Die Bronzezeit ist die Periode in der Geschichte der Menschheit, in der Metallgegenstände vorherrschend aus Bronze hergestellt wurden. Diese Epoche umfasst den Zeitraum zwischen dem Ende des 3. Jahrtausend v. Chr. und dem Beginn des 1. Jahrtausend v. Chr.
Die Bronzezeit ist die mittlere Stufe des von Christian Jürgensen Thomsen entwickelten Dreiperiodensystems, welches die Ur- oder Vorgeschichte in die Steinzeit, die Bronzezeit und die Eisenzeit unterteilt. Diese Dreiteilung nach dem verwendeten Werkstoff ist weitgehend auf Europa, Asien und Nordafrika beschränkt.
Die Wurzeln der Bronzezeit liegen in der Jungsteinzeit, welche in ihrem jüngeren Zeitabschnitten teilweise bereits den erstmaligen Gebrauch von Metall, genauer Gegenstände aus reinem Kupfer geprägt war, so dass auch von der Kupferzeit oder dem Chalkolithikum in der Übergangszeit gesprochen wird.
Forschungsgeschichtlich bedingt fand die Entdeckung und Erforschung der Bronzezeit hauptsächlich in Europa und Vorderasien statt, Abgrenzung, Begriffsbildung zu einzelnen Kulturen, Terminologie und detaillierte Untersuchungen haben entsprechend in dieser Region auch ihren Schwerpunkt. Diesen Effekt findet man analog auch bei der steinzeitlichen Forschungsgeschichte.
Der Hauptunterschied zwischen den europäischen und vorderasiatischen Bronzezeitkulturen stellt die Entwicklung der ersten Schriften dar. In Ägypten (Hieroglyphen), im Vorderen Orient (Keilschrift), aber auch am Mittelmeer mit der mykenischen Kultur (Linearschrift B) war man teilweise bereits fähig zu lesen und zu schreiben. Die archäologischen Befunde können somit erstmals mit Schriftquellen ergänzt, korrigiert und bewertet werden.
Bereits hieran lässt sich erkennen, dass die Bronzezeit keine einheitliche Entwicklungsstufe darstellt. Es ergeben sich vielmehr eine Vielzahl archäologischer Kulturen und gebietsabhängige Gliederungen der Bronzezeit.
Vorderasien gilt als Ausgangspunkt der europäischen Bronzetechnologie. Von dort aus wurde das neue Material und auch das notwendige Know-How exportiert. In Ägypten kann die Bronzeherstellung bereits um 3500 v. Chr. nachgewiesen werden.
Im späten dritten Jahrtausend v. Chr. entwickelten sich mehrerer Siedlungen zu zentralen Orten des Handwerks und Handels und bildeten eine wirtschaftlich dominierende Oberschicht aus. Diese Oberschichten entwickeln sich im Laufe der Jahre hin zu monarchischen Herrschaftsformen. Bezeichnend hierfür ist die Minoische Palastkultur, welche sich bald auf das griechische Festland übertrug.
Gemeinhin wird die mitteleuropäische Bronzezeit unterteilt in:
Der Forscher Paul Reinecke (1872-1958) unterteilte die Bronzezeit in die Stufen Bz A-D und (Hallstatt) Ha A-B. Dieses Grundgerüst wird vor allem in Süddeutschland angewandt.
Die bedeutendste Gruppe der Frühbronzezeit stellt die Aunjetitzer Kultur dar. Sie findet sich sowohl in Mitteldeutschland, als auch in Böhmen, Mähren, Niederösterreich (nördlich der Donau), Südwestslowakei und Westpolen. Ein weiteres Kulturzentrum stellt die Wessex-Kultur Südenglands dar.
Weitere Gruppen mit eher lokaler Bedeutung sind:
Weitere Gruppen der Mittleren Bronzezeit sind:
Weitere Kulturen der Jüngeren Bronzezeit:
In Mitteleuropa sind reine Steinhäuser unbekannt, jedoch sind einige Häuser bereits auf Steinfundamenten errichtet worden. Das Wohngebäude wird von Grubenhäusern begleitet. Am Ende der Bronzezeit kann in Südbayern ein neuer Siedlungstyp beobachtet werden: das befestigte Einzelgehöft, welches als Vorläufer der eisenzeitlichen Herrenhöfe angesehen wird.
Im Mittelmeergebiet und Vorderasien existieren zur selben Zeit bereits Hochkulturen. Erste Stadtstaaten (Uruk) datieren hier ab 3500, Grossreiche (Akkad) ab 2300 v. Chr. Viele Bereiche sind bereits urbanisiert. Häufig werden Steinbauten errichtet, insbesondere auch für Kultbauten (Tempel, Pyramiden etc.).
Der Bronzeherstellung führte zu einem deutlichen Anstieg der Kupferproduktion, welche vor allem auf verbesserte Verhüttungstechniken zurückzuführen ist. Dies hatte eine effektivere Ausnutzung der Lagerstätten zur Folge. Im 2. Jahrtausend v. Chr. entwickelte sich im Ostalpenraum eine blühende Kupferindustrie, die ihren Höhepunkt in der Mittleren und Späten Bronzezeit erreichte. Die Jahresproduktion der Kupfermine Mittenberg (Salzburg) betrug in der Mittleren Bronzezeit beispielsweise ca. 10 Tonnen. Für deren Schmelze wurden je Tonne Metall etwa 300 bis 500 Kubikmeter Holzkohle, d.h. etwa 2 ha Wald, benötigt.
Die Nachfrage nach dem sehr seltenen Zinn führte zu einer erheblichen Ausweitung der Austauschsysteme und verlieh dem Handelswesen eine nahezu „globale“ Dimension.
Aus der Frühzeit der Bronzeverarbeitung lässt sich eventuell im Zusammenhang mit dem Bergbau die Entstehung des Zwergenmythos erklären.
Der Fund eines spätbronzezeitlichen Handelsschiffes (Schiff von Uluburun) beweist eindrucksvoll die Mannigfaltigkeit der Waren, welche über weite Distanzen gehandelt wurden. Es steht fest, dass ein weitgespanntes Handelsnetz existierte, das Waren aus allen bekannten Weltgegenden verfügbar machte - für den, der sie sich leisten konnte.
Dabei dienten Bronze-/Kupferbarren in bestimmten Gewichtseinheiten in dieser noch geldlosen Zeit sowohl als wertvolles Handelsgut, als auch als Zahlungsmittel.
Zahlreiche Kleidungsstücke sind aus Nordeuropa bekannt, wo die Toten in Baumsärgen bestattet wurden. Eine Neuerung der Bronzezeit stellt das Schwert dar.
Eine Besonderheit der bronzezeitlichen Kulturentwicklung stellen die Goldhüte dar. Erhalten blieben nur die wahrscheinlich auf organischem und vergangenem Material aufgetragenen dünn ausgetriebenen Goldbleche. Nur vier erhaltenen Exemplare sind in Europa gefunden worden. Gedeutet werden die Goldhüte als Insignien eines Sonnenkultes, wahrscheinlich auch mit einer kalendarischen Funktion. Die erhaltenen Exemplare stammen aus der Zeit um 1.400 – 1.300 v. Chr. und um 1.000 – 800 v. Chr.
Siehe dazu auch: Berliner Goldhut, Goldener Hut von Schifferstadt und Goldblechkegel von Ezelsdorf-Buch sowie der Cone d' Avanton
In Norddeutschland und Skandinavien wird die Bronzezeit nach dem von Oscar Montelius (1843-1921) erstellten System in die Perioden I-VI unterteilt und als Nordische Bronzezeit bezeichnet. Sie folgt auf die jungsteinzeitliche Dolchzeit.
Die nordische Bronzezeit setzte erst verzögert ein. Periode I umfasst das Ende Bz A2 und Bz B, ist jedoch noch weitgehend spätneolithisch geprägt. In Nordeuropa wurde Kupfer und Zinn vor allem importiert. Bernstein diente als begehrtes Exportgut und wurde so zum Gold des Nordens.
Die Metallgegenstände des Nordischen Kreises gehören zu den schönsten erhaltenen Produkten der Bronzezeit.
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