| Brand-Knabenkraut | ||||||||||||||
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| Orchis ustulata 05 Saarland.jpg | ||||||||||||||
| : | Spargelartige (Asparagales) |
| : | Orchideen (Orchidaceae) |
| : | Orchidoideae |
| : | Orchideae |
| : | Orchidinae |
| : | Knabenkräuter (Orchis) |
| : | Brand-Knabenkraut |
Das Brand-Knabenkraut wurde 1753 von Carl von Linné in der 10. Auflage der Systema naturae als Orchis ustulata beschrieben und somit in die Gattung Orchis eingeordnet. Der Name leitet sich von griechisch όρχις orchis (Hoden) und ustulata, von lateinisch ustulatus (angebrannt, Brand-) ab. Entsprechend lautet der deutsche Name Brand-Knabenkraut, Brandknabenkraut oder Angebranntes Knabenkraut. Er nimmt Bezug auf die schwarze Färbung des aufblühenden Blütenstandes.
Der Blütenstand ist reichblütig mit vielen sehr kleinen Blüten in einer walzenförmigen Ähre, die sich im Verlauf der Blüte streckt. Die Kronblätter (Petalen) und Kelchblätter (Sepalen) bilden einen 3 bis 4 Millimeter großen, fast kugelförmigen Helm, der außen dunkelpurpurn bis schwarz gefärbt ist. Die Lippe (Labellum) ist circa 5 bis 8 Millimeter groß, tief dreilappig und weiß bis rosa gepunktet (selten reinweiß). Der Sporn ist etwa ein bis zwei Millimeter lang, nach unten gerichtet und etwa halb so lang wie der Fruchtknoten.
Als Bestäuber für Orchis ustulata subsp. ustulata wird die Raupenfliege Echinomyia magnicornis Godfery 1933, Vöth 1984 genannt, für subsp. aestivalis der Bockkäfer Leptura levida und verschiedene Hummel-Arten. Der Fruchtansatz ist meist relativ hoch.
Aufgrund der beträchtlichen ökologischen und geographischen Varianz erstreckt sich die Blütezeit der Art in Mitteleuropa insgesamt von April bis August. Dabei ist Orchis ustulata subsp. ustulata frühblühend, Orchis ustulata subsp. aestivalis spätblühend. Die einzelne Pflanze blüht etwa drei Wochen lang. An Standorten in milden Gegenden kann die Blüte von Orchis ustulata subsp. ustulata schon im letzten Aprildrittel beginnen, in den Alpen dagegen blüht sie oft erst im Juni auf. Da Orchis ustulata subsp. aestivalis offenbar eher in mittleren Lagen auftritt, blüht sie etwas einheitlicher von Juli bis August.
Das Brand-Knabenkraut wächst auf Trocken- und Halbtrockenrasen, Streuwiesen, Magerwiesen und Bergmatten bis 2000 Meter NN, seltener in lichten Kiefern- oder Laubwäldern sowie in trockeneren Bereichen von Feuchtwiesen. Dabei benötigt die Pflanze wechselfeuchte, basische, selten auch kalkfreie Böden mit einem pH-Wert von 6,0 bis 8,0. Die Art gilt als sehr heliophil und tritt meist auf vollbesonnten Standorten mit Beleuchtungsintensitäten bis über 80.000 Lux auf. Orchis_ustulata_wiki_mg-k01.jpg]] Es findet sich in den Pflanzengesellschaften
(Aufschlüsselung siehe: Pflanzensoziologische Einheiten nach Oberdorfer)
Nach dem Orchideenkundler Karl-Peter Buttler ist es ein Florenelement der meridional/montanen, submeridionalen und temperaten Florenzone.
In Deutschland ist das Brand-Knabenkraut verbreitet am Alpenrand anzutreffen, zerstreut im übrigen Bayern (Altmühltal, Lechtalheiden, Fränkische Alb, Maintal, Spessart). Auch in Baden-Württemberg tritt es zerstreut auf, vor allem am Oberrhein und auf der Schwäbischen Alb. Seltener ist es in Rheinland-Pfalz und im Saarland (Region Mosel - Eifel). Weiter nördlich trifft man es nur selten bis sehr selten an, so im äußersten Südwesten Nordrhein-Westfalens, Hessen, Thüringen und nurmehr vereinzelt in Sachsen-Anhalt und Sachsen. In Brandenburg und inzwischen offenbar auch in Südniedersachsen ist die Pflanzenart ausgestorben, in den übrigen Ländern kam sie nie vor.
In Österreich kommt die Art zerstreut in allen Bundesländern vor, mit Schwerpunkt in den alpinen Kalkgebieten. Auch in der Schweiz findet sie sich nahezu im gesamten Gebiet. Die Fundpunkte häufen sich aber im Jura, in der Innerschweiz, im Rheintal und in den Südalpen, hingegen ist sie im Mittelland sehr selten geworden.
Es gilt entsprechend als stark gefährdet. Empfindlich reagiert es auf Veränderungen des Biotops und verschwindet schneller als zum Beispiel das Kleine Knabenkraut, mit welchem es sich die Standorte oft teilt.
Der Arbeitskreis Heimischer Orchideen (AHO) in Deutschland, der sich in allen Bundesländern den Schutz, die Pflegemaßnahmen der Biotope, die Kartierung und wissenschaftliche Betreuung der heimischen Orchideenflora zur Aufgabe gemacht hat, wählte das Brand-Knabenkraut zur Orchidee des Jahres 2005. Mit der Wahl soll auf die starke Gefährdung dieser Orchideenart aufmerksam gemacht werden, die aus der mitteleuropäischen Landschaft zu verschwinden droht. Die Rückgangsursachen sind einerseits der Flächenverbrauch durch Bebauung, die intensive Wiesenbewirtschaftung, Düngung und zu häufige Mahd, andererseits aber auch die gänzliche Aufgabe der Bewirtschaftung und damit das Brachfallen der Wuchsorte.
| Orchis_ustulata_wiki_mg-k03.jpg | Orchis_ustulata_aestivalis_wiki_mg-k01.jpg |
Als Varietät treten sehr selten Pflanzen mit reinweißen Blüten auf:
Als Hybriden wurden beschrieben:
Bis auf Orchis × dietrichiana werden die anderen Hybriden durch die genetisch weit auseinanderliegende Verwandtschaft der Ausgangsarten als zweifelhaft angesehen.
Neben dem gültigen Erstbeschreibungsnamen, Orchis ustulata L. 1753, dem Basionym gibt es zahlreiche Synonyme, die durch Neubeschreibungen entstanden sind:
Siehe auch:
Spezielle Literatur zum Brand-Knabenkraut
Verbreitungskarten
Regionale Links
Orchidee des Jahres 2005
Burnt orchid | Orchis ustulata | Orchis brûlé | Smulkiažiedė gegužraibė | Aangebrande orchis | Krutbrännare
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