Der Braunschweiger Dom wurde 1173 als Kollegiatsstiftskirche von Heinrich dem Löwen, Herzog von Bayern und Sachsen, gegenüber seiner Burg Dankwarderode „zur Ehre St. Blasius’ und St. Johannis des Täufers“ gestiftet und von ihm zu seiner Grablege bestimmt. 1226 wurde Thomas Becket zum dritten Schutzpatron erkoren.
Braunschweiger Dom mit Loewe.JPG]] Die Bauarbeiten begannen im Jahre 1173 nach der Rückkehr Heinrichs aus dem Heiligen Lande, wohin er eine Pilgerreise unternommen hatte.
Es ist anzunehmen, dass die Ostseite des Gebäudes um 1188 (dem Jahr der Weihe des noch heute im Dom befindlichen Marienaltars) fertig gestellt gewesen sein dürfte. Obwohl 1195, im Todesjahr Heinrichs des Löwen, das Dach der Kirche abbrannte, dürften ebenfalls die Arbeiten am Langhaus sowie Teilen der Turmgeschosse abgeschlossen gewesen sein. Für die Jahre 1182 – 1185, die Zeit der ersten Verbannung Heinrichs nach England, wird von einer Bauunterbrechung auszugehen sein.
Die Bezeichnung „Dom“ erhielt das Bauwerk höchstwahrscheinlich bereits im 14. oder 15. Jahrhundert. Nach mittelalterlichem Verständnis war damit aber nicht so sehr die Kirche eines Bischofs, als vielmehr die eines Stiftes gemeint. Bis in das 19. Jahrhundert trug der Braunschweiger Dom deshalb die Bezeichnung „Stiftskirche“.
Als Heinrich 1195 starb, wurde er neben seiner zweiten Ehefrau Mathilde, die bereits 1189 verstorben war, im noch unfertigen Dom beigesetzt. Das im Dom befindliche gemeinsame Grabmal der beiden Stifter wurde um 1230 gestiftet und ist an dieser Stelle seit dem Mittelalter bezeugt.
Ursprünglich als dreischiffige romanische Pfeilerbasilika im gebundenen System, mit Querhaus, drei Apsiden, Krypta, Hochchor und sächsischem Westriegel konzipiert (wie z.B. ebenfalls beim Dom von Königslutter zu finden) und aus Sandstein (Elmkalkstein aus dem Elm und Rogensandstein aus dem Nussberg) errichtet, wurde der Braunschweiger Dom über die Jahrhunderte hinweg mehrfach erweitert, umgebaut, rekonstruiert etc. Die besondere architektonische Gestaltung ergibt sich aus den Pfeilern und Wandvorlagen mit Kantensäulen, würfelförmigen Kapitellen, überhöhten Kreuzgratgewölben, im Mittelschiff als Tonnengewölbe ohne Gurtbögen durchlaufend.
Eine Auswölbung mit einem Tonnengewölbe war für romanische Basiliken zunächst nicht üblich. Meist zog man eine flache Holzdecke über das Hauptschiff. Andere Kirchen wurden zwar schon eher als der Braunschweiger Dom mit einem Tonnengewölbe ausgewölbt, vom Braunschweiger Dom kann man jedoch sagen, dass er eine der ersten Kirchen in Deutschland war, die von Anfang an für eine vollständige Auswölbung konzipiert waren.
Die Ostseite des Domes wurde über die Jahrhunderte hinweg baulich am wenigsten verändert. Auf der Nordseite, zum Burgplatz hin, befindet sich auch das Hauptportal des Gotteshauses, darüber die Jahreszahl 1496.
Die beiden achteckigen Türme des Domes erhielten um 1300 eine gotische Glockenstube, sind aber bis heute unvollendet geblieben. Zwischen 1322 und 1346 wurde an der Südseite ein weiteres Seitenschiff angefügt, und nachdem man auf der Nordseite das dort bereits bestehende Seitenschiff abgetragen hatte, wurde an seiner statt eine zweischiffige spätgotische Halle erbaut. Die Weihe fand 1477 statt.
Auffällig ist, dass die nördlichen Seitenschiffe im regional untypischen Perpendicular Style, dem Stil der englischen Spätgotik, ausgeführt sind. Kennzeichnend dafür sind die typischen Fenster, die mit dem Tudorbogen ausgeführt wurden; sowie die Gestaltung der Gewölbe. Die das Gewölbe tragenden Säulen sind nicht, wie regional typisch, Gewandsäulen, sondern sind in sich gedreht und stellen Meisterwerke der Steinmetzkunst dar.
Seit 1543 ist der Braunschweiger Dom ein protestantisches Gotteshaus.
Größere architektonische Veränderungen fanden unter Herzog Rudolf August um 1687 und seinem Bruder Herzog Anton Ulrich um 1700 statt. Zwischen 1866 und 1910 wurde der Dom schließlich grundlegend rekonstruiert und nach dem damaligen Zeitgeschmack umgestaltet.
Die Arbeiten zur Restaurierung und Ergänzung erstreckten sich über mehrere Jahrzehnte, namentlich zu nennen sind in diesem Zusammenhang Heinrich Brandes sowie der Braunschweiger Hofdekorationsmaler Adolf Quensen sowie Prof. August Ottmar Essenwein. Dabei wurden auch die Malereien auf den Säulen im Langhaus hinzugefügt, die im Mittelalter sehr wahrscheinlich nicht vorhanden waren. Einige der Malereien auf den Säulen des Langhauses tragen unten eine unauffällige Schrift "Von Essenwein ergänzt 1884". Nach den mittelalterlichen Traditionen der Ausmalung romanischer Kirchen wurde jedoch nur das Sanktuarium ausgemalt, nie aber das Langhaus.
Unter wohl weitgehender Übernahme des Gegenständlichen wurde 1880/81 eine vollständige Neubemalung des Domes durchgeführt. 1876 waren bereits die Heiligenfiguren an den Mittelschiffpfeilern geschaffen worden. Ältere Aufnahmen zeigen, dass der Dom damals im gesamten Mittelschiff mit ornamentaler und figürlicher Malerei versehen war.
Am nordwestlichsten Langhauspfeiler sowie im Vierungsgewölbe sind noch heute Inschriften mit dem Namen des mittelalterlichen Künstlers zu finden. Darin verweist ein „Johannes Wale“, „Johannes Gallicus“ stolz auf sein Werk: „Würden diese Figuren unter den Lebenden weilen, würden sie mit Recht bei den Göttern wohnen.“
Sowohl die Malereien als auch der Name Gallicus deuten auf eine Beeinflussung des Künstlers aus Frankreich hin. Der Stilbefund der Braunschweiger Malereien erlaubt eine Datierung in die Zeit um 1230/50. Außerdem bestehen deutliche Bezüge zur Bemalung der Holzdecke in St. Michael in Hildesheim, deren ausführende Werkstatt eng mit der in Braunschweig verbunden gewesen sein muss. Kontinuum ist bei den Darstellungen die gleiche eckige Behandlung besonders der unteren Gewandfalten. Diese kantige Darstellungsform wurde daher als „Zackenstil“ bezeichnet und war in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts sehr weite verbreitet.
Den besten Eindruck des Originalzustandes zeigt der südliche Querhausarm, der 1954/56 in mühevoller Kleinarbeit von Restaurator Fritz Herzig wiederhergestellt wurde. Dabei untersuchte dieser auch die von Johannes Gallicus verwendete Secco-Technik.
Generell folgen solche mittelalterlichen Ausmalungen einem thematisch festgelegten Bildprogramm. Ein Teil der Bilder wendet sich biblischen Themen zu, meist einem ausgeprägt christologischen Bilderzyklus; ein weiterer Teil beschäftigt sich mit der Genealogie des oder der Stifter, ein weiterer Teil beschäftigt sich mit der Geschichte der Patrone. Es sei hier kurz auf die Szenenfolgen eingegangen (vom Chor über die Vierung ins südliche Querhaus): Wurzel Jesse (Stammbaum Jesu), Himmlisches Jerusalem (Weisung), Zyklen von der Auffindung des wahren Kreuzes Jesu durch die Heilige Helena. Die Märtyrerlegenden des Heiligen Blasius, Johannes des Täufers und Thomas Becket von Canterbury, das nördliche Querhaus wurde im Anschluss an die Aufdeckung im 19. Jahrhundert mit Szenen aus dem Leben Christi versehen, im Mittelalter waren diese Wände offenbar unbemalt.
In der mittleren Apsis thront der wiederkehrende Christus Pantokrator auf einem Regenbogen, um die Welt zu richten. In den Toren des gemalten Mauerkranzes wachen die zwölf Apostel. Vom Lamm Gottes im Zentrum ausgehend sind Szenen dargestellt, die von der Hoffnung auf neues Leben geprägt sind: die Geburt Christi, die Frauen am leeren Grab des Auferstandenen, das Abendmahl des Auferstandenen mit zwei Jüngern in Emmaus und die Ausgießung des Heiligen Geistes zu Pfingsten.
In der Wölbung des Chorraumes wird die irdische Abkunft Jesu von König David zu Maria dargestellt, unter vielfachen Verästelungen zu anderen undefinierbaren Königen, die das gesamte Gewölbe füllen.
Gegenüber der einstigen Kaiserempore im Südquerhaus, also bei jedem Gottesdienst im Angesicht Kaiser Otto IV., ist die Legende von der Auffindung des Heiligen Kreuzes durch die Heilige Helena dargestellt. Sie verweist auf die Pilgerreise Heinrichs des Löwen nach Jerusalem. Da Helena die Mutter Konstantins war, des ersten christlichen Kaisers in Rom, und auf einem Schild der streitenden Truppen der Reichsadler zu sehen ist, manifestiert der Fries aber auch das welfische Selbstverständnis als direkte Erben des römischen Kaisertums, wie es Kaiser Otto IV. verkörperte. Bei der Darstellung des Reichsadlers soll es sich um dessen älteste Wiedergabe handeln. Hier zeigt sich auch der Initiator der Ausmalung des Braunschweiger Doms und seine Intention: Kaiser Otto IV. kümmerte sich bereits zu Lebzeiten um die Gestaltung seiner Grablege. Die thematische Gliederung der Ausmalung ist also im Zusammenhang mit der weiteren Ausgestaltung des Domes als Gesamtausstattung einer kaiserlichen Grablege zu verstehen.
Es gibt ein zusammenhängendes erhaltenes Kontinuum der Wandmalerei. Dieses zeigt - wenn auch teilweise durch die Überarbeitung des 19. Jahrhunderts etwas verfremdet - die Bedeutung von Wandmalereien für den mittelalterlichen Kirchenbau und deren Erzählfreude. Noch mehr als der heutige Besucher war der damalige Betrachter beeindruckt von der bunten Bilderfolge und den prachtvollen, teilweise vergoldeten Szenen, die in ihrer Gesamtheit zu den umfangreichsten Zyklen auf deutschem Boden zählen.
Vor dem Hintergrund der geplanten grundlegenden Bestandssicherung wurde in den letzten Jahren eine weit reichende Bestandsaufnahme zur Vorbereitung einer groß angelegten Restaurierung der Malereien durchgeführt, wobei die mittelalterlichen Malereien von späteren Übermalungen wieder freizulegen sind.
Im Südquerhaus sind noch etwa 40 % der Originalausmalung erhalten, wobei es sich bei diesen um die farbintensiveren Flächen handelt. Die Nachmalungen der verschiedenen Restaurierungen sind hingegen eher verblasst. Die gotische Idee, durch große Fenster möglichst viel Licht in den Kirchenraum zu lassen, hat den romanischen Malereien geschadet.
Braunschweiger Dom Imervard-Kreuz.jpg]] Innerhalb und außerhalb des Domes befinden sich zahlreiche historische Kunstwerke. Im nördlichen Seitenschiff ist das sogenannte „Imervard-Kreuz“. Es ist belegt, dass dieses romanische Kreuz älter als der Braunschweiger Dom ist – es stammt vermutlich aus dem Jahre 1150.
Es handelt sich um ein romanisches Viernagelkreuz, welches dem Volto-Santo-Typus zugeordnet wird. In der Wissenschaft werden stilistische Bezüge zu dem Kreuz des Domes von Lucca hergestellt. Sehr wahrscheinlich handelt es sich um ein Prozessionskreuz, welches einer Prozession (vielleicht auch einem Kreuzzug oder einer Pilgerreise?) voran getragen wurde. Im Hinterkopf verbirgt sich eine kleine Lade, in der Reliquien aufbewahrt wurden. Auf dem Gürtel des Gekreuzigten ist die lateinisch Inschrift „IMERVARD ME FECIT“ (Imervard hat mich geschaffen) zu lesen.
Stilistisch gesehen wird hier, wie in romanischer Zeit üblich, kein leidender Christus dargestellt, sondern ein triumphierender Christus, ohne Dornenkrone, mit königlichem Gewand (Christus König).
Aus stilistischen Gründen handelt es sich mit Sicherheit nicht um ein Triumphkreuz, welches auf einem Balken an der Vierung angebracht war.
Der Marienaltar ist der einzige, der die über 800-jährige Geschichte des Domes „überlebt“ hat. Alle anderen Altäre sind verschwunden.
Der Leuchter besteht aus 77 bronzenen Einzelteilen, hat eine Höhe von fast fünf Metern, eine Spannweite von vier Metern und wiegt über 400 kg.
In Ausgestaltung und religiöser Symbolik ähnelt der Braunschweiger Leuchter stark der Menora sowie dem Lebensbaum. Ähnliche Leuchter sind nur noch im Essener Münster und im Mailänder Dom zu finden.
Der Leuchter hat trotz seiner Ähnlichkeit mit der Menora mit dieser wenig gemein. Als gesichert kann angenommen werden, dass der Stifter den Dom als Abbild des salomonischen Tempels verstanden wissen wollte. Jedoch ist in diesem Leuchter wohl eher ein Grableuchter (Bezug zum Baum des Lebens) zu sehen, den Heinrich der Löwe wahrscheinlich für das Grab seiner kurz zuvor verstorbenen Frau Mathilde stiftete. Bezeichnend ist ebenfalls die himmelwärtige, auf einen Punkt zielende Ausrichtung der lilienförmigen Kerzenschalen, was wiederum auf eine Auferstehungssymbolik hinweist.
Es ist nicht direkt mit der Lebenszeit des Herzogspaares verbunden, sondern einige Jahrzehnte nach deren Tod entstanden. Bei den Grabfiguren handelt es sich um idealisierte Gestalten, die aber aufgrund der hervorragenden künstlerischen Qualität die Lebensnähe von Abbildern zu gewinnen vermögen.
Das Herzogspaar ist nicht im Alter der jeweiligen Todeszeit dargestellt, sondern als gleichaltrige Personen in der Blüte ihres Lebens. Die gesellschaftliche Stellung und Bedeutung der Persönlichkeiten werden durch Gesten und Attribute betont.
Der in Blickrichtung der Grabfiguren auf der rechten Seite ruhende Heinrich der Löwe hält ein Modell des Braunschweiger Doms in seiner rechten Hand, in der linken ein mit dem Schwertgurt umwickeltes Schwert als Zeichen der Gerichtsbarkeit.
Mathilde umfasst mit ihren vor der Brust gefalteten Händen eine Schlaufe ihres Mantels. So werden der Herzog als herrschaftlicher Initiator des Kirchenbaus und die Herzogin als fromme Frau dargestellt, deren Gebetshaltung durchaus ihrer zeitgenössischen Bezeichnung als religiosissima femina entspricht.
Die Lebendigkeit des Ausdrucks äußert sich vor allem in den souverän geführten Gewändern der Dargestellten. Sie fungieren primär nicht als Verhüllung, sondern deuten die Körperpartien naturnah an und sind sogar in das Handeln der Figuren eingebunden, so bei Heinrich, der einen Mantelzipfel greift, um nicht das Sanktuarium des Modells zu berühren.
Zuvor war bei den früheren Grabplatten, etwa der des Rudolf von Schwaben aus dem 11. Jahrhundert im Dom zu Merseburg, ein Konflikt zwischen dem scheinbaren Stehen und dem tatsächlichen Liegen der Figuren sichtbar geworden.
Eine neue naturalistische Auffassung, die sich zeitlich eng verbunden mit den Grabplatten der Plantagenêts in der Abtei Fontevraud, in dieser Gegend jedoch erstmals in diesen Figuren manifestiert, überwindet diese Unentschiedenheit. Die Gewänder sinken zwischen den Beinen ein oder umhüllen geschmeidig fließend die Körper, an denen sie eigentlich herabhängen müssten, wenn Standfiguren gemeint wären. Auch das Kirchenmodell scheint mehr auf Heinrichs Brust zu liegen denn auf seiner Hand zu stehen. Diese neuartige Gestaltungsweise als künstlerische Errungenschaft hält sich bis in die jüngste Zeit im Mittelpunkt des Interesses der kunsthistorischen Forschung zum Braunschweiger Grabmal.
Die Entstehungszeit des Grabmals ist einigermaßen genau datierbar, da an dem Kirchenmodell, welches die Figur Heinrichs des Löwen in der Rechten hält, bereits die ersten gotischen Veränderungen am Dom abzulesen sind (Durchbruch gotischer Fenster in der oberen Wand des Langhauses, wahrscheinlich zur besseren Beleuchtung oder Inszenierung des Grabmals selbst oder das Kaiser Ottos IV. zusammen mit dem dort stehenden siebenarmigen Grableuchter geschaffen).
Dennoch schwanken wissenschaftliche Datierungen zwischen 1200 und 1260. Am wahrscheinlichsten ist eine Datierung auf die Zeit kurz nach 1227, dem Todesjahr Pfalzgraf Heinrichs, in der die Lage Braunschweigs unsicher war und der Bruch von Besitzrechten auch durch die Gemahnung des Gedächtnisses an den großen Stifter vermieden werden sollte.
Die beiden ältesten Uhren sind der Zeit entsprechend lediglich als Halbkreis geformt. Die Uhr aus dem Jahre 1518 zeigt bereits verschiedene Entwicklungsstufen dieses Uhrentyps. Die große Sonnenuhr am südlichen Turm wurde ursprünglich von dem Augsburger Kunsttischler Georg Hertel für die Städtische Münze am Kohlmarkt geschaffen und wurde erst 1723 (evtl. auch schon 1716 ?) am Dom angebracht. An ihr kann man nicht nur die Tageszeit und einige astronomische Daten ablesen, sie kann auch als Kalender genutzt werden.
1506 wurde die Komplettierung des Geläuts durch sechs zusätzliche Glocken von seinem Gehilfen Hinrik van Campen durchgeführt. Die Glocken tragen die Namen: „Anna“ (eis'), „Blasius minor“ (ais'), „Kaspar“ (cis"), „Katharina“ (dis"), „Maria“ (gis') und „Thomas“ (h'). Die älteste Glocke dürfte das „Adämchen“ (dis"') sein, denn ihrer Form nach stammt sie aus dem 15. Jahrhundert.
Die Glocke „Gabriel“ (eis") wurde im Jahre 1700 vom Braunschweiger Glockengießer Arnold Grete aus einer ebenfalls 1506 von Hinrik van Campen geschaffenen Glocke umgegossen.
Während des Zweiten Weltkriegs sollten sämtliche Glocken des Domes zwecks Einschmelzung abgeliefert werden. Tatsächlich blieben die drei größten aber in der Glockenstube. Die anderen konnte man nach Kriegsende glücklicherweise unversehrt vom „Glockenfriedhof“ bergen und an ihren angestammten Platz zurückbringen.
Schweißungen an Glocken werden vorgenommen, um Risse infolge Materialermüdung wieder zu verfüllen. Dabei werden diese Risse zunächst ausgesägt, sodann die Glocke auf Hochtemperatur gebracht, die jedoch noch weit unter dem Schmelzpunkt liegt. Anschließend werden die Risse mit Bronze der exakt gleichen Legierung ausgegossen. Durch die Hochtemperatur werden die Elementarteilchen auch an den nicht geschweißten Teilen der Glocke neu ausgerichtet, eventuell ermüdete Stellen sind dann ebenfalls „wie neu gegossen“.
Im Zusammenhang mit den Schäden an den drei größten Glocken des Braunschweiger Doms wurde in der letzten Zeit deutliche Kritik an der Läutepraxis geübt, welche bislang darin bestand, eben diese Glocken täglich mindestens 10 Minuten zu läuten. Ein schonenderer Umgang mit 500 Jahre alten Denkmalglocken wurde vermehrt angemahnt.
In ihr sind u. a. folgende Personen bestattet (in chronologischer und familiärer Reihenfolge):
Durch seinen 1147 unternommenen Kreuzzug gegen die slawischen Völker nordöstlich Braunschweigs (bis zur Ostseeküste), deren daraus resultierende Unterwerfung sowie die danach verstärkte Ostkolonisation versuchten nationalsozialistische Ideologen wie z. B. Alfred Rosenberg, Heinrich den Löwen als Vorreiter ihrer Ideologie erscheinen zu lassen.
Zwischen 1935 und 1940 wurde die aus dem 19. Jahrhundert stammende Inneneinrichtung des Domes vollständig entfernt und das Gebäude teilweise baulich und gestalterisch verändert.
Der Freistaat Braunschweig hatte zwar seinen eigenen Ministerpräsidenten, NSDAP-Mitglied Dietrich Klagges, jedoch war dieser dem Reichsstatthalter von Braunschweig und Anhalt Wilhelm Friedrich Loeper (* 13. Oktober 1883; † 23. Oktober 1935) unterstellt, der allerdings in Dessau residierte.
Klagges wollte jedoch aus Eigeninteresse (geplante NSDAP-Karriere) das Land Braunschweig weitestgehend vom Berliner Dirigismus unabhängig halten. Aus diesem Grunde schwebte ihm ein noch ins Leben zu rufender „Gau Ostfalen“, mit Braunschweig als Gauhauptstadt und ihm selbst als Gauleiter vor. Braunschweig sollte nach Klagges’ Vorstellungen NS-Muster- und Vorzeigestadt werden, so wurden u. a. neue Muster-Siedlungen in Mascherode und Lehndorf gebaut.
Am 05. Mai 1935, anlässlich eines offiziellen Staatsbesuchs von Göring und Hanns Kerrl, Reichsministers für kirchliche Angelegenheiten, in Braunschweig, eröffnet Klagges diesen seine Absicht, den Braunschweiger Dom in eine „nationale Gedenkstätte“ umzuwandeln, und erhoffte sich von der NS-Prominenz entsprechende Rückendeckung im Reich und bei Hitler. Um den Führer vollends für sich zu gewinnen, versuchte Klagges sogar, Hitler in eine Linie mit Heinrich dem Löwen zu stellen. In einer Ansprache am 20. Juni 1935 sagte er in Braunschweig: „Wir gehen nicht fehl, wenn wir die Politik Adolf Hitlers als gradlinige Fortsetzung jener Volks- und Bauernpolitik ansehen, die einst Heinrich der Löwe von Braunschweig aus betrieben und durchgeführt hat.“ Dabei handelte es ich sich um ziemlich leicht durchschaubares politisches Kalkül. Hitler ließ sich dadurch nicht beeindrucken – im Gegenteil, wie sich für Klagges bald herausstellte.
Am 18. Juni 1935 teilte Klagges dem Braunschweigischen Landesbischof Dr. Helmuth Johnsen lapidar mit, dass er, Klagges, Hausherr des Braunschweiger Domes sei und deshalb beschlossen habe, die Grabstätte Heinrichs des Löwen in wenigen Tagen für archäologische Untersuchungen öffnen zu lassen.
Zuvor war die Grabstätte bereits mehrfach geöffnet worden, so 1640, 1814, 1880 und schließlich 1935. Letztmalig wurde die Grabstätte 1946 in der 1938 neu angelegten Gruft geöffnet, um die 1936 entnommenen Haarlocken wieder beizulegen.
Am 24. Juni 1935 wurde sozusagen „privatissime“ mit der Aufdeckung der Grabstätte begonnen. Das Grab wurde zunächst von Dr. Eißfeldt sondiert (von Beruf Oberforstmeister), den Klagges selbst für die Aufgabe ausgewählt hatte. Des Weiteren bestand das „Grabungsteam“ aus Baurat Hartwig, Prof. Dr. E. A. Roloff, den Fachschülern Birker und Rieger (als Fotografen) sowie dem (erst nachträglich hinzugezogenen) Landesarchäologen Prof. Dr. Hermann Hofmeister (welcher dann die fachmännische Leitung der weiteren Grabungen übernahm).
Viele Jahrzehnte später schrieb ein Augenzeuge der Grabungen: „Die Arbeiten wurden ohne Benachrichtigung des Pfarramtes oder des Dompfarrers sowie des Landeskirchenamtes begonnen …“ und „Ich hatte nicht den Eindruck, daß alle Beteiligten in großer Ehrfurcht bei der Sache waren; ich hatte vielmehr in genauer Erinnerung, daß der beteiligte Archäologe am Rande der Gruft saß und ratlos hinab sah …“.
Zunächst waren für die Grabungsarbeiten lediglich sieben Tage angesetzt worden, doch nachdem die Leitung in Expertenhände (Prof. Hofmeister) wechselte, verlängerte sich dieser Zeitraum.
Man deutete dieses Merkmal als einen wesentlichen Hinweis auf Geschlecht und Identität des Leichnams, denn es ist belegt, dass Heinrich der Löwe im Februar 1194 (im Alter von 65 Jahren) auf dem Weg nach Saalfeld einen schweren Unfall hatte. Auf einem vereisten Weg bei Bodfeld im Harz stürzte er vom Pferd und wurde dabei so schwer am Bein verletzt, dass er die Reise nicht fortsetzen konnte. In den Annales Stederburgenses ist dazu vermerkt:
Die Frage, ob dies als Beleg für die Identität des Leichnams ausreichend ist, ist mehrfach kritisch erhoben worden. Infolge einer neueren Funddeutung von 1974 gehörten die Gebeine in dem Sarkophag einer dunkelhaarigen Frau von kleinerer Gestalt, die unter einer angeborenen Hüftanomalie litt.
Über Mathilde ist überliefert, dass sie stets in einer Sänfte getragen wurde – u. U. ein Hinweis auf eine Körperbehinderung, die das Gehen beeinträchtigte.
Der große, 1935 „eindeutig“ als weiblich identifizierte Leichnam wurde als der Mathildes, Heinrichs zweiter Frau, gedeutet, die bereits 1189 im Alter von nur 32 Jahren gestorben war und als erste in dieser Gruft bestattet wurde.
1974 wurde dieses Ergebnis bei einer Neudeutung revidiert und der Holzsarg mit dem dort befindlichen Skelett als das Grab Heinrichs des Löwen identifiziert.
Nach Fundbegutachtung wurden die sterblichen Überreste der zwei Erwachsenen in Zinksärge umgebettet und diese wiederum in den alten und in einen neuen Steinsarkophag gebettet.
Den festgestellten Größenunterschied von 1,62 m zu 2,05 m führt man nach heutigem Wissensstand darauf zurück, dass der Holzsarg von der schweren Steinabdeckung des Grabes über die Jahrhunderte hinweg zerquetscht und damit in die Länge gepresst wurde. Es gibt keinen einfachen Rückschluss von der Körperlänge auf das Geschlecht der gefundenen Personen.
Die Grabungsarbeiten fanden schließlich am 6. Juli 1935 ihren offiziellen Abschluss.
Mit ihm kam ein Tross höchster NS-Prominenz nach Braunschweig, darunter Himmler, Göring, Bernhard Rust, Reichsminister für Erziehung, Wissenschaft und Volksbildung sowie Hanns Kerrl, Reichsministers für kirchliche Angelegenheiten und Alfred Rosenberg, Ideologe des völkischen Flügels in der NSDAP.
Verlauf und Ergebnisse dieses Besuchs sind allerdings nicht im Sinne des Braunschweigischen Ministerpräsidenten verlaufen, denn Hitler erklärte nach der Besichtigung, dass ab sofort nur noch er selbst über Art und Umfang der Baumaßnahmen für die Umgestaltung des Braunschweiger Domes zur nationalsozialistischen „Weihestätte“ entscheide. Daraufhin wurden sämtliche bis dahin schon von Klagges erteilten Arbeitsaufträge storniert.
Hanns Kerrl erhielt von Hitler alleinige Entscheidungsbefugnis bzgl. aller Maßnahmen in Verbindung mit dem Dom – de facto eine Entmachtung Klagges', denn dieser musste nun alles von Kerrl oder Hitler genehmigen lassen. Das Reich beteiligte sich an den Kosten und „der Führer werde als Stifter“ in der Öffentlichkeit auftreten.
Noch interessanter dürfte allerdings die Tatsache sein, dass es seitens der NSDAP nach Beendigung der Arbeiten sehr schnell wieder erstaunlich ruhig um Heinrich den Löwen wurde. So wurde z.B. der offizielle Grabungsbericht (elf Seiten Text mit 56 Fotos) des Landesarchäologen und Grabungsleiters Prof. Dr. Hermann Hofmeister, den dieser 1936 kurz vor seinem Tode verfasste, während der Zeit des Nationalsozialismus’ nicht veröffentlicht. Erst 1978 erschien eine geringfügig gekürzte Fassung mit erheblich weniger Fotos (s. u. unter „Literatur“).
Nach Kriegsende entstand um die tatsächliche Identität der Gebeine eine z. T. heftig geführte wissenschaftliche Debatte, die die korrekte Zuordnung der sterblichen Überreste anzweifelte bzw. als ideologisch motiviertes Wunschdenken zurückwies. Somit ist also bis heute nicht zweifelsfrei geklärt, wessen Gebeine seinerzeit im Braunschweiger Dom gefunden wurden.
Als Hinweis auf die Zuordnung der sterblichen Überreste kann die ursprüngliche Anordnung der Figuren auf dem Grabmal herangezogen werden, die durch die (absichtliche) Missdeutung der Nationalsozialisten 1936/38 verändert wurde und erst nach der Wiederherstellung der Tumba rückgängig gemacht wurde.
Zudem steht diese Anordnung der Gräber (Mathilde im Steinsarkophag, Heinrich im Holzsarg) im Einklang mit den Steterburger Annalen, dass Heinrich der Löwe „in dextero latere uxoris suae“ („zur Rechten seiner Gemahlin“) begraben sei. Hier dürfte also durch direkt nach dem Ableben des Herrscherpaares gefertigte Grabplatten eine Identifizierungsmöglichkeit bestanden haben.
Landesbischof Johnsen protestierte bei Klagges und Kerrl gegen die Umbaumaßnahmen – vergeblich, denn Klagges verwies auf seine Hausherrenrolle und erklärte, es gebe im rechtlichen Sinne gar keine „Dom-Gemeinde“; insofern liege kein Eingriff in die freie Religionsausübung oder innerkirchliche Belange vor. Braunschweiger Dom Breker-Loewe.jpg]] Da der Braunschweiger Dom Eigentum des Landes Braunschweig und nicht der Landeskirche war, benötigten die Nationalsozialisten für die Durchführung ihrer ideologisch begründeten Umbaumaßnahmen nicht einmal eine Enteignung.
Die Bauarbeiten begannen 1936 und wurden 1938 abgeschlossen.
Der Entwurf der Gebrüder Krüger sah eine wuchtige, nahezu quadratische Gruft aus Odenwälder Granit vor. Über dem Eingang zur Gruft befindet sich als Schlussstein des Gewölbes ein stilisierter Löwenkopf des von den Nationalsozialisten bevorzugten Bildhauers Arno Breker. An den vier Seiten der neuen Grablege befinden sich je paarweise angeordnet die Wappen der von Heinrich dem Löwen gegründeten Städte München, Lübeck und Lüneburg, sowie seiner Residenz Braunschweig. Die Westwand zeigte ein stilisiertes Hakenkreuz, das nach Kriegsende entfernt wurde.
In einer Art „Reliquiennische“ waren bis 1945 u. a. zwei Schaufassungen mit einer vermeintlichen Haarlocke Heinrichs und einem im angeblichen Grab Mathildes vorgefundenen Gewebebandes ausgestellt.
Zur Erreichung dieses Zieles wurde das Kircheninnere auf seinen mittelalterlichen „Urzustand“ (so wie ihn die NS-Propagandisten verstanden) zurückgeführt, indem alles, was nicht aus der Zeit Heinrichs des Löwen stammte, d. h. sämtliche über Jahrhunderte angesammelte Ausstattungsstücke, wie z. B. Kreuze, Epitaphe, und sonstige Einrichtungsgegenstände, wie das Gestühl u. Ä., aber auch Malereien aus dem 19. Jahrhundert vollständig entfernt wurde. Der Dom wurde sozusagen „ausgeweidet“.
Anschließend wurden neue, große Feuerschalen zur Beleuchtung des Raumes aufgestellt und das Grabmal des Herzogs und seiner Gemahlin erhielt eine Umfassung aus Granit.
Ohne jede Kulisse zeigten sie stark abstrahierte, mutmaßlich historische Begebenheiten mit Heinrich dem Löwen als Protagonisten. Inhaltlich spiegelten sie eindeutig nationalsozialistisches Gedankengut wider, jedoch entsprach die Formensprache eher der Neuen Sachlichkeit der 1920er Jahre. Ziel war es, Heinrich den Löwen als „Ahnen“ Adolfs Hitlers darzustellen. Die Arbeiten fanden nach mehreren Unterbrechungen 1940 ihren Abschluss.
Dohmes Sgraffiti trugen, wie auch die anderen baulichen und gestalterischen Veränderungen im und am Dom, in ihrer Gesamtheit dazu bei, dass der Dom die von den nationalsozialistischen Machthabern beabsichtigte neue Bedeutung als nationale Wallfahrts- und Weihestätte erhielt. Der Braunschweiger Dom war nun „Staatsdom“.
Bei einem Festakt Im November 1940 anlässlich der kulturpolitischen Konferenz des Deutschen Gemeindetages, bei der der Dom zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder für die Öffentlichkeit zugänglich war, „weihte“ ihn Alfred Rosenberg als „nationale Kultstätte“ und „Halle Heinrichs des Löwen“, wie der Dom jetzt bezeichnet wurde.
Nach Kriegsende wurden die baulichen und gestalterischen Veränderungen aus nationalsozialistischer Zeit weitestgehend rückgängig gemacht und der Braunschweiger Dom konnte wieder als protestantische Kirche dienen.
Die tatsächliche Ursache dieser „Kratzspuren“ dürfte allerdings darin liegen, dass Soldaten dort ihre Waffen, wie z.B. Schwerter und Lanzen zum Schärfen wetzten, was im Laufe der Jahrhunderte die tiefen Einkerbungen hinterließ.
Eine andere Erklärung ergibt sich aus der Tatsache, dass dieses Portal das einzige ist, welches aus der Erbauungszeit des Domes stammt und somit mit einiger Wahrscheinlichkeit das Portal darstellt, „dessen Steine Heinrich den Löwen gesehen“ haben. Im Mittelalter und Spätmittelalter maß man daher den Steinen eine besondere Kraft zu und versuchte aus ihnen Pulver zu gewinnen. Durch die Einnahme dieses Pulvers versprach man sich Teilhabe an der legendären Kraft Heinrichs des Löwen. Ein weiterer Grund für die Bevölkerung, sich Teile des Steines abzukratzen, könnte mündlicher Überlieferung zufolge auch darin zu sehen sein, dass Sankt Blasius, dem der Dom geweiht ist, der Schutzpatron für Halskrankheiten ist. Die Einnahme des Pulvers sollte Heilung bringen.
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