British Empire 1921.png Das Britische Imperium oder Britische Reich (engl. British Empire) war die größte Kolonialmacht der Geschichte mit Kolonien auf allen Kontinenten. Die vom Vereinigten Königreich beherrschten Gebiete umfassten im Jahr 1921 ein Gebiet von über 37 Millionen km², etwa ein Viertel der von Land bedeckten Erdoberfläche. Die Gesamtbevölkerung betrug ca. 500 Millionen (rund ein Viertel der damaligen Weltbevölkerung).
Dass Englisch heute die wichtigste Verkehrs- und Handelssprache der Welt ist, ist auf die einstige Bedeutung der Kolonialmacht zurückzuführen. Den Begriff „British Empire“ prägte John Dee, der Astrologe, Alchimist und Mathematiker von Königin Elisabeth I.
Das Imperium erleichterte die Verbreitung der britischen Technologie, des Handels, der englischen Sprache und der Regierungsform über die gesamte Welt. Die imperiale Hegemonie trug entscheidend zum wirtschaftlichen Wachstum bei und unterstrich den Einfluss des Vereinigten Königreichs auf die Politik vieler Länder. Auch als das Empire immer größer und mächtiger wurde, wurden im Mutterland die demokratischen Institutionen ausgebaut und gestärkt.
Aus Sicht der Kolonien ist der Einfluss des Britischen Imperiums eher zwiespältig. Die Kolonien erhielten die englische Sprache, einen administrativen und rechtlichen Rahmen nach britischem Muster sowie technologische und wirtschaftliche Entwicklung. Während der Entkolonialisierung versuchte das Vereinigte Königreich, in den ehemaligen Kolonien die parlamentarische Demokratie und den Rechtsstaat zu etablieren, jedoch mit unterschiedlichem Erfolg. Die meisten Kolonien haben sich dazu entschlossen, dem Commonwealth of Nations beizutreten, einem lockeren Bündnis, das an die Stelle des Imperiums trat.
Die britische Kolonialpolitik diente hauptsächlich dazu, die wirtschaftlichen Interessen des Vereinigten Königreichs durchzusetzen. Während die Kolonien der Auswanderer die Infrastruktur schufen, um eine eigenständige Wirtschaft aufzubauen, wurden die tropischen Territorien in Afrika und Asien lediglich als Rohmateriallieferanten betrachtet und erhielten nur eine minimale Infrastruktur. Noch heute ist die Wirtschaft vieler Entwicklungsländer oft nur von einem einzigen Rohstoff abhängig.
Ein Hauptpfeiler der britischen Kolonialpolitik war es, Konflikte zwischen einzelnen Volksgruppen zu schüren, um sie daran zu hindern, sich gegen die Kolonialmacht aufzulehnen. Diese klassische Teile-und-herrsche-Strategie ist die Ursache für viele Konflikte der heutigen Zeit, so z. B. in Nordirland, Indien, Simbabwe, Sudan, Uganda oder Irak. Ein typisches Beispiel hierfür ist die Mau-Mau-Revolte in Kenia von 1952 bis 1957, als ein kleiner Aufstand sich zu einem blutigen Stammeskrieg entwickelte. Insgesamt wurden 22 Weiße getötet, während es bei den einheimischen Stämmen zwischen 18.000 und 30.000 Opfer gab.
Die Expansion Englands begann mit der Eroberung der Insel Irland (seit 1169) und von Wales (bis 1282). Schottland wurde zwar 1296 erobert, konnte sich jedoch 1314 in der Schlacht von Bannockburn wieder die Unabhängigkeit erkämpfen, die 1328 im Abkommen von Edinburgh und Northampton bestätigt wurde. Die beiden Königreiche sollten erst 1603 wieder durch Personalunion vereinigt werden.
Obwohl die Normandie im Jahre 1204 verloren ging, konnten im Westen Frankreichs durch eine geschickte Heirats- und Erbpolitik weite Gebiete hinzugewonnen werden. Diese gingen jedoch bis 1453 im Hundertjährigen Krieg wieder verloren. Nur die strategisch wichtige Hafenstadt Calais blieb vorläufig in englischem Besitz, fiel aber 1558 ebenfalls endgültig an Frankreich.
Der Einfluss Englands außerhalb Europas wuchs beständig. 1583 segelte Humphrey Gilbert auf den Spuren von John Cabot nach Neufundland und errichtete am 5. August die erste offizielle englische Kolonie namens Saint John's. Sir Walter Raleigh errichtete 1587 die Siedlung Roanoke, die erste Kolonie in Virginia. Diese beiden Kolonien waren jedoch kurzlebig und mussten schon sehr bald, in erster Linie wegen Nahrungsmittelknappheit (da sie es nicht verstanden in diesen Klimazonen Lebensmittel anzubauen), aber auch wegen Unwettern und Schiffsunglücken aufgegeben werden.
Die Zuckerrohr produzierenden Kolonien der Karibik, wo die Sklaverei zur Grundlage der Wirtschaft wurde, waren zunächst die wichtigsten und lukrativsten Kolonien Englands. Die nordamerikanischen Kolonien, die Tabak, Baumwolle, Reis, Holz und Pelze lieferten, waren finanziell gesehen weniger erfolgreich, boten aber gutes Landwirtschaftsland und lockten die meisten englischen Emigranten an.
Die amerikanischen Besitzungen Englands wurden durch Krieg und Kolonialisierung langsam erweitert. England eroberte 1664 die niederländische Kolonie Neu Amsterdam (heute New York). Auf der Suche nach immer mehr Landwirtschaftsland dehnten sich die Kolonien weiter nach Westen aus.
Der Siebenjährige Krieg (1756–1763) zwischen England und Frankreich wurde auch in den Kolonien ausgetragen und dort als Franzosen- und Indianerkrieg bezeichnet. Zwischen 1758 und 1760 eroberten die Briten die wichtigsten französischen Stellungen in den heutigen USA und Kanada und siegten 1759 in der entscheidenden Schlacht auf der Abraham-Ebene bei Québec. Frankreich akzeptierte 1760 den Verlust seiner Besitzungen in Nordamerika; das Louisiana-Territorium westlich des Mississippi zuzüglich New Orleans ging an Spanien, Kanada und das übrige Louisiana-Territorium an England.
Die Weigerung der Siedler in den dreizehn südlichen Kolonien, ohne angemessene Vertretung im Parlament Steuern an Großbritannien abzuliefern, führte zum amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und schließlich zur Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika im Jahre 1783. Die Herrschaft der Briten beschränkte sich fortan auf Kanada.
Diese Periode wird manchmal als Ende des „Ersten Britischen Imperiums“ bezeichnet. Die Expansion in Nordamerika war zu Ende und Großbritannien dehnte sich nun in anderen Weltgegenden aus. Dies führte zur Bildung des „Zweiten Britischen Imperiums“ in Asien und Ozeanien, später auch in Afrika.
Die Besiedlung Australiens begann mit der Errichtung einer Sträflingskolonie auf dem Gebiet der heutigen Metropole Sydney. Die Auswanderung konzentrierte sich nun auf Australien und Neuseeland (im Besitz der Krone seit 1840). Die Urbevölkerung (Aborigines und Maori) wurde im Verlaufe eines Jahrhunderts durch Krieg und eingeschleppte Seuchen um 60 bis 70 % dezimiert. Die Kolonien erhielten später das Recht auf Selbstverwaltung und wurden wohlhabende Exporteure von Wolle und Gold.
Das alte britische Kolonialsystem näherte sich im 18. Jahrhundert seinem Ende. Während einer lang anhaltenden Dominanz der Whig-Partei in der Innenpolitik (1714–1762) spielte das Imperium eine untergeordnete Rolle und wurde kaum beachtet. Dies änderte sich nach der Niederlage im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg schlagartig, als das Vereinigte Königreich seine meistbevölkerten Kolonien verlor. Dieser Verlust zeigte, dass Kolonien wirtschaftlich gesehen nicht immer gewinnbringend waren. Das Vereinigte Königreich konnte ja noch immer den Handel mit den Ex-Kolonien dominieren und musste nicht für deren Verteidigung und Verwaltung aufkommen.
Bis zu jenem Zeitpunkt war der Merkantilismus vorherrschend; eine Wirtschaftsform, in der jedes Land versuchte, möglichst mit eigenen Ressourcen einen Wirtschaftskreislauf aufzubauen. Dieser wurde nun durch die liberale Wirtschaftsordnung abgelöst, wie sie durch Adam Smith oder Richard Cobden propagiert wurde.
Die durch den Verlust der amerikanischen Kolonien gewonnene Einsicht, dass Handel auch ohne die Errichtung von Kolonien den Wohlstand mehren kann, führte zur Erweiterung der Selbstverwaltungsrechte der Kolonien in Kanada, Australien und Neuseeland. Die britischen und europäischen Einwohner wurden als Außenposten des Mutterlandes betrachtet.
Während dieser Periode verbot das Vereinigte Königreich den Sklavenhandel (1807) und begann, dieses Prinzip anderen Nationen aufzuzwingen. Bis um die Mitte des Jahrhunderts hatte Großbritannien den Sklavenhandel weltweit fast zum Erliegen gebracht. In den britischen Kolonien selbst wurde die Sklaverei 1834 abgeschafft, doch in einigen Weltgegenden hielt sich diese Form der Unterdrückung bis 1920. Die Abschaffung der Sklaverei ging einher mit der Einführung des Freihandels. Der ungehinderte Zugang zum britischen Markt ließ den Wohlstand ansteigen, andere Länder folgten um die Mitte des 19. Jahrhunderts diesem Beispiel.
Die englische Sprache wurde zur wichtigsten Verkehrs- und Handelssprache, das britische Maßsystem und das britische Rechtssystem breiteten sich in der ganzen Welt aus. Als die Kolonien schließlich die Kapazität (aber nicht das Recht) hatten, selbst Handel zu treiben, führte dies zu Auseinandersetzungen mit der Zentralmacht und zum „Neuen Imperialismus“. Die Pax Britannica begann ihre Wirkung einzubüßen, als die durch den Wiener Kongress auferlegte Ordnung in Europa nach einem halben Jahrhundert ins Wanken geriet und neue Nationalstaaten wie Deutschland und Italien entstanden. Die Überlegenheit der britischen Industrie endete um 1870 mit der Industrialisierung Deutschlands und der USA.
Bis 1818 dehnte die Kompanie ihren Einfluss auf fast den gesamten indischen Subkontinent aus. Die lokalen Herrscher wurden gezwungen, die Vorherrschaft Großbritanniens anzuerkennen und wurden im Falle einer Weigerung abgesetzt. Einige Gebiete wurden direkt von den Briten verwaltet, in anderen Gebieten wiederum konnten die lokalen Machthaber weiterherrschen, wenn auch unter strenger Kontrolle. Nach der Niederschlagung des Sepoy-Aufstands im Jahre 1857 wurden die Territorien der Kompagnie der Krone unterstellt und die Indian Army wurde die Armee der britischen Regierung von Indien. Der letzte, nur noch nominell regierende 80-jährige Großmogul Bahadurshah Zafar wurde abgesetzt und nach Birma verbannt und Königin Victoria 1877 zur Kaiserin von Indien proklamiert. Ceylon (heute Sri Lanka), Birma (heute Myanmar) und Malaysia kamen ebenfalls unter die Herrschaft des Vereinigten Königreichs.
Nach dem Opiumkrieg hielt das Vereinigte Königreich eine komplexe Beziehung mit China aufrecht. Trotz der Annektierung Hongkongs lief der größte Teil des Handels über andere Hafenstädte, vor allem Shanghai. Großbritannien war an einem unabhängigen China interessiert, weil der Zusammenbruch des Reiches bloß zu territorialen Erweiterungen anderer westlicher Mächte geführt hätte. Andererseits war man daran interessiert, den chinesischen Staat zu schwächen, denn sonst hätte China die verschiedenen unter Zwang abgeschlossenen Verträge gekündigt oder neu ausgehandelt. Diese Interessen erklären die scheinbaren Widersprüche der britischen China-Politik. Einerseits unterstützte das Vereinigte Königreich die Niederschlagung des Taiping-Aufstands, andererseits zettelte man (in einem Bündnis mit Frankreich) den Zweiten Opiumkrieg gegen die Qing-Dynastie an.
Da das Vereinigte Königreich das erste industrialisierte Land der Welt war, konnten die Briten auf der ganzen Welt die Rohstoffmärkte sichern. Doch diese Vorherrschaft schwand im Verlaufe des 19. Jahrhunderts allmählich, als andere Großmächte ebenfalls begannen, die Industrialisierung voranzutreiben und auf Rohstoffe angewiesen waren. Um 1870 mussten sich die britischen Schlüsselindustrien erstmals mit ernstzunehmender ausländischer Konkurrenz auseinandersetzen.
Die Industrialisierung schritt in Deutschland und den USA rasch voran, und die Wirtschaftskraft dieser beiden Länder näherte sich jener des Vereinigten Königreichs an. Die deutsche Textil- und Metallindustrie beispielsweise hatte um 1870 in den Bereichen Organisation und technische Effizienz die vom Vereinigten Königreich übertroffen. Um die Jahrhundertwende sollte das Vereinigte Königreich, die einstige „Werkstatt der Welt“, im großen Stil Waren aus Deutschland importieren.
Obwohl das Vereinigte Königreich im Banken-, Versicherungs- und Schifffahrtswesen weiterhin dominierend war, sank sein Anteil am Welthandel von einem Viertel (1880) auf einen Sechstel (1913). Es verlor Marktanteile nicht nur in den neu industrialisierten Ländern, sondern auch in weniger weit entwickelten Staaten auf anderen Kontinenten. Sogar in Indien, China, Lateinamerika und an den Küsten Afrikas, wo der britische Handel einst unangefochten war, ging die Vormachtstellung verloren.
Die wirtschaftlichen Probleme des Vereinigten Königreichs verschärften sich mit der „Langen Depression“, einer lang anhaltenden Rezessionsphase zwischen 1873 und 1896. Deflation und der schlechte Geschäftsgang vieler Unternehmen führten weitgehend zur Abschaffung des Freihandels in den europäischen Ländern (Deutschland 1879 und Frankreich 1881).
Die daraus folgende Beschränkung sowohl des Binnen- wie auch des Exportmarktes ließ bei Politik und Wirtschaft in Europa (und später in den USA) die Abschottung der Märkte als notwendig erachten. Die einheimischen Märkte wurden durch hohe Importzölle geschützt, die einzelnen Kolonien wurden stärker an die Heimmärkte gebunden und lieferten ihre Rohstoffe hauptsächlich an die jeweiligen Mutterländer.
Während dieser Zeit wurden die europäischen Kolonien um mehr als 23 Millionen km² erweitert. Da Afrika bis um 1880 weitgehend nicht besetzt gewesen war, wurde dieser Kontinent das Hauptziel der neuen imperialistischen Expansion der europäischen Großmächte. In Südostasien und an den ostasiatischen Küsten erweiterten vor allem die USA und Japan ihre Gebiete.
Der Einstieg des Vereinigten Königreichs in dieses neue imperialistische Zeitalter lässt sich auf das Jahr 1875 festlegen. Damals kaufte die konservative Regierung Disraeli die Aktienanteile des ägyptischen Herrschers Ismail an der Sueskanal-Gesellschaft auf, um diesen strategisch wichtigen Handelsweg nach Indien zu sichern. Die gemeinsame britisch-französische Finanzkontrolle über Ägypten wurde mit der formellen Besetzung durch Großbritannien im Jahre 1882 im Rahmen der Niederschlagung der Urabi-Bewegung beendet.
Die Angst vor der südlichen Expansion Russlands war ein weiterer Faktor der britischen Politik. 1878 wurde die Insel Zypern besetzt, als Reaktion auf eine russische Attacke auf das Osmanische Reich und den Krimkrieg von 1854 bis 1856. Auch Afghanistan wurde zeitweise besetzt, um dort den russischen Einfluss zurückzudrängen. Großbritannien führte in Afghanistan drei blutige und erfolglose Kriege gegen Aufständische und Heilige Krieger. Der erste britisch-afghanische Krieg endete mit einer der verheerendsten Niederlagen des viktorianischen Zeitalters, als die britische Armee 1842 beim Abzug aus Kabul durch paschtunische Stämme, die mit russischen Waffen ausgerüstet waren, fast vollständig ausgelöscht wurde. Der zweite britisch-afghanische Krieg führte 1880 zu einer verheerenden Niederlage bei Maiwand, der Belagerung Kabuls durch die Afghanen und dem britischen Rückzug nach Indien. Im dritten britisch-afghanischen Krieg von 1919 wurden die Briten endgültig vertrieben. Das „Great Game“ um die Vorherrschaft in Zentralasien endete mit einer blutigen, erfolglosen und völlig unnötigen britischen Invasion in Tibet in den Jahren 1903 und 1904.
Zur selben Zeit kamen mächtige Interessengruppen aus Wirtschaft und Politik zur Ansicht, dass die Bildung eines „formellen“ Imperiums nötig sei, um den Bedeutungsverlust in den Weltmärkten aufzuhalten. Vor allem Joseph Chamberlain setzte sich vehement dafür ein. Während der 1890er Jahre wurde der neue Imperialismus zur Leitidee der britischen Politik. Das Vereinigte Königreich übernahm bald darauf die Vorreiterrolle in der Aufteilung Afrikas. Der neue Imperialismus entstand also nicht aus einer Position der Stärke heraus, sondern war vielmehr eine Folge der Angst vor dem wirtschaftlichen Bedeutungsverlust.
Als die Aktivitäten Frankreichs, Belgiens und Portugals im Mündungsbereich des Kongo die Gefahr eines Krieges heraufbeschworen, wurden auf der Kongokonferenz in Berlin (1884/85) Regeln für den Wettbewerb zwischen den einzelnen Nationen aufgestellt. Die „effektive Okkupation“ wurde als Kriterium für die internationale Anerkennung eines Anspruchs definiert; eine Formulierung, die regelmäßig als Vorwand für die Niederschlagung von Eingeborenen-Aufständen diente.
Im Sudan, der ab 1821 unter die Herrschaft der osmanischen Vizekönige (Khediven) von Ägypten gekommen war, kam es im Zuge der Besetzung Ägyptens zum Mahdi-Aufstand. Der neue britische Gouverneur des Sudan Gordon Pascha versuchte vergeblich die Ausbreitung der Mahdi-Bewegung zu behindern. Am 26. Januar 1885 eroberten die Mahdisten Khartum wobei Gordon Pascha getötet wurde. Die britische Expedition zur Rettung Gordons unter General Wolseley erreichte die Stadt am 28. Januar 1885, zwei Tage nachdem diese gefallen war. Daraufhin wurden die britischen Truppen aus dem Sudan, bis auf wenige Gebiete abgezogen. Gladstones Ansehen litt unter diesem Rückschlag. Erst 1896 wurde ein britisch-ägyptisches Expeditionskorps unter Kitchener in Marsch gesetzt, das die Mahdisten am 2. September 1898 in der Schlacht von Omdurman besiegte. Das zurückeroberte Land wurde nicht an Ägypten zurückgegeben, sondern 1899 als anglo-ägyptisches Kondominium konstituiert mit Lord Kitchener als erstem Generalgouverneur.
1898 kam es im Sudan zur Faschoda-Krise zwischen dem Vereinigten Königreich und Frankreich, die mit dem Rückzug Frankreichs und dem Sudanvertrag, der eine neue Grenzziehung festlegte, endete.
1899 begann das Vereinigte Königreich mit der vollständigen Eroberung Südafrikas und der Unterwerfung der Afrikaaner-Republiken Transvaal und Oranje-Freistaat mit ihren reichen Goldvorkommen (Burenkrieg). Die Britische Südafrika-Kompanie hatte wenige Jahre zuvor bereits das Land nördlich davon besetzt und nach ihrem Vorsitzenden Cecil Rhodes „Rhodesien“ getauft.
Britische Eroberungen in Süd- und Ostafrika bewogen Rhodes und Alfred Milner (Hochkommissar für Südafrika) dazu, ein Reich vom „Kap nach Kairo“ anzustreben und eine transkontinentale Eisenbahn von Süd nach Nord zu bauen. Die deutsche Besetzung Tanganjikas verhinderte jedoch diese Pläne bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. Gleichwohl wurde die transafrikanische Eisenbahn nur in Bruchstücken verwirklicht. Zwischen 1885 und 1914 nahm das Vereinigte Königreich fast einen Drittel des afrikanischen Kontinents in Besitz. Die Briten hatten sich dabei auf besonders lukrativ erscheinende Kolonien konzentriert. Allein Nigeria hatte mehr Einwohner als Französisch-Westafrika oder alle deutschen Kolonien zusammen (etwa 15 Millionen).
Die Dominions waren relativ selbständig, doch die Außenpolitik war allein Sache des Vereinigten Königreichs. Als Außenminister fungierten dabei die von der britischen Regierung ernannten Generalgouverneure und Hochkommissare. Britisches Recht galt uneingeschränkt in allen Dominions. Als das Vereinigte Königreich 1914 dem Deutschen Reich den Krieg erklärte, galt diese Maßnahme auch für die Dominions. Doch die Dominions durften durchaus Beziehungen mit anderen Ländern unterhalten, solange dies nicht den britischen Interessen widersprach.
Doch obwohl das Vereinigte Königreich den Krieg gewonnen hatte und die Herrschaft auf neue Gebiete ausdehnen konnte, unterminierten die hohen Kriegskosten die Fähigkeit, das riesige Imperium zu verwalten. Das Vereinigte Königreich hatte Millionen von Opfern zu beklagen und musste in rascher Folge Vermögenswerte abstoßen. Dies führte zu einem hohen Budgetdefizit und zu Personalknappheit in den weit entfernten asiatischen und afrikanischen Kolonien. Der Nationalismus breitete sich in den Kolonien aus, verstärkt durch den Stolz, den Krieg gewonnen zu haben, und durch den Rassismus, den nichtweiße Soldaten während ihres Dienstes für das Imperium erfahren hatten.
In den 1920er Jahren änderte sich der Status der Dominions. Obwohl keines der Dominions 1914 bei der Kriegserklärung mitentscheiden durfte, war jedes einzelne ein Unterzeichnerstaat des Versailler Vertrages von 1919, was ein Zeichen für die größer werdende Unabhängigkeit war. Die Abneigung der Dominions, 1922 einen Feldzug gegen die Türkei zu unterstützen, führte zu Verhandlungen über einen neuen Status. Die vollständige Unabhängigkeit der Dominions wurde 1926 im Balfour-Bericht formuliert und 1931 im Statut von Westminster bestätigt. Die Dominions waren nun frei von legislativen Einflüssen des Vereinigten Königreichs und in der Außenpolitik autonom.
Irland wurde 1921 nach einem blutigen Bürgerkrieg selbständig und löste 1937 die letzte verfassungsmäßige Bindung zum Vereinigten Königreich. Mit der Wahl eines Präsidenten wurde der englische Monarch als Staatsoberhaupt abgelöst. 1949 erfolgten der Austritt aus dem Commonwealth of Nations und die Gründung der Republik Irland. Ägypten, seit 1922 formell unabhängig, ging den gleichen Weg (das Land war bis 1936 durch einen Bündnisvertrag mit dem Imperium verbunden und bis 1956 teilweise militärisch besetzt).
Die Kriegserklärung von 1939 an Deutschland galt aufgrund des Statuts von Westminster nicht mehr automatisch auch für die Dominions. Hierbei bildeten Australien und Neuseeland eine Ausnahme, da beide Staaten es vorgezogen hatten, das Westminster-Statut noch nicht umzusetzen (was schließlich 1942 bzw. 1947 nachgeholt wurde). Die anderen Dominions erklärten den Krieg selbständig. Irland, das damals noch zum Commonwealth gehörte, hatte ein Jahr zuvor den Abzug sämtlicher britischer Truppen durchgesetzt und blieb während des gesamten Krieges neutral.
Der Zweite Weltkrieg untergrub die schon geschwächte Position der Wirtschaftsmacht Großbritannien noch weiter und erhöhte die Bedeutung der Dominions und der USA als militärische Bündnispartner. Als der australische Premierminister John Curtin 1942 unerwartet die Truppen zurückzog, die eigentlich für die Verteidigung Burmas vorgesehen waren, war klar, dass man von den Dominions nicht mehr verlangen konnte, ihre nationalen Interessen denjenigen des Imperiums unterzuordnen.
Das Vereinigte Königreich litt unter den Folgen des Krieges und die ehemaligen Verbündeten waren nicht mehr bereit, den Kolonialstatus weiterhin zu akzeptieren. Eine Wirtschaftskrise im Jahre 1947 zwang die Labour-Regierung unter Clement Attlee dazu, jegliche Versuche aufzugeben, sich wieder als Supermacht zu etablieren und die militärische und wirtschaftliche Überlegenheit der USA anzuerkennen.
In der Karibik, Afrika, Asien und im Pazifik geschah die Entkolonialisierung angesichts der zunehmend blutigen Unabhängigkeitsbewegungen mit schon beinah übertriebener Hast. Das Vereinigte Königreich wehrte sich kaum gegen die Auflösung des Imperiums. Diese Schwäche wurde 1956 schonungslos aufgedeckt, als die USA sich gegen die anglofranzösische Intervention während der Sueskrise wandte und dieses Unterfangen als Abenteuer betrachtete, das die amerikanischen Interessen im Nahen Osten gefährdete.
Mahatma Gandhi.jpg Die Unabhängigkeit Indiens im Jahre 1947 beendete eine 40-jährige Auseinandersetzung mit dem Indischen Nationalkongress unter der Führung Mahatma Gandhis, zuerst um Selbstverwaltung, später um volle Unabhängigkeit. Der Konflikt um die Teilung des Landes in Indien und Pakistan führte zu Hunderttausenden von Toten. Indien erklärte sich 1949 zwar zur Republik, blieb aber Mitglied des Commonwealth.
Burma erlangte die Unabhängigkeit 1948 (jedoch außerhalb des Commonwealth), Ceylon ebenfalls 1948 und Malaysia 1957. Das britische Mandat in Palästina endete 1948, nach einem blutigen Krieg zwischen Juden und Arabern wurde der Staat Israel gegründet. Zypern wurde 1960 nach einem Aufstand der griechischstämmigen Bevölkerung unabhängig.
Das Ende des Britischen Imperiums in Afrika kam außerordentlich rasch. So rasch, dass die neuen Staaten oft nicht in der Lage waren, mit den Problemen der Unabhängigkeit fertig zu werden. Zuerst wurde Ghana unabhängig (1957), danach Nigeria (1960), Sierra Leone und Tanganjika (1961), Uganda (1962), Kenia und Sansibar (1963), Gambia (1965), Botswana und Lesotho (1966) sowie Swaziland (1968).
Der Rückzug des Vereinigten Königreichs aus den südlichen und östlichen Teilen Afrikas wurde durch die relativ große Anzahl weißer Siedler verkompliziert. Kenia wurde von der Mau-Mau-Rebellion erschüttert, die sich an der Frage des Landbesitzes entzündet hatte und sich zu einem großen Stammeskrieg ausweitete. Die weiße Minderheit in Südafrika unterdrückte die schwarze Bevölkerungsmehrheit bis 1994 mit dem Apartheid-System. Die weiße Minderheit in Rhodesien erklärte 1964 lieber selbst die Unabhängigkeit, als sich einer schwarzen Herrschaft zu unterwerfen. Das rhodesische Regime hielt sich bis 1979, als die Übergabe der Macht an die Schwarzen und die Bildung von Simbabwe vereinbart wurde.
Die meisten karibischen Territorien entschlossen sich zur Unabhängigkeit, nachdem die Westindische Föderation gescheitert war. Zuerst wurden Jamaika sowie Trinidad und Tobago unabhängig (1962), danach folgten Barbados (1966) sowie die kleinen Inseln in der östlichen Karibik. Die Entwicklung im Pazifik verlief ähnlich. 1997 lief der 99-jährige Pachtvertrag für die New Territories ab und ganz Hongkong wurde an die Volksrepublik China zurückgegeben.
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