Der Begriff Brille bezeichnet heute eine vor den Augen getragene Brillenfassung mit Bügeln und zwei geschliffenen oder gefärbten als Sehhilfe oder dem Augenschutz dienenden Gläsern. Brillen werden umgangssprachlich und in Österreich auch als Augengläser bezeichnet.
Die für Sehhilfen dienenden Brillengläser werden von der augenoptischen Industrie aus Mineralglas und in zunehmendem Umfang aus Kunststoff hergestellt. Der Vorteil von Kunststofflinsen ist das weit geringere Gewicht (vor allem bei größeren Dioptrienzahlen kommt dies zu tragen, aufgrund der dickeren Gläser) und für Sportler das Nichtsplittern, Nachteil ist die höhere Kratzempfindlichkeit. Vom Augenoptiker werden diese gerandet und in die Brillenfassungen unter Berücksichtigung individueller Zentrieranforderungen aufgrund verschiedener Augenabstände u.ä. eingesetzt. Der Optiker erstellt zu jeder gefertigten Brille einen Brillenpass. Im Brillenpass sind Glasstärke, Achsen und Glasart der Brille in Kürzeln festgehalten.
Albrecht von Scharfenberg verlieh dem "berillus" im "Jüngeren Titurel" eine erhöhte symbolische Bedeutung. In der um 1270 entstandenen ausgedehnten Gralsdichtung ist "Parille" der Name für einen der Söhne von Senabor. Bei der Aufzählung der "kinde und kindes kint" vom Stamm "Kapadoze" wird der Name erwähnt: "Ein sin sun Parille hiez er nach dem steine, / durch daz der ougen wille da mit erget. er machet groz uz kleine. / uz cleinen tugenden machte er di grozen." (Vers 99) 'Einen seiner Söhne nannte er Parille nach dem Steine. Damit das Verlangen der Augen da hindurchgehe. Er macht groß aus klein. Aus kleinen Tugenden machte er die großen.' Durch die Wahl des Namens wird der Lebensweg des "Parille" verdeutlicht und seine Entwicklung aufgezeigt. Diese Strophe stellt das älteste Denkmal im deutschen Sprachraum dar, in dem die Brille (hier noch als Lesestein aus Bergkristall) genannt wird. Viele Strophen später greift Albrecht den Vergleich erneut auf: "Sam der berillus grozet di schrift in im ze lesene, din herze dem genozet, dar inne alle tugende mit wesene wahsent hoch, breit, wit und ouch di lenge." 'So wie der Beril die in ihm zu lesende Schrift vergrößert, gleicht ihm dein Herz, darin alle Tugenden in ihrem Wesen hoch, breit, weit und auch in die Länge wachsen.' Das Herz ist also klar und rein wie ein "berillus" und hat die Eigenschaft, die Tugenden wachsen zu lassen.
Literatur: Heinz Herbert Mann: Augenglas und Perspektiv. Studien zur Ikonographie zweier Bildmotive. Berlin: Gebr. Mann, 1992. (= Studien zur Profanen Ikonographie, Bd. 1), ISBN 3-7861-1570-2
Laut Chrysippos soll bereits Archimedes die Brechungsgesetze von Linsen untersucht und einen am Kopf befestigten Kristall zur Sehkorrektur getragen haben. Seine Entdeckung fand in der Antike aber offenbar keine praktische Nachahmung. Als das aus dem 11. Jahrhundert stammende Buch "Schatz der Optik" des arabischen Mathematikers, Astronoms und Optikers Abu Ali al-Hasan Ibn al-Haitham (arab. ابن الهيثم, latinisiert Alhazen) um 1240 ins Lateinische übersetzt und in Klosterbibliotheken verfügbar wurde, schlug eine Sternstunde der Optik. Alhazen (* um 965 in Basra, Persien; † 1039 oder 1040 in Kairo) beschrieb unter anderem in seiner Schrift die vergrößernde Wirkung eines Glaskugelsegments, des späteren "Lesesteins", ohne jedoch seine Erkenntnis praktisch zu nutzen. Die Theorie des Arabers, die Schwierigkeiten alterssichtiger Mönche und deren handwerkliche Fähigkeiten kamen zusammen. Damals wurde wohl in einem Kloster der erste Lesestein aus Bergkristall geschliffen. Bald folgten Leseglas und Brille.
Die frühesten bekannten Beispiele gemalter Brillen finden sich auf den Fresken des italienischen Malers Tomaso da Modena im Kapitelsaal von San Niccolo in Treviso. Sie sind im Jahre 1352 entstanden. Mit viel Sinn für das Gegenständliche und für physiognomische Besonderheiten hat Tomaso da Modena auf vierzig Fresken die Hauptvertreter des Dominikanerordens dargestellt. Bei dem Porträt des Kardinals von Rouen wird ein Einglas gezeigt, das der Dargestellte dicht an sein Auge geführt hat. Er liest damit in einem Buch, das er aufgeschlagen in seinen Händen hält. Auf dem Portrait des Kardinals Hugo von Provence ist eine Nietbrille dargestellt, die diesem fest auf der Nase sitzt. Auch er wird als Lesender gezeigt.
Der sogenannte 'Brillenapostel' des weltberühmten Altars der Stadtkirche von Bad Wildungen - gefertigt 1403 von Conrad von Soest - ist die früheste Darstellung einer Brille nördlich der Alpen. Der Brillenapostel ist zu einem Symbol der Ev. Kirchengemeinde Wildungens geworden und findet sich heute in ihrem Siegel wieder.
Fest steht, dass die ersten Brillen im Europa um 1280 aufkamen. Diese hatten noch keine Bügel und besaßen konvex geschliffene Linsen, waren also nur für weitsichtige Menschen. Der englische Optiker Edward Scarlett baute 1727 die erste Brillenfassung. Zuvor waren auch andere Formen, wie die Befestigung von Linsen an einer Perücke ausprobiert worden. 1877 erfand Adolf Fick die erste Kontaktlinse
Mit der Bildschirmarbeitsverordnung von 1996 hat die "Spezielle Sehhilfe für die Arbeit an Bildschirmarbeitsgeräten" Bedeutung erlangt. In § 6 wird jeder Arbeitgeber verpflichtet, vor der Aufnahme der Tätigkeit am Bildschirm und anschließend in regelmäßigen Abständen den Beschäftigten eine angemessene Untersuchung der Augen und des Sehvermögens durch eine fachkundige Person anzubieten. Der Arbeitgeber hat dabei die Kosten zu übernehmen.
Ein Sozialhilfeempfänger musste eine Brille bisher selbst zahlen. Ein Urteil des Verwaltungsgerichtshofes Kassel besagt jedoch, dass bei "Gebrauchsgut von längerer Benutzungsdauer", welches bei medizinischer Notwendigkeit zum Lebensbedarf gehört - dazu zählt auch die Brille - das Sozialamt einmalig Beihilfe gewähren muss (Az: 10 TG 3128/04, VGH Kassel).
Schutzbrillen sollen das Auge vor schädlichen Einflüssen, wie Chemikalien, Strahlung oder dem Funkenflug vom Schweißen, Löten und Flexen (=Sägen mit einem Winkelschleifer) schützen.
Bertolt Brecht unterschrieb gerne mit einer Ligatur aus zwei kleinen bs, die einer Brille ähnelt.
Dies u.a. führte dazu, dass in Kambodscha unter der Herrschaft der Roten Khmer Brillenträger als vermeintliche Intellektuelle und damit als potentielle Feinde eines kommunistischen Bauernstaates verfolgt wurden.
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