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Brigham Young (* 1. Juni 1801 in Whitingham, Bundesstaat Vermont, USA; † 29. August | 1877 in Salt Lake City) war der zweite Präsident und Prophet der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ("Mormonen").
Biografie
Brigham Young war von Beruf Schreiner. 1824 heiratete er Miriam Works, die
1832 starb. Im selben Jahr schloss er sich im US-Bundesstaat
New York der 1830 gegründeten Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage an.
1834 heiratete er seine zweite Frau, Mary Ann Angell.
Am 14. Februar 1835 wurde Brigham Young zum Apostel ordiniert und Mitglied des ersten Kollegiums der Zwölf Apostel.
Von 1839 bis 1841 erfüllte er eine erfolgreiche Mission in England.
Nach dem gewaltsamen Tod des Gründers und ersten Propheten der Kirche, Joseph Smith, Jr., im Jahre 1844 konnte sich Young, der damals Vorsitzender des Kollegiums der Zwölf Apostel war, in den einsetzenden Nachfolgestreitigkeiten durchsetzen. Young, der seinen Anhängern nun als zweiter Prophet galt, führte die Mehrheit der Mitglieder der Kirche ab 1846 aus den USA hinaus in das damals noch zu Mexiko gehörende Gebiet der Rocky Mountains, das heute Utah heißt, und gründete dort die Stadt Salt Lake City. Es gelang ihm, den überwiegenden Teil der Mitglieder davon zu überzeugen, dass er der rechtmäßige Nachfolger von Joseph Smith sei.
Im Jahre 1852 veröffentlichte er dort die bis dahin nur im geheimen von den Kirchenführern praktizierte Lehre von der Polygamie, ließ eine entsprechende Offenbarung Smiths in das Buch Lehre und Bündnisse aufnehmen, und rief seine Anhänger auf, mehrere Frauen zu heiraten. Als das Gebiet an die USA fiel, wurde er aus praktischen Gründen zum Territorialgouverneur ernannt, bis der Streit über die Polygamie zu eskalieren begann.
Von 1847 bis zu seinem Tod 1877 präsidierte er über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage als Präsident und Prophet.
Brigham Young machte sich vor allem einen Namen als Kolonisator im Westen der USA und er ist bis heute durch seine zahlreichen Ehefrauen allgemein bekannt.
Brigham Young, der Kirchenführer
Brigham Young lernte, was er als Kirchenführer brauchte, in schwierigen und turbulenten Zeiten. Er entwickelte sich zu einem geschickten Organisator und war ein machtvoller Prediger, der eine sehr drastische Ausdrucksweise verwendete. Diese, von seinen Anhängern als allegorisch verstandene, teilweise blutrünstige Ausdrucksweise, bietet seinen Kritikern Anlass, ihm tatsächliche Aufforderungen zu Morden zu unterstellen.
Die Nachfolge von Joseph Smith
Nach der Ermordung von
Joseph Smith übernahm Brigham Young die Führung der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, welches Amt ihm als Präsident des Kollegiums der Zwölf Apostel zustand, wie er selbst und die überwiegende Zahl der Mitglieder meinten.
Diejenigen, die gegenteiliger Meinung waren, sammelten sich um mehrere Führer. Ihre Bewegungen, die im mittleren Westen blieben, gingen fast alle in der 1860 gegründeteten
Reorganisierten Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage unter Führung von Joseph Smith III, dem Sohn des Religionsgründers auf.
Bis 1847 führte Brigham Young als Präsident des Kollegiums der Zwölf Apostel, dann organisierte er die Erste Präsidentschaft mit ihm selbst als Präsident, Seher und Offenbarer und er wurde in diesem Amt auf einer allgemeinen Versammlung am 27. Dezember 1847 in Kanesville, Iowa bestätigt.
Organisatorischer Ausbau der Kirche
Was in Nauvoo und Umgebung mit rund 20 000 Kirchenmitgliedern erst rudimentär organisiert war, baute Brigham Young in Utah so aus, dass die Strukturen im Wesentlichen bis heute Bestand haben. Er organisierte die Kirche in Pfähle, von denen jeder rund 12 Gemeinden umfasste, die damals allerdings noch wesentlich mehr Mitglieder hatten als heute. Im Jahr 1867 organisierte er die Frauenhilfsvereinigung neu und schuf 1875 als Organisationen für die Jugend die Gemeinschaftliche Fortbildungsvereinigung.
Er begann den Bau des Tempels in
Salt Lake City und am 6. April 1877 weihte er den Tempel in
St. George. Als Versammlungsgebäude, vor allem für die
Generalkonferenzen der Kirche errichtete er in Salt Lake City den
Tabernakel.
Brigham Young, der Kolonisator
Unter Führung von Brigham Young kolonisierten die Heiligen der Letzten Tage ein unwirtliches, fast menschenleeres Gebiet in den Rocky Mountains und schuf damit einen wichtigen Stützpunkt auf dem Weg von der Ostküste zur Westküste der USA, der zum ersten Mal im kalifornischen
Goldrausch eine Rolle spielte, um die Goldsucher auf ihrem Weg mit frischen Tragtieren und frischem Gemüse zu versorgen sowie ihnen einen Ort zur Regeneration zu bieten.
Der Exodus
Die erste Aufgabe von Brigham Young als "moderner Moses" war die Organisation des Zuges von Nauvoo, Illinois an den Großen Salzsee von Februar 1846 bis Sommer 1847. Er organisierte eine Massenfertigung von Planwagen, ging mit einer Pionierabteilung von 147 Personen voraus, um auf dem rund 2000 km langen Weg Versorgungsfarmen, Stützpunkte und Fähren zu errichten sowie den besten Weg mit Weidegras und Trinkwasser zu ermitteln. Er organisierte die Heiligen für den Zug nach dem Vorbild des Mose in Kompanien, die wieder in kleinere Gruppen aufgeteilt waren. Er errichtete als Überwinterungslager mit Blockhäusern und Getreideanbau Winterquarters, das heutige Council Bluffs in Nebraska.
Organisator der Zuwanderung in Deseret
Der wesentliche Motor für weitere Zuwanderung war die Missionsarbeit im Osten der USA und im Ausland, vor allem in Europa. Young organisierte die Zuwanderung, indem er die Stützpunkte des Exodus zu ständigen Versorgungsstationen ausbaute. Er führte den "Ständigen Auswanderungsfonds ein", um armen Bekehrten aus Europa die Finanzierung der Auswanderung nach Utah zu ermöglichen.
Als kostengünstige Alternative zum Planwagen führte er den Handkarren als Transportmittel ein, mit dem zahlreiche Familien den Weg von St.Louis über die Ebenen des Mittleren Westens wagten. Um die Zuwanderung zu erleichtern förderte Brigham Young auch den Bau der Eisenbahn, indem er Arbeitskräfte zur Verfügung stellte.
Siedlungsgründer
In und um das heutige Utah ließ Young von ausgewählten Gruppen Siedlungen im Abstand von jeweils einer Tagesreise errichten. Die Siedlungen waren keine wilden Zufallsgebilde, wie sonst oft im Westen der USA, sondern nach dem Plan "der Stadt Zion",wie ihn Joseph Smith für Nauvoo erstellt hatte planvoll angelegt. Die Siedlungen breiteten sich im Laufe der ersten zehn Jahre bis an die Grenze von Kalifornien aus. Die weit entfernten Außenposten wurden aber im Zuge des Utah Krieges aufgegeben.
Gouverneur
Das ursprünglich auf dem Gebiet von Mexiko liegende Utah kam durch den Krieg von 1848 zu den USA und wurde zu einem Territorium mit Brigham Young als Gouverneur
Gesetzliche Regelungen
Brigham Young erließ Gesetze vor allem zur Regelung der Zuwanderung, der Landverteilung und, was sich besonders von Gesetzen in anderen US-Bundesstaaten abhebt, ein Wasserrecht, das das Recht von jedermann auf eine Wasserversorgung zum Trinken, zum Bewässern der Felder und zum Tränken von Vieh regelte. Zu jener Zeit war Utah das einzige Gebiet der USA, in dem die Frauen ein Wahlrecht hatten, um sich an der Wahl der örtlichen politischen Mandatare (Bürgermeister, Sheriff usw.) zu beteiligen.
Wegen Gerüchten über angebliche Abspaltungsbestrebungen der "Mormonen", sandte Präsident
James Buchanan im Jahr 1857 eine Armee aus, um Brigham Young gewaltsam als Gouverneur abzusetzen und durch Alfred Cumming zu ersetzen. Die daraus resultierende Auseinandersetzung ist als Utah-Krieg bekannt. Der Konflikt bedeutete das Ende von Brigham Youngs Tätigkeit als Gouverneur im April 1858. Seit dieser Zeit sind in Utah kirchliche und politische Führung nicht mehr in denselben Händen gewesen.
Infrastruktur und Wirtschaft
Young förderte die Errichtung einer gesunden Infrastruktur mit Straßen, Schulen und Wasserversorgung. Er gründete das ZCMI, eine Handelsgenossenschaft, er importierte eine Zuckerfabrik, förderte im Süden Utahs den Abbau von Kohle und Eisen, ließ die Seidenraupenzucht versuchen usw. Schulisch sorgte er sehr rasch für ein flächendeckendes Grundschulwesen, gründete die
Brigham Young Akademie in Provo und andere weiterführende Schulen. Er förderte die Einrichtung des
Pony Express, den Bau einer Telegrafenlinie und der Eisenbahn.
Brigham Young der Polygamist
Brigham Youngs erste Ehefrau starb
1833, später hatte er noch weitere Ehefrauen. Die
Polygamie, die Young ab 1852 offen lehrte, aber bereits vorher im Geheimen lebte und praktizierte, wird in heutigen kirchenamtlichen Publikationen über Young oft nur ganz am Rande (wenn überhaupt) erwähnt.
Je nach Quelle werden Brigham Young 23 bis 56 Ehefrauen nachgesagt. Mit wie vielen seiner Frauen Young intimen Umgang hatte, ist nicht bekannt, jedoch hatte er von 16 Frauen insgesamt 57 Kinder, von denen 46 das Erwachsenenalter erreichten. Viele seiner "Ehesiegelungen" waren rein religiöser Natur. Es handelte sich bei vielen um ältere Witwen.
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Literatur
- Jeffery Ogden Johnson: Determining and Defining `Wife´: The Brigham Young Households, in Dialogue: A Journal of Mormon Thought, Vol. 20, No. 3, Fall 1987
- Leonard J. Arrington, Brigham Young: American Moses, Knopf, New York 1985
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