Brooklands war eine englische Renn- und Teststrecke in Surrey, die als erste nur für Wettbewerbe erbaute Rennstrecke der Welt auf eine lange Tradition seit 1907 verweisen kann.
Auf dem Gelände unterhält DaimlerChrysler heutzutage eine Testanlage. Die Reste der Rennstrecke werden von der Historischen Gesellschaft unter dem Vorsitz u. a. von Stirling Moss unterhalten.
Relativ rasch hatte er sich ein in Betracht kommendes Grundstück ausgewählt, welches in der Nähe der Weybridge High Street, Surrey und einer Biegung des River Wey lag. Den Namen hatte der Kurs durch einen Lord des 12. Jahrhunderts, Robert de Brok, erhalten, dessen Besitzungen von Heinrich als Jagdgründe genutzt wurden. Seit 1830 war das Gebiet im Besitz von Peter King, dem siebten Baron von Ockham, als dessen Sohn Hugh Locke-King über dieses Gebiet verfügen konnte.
Auf dem Terrain, das wie ein natürliches Amphitheater aussah, ließ er in der Form eines 5,23 km langen ovalen Rundkurses mit zwei überhöhten Kurven, der in den 1930er-Jahren um weitere flache Straßen im Innenraum ergänzt wurde, die erste zweckgebundene Rennstrecke der Welt bauen. Aus seinem Privatvermögen investierte er 150.000 Pfund. Letztendlich waren 2000 Arbeiter mit dem Bau beschäftigt.
Die unternehmungslustige Gattin des Gründers, Ethel Locke-King, donnerte in ihrem riesigen Itala mit der damals sagenhaften Geschwindigkeit von 90 mph über die erhöhten Kurven -- das damalige öffentliche Geschwindigkeitslimit lag bei nur 20 Meilen (32km/h).
Die Gottlieb Daimler Memorial Plate wurde ausgelobt – ein Daimler gewann mit fast einer Runde Vorsprung. Beim Montague Cup am gleichen Tag fuhr ein Mercedes 120 PS als Erster über die Ziellinie; eine offizielle Zeit gab es nicht, aber man vermutete eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 132 km/h (82 Meilen pro Stunde).
5.000 Sitzplätze waren vorhanden, der Raum für Stehplätze wird auf 250.000 Stück geschätzt. Entlang der Strecke gab es sieben Ausweichbuchten, und alle 275 Meter standen Streckenposten-Hütten, die über elektrische Glocken und Telefon miteinander verbunden waren. Die Boxenanlage befand sich auf der kursinneren Seite der Zielgeraden, dort waren auch das repräsentative Clubhaus und Büros. Fahrzeuge gelangen auf den Kurs durch einen Tunnel unterhalb des Members Banking und eine Straße Richtung Boxenanlage. Besucher kamen zu Fuß durch mehrere Drehkreuze hinein.
Eine Änderung in Brooklands passierte 1909 mit dem Bau des „Test Hill“. An dem Hügel konnten die Autohersteller die Steigfähigkeit und die Bremsen ihrer Fahrzeuge testen. Die schmale Betonfahrbahn lief über 107 Meter in unterschiedlichen Steigungsgraden von 1:4 bis 1:8, die durchschnittliche Steigung betrug 1:5.
Eine sehr wichtige Ergänzung war 1937 der „Campbell Circuit“. Er zweigte auf der Railway Straight von der Hauptstrecke ab und führte über eine kurvenreiche Strecke im Innern des Ovals, bis er auf die Zielgerade traf. Der Campbell Circuit Brooklands’ war Antwort auf die Konkurrenz im eigenen Land: 1933 wird die Rennstrecke Donington Park eröffnet, 1937 ein Kurs am Crystal Palace.
Brooklands_1930.jpg Mitte der 1930er-Jahre hatte die alte Strecke jedoch ihren Zenit überschritten. Der Beton wies grobe Risse und Verwerfungen auf, die Wagen machten große Sprünge und wurden über Gebühr strapaziert, die Unfallgefahr war zu groß.
Die modernen Monoposto-Wagen erreichten zudem auch auf normalen Strecken enorme Geschwindigkeiten, das überhöhte Oval in Brooklands war dafür nicht mehr notwendig sondern eher hinderlich.
Mit Donington Park, in der Nähe von Derby, und Crystal Palace, London, traten modernere Rennstrecken in den Wettbewerb, so dass Brooklands ins Hintertreffen geriet.
Viele britische Nachwuchspiloten wie Mike Hawthorn, Peter Whitehead, Roy Salvadori oder Ken Wharton verdienten sich hier ihre ersten Meriten.
Im und nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Anlage nur noch von der Flugzeugindustrie (Vickers) genutzt. Die Oval-Strecke wurde an mehreren Stellen zerstört um große Zufahrtswege zu ermöglichen.
Eine Mercedes-Benz World soll dort 2006 eröffnet werden.
1907 unternahm Alliot Verdon Roe dort die ersten Versuche mit seinen Flugmaschinen, die später unter dem Firmennamen Avro bekannt wurden. Die regelrechte Luftfahrtgeschichte in Brooklands begann mit dem Ersten Weltkrieg. Noch bevor der Staat das Gelände requirierte, stellte Locke-King es bei Kriegsbeginn 1914 der Landesverteidigung zur Verfügung, und es entstand das erste Aerodrom des Landes. Verschiedene Flugzeuge wurden hier ausprobiert. Brooklands kann getrost als wichtigster Ort der Flugzeugfertigung während des Ersten Weltkriegs bezeichnet werden. 1915 siedelte sich das erste Unternehmen der Luftfahrtgeschichte an: Vickers Ltd. baute eine Flugzeugfertigung auf. Dazu wurden Hangars hochgezogen, direkt entlang der Rennstrecke. Die großen weißen Lettern „Vickers Ltd. – Brooklands“ auf den Hangarrückwänden sind auf vielen späteren Rennfotos zu sehen. Diese „Wand“ offenbarte bei den Autorennen nach dem Ersten Weltkrieg übrigens die Tücken der Aerodynamik: Die Fahrer mussten mit dem entstehenden Sog bei der schnellen Vorbeifahrt zurechtkommen.
Bis zum Zweiten Weltkrieg war die Landebahn auch der zivilen Luftfahrt gewidmet. Nachdem es die erste Flugschule dort bereits 1910 gab, wurden weitere eröffnet. Rundflüge wurden angeboten, der Brooklands Flying Club gegründet. Weitere Flugzeughersteller siedelten sich an. Während des Zweiten Weltkriegs waren die beiden Flugzeughersteller Vickers-Armstrong und Hawker Alleinnutzer des gesamten Geländes, um militärisches Fluggerät zu bauen. Dazu wurde die vorhandene Startbahn ausgebaut und die Fertigung ausgeweitet. Verschiedene Baumaßnahmen und Bombenschäden griffen tief in die Rennstrecke ein – sie wurde nach dem Weltkrieg nicht mehr für Autorennen genutzt.
Bei Vickers-Armstrong entstand während des Zweiten Weltkriegs auch die „Boucing Bomb“, eine Spezialbombe zur Zerstörung von Staudämmen, die auf der Wasseroberfläche bis zum Damm sprang, dort herabsank und in der Tiefe des Wassers zündete. Am 16. Mai 1943 brach die britische Luftwaffe damit die Möhnetalsperre in Deutschland auf. Aus einer Bresche von 77 Meter Breite und 22 Meter Tiefe ergossen sich mehr als 110 Millionen Kubikmeter Wasser ins Tal. Mehr als 1000 Menschen kamen um; die Industrie hingegen wurde nicht so stark beeinträchtigt, wie von den Engländern geplant. Wegen der hohen Opferzahl in der Zivilbevölkerung wurde das Projekt „Bouncing Bomb“ eingestellt.
1946 kaufte Vickers-Armstrong das Gelände für 330 000 Pfund, und Brooklands behielt seine Stellung als führender Ort der Flugzeugfertigung in Großbritannien. Die Vickers Viking aus dem Jahr 1945 war das erste Flugzeug einer erfolgreichen Familie großer ziviler und militärischer Flugzeuge. Beispielsweise entstanden dort die Düsenflugzeuge Valiant und VC10. Vickers-Armstrong erweiterte seine Fertigungshallen über die Jahre beträchtlich, sie gingen an die spätere British Aerospace über. Die Fertigung und damit die Fabrik wurden 1987 geschlossen.
Die sehenswerte Luftfahrt-Bilanz von Brooklands: Neben allen Aktivitäten siedelten sich über die Jahre bekannte Unternehmen an, beispielsweise Avro, BAC, Bleriot, Bristol, British Aerospace, Hawker, Sopwith und Vickers-Armstrong. Etwa 18 000 Flugzeuge in 250 verschiedenen Typen wurden dort gefertigt und sind in Brooklands erstmalig geflogen.
Werksfahrer Victor Héméry präsentierte den Benz 200 PS (Blitzen-Benz) am 8. November 1909 in Brooklands und stellte einen neuen Landgeschwindigkeitsrekord auf. Mit fliegendem Start erreichte er über eine Meile eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 205,7 km/h, durchbrach damit erstmals in Europa die magische Marke von 200 km/h.
L. G. „Cupid“ Hornsted übertraf am 22. Dezember 1913 in Brooklands den Rekord von Héméry und setzte mit 118,4 km/h einen neuen Bestwert über den stehenden Kilometer. Am 14. Januar 1914 stellte er sieben neue Rekorde auf. Das höchste Mittel aus Hin- und Rückfahrt erzielte er dabei über eine halbe Meile mit fliegendem Start. Hierbei erreichte der Wagen 199,3 km/h.
Am 24. Juni 1914 trat Hornsted erneut an, mit Erfolg: Der Weltrekord für eine Meile mit fliegendem Start stand nun bei 199,71 km/h. Seine Höchstgeschwindigkeit von 206,25 km/h stellte nicht nur einen neuen Klassenrekord dar, sondern war auch die bis dato höchste Geschwindigkeit, die in Brooklands gemessen wurde.
Zu einiger Berühmtheit gelangte 1921 ein besonderes Fahrzeug: Graf Louis Vorow Zborowski brachte seinen „Chitty Chitty Bang Bang“ nach Brooklands. Auf ein Vorkriegs-Chassis von Mercedes ließ er einen Maybach-Flugmotor mit rund 23 Liter Hubraum montieren, der ungefähr 300 PS entwickelte. Der Auspuff bestand im Wesentlichen aus einem armdicken Rohr. Chitty I, wie es auch hieß, erfuhr noch einige Änderungen, bis es 1922 mit 182,58 km/h seine schnellste Runde fuhr. Chitty I war in Brooklands das erste Ungetüm auf Rädern mit einem Flugzeugmotor, und die nächsten Jahre sollten noch einige davon bringen. Beispielsweise den Napier-Railton mit einem Napier-Lion-Motor, der 12 Zylinder, einen Hubraum von fast 24 Liter und eine Leistung von rund 500 BHP hatte. Auf ihm brach John Cobb um Ostern 1934 zunächst den Rundenrekord mit 216,79 km/h, um dann mit 230,84 km/h einen Rekord zu setzen, der in Brooklands nicht mehr übertroffen wurde.
Aber nicht nur Automobile fuhren auf dieser Rennstrecke Rekorde. Es gab auch Motorräder. So zum Beispiel fuhr der Engländer Nott mit einer Rudge 500 cm³ 1930 den Stundenrekord von 170,38 km/h.
| 1906: | - Hugh Fortescue Locke-King beschloss, eine Auto- und Motorradrennstrecke zu bauen. Sie erhielt den Namen Brooklands |
|---|---|
| 1907 | - 17. Juni: Eröffnung. Die Gesamtlänge der Rennstrecke betrug 5,2 Kilometer (3,25 Meilen), sie enthielt zwei Steilkurven, jeweils verbunden von Geraden. Es gab 5000 Sitz- und 250 000 Stehplätze |
| 1909 | - Der Test Hill entstand, damit Fahrzeughersteller die Steigfähigkeit und die Bremsen ihrer Produkte erproben konnten |
| 1914 bis 1918 | Der Autorennsport kam durch den Ersten Weltkrieg zum Erliegen. Das Gelände wurde für die Flugzeugherstellung und Erprobung genutzt |
| 1922 | „Chitty Chitty Bang Bang“, ein Rekordfahrzeug mit einem Maybach-Flugzeugmotor, fuhr 182,58 km/h (113,45 Meilen pro Stunde) |
| 1924 | Der „Brooklands Silencer“, ein spezieller Schalldämpfer, war die Antwort auf Lärmproteste von Anwohnern an der Rennstrecke |
| 1934 | John Cobb erreichte auf einem Napier-Railton zunächst 216,79 km/h (134,71 Meilen pro Stunde), schließlich 230,84 km/h (143,44 Meilen pro Stunde). Diese Rekordmarke wurde in Brooklands nicht mehr überboten. Das Fahrzeug befindet sich heute im Brooklands Museum |
| 1937 | Der Campbell Circuit entstand, ein kurvenreicher Kurs im Innern des Ovals, um Rennveranstaltungen zu neuer Attraktivität zu verhelfen |
| 1938 | Letzte volle Rennsaison in Brooklands |
| 1939 | 7. August: Letztes Rennen in Brooklands |
| bis 1945 | Die Flugzeugproduktion wurde wegen des Zweiten Weltkrieges in Brooklands deutlich erhöht. Dazu entstanden Gebäude, begleitet von weiteren Baumaßnahmen |
| 1946 | - Januar: Der Entschluss, das Gelände an den Flugzeughersteller Vickers-Armstrong zu verkaufen, fiel |
| 1987 | Das Brooklands Museum entstand. Es ist dem Gesamterbe verpflichtet und zeigt die Auto- und Motorradgeschichte, aber auch die Luftfahrthistorie |
| 2005 | DaimlerChrysler baut in Brooklands ein Brand Center für die Marken Mercedes-Benz, Maybach und Smart |
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Brooklands".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world