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Brent Spar war eine schwimmende Ölplattform in der Nordsee im Besitz des Shell-Konzerns und Esso. Diese befand sich 190 Kilometer nordöstlich der Shetlandinseln (Großbritannien) im Atlantik und diente 1976 bis 1991 als Zwischenlager für Rohöl, an der Tankschiffe anlegten, um das Öl zu Raffinerien an Land zu transportieren. Brent ist der Name des Erdölfeldes und der dort geförderten Ölsorte, Spar bedeutet auf Niederländisch "Tanne".

Als Pipelines, die das Öl zum Ölterminal Sullom Voe befördern, die Aufgabe des Öltransports übernahmen, wurde die mit einer Höhe von 140 Metern, einem Durchmesser von 30 Metern und einem Gewicht von 14.500 Tonnen zu den kleineren Plattformen zählende Brent Spar überflüssig und sollte 1995 im Meer versenkt werden.

Bekannt wurde die Ölplattform, als Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace diese am 30. April 1995 besetzten, um die Versenkung zu verhindern. Greenpeace befürchtete, die Versenkung könnte ein Exempel für einige hundert weitere ausgediente Plattformen in Nord- und Ostsee sein. Nach Meinung der Organisation gehört Industrieschrott nicht ins Meer, sondern muss möglichst umweltfreundlich entsorgt werden. Die Besetzung fand ein großes Medienecho vor allem in den Niederlanden, Dänemark und Deutschland; einige deutsche Behörden ließen ihre Autos nicht mehr bei Shell tanken, die Junge Union (NRW) rief sogar offen zum Boykott von Shell auf. Dieser Aufruf wurde von vielen Organisationen (z. B. Deutscher Fischereiverband, Kirchentagspräsident) übernommen, daraufhin sanken die Umsätze der deutschen Shell-Tankstellen um bis zu 50 %. In Hamburg wurde ein Brandanschlag auf eine Shell-Tankstelle verübt. Nach einem langen Medienkrieg beschloss Shell am 20. Juni 1995, die Plattform an Land zu entsorgen. Der Konzern reagierte auf die Krise mit einer Gegen-Kampagne unter dem Motto "Wir haben verstanden".

Am 5. September 1995 räumte Greenpeace ein, dass ihre Schätzung über die Menge giftiger Ölrückstände an Bord der Plattform grob fehlerhaft war: die genannte Zahl von 5000 Tonnen war viel zu hoch. Laut Prüfungsbericht der norwegischen Schiffsklassifizierungsgesellschaft DNV (Det Norske Veritas) vom 18. Oktober 1995 beliefen sich z. B. die Ölrückstände auf 75 bis 100 Tonnen. Die gemessenen Werte entsprachen weitgehend den von Shell vorgelegten Zahlen, welche anfangs auch von Greenpeace benutzt worden waren. Greenpeace hat sich für die falschen Zahlen bei Shell und der Öffentlichkeit entschuldigt. Trotzdem wurde der Fehler von den internationalen Medien kritisch vermerkt. BBC-Nachrichtenredakteur Richard Sambrook: „Bei mir blieb das Gefühl zurück, als hätte uns Greenpeace über weite Strecken an der Nase herumgeführt“ (NZZ vom 8. September 1995). Der linksliberale Guardian warnte, dass die Umweltschutzorganisation ihr Image auf Spiel gesetzt hätte. In Deutschland erschien unter dem Titel „Greenpeace: Flecken auf dem Heiligenschein“ ein Kommentar von Michael Spreng in der Bild am Sonntag. Der ARD-Kommentator Stenzel sagte in den Tagesthemen am Tag der Bekanntgabe des Fehlers: „Peinlich, peinlich. Das Image von Greenpeace ist gewaltig angekratzt."

Im Juli 1998 beschlossen die 15 Teilnehmerstaaten der OSPAR-Konferenz ein Versenkungsverbot für Ölplattformen im Nordatlantik. Im gleichen Jahr begannen die Entsorgungsarbeiten der Brent Spar in Norwegen. Ein großer Teil der Brent Spar ist seit 2003 ein Kai-Fundament im norwegischen Mekjarvik, zehn Kilometer nördlich von Stavanger, der Rest wurde verschrottet. Die Teile der gereinigten Außenhülle sind die Basis für eine Kaianlage von 140 Metern Länge und mit 20 Metern Wassertiefe.

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