Brandenburg an der Havel ist eine kreisfreie Stadt im Land Brandenburg der Bundesrepublik Deutschland.
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| Wappen Brandenburg an der Havel.png Wappen der Stadt Brandenburg | Lage der kreisfreien Stadt Brandenburg an der Havel in Deutschland.png | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Basisdaten | - bgcolor="#FFFFFF" | Bundesland: | Brandenburg | - bgcolor="#FFFFFF" | Kreis: | Kreisfreie Stadt | - bgcolor="#FFFFFF" | Geografische Lage: | - bgcolor="#FFFFFF" | Höhe: | 29 - 70 m ü. NN | - bgcolor="#FFFFFF" | Fläche: | 228,77 km² | - bgcolor="#FFFFFF" | Einwohner: | 74.222 (31. Oktober 2005) | - bgcolor="#FFFFFF" | Bevölkerungsdichte: | 324 Einwohner je km² | - bgcolor="#FFFFFF" | Postleitzahlen: | 14770-14778 (bis 1993: 1800) | - bgcolor="#FFFFFF" | Vorwahl: | 03381 | - bgcolor="#FFFFFF" | Kfz-Kennzeichen: | BRB | - bgcolor="#FFFFFF" | Gemeindeschlüssel: | 12 0 51 000 | - bgcolor="#FFFFFF" | Stadtgliederung: | 8 Stadtteile, 6 Ortsteile | - bgcolor="#FFFFFF" | Adresse der Stadtverwaltung: | Neuendorfer Str. 90 14770 Brandenburg an der Havel | - bgcolor="#FFFFFF" | Website: | www.stadt-brandenburg.de | - bgcolor="#FFFFFF" | Oberbürgermeisterin: | Dr. Dietlind Tiemann (CDU) | - bgcolor="#FFFFFF" | regierende Partei: | CDU - mit wechselnder Mehrheit | ||
Laut Gemeindeordnung für das Land Brandenburg, Paragraph 54, können Ortsteile gebildet werden, die direkt gewählte Ortsbürgermeister und Ortsbeiräte besitzen. Andere Bezeichnungen, wie Stadtteil, Gemeindeteil, Wohnplatz oder ähnliches, haben keine gesetzliche Grundlage, auch wenn sie aus historischen und Orientierungsgründen nichtamtlich verwendet werden.
Stadtgliederung (Gemeindeteile/Ortsteile mit Wohnplätzen und Jahr der Eingemeindung):
Der letzte Hevellerfürst Pribislaw-Heinrich herrschte von der auf der Dominsel gelegenen Burg mit Petrikirche. Nach seinem Tode 1150 fiel das Land an Markgraf Albrecht den Bären, der 1157 die Burg erstürmte und die Markgrafschaft Brandenburg begründete. Die beiden Domkietze, der Altstädter und der Neustädter Kietz, dürften bald darauf entstanden sein. Bei der Siedlung Parduin mit der St.-Gotthardt-Kirche ließen sich vor 1147 Prämonstratenser nieder, die 1165 auf die Dominsel übersiedelten, wo nun das Domstift und ab 1165 der Dom errichtet wurde.
Die Siedlung um die Gotthardtkirche weitete sich nach 1160 zur Altstadt an der Straße von Magdeburg nach Berlin aus. Westlich vor der Altstadt deutet die vor 1173 entstandene Nikolaikirche im Dorf Luckenberg auf eine alte Kaufmannssiedlung hin. Südlich der Altstadt wurde am Anfang des 12. Jahrhunderts die Neustadt mit der Katharinenkirche planmäßig angelegt. Beide Städte wurden getrennt mit Mauern versehen und bildeten zwei völlig eigenständige Kommunen. 1715 wurde durch den preußischen König Friedrich Wilhelm I. eine gemeinsame Stadtverwaltung beider Städte verfügt, in deren Folge beide Kommunen langsam zusammenwuchsen.
In der Altstadt gründeten die Franziskaner nach 1234 ein Kloster, in der Neustadt wurde der markgräfliche Hof 1286 den Dominikanern überlassen. Ein wohl in der Mitte des 12. Jahrhunderts eingesetztes Burggrafengeschlecht verschwindet seit 1243 aus der Überlieferung. Als Hauptstadt der Markgrafschaft Brandenburg, als Bischofssitz, als Ort eines von weither angerufenen, seit 1326 bezeugten Schöppenstuhls und als Fernhandelsstadt bildete Brandenburg im Mittelalter das unbestrittene Zentrum zwischen Elbe und Oder.
Die auf Fernhandel hinweisende Judengemeinde wurde um 1350, 1446 und 1510 auf das schwerste verfolgt. Der 1402 erwähnte erste Roland auf dem Neustädtischen Markt drückte die städtischen Freiheiten aus, seit 1230 lagen die Obergerichte in der Hand bürgerlicher Schulzen und Schöppen. Gegen Beeinträchtigen durch die neuen hohenzollerschen Landesherren schloss Brandenburg 1431 einen Städtebund mit Berlin, Cölln und Frankfurt (Oder), bis 1518 gehörte es der Hanse an.
Im Anschluss an das Domkapitel und die bürgerliche Führungsschicht der Neustadt entfaltete sich im späten Mittelalter ein reges geistiges Leben. 1521 bestätigt Kurfürst Joachim I. offiziell den Titel Chur- und Hauptstadt für Brandenburg an der Havel. Außerdem legte er die Reihenfolge der märkischen Städte bei Huldigungen und im Felde fest. Die Reihenfolge hierbei war: Brandenburg Alt- und Neustadt, Berlin, Cölln, Stendal, Prenzlau, Perleberg, Ruppin, Frankfurt (O) und Cüstrin. In der Folge kam es später bei Erbhuldigungen deshalb noch bis ins 19. Jahrhundert zu Rangstreitigkeiten mit Berlin.
Zwischen 1536 und 1555 setzte sich die Reformation in Stadt und Domkapitel durch, das Bistum wurde 1598 säkularisiert und dem Kurfürstentum Brandenburg eingegliedert. Gleichzeitig verlor die Stadt infolge des Aufstiegs Berlins als kurfürstlicher Residenzstadt ihre führende Stellung.
Von 1806 bis 1808 war die Stadt von französischen Truppen besetzt. Während der Revolution 1848 tagte vom 8. November bis zu ihrer Auflösung am 5. Dezember 1848 die vom König aus Berlin vertriebene preußische Nationalversammlung im Dom zu Brandenburg. Nach der Neuorganisation der Kreisgliederung im preußischen Staat nach dem Wiener Kongress gehörte die Stadt Brandenburg ab 1816 zum Kreis Westhavelland im Regierungsbezirk Potsdam in der preußischen Provinz Brandenburg, seit 1939 Mark Brandenburg. Am 1. April 1881 schied die Stadtgemeinde Brandenburg aus dem Kreis Westhavelland aus und bildete fortan einen eigenen Stadtkreis.
1830 hatte Brandenburg 13.538 Einwohner, 1846 erhielt es Bahnverbindung nach Berlin und Magdeburg, 1904 nach Rathenow und Belzig, drei weitere Kleinbahnen entstanden 1901/1912. Die erste Pferdestraßenbahn fuhr 1897. Die Industrialisierung setzte nach 1870 ein, die Brennabor-Werke (Gründung 1871 durch die Gebrüder Reichstein) erzeugten Fahrräder, Kinderwagen und Autos, um 1900 folgten zwei weitere Fahrradwerke, eine Schiffswerft, eine Eisengießerei, Fabriken für Blechspielwaren, Textilien und Möbel. 1913 entstand ein Stahl- und Walzwerk, während die alte Tuch- und Seidenweberei einging.
Mit dem industriellen Aufstieg verdoppelte sich in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts die Bevölkerungszahl durch Zuzug aus der Umgebung der Stadt, aber auch aus dem Ruhrgebiet, aus Ost- und Westpreußen, aus Danzig, Pommern und Schlesien. 1905 hatte die Stadt 51.000 Einwohner. Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Brandenburg durch Metall-, Textil- und Spielwarenindustrie geprägt, die jedoch während der Weltwirtschaftskrise schnell in Konkurs ging. Nach 1933 wurde Brandenburg durch die Stahlproduktion zu einem wichtigen Rüstungsstandort. 1935 begann der LKW-Bau (Opel), 1936 der Flugzeugbau (Arado).
1933/1934 bestand in Brandenburg eines der ersten nationalsozialistischen Konzentrationslager. Das Zuchthaus Brandenburg-Görden war von 1933 bis zur Befreiung durch sowjetische Truppen am 27. April 1945 ein berüchtigter Kerker und Hinrichtungsort für zahlreiche Widerstandskämpfer. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden im Zuchthaus über 10.000 Menschen hingerichtet. 9.772 davon im Rahmen des Euthanasie-Programms. Bombenangriffe 1944/1945 und die Bodenkämpfe im April 1945 richteten erhebliche Zerstörungen an. Rund 70 Prozent der Industriebetriebe und 15 Prozent der Wohngebäude waren zerstört.
Die 1950er Jahre waren Jahre des Neuanfangs. Der Bau des Walzwerkes in Kirchmöser ab 1949 und des Stahl- und Walzwerkes Brandenburg ab 1950 gab der Stadt ihre Schwerindustrie wieder. Stahl- und Großindustrie wurden das Symbol der Stadt. Die Einwohnerzahl stieg mit dem Aufbau der Industrie kontinuierlich. Nach der Wiedervereinigung wurde die Industrie privatisiert, zahlreiche Betriebe stillgelegt. Die Strukturveränderungen führten bis heute zu einer hohen Arbeitslosigkeit und einem Sinken der Einwohnerzahl.
Brandenburg hatte im Mittelalter nur einige tausend Einwohner. Die Bevölkerungszahl wuchs nur langsam und ging durch die zahlreichen Kriege, Seuchen und Hungersnöte immer wieder zurück. Bis 1600 stieg sie auf rund 10.000, sank durch die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges bis 1648 auf nur noch 3.000. Erst 1715 wurde der Vorkriegsstand wieder erreicht. Mit dem Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung der Stadt sehr schnell. Lebten 1818 erst 12.800 Menschen in der Stadt, so waren es 1900 bereits 50.000. Deutlich sichtbar sind die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges. Die Stadt verlor 18 Prozent seiner Bewohner (15.000 Personen). Die Einwohnerzahl sank von 84.000 im Jahre 1939 auf 69.000 im Dezember 1945. Im Jahre 1952 lebten in der Stadt wieder so viele Menschen, wie vor dem Krieg.
Bis 1988 stieg die Bevölkerungszahl der Stadt Brandenburg auf ihren historischen Höchststand von rund 95.000. Inzwischen ist die Einwohnerzahl jedoch wieder stark gesunken. Seit der Wende in der DDR im Jahre 1989 hat die Stadt durch Abwanderung und Geburtenrückgang bis 2005 etwa 20 Prozent ihrer Bewohner (20.000 Personen) verloren. Am 30. Juni 2005 betrug die „Amtliche Einwohnerzahl“ für Brandenburg an der Havel nach Fortschreibung des Landesbetriebes für Datenverarbeitung und Statistik Brandenburg 74.662 (nur Hauptwohnsitze und nach Abgleich mit den anderen Landesämtern). Mit einem weiteren Absinken der Bevölkerungszahl wird gerechnet. Aktuelle Studien gehen davon aus, dass die Stadt im Jahre 2020 noch circa 65.000 bis 68.000 Einwohner haben wird.
Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1830 handelt es sich meist um Schätzungen, danach um Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der Staatlichen Zentralverwaltung für Statistik (bis 1989) und des Statistischen Landesamtes (ab 1990). Die Angaben beziehen sich ab 1871 auf die „Ortsanwesende Bevölkerung“, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und seit 1966 auf die „Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung“. Vor 1871 wurde die Einwohnerzahl nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt.
| Jahr | Einwohner | - | 1600 | 10.000 | - | 1648 | 3.000 | - | 1715 | 11.000 | - | 1818 | 12.800 | - | 1830 | 13.538 | - | 1. Dezember 1840 ¹ | 14.395 | - | 3. Dezember 1855 ¹ | 21.058 | - | 3. Dezember 1858 ¹ | 21.619 | - | 3. Dezember 1864 ¹ | 26.100 | - | 3. Dezember 1867 ¹ | 25.500 | - | 1. Dezember 1871 ¹ | 25.828 | - | 1. Dezember 1875 ¹ | 27.371 | - | 1. Dezember 1880 ¹ | 29.066 | - | 1. Dezember 1885 ¹ | 33.129 | - |
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| Jahr | Einwohner | - | 1. Dezember 1890 ¹ | 37.817 | - | 2. Dezember 1895 ¹ | 42.690 | - | 1. Dezember 1900 ¹ | 49.250 | - | 1. Dezember 1905 ¹ | 51.239 | - | 1. Dezember 1910 ¹ | 53.595 | - | 1. Dezember 1916 ¹ | 48.039 | - | 5. Dezember 1917 ¹ | 49.565 | - | 8. Oktober 1919 ¹ | 52.972 | - | 16. Juni 1925 ¹ | 59.297 | - | 16. Juni 1933 ¹ | 64.190 | - | 17. Mai 1939 ¹ | 83.825 | - | 1. Dezember 1945 ¹ | 68.927 | - | 29. Oktober 1946 ¹ | 70.632 | - | 31. August 1950 ¹ | 82.215 | - |
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| Jahr | Einwohner | - | 31. Dezember 1955 | 87.143 | - | 31. Dezember 1960 | 86.722 | - | 31. Dezember 1964 ¹ | 89.697 | - | 1. Januar 1971 ¹ | 93.983 | - | 31. Dezember 1975 | 93.765 | - | 31. Dezember 1981 ¹ | 94.680 | - | 31. Dezember 1985 | 94.862 | - | 31. Dezember 1988 | 94.872 | - | 31. Dezember 1990 | 89.889 | - | 31. Dezember 1995 | 85.994 | - | 31. Dezember 2000 | 77.516 | - | 30. Juni 2005 | 74.662 |
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Roland - Brandenburg an der Havel.jpg
In der Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte der Anschluss Brandenburgs an die Potsdam-Magdeburger Eisenbahn, auf der der Verkehr am 7. August bzw. 15. September 1846 aufgenommen worden ist. Die Einweihung der großen Elbbrücke bei Magdeburg erfolgte allerdings erst zwei Jahre später, am 19. August 1848. Da der Bahnhof südlich der Neustadt seinen Standort erhielt, führte dies zu einer städtebaulichen Ausweitung Brandenburgs in Richtung Süden. Über die Große Gartenstraße (zu DDR-Zeiten: Ernst-Thälmann-Straße) wurde vom Steintor aus der Bahnhof erreicht. Fast parallel dazu führte die Bauhofstraße (Straße der Freundschaft), die bis 1891 als Sackgasse an der Havel endete. Da sich die Stadt auch nach Westen ausgedehnt hatte, war der Bau einer zweiten Havelbrücke notwendig geworden, die den Schleusenkanal und die Havel überspannte und auf der Altstädtischen Seite in die Luckenberger Straße mündet. Dadurch war seit dem Ende des 19. Jahrhunderts der Verkehr über die Lange Brücke, die zunehmend zum Nadelöhr wurde, entlastet worden. Ende der 80er Jahre wurde dann zur weiteren Umgehung des Brandenburger Stadtzentrums der Bau einer neuen Havelbrücke in der Fortsetzung der Zanderstraße beschlossen. Sie führte zur Otto-Sidow-Straße und über diese zum Hauptbahnhof.
Ein Jahr nach der Wende zum 20. Jahrhundert erhielt Brandenburg Anschluss an das Westhavelländische Kleinbahnsystem. Vom Bahnhof Brandenburg Krakauer Tor führte eine Strecke nach Nauen-Röthehof, eine andere von Brandenburg-Altstadt nach Roskow. Letztere Strecke erforderte eine Eisenbahnbrücke über die Unterhavel außerhalb des damaligen Stadtgebietes. Diese Brücke wurde auch von der Brandenburgischen Städtebahn benutzt, die 1904 eröffnet wurde und deren Bahnhof Neustadt sich unmittelbar neben dem Hauptbahnhof befand und heute mit ihm verschmolzen ist. Die Städtebahn führte von Treuenbrietzen über Belzig, Brandenburg, Rathenow nach Neustadt (Dosse). Während die Kleinbahnen nach 1945 abgebaut worden sind, ist letztgenannte Strecke heute noch in Betrieb.
Eine Besonderheit gegenüber anderen märkischen Städten ist die Tatsache, dass es in Brandenburg seit 1897 eine Pferdebahn gab, die 1910 den elektrischen Betrieb aufnahm. Der heutige innerstädtische Straßenbahnverkehr wird mit 20 Triebwagen auf drei Linien mit einer Gesamtlänge von 17,65 km (Meterspur) betrieben.
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weitere (Jahr der Verleihung zur Zeit nicht bekannt):
Personen, die durch das Zuchthaus Brandenburg in Verbindung mit der Stadt stehen, weil sie dort inhaftiert waren oder hingerichtet worden, sind im gleichnamigen Artikel zu finden.
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