und etwas provokativ in die hinter dem Tor platzierten Kameras und biss dabei in das Tornetz, um damit das Essen von Spaghetti zu imitieren. Conti schoss den Elfmeter über die Querlatte des Tors. Ähnlich verhielt sich Grobbelaar dann beim Elfmeter von Francesco Graziani, als er stark mit seinen Beinen wackelte und auch Graziani damit dazu brachte, zu verschießen. Liverpool gewann das Elfmeterschießen somit mit 4:2 und Grobbelaar wurde zum ersten Afrikaner, der den wichtigen europäischen Vereinstitel gewinnen konnte.
Obwohl Grobbelaar häufig für seine kontroversen Darbietungen kritisiert wurde, hielten mit Bob Paisley, Joe Fagan und Kenny Dalglish drei der wohl besten Liverpooler Trainer in insgesamt dreizehn Jahren an ihm fest. Abgesehen von dem Hang zum Showbusiness stuften sie ihn als einen der leistungsstärksten Torhüter seiner Generation ein. Grobbelaar selbst verteidigte seine Exzentrizität dadurch, dass er im simbabwischen Bürgerkrieg gekämpft hatte und er dadurch die Bedeutung des Fußballs allgemein als vergleichsweise gering betrachtete. Zu seinen Stärken zählten die überdurchschnittliche - fast schon einem Turner gleich zu setzende - Beweglichkeit und ein großes Selbstbewusstsein, das auch bei Fehlern während eines Spiels nicht sichtbar gemindert wurde. Er war zudem berüchtigt für seine lautstarken Anweisungen an die Abwehrspieler, falls diese dem Gegner eine unnötig leichte Torchance ermöglichten. Ein Höhepunkt war dabei sein verbaler Angriff auf seinen Mitspieler Jim Beglin während des FA Cup-Endspiels im Jahre 1986. Er gewann mit Liverpool mehr Titel als jeder andere Spieler seines Alters und ist mit Ray Clemence der mutmaßlich renommierteste Liverpooler Torhüter aller Zeiten.
Trotz gelegentlicher Konkurrenz um die Stammtorhüterposition und kurzer Verletzungs- bzw. Krankheitsphasen - vor allem eine Meningitis, die ihn für etwa die Hälfte des Saison 1988/89 zu einer Pause zwang - war Grobbelaar bis zum Ende der 1980er-Jahre Liverpools Stammtorhüter. Erst die Verpflichtung von David James im Sommer 1992 leitete das Ende der „Ära Grobbelaar“ ein. Obwohl James zunächst nicht überzeugen konnte, sorgte Grobbelaar durch seine häufigen Abstellungen für die simbabwische Nationalmannschaft dafür, dass James zahlreiche weitere Chancen erhielt, die dieser dann auch immer besser nutzen konnte. In der Saison 1992/93 kam Grobbelaar beim FC Liverpool nur noch zu sechs Einsätzen und wurde sogar kurzzeitig an Stoke City ausgeliehen. Durch die weiter wechselhaften Leistungen von James konnte sich Grobbelaar wieder in die Liverpooler Mannschaft zurück spielen. Er spielte jedoch - wie auch die gesamte Mannschaft in der Saison 1993/94 - sehr durchwachsen und verletzte sich am 28. Februar 1994 in der letzten Minute beim 0:2 gegen Leeds United. Dieses Spiel sollte dann auch Grobbelaars letztes Spiel für den FC Liverpool bleiben.
Er plädierte auf „Nicht schuldig“ und gab an, er hätte nur Beweise gesammelt, die er dann später der Polizei übermittelt hätte. Nach zwei aufeinander folgenden Gerichtsverfahren, in denen sich die Jury nicht auf ein Urteil einigen konnten, wurde er mit seinen Mitangeklagten im November 1997 frei gesprochen. Später verklagte Grobbelaar die Sun auf Verleumdung und bekam 85.000 Pfund zugesprochen. Die Sun legte dagegen Berufung ein und der Fall wurde an das House of Lords verwiesen, wo festgestellt wurde, dass, obwohl die ursprünglichen Vorwürfe nicht belegt worden waren, hinreichende Beweise für die Unehrlichkeit Grobbelaars vorlagen. Die im Verleumdungsprozess zugesprochene Schadensersatzsumme wurde auf die im englischen Recht geringste mögliche Summe von nur einem Pfund reduziert. Zudem wurde Grobbelaar dazu verurteilt, der Sun Gerichtskosten in Höhe von 500.000 Pfund zu erstatten. In seinem Urteil erklärte Lord Bingham of Cornhill dazu:
Grobbelaar war nicht in der Lage, die Summe aufzubringen und erklärte sich Bankrott. Er zog zurück nach Südafrika und trainierte eine Reihe von Mannschaften mit unterschiedlichem Erfolg. Nach eigener Aussage hofft er weiterhin darauf, dass er „eines Tages nach Anfield als Trainer des FC Liverpool zurückkehre“, aber seine weiterhin offenen Schulden als auch sein beschädigter Ruf aufgrund der Spielmanipulationsvorwürfe lassen diesen Wunsch unrealistisch erscheinen.
Fußballspieler (Simbabwe) | Fußballtorhüter | Fußballtrainer | Simbabwer | Mann | Geboren 1957
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