Ein Opfer beinhaltet in der Religion das Darbringen von für den Menschen wertvollen Gütern jeglicher Art an eine metaphysische Macht. Diese Macht können Ahnen, Geister und Götter sein. Beim Opfern von Lebewesen war es oft der Fall, dass das Fleisch der Opfergemeinde bzw. dem für die Gemeinde handelnden Priester zum Mahl diente (und nicht oder nur teilweise verbrannt wird).
Ein Opfer ist mit einem Ritual verbunden, bei dem Speisen und Getränke (Öl, Wasser, Wein), Weihrauch, Früchte aber auch Standeszeichen und Waffen, Vieh oder Geld der Zehnte, in besonderen Fällen auch Menschen endgültig entäußert wurden. In schriftlicher Zeit wird zwischen Sühneopfer, Bittopfer, Dankopfer und Lobopfern unterschieden. Zu den ältesten Opfern gehört auch das alle Bereiche umfassende Erstlingsopfer.
Bestimmte Religionen kannten die Opferung von Früchten, die wie das geschlachtete Tieropfer zuweilen verbrannt oder aber ganz oder teilweise gegessen wurden, zuweilen auch in den Besitz der Priesterschaft übergingen. Beim Trankopfer werden Getränke, insbesondere Wasser, Wein und Öl, in oder vor Gräbern oder Tempeln abgestellt oder am Kultplatz vergossen. Das Opfer wird manchmal geschwungen (Schwingopfer) oder auch emporgehoben (Hebopfer), um es vor Gott sichtbar zu machen. Darüber hinaus gibt es auch duftende Rauchopfer, bei denen wohlriechendes Räucherwerk wie Weihrauch und Myrrhe dargebracht wird.
Blutige Opfer fanden sich zunächst in allen Kulturen später vor allem in Agrarkulturen. Zur Opferpraxis antiker Kulturen zählte auch das Menschenopfer, in geschichtlicher Zeit von Kriegsgefangenen an den Kriegs-, Stammes oder Nationalgott, aber das Opfern erstgeborener Kinder.
Geopfert wurde auch Edelmetalle, Hausrat, Waffen, Schmuck, Statuen, z. B. durch Versenken in Flüssen, Seen, Sümpfen oder dem Meer oder durch Aufstellen bzw. Verbringen an Kultplätze (z. B. auf heilige Haine oder Berge, in heilige Höhlen), in Tempel von Göttern oder an bzw. in Gräber von Ahnen. Nicht gemeint ist die Mitgabe von Teilen des Eigentums des Toten als Ausrüstung für das angenommene Leben nach dem Tod als sogenannte Grabbeigaben. Denn dann behielt der Tote nach dem Verständnis der Angehörigen was ihm persönlich auch im Tod gehört, er erhält kein Opfer von den Überlebenden. Wobei es zusätzlich häufig zu Opferungen kam.
Opfer an Ahnen werden teilweise nicht aus dem sonstigen Hauptgrund des Gewogenmachens hingegeben, sondern werden als notwendige Ernährung und Versorgung der Ahnen im jenseitigen Leben verstanden.
Teilweise wurden auch Handlungen wie mühsame und weite Wallfahrten, die Errichtung eines Kultplatzes, z. B. die Errichtung eines Opferaltars selbst, eines Tempels, einer Kapelle oder Kirche, die Errichtung eines Klosters, die Stiftung eines Kunstwerkes für einen solchen Platz, wie Bilder oder Statuen, als Opfer verstanden. Ein Mönch, ein Fürst oder König oder auch eine Gemeinde, ein Dorf oder eine Stadt z. B. opfert einem Gott, indem er oder sie ihm eine Kirche errichtet bzw. errichten, sei es durch körperliche Arbeit oder sei es durch Hingabe von Geld für diesen Zweck. Durch dieses Verhalten wurden Tempel oder Kirchen oft aufwändig errichtet, oft sehr reich ausgestattet mit prächtigen Kunstwerken und teuersten Materialien, wie Edelsteinen und Edelmetallen, geschmückt und es wurden oft große Tempelschätze oder Kirchenschätze angehäuft.
Selten werden auch das bloße Selbstzufügen von Qualen und Schmerzen, wie das Zurücklegen von langen Strecken auf den Knien oder Geißelungen als Opfer verstanden.
Die Tora (5 Bücher Moses) kennt fünf Opferarten, die sich durch ihre Rituale und ihre Anlässe unterschieden.
Außerdem gab es die Möglichkeit zu freiwilligen Gaben an den Tempel aus Dank oder zur Erfüllung eines Gelübdes.
Die Olah bestand aus der vollständigen Verbrennung eines Rindes, Schafes oder einer Ziege, gelegentlich auch einer Taube (wenn jemand arm war). In Bemidbar (4. Buch Mose) 28,3-8 wird das Ganzopfer von zwei Schafen – eines am Morgen und eines am späten Nachmittag – als tägliches Opfer geboten. An Festtagen soll ein zusätzliches Schaf geopfert werden, der Zeitpunkt des Opfers ist nicht festgelegt.
Die Mincha ist die Darbringung eines Brotfladens aus Mehl, vermischt mit Öl und Weihrauch und Salz. Es dient vor allem zum Lebensunterhalt der Priester am Tempel.
Das Sebach Schlamim ist eine festliche Mahlzeit einer Personengruppe. Fett und Nieren des Tieres werden auf dem Altarherd verbrannt, der Rest zubereitet und von den Opfernden verzehrt. Eine antike Fleischmahlzeit war nur in Verbindung mit einem Sebach Schlamim möglich.
Die Chattat dient zur Entsündigung nach einer versehentlichen Gebotsübertretung. Der Hohepriester nimmt ein Rind, stemmt die Hände auf den Kopf des Rindes und überträgt die Sünde des Menschen auf das Rind. Das Rind wird geschlachtet und sein Blut an den Altar und an den Vorhang im Tempel gesprengt. (Dieser Vorhang trennte das Allerheiligste mit der Bundeslade vom Heiligen, dem normalen Innenraum des Tempels.)
Das Ascham dient zur Entsündigung einer groben und vorsätzlichen Gebotsübertretung. Das Ritual ist ähnlich wie bei der Chattat. Hinzu kommt jedoch noch die Verpflichtung, dass der Opfernde den angerichteten Schaden ersetzen muss.
Eine Beschreibung der verschiedenen Opfer und ihrer Rituale und Gründe findet sich an verschiedenen Stellen in der Tora, vor allem aber in Wajikra (3. Buch Mose) Kapitel 1-8.
Einmal im Jahr fand ein Entsündigungsopfer für das Heiligtum selbst und die Priesterschaft statt: der Versöhnungstag (siehe dazu Wajikra (3. Buch Mose) Kapitel 16.
Die Rabbinen diskutieren nach der Tempelzerstörung darüber, welche Handlungen nun an die Stelle der Tieropfer treten könnten. Sie kamen zu drei Ergebnissen:
Von Abraham berichtet das Alte Testament der Bibel, Gott habe zwar prinzipiell von ihm auch die Opferung des Sohnes Isaak verlangt (Menschenopfer waren aus Nachbarreligionen bekannt), jedoch den Ersatz durch ein Opfertier angeordnet. Im Judentum wurden zur Zeit Jesu die Tieropfer zentral im Tempel von Jerusalem vollzogen. Diese wurden durch Schlachtung dargebracht.
Schon das Alte Testament kennt auch geistige Opfer, so etwa in Psalm 51,19: Das Opfer, das Gott gefällt, ist ein zerknirschter Geist, ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verschmähen. Die Propheten kritisierten zuweilen heftig die scheinheilige Opferpraxis und forderten im Namen Gottes statt der Tieropfer, die Gott nicht brauche, Barmherzigkeit gegenüber sozial Benachteiligten wie Witwen und Waisen.
Älterer Hinduismus In der vedischen Zeit (ab 1200 v. Chr.) war das Opfer die wichtigste religiöse Zeremonie. Im Rigveda heißt es: „das Opfer ist der Nabel der Welt“. Ein vedisches Opfer bestand aus dem Feueropfer von Getreide, Milch, Butter etc. und Somasaft auf einem Altar. Man glaubte, dass durch Opfer materieller und geistiger Wohlstand erreicht werden könne. Nach dem Purusha-Sukta ist die Schöpfung aus dem Selbstopfer des Urriesen Purusha entstanden, das die Menschen nun immer wieder wiederholen müssen, damit die Welt bestehen bleibt.
Zur Zeit der Brahmanas (800 v. Chr. – 500 v. Chr.) wurde größter Wert auf die korrekte Durchführung des Opfers gelegt. Zu diesem Zwecke wurde eine umfangreiche Ritualliteratur, eben die Brahmanas erstellt. Die exponierte Stellung der Brahmanen entstand in dieser Zeit. Die komplizierten Riten erforderten drei Priester, den Rezitierenden (Hotri), den Sänger (Udgatri) und den Opfernden (Adhvaryu). Die innere Haltung spielte keine Rolle, die Wirksamkeit des Opfers sah man durch die minutiöse Einhaltung der Regeln gewährleistet. Man glaubte, der betreffende Gott müsse bei Beachtung der rituellen Vorschriften das Erbetene gewähren.
In der Upanishaden-Zeit (700 v. Chr. – 200 v. Chr.) kamen Zweifel am Opfer auf, vor allem an dessen mechanischer Ausführung. In der Katha-Upanishad sagt der Knabe Nachiketas: „Freudlos sind sicher die Welten, in die derjenige gelangt, der Kühe als Geschenk, die nicht mehr trinken, essen, Milch geben und Kälber zur Welt bringen können“. Sein Vater hatte in Hoffnung auf Belohnung das Vishvajit-Opfer vollzogen, bei dem er seinen ganzen Besitz an Brahmanen weggeben hatte. Der Vater war sehr erbost über die freche Bemerkung seines Sohnes und schickt ihn zum Todesgott Yama. Dieser lehrte Nachiketas, dass die Seele (Atman) unsterblich sei. Diese metaphysischen und philosophischen Spekulationen drängten die pure Opferritualistik immer mehr in den Hintergrund.
Neuerer Hinduismus
Durch das Aufkommen des Bhakti Yoga, das die liebende Hingabe an einen persönlichen Gott in den Vordergrund stellte, verlor das Opfer weiter an Bedeutung. In der religiösen Praxis hat es sich in Form von Tempelspenden jedoch erhalten. Beeindruckend sind große Pilgerzentren wie Tirumala Tirupati, wo sich die vielen kleinen Geld- und sonstigen Spenden der zahlreichen Pilger zu beachtlichen Spendenaufkommen summieren. Auch Blütenopfer vor einen Götterbild oder Haarspenden (im Zusammenhang mit Gelübden) zeugen davon, dass diese Tradition durchaus weiterlebt.
Ein häufiges Ritual, was in Tempeln abgehalten wird, ist die Puja, eine Andacht zu Ehren Buddhas. Es werden zwar Rauch, Blumen, Speiseopfer und dergleichen geopfert, aber Buddha lehnt (große) Opfer als sinnlos ab. Insofern ist es als Verdienstübertragung zu verstehen, als dass man durch gute Werke (z. B. Beschenken von Mönchen) Verdienste erwirbt, die sich auf das eigene Glück auswirken sollen. Hier steht der Gedanke des Karma in Vordergrund. Dem kundigen Buddhisten ist allerdings klar, dass er durch diese Praxis kein Nirwana erreichen kann. Ein weiterer Aspekt des Opfers im Buddhismus ist das Üben von Freigiebigkeit. Diese ist eine der sechs Handlungen eines Bodhisattvas (Paramitas), die letztendlich zur Erleuchtung führen. Das Darbringen von äußeren und inneren Objekten ist hier Teil eines Geistestrainings.
Mit demselben Verständnis des Opferbegriffs werden auch ironische oder polemische Verwendungsweisen möglich. So etwa ist eine schwere Anschuldigung gemeint, wenn jemandem vorgeworfen wird, er suche einen Sündenbock oder eine Beleidigung, wenn im Jugendjargon das Wort "Opfer" (mit Bezeichnungen wie looser oder Außenseiter gleichgesetzt) verwendet wird, um die Ausgrenzung einer Person zu betonen. In dem letzten Beispiel wird übrigens das Wort im eigentlichen Sinne verwendet, wie man feststellen kann wenn man beobachtet, dass die mit "Opfer" bezeichnete Person tatsächlich ein Opfer der sich in der Jugendgruppe abspielenden Vorgänge ist.
Θυσία | Sacrifice | Sacrificio | Sacrifice | Sacrificio | 人身御供 | Sacrifício | 牺牲
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