Bretten ist eine Stadt im westlichen Kraichgau, etwa 23 km nordöstlich von Karlsruhe in Baden-Württemberg. Sie ist nach Bruchsal und Ettlingen die drittgrößte Stadt des Landkreises Karlsruhe und eines der Mittelzentren in der Region Mittlerer Oberrhein mit dem Oberzentrum Karlsruhe. Zum Mittelbereich gehören noch die Gemeinden Gondelsheim, Kürnbach, Oberderdingen, Sulzfeld und Zaisenhausen. Im Rahmen der Gebietsreform der 1970er Jahre überschritt die Einwohnerzahl die 20.000-Grenze. Daraufhin stellte die Stadt Bretten den Antrag auf Erhebung zur Großen Kreisstadt, was die baden-württembergische Landeswirkung dann mit Wirkung vom 1. Januar 1975 beschloss. Die Stadt Bretten hat mit der Nachbargemeinde Gondelsheim eine Verwaltungsgemeinschaft vereinbart.
Berühmtester Sohn der Stadt ist Philipp Melanchthon, weshalb sich Bretten "Melanchthonstadt" nennt.
Geografie
Bretten liegt im Kraichgau auf der Wasserscheide zwischen Walzbach und Saalbach im Südwesten bis ins Kraichbachtal im Nordosten. Die Stadt liegt etwa 17 km nördlich von Pforzheim und 39 km südwestlich von Heilbronn.
In der Nähe Brettens liegen der Aalkistensee und der Kraichsee.
Nachbargemeinden
Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Bretten. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Osten genannt: Knittlingen, Neulingen und Königsbach-Stein (alle Enzkreis) sowie Walzbachtal, Gondelsheim, Bruchsal, Kraichtal und Oberderdingen (alle Landkreis Karlsruhe).
Stadtgliederung
Das Stadtgebiet Brettens sind in die Kernstadt und die neun Stadtteile Bauerbach, Büchig, Diedelsheim, Dürrenbüchig, Gölshausen, Neibsheim, Rinklingen, Ruit und Sprantal eingeteilt. Gelegentlich werden innerhalb der Kernstadt noch Wohngebiete mit eigenem Namen unterschieden, wobei deren Grenzen meist nicht genau festgelegt sind. Ferner gibt es im Stadtgebiet auch noch separat gelegene Wohnplätze, die oftmals nur aus einem oder wenigen Häusern bestehen, so etwa Bergmühle, Salzhofen, Schwarzerdhof, Reiterle, Talmühle und Rotenberge.
Geschichte
Religionen
Das Gebiet der Stadt Bretten gehörte wohl seit der Stadtgründung, jedoch mit Sicherheit seit
1283 zum
Bistum Speyer und war dem
Archidiakonat St. Guido in
Speyer unterstellt. Ab
1536 traten
Wiedertäufer auf und ab
1540 fasste die
Reformation Fuß. War die Stadt ab
1556 zunächst
lutherisch, so wandte sie sich Ende des
16. Jahrhunderts mehrheitlich dem
reformierten Bekenntnis zu. Doch gab es ab
1685 auch wieder eine lutherische Gemeinde. Beide Gemeinden vereinigten sich
1822 zu einer protestantischen Gemeinde, zumal das
Großherzogtum Baden, zu dem Bretten seit
1803/06 gehörte,
1821 die Union beider Bekenntnisse eingeführt hatte. Bretten wurde Sitz eines
Dekans, dessen Verwaltungsbezirk, der Kirchenbezirk Bretten, sich im Laufe der Geschichte mehrmals veränderte. Auch die meisten Stadtteile Brettens wurden früh protestantisch und so gehören heute zum Evangelischen Kirchenbezirk Bretten insgesamt 26 Kirchengemeinden, darunter die sechs Kirchengemeinden der Stadt Bretten (Bretten, Diedelsheim, Gölshausen, Rinklingen, Ruit, Sprantal). Die Protestanten in den Stadtteilen Büchig und Neibsheim werden von der Kirchengemeinde Gondelsheim und im Stadtteil Bauerbach von der Kirchengemeinde Flehingen aus mitversorgt.
In Bretten selbst gab es aber trotz Einführung der Reformation weiterhin Katholiken. Im Jahr 1705 betrug deren Zahl 133 gegenüber 520 Lutheranern und 390 Reformierten. Auch die heutigen Stadtteilen Bauerbach, Büchig und Neibsheim blieben wegen ihrer Zugehörigkeit zum Bistum Speyer bis 1803 bis heute überwiegend katholisch. Gehörten alle Katholiken zunächst noch zum Bistum Speyer und ab 1810 zum Generalvikariat Bruchsal, so wurden sie 1827 dem Erzbistum Freiburg zugeordnet, das seinerzeit für das Großherzogtum Baden neu errichtet wurde. Bretten wurde später Sitz eines Dekanats, dessen Dekanatsbüro sich heute in Eppingen-Rohrbach befindet. Zu ihm gehören die Pfarrgemeinden der Stadt Bretten und des gesamten Umlands, wobei die Pfarrgemeinden innerhalb der Stadt Bretten zu den beiden Seelsorgeeinheiten Bretten-Stadt und Bretten-Land zusammen gefasst sind. Zu Bretten-Stadt gehört die Pfarrgemeinde St. Laurentius, deren Pfarrkirche 1936-38 erbaut wurde mit ihren beiden Filialkirchen St. Elisabeth (Wohngebiet Wanne, Fertigstellung der Kirche 1965) und St. Stephanus Diedelsheim (Fertigstellung der Kirche 1991). Zur Seelsorgeeinheit Bretten Land gehören die Pfarrgemeinden der Stadtteile Bauerbach (Kirche St. Peter), Büchig (Heilig Kreuz Kirche) und Neibsheim (Kirche St. Mauritius mit Filialkirche Guter Hirte, Gemeinde Gondelsheim).
Neben den beiden großen christlichen Kirchen bestehen in Bretten auch noch Gemeinden verschiedener Freikirchen, darunter eine Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) und eine Gemeinde der Volksmission entschiedener Christen e.V. Auch die Neuapostolische Kirche und die Zeugen Jehovas sind in Bretten vertreten.
Für die muslimische Bevölkerung Brettens wurde 1985 die Grüne Moschee von ehemaligen Gastarbeitern und türkischen Mitbürgern gegründet. Sie gehört heute dem DITIB (Türkisch-Islamische Anstalt für Religion e.V.) an.
Eingemeindungen
In die Stadt Bretten wurden folgende Gemeinden eingegliedert. Außer Neibsheim, das bei der Eingemeindung noch Teil des Landkreises Bruchsal war, gehörten alle schon zum Landkreis Karlsruhe. Die Einwohnerzahlen hinter dem Gemeindenamen geben etwa den heutigen Stand wieder.
- 1. Januar 1971: Rinklingen, ca. 1800 Einwohner
- 2. Februar 1972: Bauerbach, ca. 1200 Einwohner
- 1. März 1972: Neibsheim, Landkreis Bruchsal, ca. 1900 Einwohner
- 1. Juni 1972: Dürrenbüchig, ca. 570 Einwohner
- 1. Januar 1973: Ruit, ca. 1400 Einwohner und Sprantal, ca. 400 Einwohner
- 1. Januar 1974: Büchig bei Bretten, ca. 1400 Einwohner
- 1. Januar 1975: Diedelsheim, ca. 3300 Einwohner und Gölshausen, ca. 1700 Einwohner
Einwohnerentwicklung
Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Schätzung oder Volkszählungsergebnisse (¹) sowie amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur
Hauptwohnsitze).
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|
¹ Volkszählungsergebnis
Politik
Da Bretten eine
Große Kreisstadt ist, obliegt die Fachaufsicht dem
Regierungspräsidium Karlsruhe, was sonst nur bei
Kreisfreien Städten der Fall ist. Der
Landkreis Karlsruhe, dem Bretten angehört, obliegt dagegen nur die Rechtsaufsicht.
Gemeinderat
Der Gemeinderat der Stadt Bretten hat derzeit 26 Mitglieder, die den Titel Stadträtin oder Stadtrat führen. Die Wahl am
13. Juni 2004 führte zu folgendem Ergebnis:
- CDU 35,2% (-7,7) - 10 Sitze (-2)
- SPD 18,7% (-3,1) - 5 Sitze (-1)
- FWV 17,4% (+1,0) - 4 Sitze (=)
- GRÜNE 11,8% (+4,2) - 3 Sitze (+1)
- LUB 8,7% (+0,5) - 2 Sitze (=)
- FDP/DVP/VBU 8,2% (+5,1) - 2 Sitze (+2)
Stadtoberhäupter
Stadtoberhaupt ist der Bürgermeister, seit
1. Januar 1975 Oberbürgermeister, der von der Bevölkerung auf acht Jahre direkt gewählt wird. Sein ständiger Vertreter ist der Erste Beigeordnete mit der Amtsbezeichnung Bürgermeister.
Bürgermeister bzw. Oberbürgermeister
- ????-1986: Albert Leicht, Bürgermeister, ab 1. Januar 1975 Oberbürgermeister
- 1986-: Paul Metzger, Oberbürgermeister
Wappen
Blasonierung: Silbern und blau gerautet mit auf der Spitze stehenden Rauten. Die Stadtfarben sind blau-weiß.
Das Wappen wird schon seit vielen Jahrhunderte geführt, es symbolisiert die wittelsbachischen Rauten, da die Stadt Bretten bis
1803 zur Kurpfalz gehörte.
Städtepartnerschaften
Bretten unterhält mit folgenden Städten
Städtepartnerschaften:
- Flag of Germany.svg Hemer (Märkischer Kreis), Nordrhein-Westfalen, seit 1979
- Flag of France.svg Longjumeau, Frankreich, seit 1981
- Flag of Portugal.svg Condeixa-a-Nova, Portugal, seit 1985
- Flag of Germany.svg Lutherstadt Wittenberg, Sachsen-Anhalt, seit 1990
- Flag of Wales.svg Pontypool, Distrikt Torfaen, Wales, Vereinigtes Königreich, seit 1994
- Flag of France.svg Bellegarde, Frankreich, seit 2001
Wirtschaft und Infrastruktur
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Verkehr
Durch das Stadtgebiet führen die
Bundesstraßen
B 35 (
Germersheim -
Illingen),
B 293 (
Heilbronn -
Berghausen) und
B 294 (nach
Freiburg im Breisgau). Die
Bundesautobahn A 8 ist über die Anschlussstelle Pforzheim-Mitte, die
A 5 über die Anschlussstellen Karlsruhe-Durlach und Bruchsal zu erreichen. Der Hauptbahnhof Bretten liegt am Schnittpunkt der Bahnstrecken
Kraichgaubahn (
Karlsruhe -
Heilbronn) bzw.
Westbahn (
Mühlacker -
Bruchsal). Hier verkehren auch die Stadtbahnlinien S 4 Karlsruhe-Heilbronn und S 9 Bruchsal-Mühlacker innerhalb des Karlsruher Verkehrsverbunds (KVV). Auch die meisten Brettener Stadtteile liegen an diesen beiden Stadtbahnlinien. Den öffentlichen Personennahverkehr (
ÖPNV) bedienen ferner zahlreiche Buslinien.
Medien
In Bretten erscheinen als
Tageszeitung die Brettener Nachrichten, eine Lokalausgabe der in Karlsruhe erscheinenden
Badischen Neuesten Nachrichten. Ferner gibt es das kostenlose Wochenblatt Brettener Woche. Mittlerweile gibt es auch ein Stadtmagazin "Willi" welches nach dem Bürger Willi Hesselbacher benannt ist.
Gericht, Behörden und Einrichtungen
Bretten ist Sitz eines
Amtsgerichts und eines
Notariats, die zum
Landgericht- und
Oberlandesgerichtsbezirk Karlsruhe gehören. Ferner hat die
Agentur für Arbeit hier eine Geschäftsstelle und auch die Zentrale Bußgeldstelle des Regierungspräsidums Karlsruhe hat hier ihren Amtssitz. Bretten ist auch Sitz des Kirchenbezirks Bretten der
Evangelischen Landeskirche in Baden.
Bildung
In Bretten befindet sich das European Study Center der University of Southern Queensland (USQ), deren Sitz in Australien ist. Die USQ hat sechs Fakultäten der Bereiche Geisteswissenschaften, Betriebswirtschaft, Wirtschaftswissenschaften, Erziehungswissenschaften, Ingenieurwissenschaften und Vermessung sowie Naturwissenschaften.
Die Stadt ist Träger von zwei Gymnasien, einer Realschule, drei Grund- und Hauptschulen sowie sechs Grundschulen. Daneben gibt es in Trägerschaft des Landkreises Karlsruhe die beruflichen Schulen, zu denen ein Technisches Gymnasium, die Gewerbliche Schule, die Hauswirtschaftliche Schule und die Kaufmännische Schule gehören; ferner gibt es die Jugendmusikschule Unterer Kraichgau e.V. Bretten und die Volkshochschule Bretten. Die Schulen im Einzelnen:
- Melanchthon-Gymnasium
- Edith-Stein-Gymnasium
- Max-Planck-Realschule
- Johann-Peter-Hebel-Schule (Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule mit Grundschulförderklasse,gebundene Ganztageshauptschule)
- Schillerschule (Grund- und Hauptschule, ungebundene Ganztagesgrundschule)
- Grund- und Hauptschule Diedelsheim
- Grundschulen in den Stadtteilen Bauerbach, Büchig, Gölshausen, Neibsheim, Rinklingen und Ruit
- Eduard-Spranger-Schule - Schule für Geistigbehinderte Gölshausen
- Evangelisches Hohberghaus Bretten - Sonderpädagogische Grund- und Hauptschule
- Pestalozzischule - Förderschule Diedelsheim
- Schulkindergarten Gölshausen
Freizeit und Sport
Bretten verfügt über ein Frei- und ein Hallenbad.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Theater
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Museen
- Melanchthonhaus am Marktplatz, 1897 bis 1903 von Hermann Billing anstelle des Geburtshauses des Reformators erbaut
- Stadtmuseum im Schweizer Hof
- Gerberhaus mit Gerbermuseum
Musik
Die
Arbeitsgemeinschaft für Alte Musik und Kultur führt unter der Bezeichnung
Löffelstilzchen alte Musik auf originalgetreuen Instrumenten auf.
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Bauwerke
- „Hundles“-Brunnen, das „Brettener Hundle“, ein Mops, gilt als Wahrzeichen der Stadt.
- Stiftskirche, evangelische Hauptkirche der Stadt, ursprünglich reformierte Kirche
- Kreuzkirche, ehemals lutherische Kirche, erbaut ab 1687
- St. Laurentiuskirche, katholisch
- Altes Rathaus am Marktplatz, erbaut 1787
- Amtshaus, erbaut 1783/84
- Gerberhaus, ältestes, um 1585 erbautes Wohngebäude der Stadt
- Hebererhaus, Fachwerkhaus an der Pforzheimer Straße, um 1555 Geburtshaus des Reiseschriftstellers Johann Michael Heberer
- Pfeiferturm (13. Jahrhundert) und Simmelturm (14. Jahrhundert), Türme der ehemaligen Stadtbefestigung
Parks
- Tierpark Bretten, größter Streichelzoo Deutschlands
- Rosengarten, unterhalb des Friedhofes gelegene Parkanlage
Regelmäßige Veranstaltungen
- Peter-und-Paul-Fest Bretten, mittelalterliches Stadtfest, (jährlich, erstes Wochenende nach dem Namenstag von Peter und Paul)
- Weinmarkt
- Weihnachtsmarkt
- Europafest
- Krämermarkt, 2x im Jahr
- Kunstgewerbemarkt
- Ostermarkt
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
- 1497, 16. Februar, Philipp Melanchthon (eigentlich: Philipp Schwarzerdt), † 19. April 1560 in Wittenberg, Sachsen, deutscher Reformator
- 1534, Samuel Eisenmenger, genannt Siderocrates, Mediziner und Astronom
- 1821, 5. Oktober, Ludwig Karl Friedrich Turban, † 12. Juni 1898 in Karlsruhe; September 1876 bis März 1893 badischer Staatsminister
- 1855, 13. Juni, Franz Friedrich Graeff, † 4. Dezember 1902 in Freiburg im Breisgau, Prof. der Mineralogie
- 1880, 20. Mai, Hermann Fecht, † 4. Februar 1952 in Baden-Baden, deutscher Politiker (CDU), Justizminister des Landes Baden (Südbaden)
- 1940, 15. März, Roland Schmider, von 1974 bis 2000 Präsident des Karlsruher SC
Sonstige mit der Stadt verbundene Persönlichkeiten
Ferner wohnte auch
Nino de Angelo (
Schlagersänger) in Bretten. Er ist aber in
Karlsruhe geboren.
Literatur
- Badisches Städtebuch; Band IV 2. Teilband aus Deutsches Städtebuch. Handbuch städtischer Geschichte - Im Auftrage der Arbeitsgemeinschaft der historischen Kommissionen und mit Unterstützung des Deutschen Städtetages, des Deutschen Städtebundes und des Deutschen Gemeindetages, hrsg. von Erich Keyser, Stuttgart, 1959
- Politik in einer deutschen Kleinstadt, Luckmann, Benita. Enke, Stuttgart 1970
Weblinks
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