Boutros Boutros-Ghali (* 14. November 1922 in Kairo, Ägypten), arabisch: بطرس بطرس غالي, war sechster Generalsekretär der Vereinten Nationen vom Januar 1992 bis Dezember 1996.
Geboren als Mitglied einer Familie koptischer Christen, welche bereits einen ägyptischen Ministerpräsidenten (Boutros Ghali, 1846–1910) gestellt hatte, absolvierte Boutros-Ghali die Universität von Kairo (Bachelor der Rechtswissenschaften 1946).
Er studierte Internationales Recht an der Sorbonne (1949 Ph.D.).
Zwischen 1949 und 1977 war er Professor an der Universität von Kairo.
Er veröffentlichte mehr als 100 Artikel, mehrere Bücher und erhielt Ehrungen aus über 24 Ländern.
Boutros Boutros-Ghali hat sich an der Lösung mehrerer Konflikte in Afrika beteiligt. Auch an der Freilassung von Nelson Mandela 1990 wirkte er mit.
Im Mai 1991 wurde er stellvertretender Außenminister von Ägypten.
Er wurde mit finanziellen Schwierigkeiten der UN konfrontiert. Während seiner Amtszeit wurden die UN neustrukturiert und die Gesamtzahl der Mitarbeiter erheblich abgebaut.
Er befürwortete 1992 den Einsatz von UN-Truppen in Somalia.
Kritisiert wurde er im Zusammenhang mit Fehlern der UN während des Völkermords in Ruanda von 1994.
Nach Beginn des Zweiten Golfkriegs wurden Handels-, Finanz- und Waffenembargos gegen den Irak vom Sicherheitsrat verfügt. Unter den langandauernden Wirtschaftssanktionen litten große Teile der Bevölkerung. Boutros Boutros-Ghali setzte sich für das Programm Öl für Lebensmittel ein, durch welches die Ernährungslage und die Gesundheit der irakischen Bevölkerung verbessert werden sollte.
Während der Amtszeit von Boutros-Ghali waren neben den Konflikten um den Irak auch die Vorgänge in Jugoslawien und Bestrebungen bestimmter Bevölkerungsteile nach Unabhängigkeit von Jugoslawien häufig Gegenstand von Beratungen und UN-Resolutionen im Sicherheitsrat und der UN-Generalversammlung.
Er kritisierte die geringen Möglichkeiten der UN zur Krisenbewältigung.
Boutros Boutros-Ghali war der erste UN-Generalsekretär, dem keine zweite Amtszeit gewährt wurde. Eine zweite Amtszeit scheiterte hauptsächlich am Widerspruch der USA.
Von 1997 bis 2002 war er Generalsekretär der Internationalen Organisation der Frankophonie, einer Organisation französischsprachiger Länder.
Auch ist er weiterhin ein kritischer Betrachter des Weltgeschehens, der von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. So bezeichnete er zum Beispiel im April 2003 den Irakkrieg als eine Verletzung der Charta der Vereinten Nationen.
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