Die Bounty war ein Dreimaster der britischen Admiralität, der 1787 unter Führung von Leutnant William Bligh zu einer Expedition in die Südsee aufbrach, um Stecklinge des Brotfruchtbaums aus Tahiti zu den Antillen zu bringen. Auf der Rückreise kam es zur berühmten „Meuterei auf der Bounty“, die seither immer wieder Gegenstand von Romanen, Filmen, Theaterstücken und Sachbüchern ist.
Joseph Banks, der Präsident der Royal Society, der Königlichen Gesellschaft zur Förderung wissenschaftlicher Forschung, empfahl hierfür die der Süßkartoffel ähnlich schmeckende vitaminreiche Brotfrucht. Einmal gepflanzt würden die Bäume fast ohne Pflege auskommen und könnten das ganze Jahr über beerntet werden. Banks hatte sich für die in Europa vorher wenig bekannte Frucht auf James Cooks erster Weltumsegelung begeistert.
Statt die Beschaffung und Überführung der Stecklinge selbst durchzuführen, erwirkten die Großgrundbesitzer die Finanzierung des Projekts durch die Krone, wobei sie von Banks unterstützt wurden: Am 5. Mai 1787 beauftragte König Georg III. seine Admiralität mit einer Expedition. Die Admiralität versuchte ihren ersten kommerziellen Auftrag, hinter dem weder militärische noch Forschungszwecke standen, mit geringstmöglichen Kosten zu erfüllen.
Die Bethia hatte eine Rumpflänge von 27,7 m, eine größte Breite von 7,3 m und ein Fassungsvermögen von 215 tons (zum Vergleich: Cooks Endeavour hatte 368 tons). Sie wurde Ende Mai in die Werft der Admiralität in Deptford Yard bei Chatham on Thames verlegt. Dort wurde sie zum „segelnden Treibhaus“ umgebaut und die Masten wurden gekürzt. Am 8. Juni wurden der Neuerwerb und der neue Name Bounty öffentlich bekannt gegeben.
Der Name bedeutet „Wohltat, Güte, gnädige Gabe“ und sollte die „Gnade“ des Königs zum Ausdruck bringen, den vom Hungertod bedrohten Sklaven seiner Untertanen in Westindien mit Hilfe der Brotfrucht-Expedition ein billiges Nahrungsmittel zu verschaffen.
Für die ursprüngliche Bezeichnung HMAV spricht:
Anzumerken ist, dass die nautische Ausrüstung des Schiffes relativ gut war: „Borduhr“ war die von Larcum Kendall gebaute K2. Dass dem Kommandanten auch der Bericht über die 1767 entdeckte Insel Pitcairn vorlag, die bereits Cook (be)suchen wollte, gilt als sicher.
Der Ranghöchste nach Bligh war John Fryer, Sailing Master. Fryers Bestellung durch die Admiralität hatte ihn für die Dauer der Reise in den Rang eines Acting Lieutenant versetzt – er übte eine Funktion aus, die ansonsten ein Leutnant zu bekleiden gehabt hätte. Er befehligte auch die Erste Wache.
Zu Beginn der Reise gab es außer dem Kommandanten vermutlich insgesamt fünf Offiziersfunktionen: Fryer, den Artilleriemeister (Gunner) und Zweiten Wachhabenden Peckover, den (Ober-)Bootsmann Cole, den Schiffszimmermann Purcell und den Arzt Huggan. Offiziersähnlichen Status hatten noch der Waffenmeister (Armourer), der Bordschreiber (Captain’s Clerk) und der Kapitänsdiener (Captain’s Steward), der Assistent des Arztes und die beiden „Gärtner“.
Im Unteroffiziersrang waren vielleicht acht Leute: Die beiden Master’s Mates (Mate = Gehilfe, Maat) Fletcher Christian und William Elphinstone, zwei Quartermaster und ein Quartermaster’s Mate, ein Gunner’s Mate, der Segelmacher, der Gehilfe des Zimmermanns.
Fünf Seekadetten (Midshipmen) standen ebenfalls noch mehr (formal) oder weniger (fachlich) über den Matrosen, unter denen der Hannoversche Küfer Heinrich Hillbrant aufschien. Als Leichtmatrose geführt wurde ein halb blinder irischer Geiger namens Michael Byrn. Bligh wollte so für gute Laune und gesunde Bewegung sorgen, was aber innerhalb der Mannschaft nicht sonderlich gut aufgenommen wurde: Man wollte ungern „auf Befehl“ tanzen und hätte auf dem schwach bemannten Schiff lieber einen Vollmatrosen mehr gehabt. Byrn war nach der Meuterei der erste im Beiboot und wurde prompt von seinen „Kameraden“ hinausgedrängt. Neben ihm waren noch sieben andere, die meist als Matrosen geführt wurden, wegen ihrer Funktionen vom Wachdienst befreit, beispielsweise der Küfer, der Koch, der Fleischer, der Segelmacher und die beiden Gärtner.
Somit hatte Bligh zwar 45 Mann, aber keine zwei Dutzend echte Matrosen zur Verfügung. In Spithead (in Sichtweite von Portsmouth), wo die Bounty Ende September angekommen war, um letzte Vorkehrungen zu treffen und den endgültigen Befehl zur Reise abzuwarten, hatte es bereits vierzehn Desertionen gegeben, die aber weitgehend wieder aufgestockt werden konnten. Den späteren Meuterer Fletcher Christian kannte Bligh von mehreren gemeinsamen Fahrten, zunächst auf HMS Cambridge 1782 und später für Campbell. Um die Bestellung für die Bounty hatte Christian den Leutnant brieflich gebeten. Auch mit einigen anderen Mitgliedern seiner Crew war Bligh schon früher unterwegs gewesen, mit dem altgedienten Artilleristen Peckover beispielsweise unter Cook.
Am 23. Dezember 1787 stach die Bounty endlich in See. Es war der zweite Anlauf nach dem im Dezember eingelangten Befehl – der erste hatte nach wenigen Tagen wegen Schwerwetters abgebrochen werden müssen. In Santa Cruz de Tenerife bunkerte Bligh Wasser und Proviant. Mit der Abreise am 10. oder 11. Januar führte Bligh zum Wohl seiner Crew dort ein fortschrittliches Drei-Wachen-System ein und bestellte Christian zum Dritten Wachführer.
Am 7. Februar 1788 passierte das Schiff den Äquator. Am 23. März begann die Bounty den Angriff auf Kap Hoorn. Trotz minimaler Wahrscheinlichkeit, das Kap mit dem kleinen Schiff um diese Jahreszeit runden zu können, versuchte Bligh den Befehl trotz des schweren gegenan wütenden Sturms auszuführen. In der Mannschaft gab es kleinere Verletzungen und Erkrankungen, über die Verpflegung wurde gemurrt. Man warf Bligh vor, er habe einen Käse aus dem Proviant der Mannschaft für sich selbst abzweigen lassen.
Dass Bligh Fryer lautstark tobend vor den Augen der Mannschaft kritisierte, weil dieser nicht rechtzeitig die Segel gekürzt, also das Schiff gefährdet hatte, sollte die Spannungen zwischen den beiden Ranghöchsten an Bord in Zukunft erheblich steigern.
Erst am 22. April beschloss Bligh den Kurswechsel zum Kap der Guten Hoffnung, den ihm die Admiralität als Notlösung zugestanden hatte.
Die Bounty traf am 24. Mai in der False Bay bei Kapstadt ein, wo sie generalüberholt werden musste. Christian, der kaum Bargeld dabeihatte (ein Zwischenaufenthalt war ja nicht vorgesehen gewesen), musste von Bligh Geld borgen, um während der Liegezeit standesgemäß an Land auftreten zu können, was Bligh ihm später mehrmals öffentlich vorwerfen sollte. Das Schiff lief Ende Juni wieder aus.
Einen vierzehntägigen Zwischenaufenthalt gab es ab 20. August in der Adventure Bay (Insel Bruni, südöstlich von Tasmanien). Danach, am 19. September, entdeckte Bligh die Bountyinseln, eine Gruppe winziger Felsen auf 47°44’S, 179°7’E (südöstlich Neuseelands). Das Schiff stand jetzt nahe der Datumsgrenze.
Am 9. Oktober starb der Vollmatrose James Valentine an Blutvergiftung, was Bligh auf unsaubere Instrumente des Bordarztes zurückführte. Am selben Tag gab es auch wieder einen Eklat mit Fryer, der sich geweigert hatte, das Logbuch zu unterschreiben, und es erst tat, als Bligh ihm dies vor versammelter Mannschaft befahl.
Das Schiff verbrachte fünf Monate dort, da Bligh Befehl hatte, auf der Rückreise die Endeavour-Straße zu erforschen und dazu auf das Einsetzen des Ost-Monsuns Anfang April warten musste. Die Mannschaft und auch Bligh genossen das Leben mit den freundlichen Menschen, es gab zahlreiche Kontakte zu Tahitianerinnen. Einige Besatzungsmitglieder, etwa Fletcher Christian und Peter Heywood, gingen längerfristige Beziehungen ein. Manche, insbesondere Heywood, ließen sich tätowieren, wie es bei den Eingeborenen Brauch war.
Am 9. Dezember 1788 erlag der inzwischen seiner Funktion enthobene Schiffsarzt seiner Trunksucht.
Ende Dezember scheint die Disziplin verfallen zu sein. Am 5. Januar 1789 versuchten drei Männer mit einem Beiboot zu desertieren, wurden jedoch am 22. wieder eingefangen und mit einem Dutzend oder zwei Dutzend Hieben mit der Neunschwänzigen Katze bestraft, das heißt äußerst milde: Sogar die Todesstrafe durch Erhängen wäre für Desertion und Diebstahl des Beibootes in Frage gekommen.
Am 4. April 1789 verließ die Bounty Tahiti mit Kurs auf die Endeavour-Straße, den südlichsten Teil der Meerenge zwischen Australien und Neuguinea. Sie hatte 1015 Jungpflanzen an Bord, entsprechend eng muss es an Bord gewesen sein.
Südwestlich von Tofua, heute ebenfalls zu Tonga gehörig, kam es am 28. April zur Meuterei:
Am Vorabend war Christian von Bligh beschuldigt worden, sich am Schiffsvorrat an Kokosnüssen vergriffen zu haben. Christian, der sich erneut ungerecht behandelt fühlte, betrank sich anschließend und sprach gegenüber einigen Matrosen davon, mit einem Floß nach Tahiti zurückkehren zu wollen. Diese scheinen ihm dann zugeredet zu haben, stattdessen Bligh auszusetzen.
Christians vierstündige Wache begann um 4:00 Uhr, nachdem er keine halbe Stunde geschlafen haben konnte (er war in seiner Freiwache bis 3:30 Uhr an Deck geblieben). Ab 4:30 Uhr kam es zu Debatten an Deck, gegen 5:20 Uhr wurde Bligh festgenommen und an den Handgelenken gefesselt. Christian, Mills, Churchill, Burkett und Adams bedrohten ihn mit Waffen. Hitzige Debatten entstanden, Bligh tobte, Fryer brüllte auf Christian ein, und das kleine Beiboot wurde zum Wassern vorbereitet. Um 7:00 Uhr war das geschehen, aber das Boot in so schlechtem Zustand, dass man Bligh die Barkasse zugestand.
Nach einer halben Stunde war diese gewassert, und zu Christians Verwunderung wollten jetzt 20 Mann einsteigen. Gegen acht Uhr war die Barkasse voll besetzt, Bligh aber noch an Bord der Bounty. Im Beiboot waren zwei kleine Fässer Wasser (maximal 125 Liter), etwas Wein, Rum, Brot und Zwieback (insgesamt rund 75 kg) sowie einige Kokosnüsse. Ein wenig Kleidung wurde ins Boot geworfen, der Zimmermann durfte sein Werkzeug mitnehmen und der Bordschreiber konnte die allerwichtigsten Unterlagen Blighs zusammensuchen. Kurz nach acht Uhr wurde dieser als letzter ins Boot genötigt, und erneute Debatten begannen, als er Christian ein letztes Mal umzustimmen versuchte. Gleichzeitig erbaten und erhielten die Männer in der Barkasse noch etwa 10 kg Dörrfleisch. Kurz vor 10:00 Uhr, als das seit zwei Stunden nachgeschleppte Boot losgemacht wurde, warf man ihnen noch vier Entermesser zu, aber keine Feuerwaffen.
Der harte Kern der Meuterer bestand aus neun Personen: Edward „Ned“ Young (die treibende Kraft – er hatte Christian angestiftet) und Christian; des weiteren Adams, Brown, Martin, McCoy, Mills, Quintal und Williams. Dazu kamen neun aktive Mitläufer. Rund 22 waren relativ loyal, einige unentschlossen. Manche waren freiwillig auf der Bounty geblieben, andere waren dazu gezwungen gewesen, da es an Bord des Beiboots keinen Platz mehr gab. Martin war nach einem Streit mit Peckover aus dem Beiboot aufs Schiff zurück genötigt worden. Später entschieden sich sechzehn Männer, lieber in Tahiti zu bleiben und auf die unvermeidliche Suchexpedition zu warten, statt Christian zu begleiten.
Ausgerüstet lediglich mit Kompass, Log, einem Oktanten und seiner Taschenuhr navigierte Bligh das Beiboot der Bounty in 41 Segeltagen über 5.800 km zur niederländischen Faktorei Kupang auf Timor, dem einzig infrage kommenden europäischen Stützpunkt.
Das einzige Todesopfer unterwegs war John Norton, der noch auf Tofua, der unmittelbar nach der Meuterei zur Versorgung angelaufenen Insel, von Eingeborenen erschlagen worden war. Wie aus Blighs Bericht (vgl. z. B. Forster 1791) heute klar genug hervorgeht, entstand der Kampf, weil Bligh und seine Leute nichts Brauchbares gegen die benötigten Nahrungsmittel einzutauschen hatten, aber auch keine Feuerwaffen, um sich die Lebensmittel mit Gewalt zu beschaffen. Die Tofuaner hatten ihre Ware angeboten und fühlten sich bestohlen, als die Gruppe ohne Gegenleistung aufbrach. Daher griffen sie an und paddelten auch den flüchtenden Briten nach, bis Bligh einige Kleidungsstücke ins Wasser werfen ließ.
Bligh rationierte sofort drastisch die verbliebenen Lebensmittel auf 60 g Zwieback und 125 ml Wasser pro Person und Tag, abgemessen in einer improvisierten Waage aus Kokosschalen, mit einer Musketenkugel als Gewicht.
Am 24. Mai stellte sich beim Überprüfen des Proviants heraus, dass die Rationen nochmals gekürzt werden mussten.
Bis Kupang entdeckte und verzeichnete Bligh etwa 40 kleine Inseln. Zu landen getraute er sich nach den Erfahrungen auf Tofua kaum noch. Erst Ende Mai wagte er sich auf eine Insel, die er Restauration Island "taufte" (nach restore, sich erholen). Dort war ein wenig Wild und Trinkwasser zu finden.
Am 14. Juni 1789, 48 Tage nach der Meuterei, erreichte die Barkasse Kupang. Die erfolgreiche Fahrt der vollkommen überladenen Nussschale war eine sogar von Blighs Feinden fraglos anerkannte seemännische Meisterleistung. Zeitweise war der Seegang so stark gewesen, dass die Segel im Wellental keinen Wind mehr fassten, zeitweise hatte es Flauten gegeben, in denen die halbverhungerte Mannschaft rudern musste.
Die Männer warteten in Kupang auf die erste Möglichkeit zur Heimreise, litten aber weiterhin an den kaum überstandenen Strapazen und unter dem Tropenklima. Zwei verstarben in Kupang.
Bligh nahm die erste Möglichkeit zur Rückreise wahr. Er verließ Kupang am 20. August 1789, musste in Batavia noch einmal auf die Weiterreise warten und erreichte zusammen mit seinem Diener John Samuel und dem Koch John Smith am 14. März 1790 Portsmouth. Mit späteren Schiffen trafen zehn weitere Personen ein, darunter Fryer und Peckover; drei von ihnen, darunter Fryer, waren zeitweilig auf Blighs Anordnung in Ketten gelegt gewesen.
Zwei von Blighs Leuten waren in Batavia am Fieber gestorben, und der Wundarzt Thomas Ledward trat seine letzte Reise an Bord einer holländischen Fregatte an, die im Sturm unterging. Zwölf der achtzehn mit Bligh Ausgesetzten überlebten.
Im Oktober 1790 wurde Bligh in dem Kriegsgerichtsprozess, der bei Verlust eines Schiffes stets stattzufinden hatte, freigesprochen.
In Tubuai wurde das Schiff aufgelegt (an den Strand gezogen) und mit dem Bau eines Forts begonnen, doch das Experiment musste nach drei Monaten als gescheitert aufgegeben werden, da sowohl Streitigkeiten untereinander auftraten als auch Kämpfe mit den Einheimischen. Die abziehende Gruppe, der sich zwei Tubuaianer angeschlossen hatten, hinterließ 66 Getötete, darunter sechs Frauen. Unter den Europäern hatte es nur zwei Verletzte gegeben.
Am 22. September 1789 – Bligh war bereits aus Kupang Richtung England abgereist – traf Christian wiederum in Tahiti ein. Da die Meuterer erwarten mussten, dort aufgespürt zu werden, war Christian entschlossen, so schnell wie möglich wieder aufzubrechen. Sechzehn seiner Kameraden entschieden sich jedoch zu bleiben. Christian stach mit den acht übrigen und einer kleinen Schar von Polynesiern und Polynesierinnen heimlich wieder in See; sogar von Entführung ist die Rede: Er ließ in der ersten Nacht nach der Ankunft den Anker kappen. Einer der sechzehn auf Tahiti Gebliebenen sprang erst während des Segelsetzens über Bord, um nicht mitfahren zu müssen.
Die kleine Schar um Christian durchsegelte auf der Suche nach einer Bleibe die Cookinseln, die Tonga- und die Fidschi-Inseln, bevor sie sich nach Osten wandten. Einige der Frauen hatten inzwischen die Gruppe verlassen, so dass neben den neun Briten nur noch vier Männer aus Tahiti, zwei Männer aus Tubuai und zwölf Frauen aus Tahiti an Bord waren.
Am 15. Januar 1790 stand Fletcher Christian vor der Insel Pitcairn, die noch kein Europäer betreten hatte. Vieles spricht dafür, dass er zuletzt genau diese Insel gesucht hatte, mitten im Pazifik, fernab jeder Handelsroute. Wie wir heute wissen, war Pitcairns Position damals mit einem Fehler von rund 180 Seemeilen (ca. 330 km) angegeben, was mindestens einer Tagesreise entspricht. Die Insel bot, falls sie bewohnbar war, das ideale Versteck.
Einer der Meuterer steckte das Wrack am 23. Januar eigenmächtig in Brand, um jede von See aus sichtbare Spur zu vernichten. Gleichzeitig war damit ausgeschlossen, dass einer von ihnen in ein Gebiet zurückkehren konnte, in dem er von der Admiralität aufgegriffen würde: Dass jedem von ihnen in einem solchen Fall der Tod durch Erhängen beschieden gewesen wäre, war klar. Reste der Bounty liegen noch heute in wenigen Metern Tiefe und in unmittelbarer Nähe der „Bounty Bay“, des Landungsplatzes.
Die Geschichte der Meuterer endet auf Pitcairn mit dem Tod von John Adams (1829). Nicht ganz 50 Personen, großteils direkte Nachkommen der Meuterer, leben heute noch dort. Alljährlich am 23. Januar, dem Bounty Day, schleppen sie ein Schiffsmodell aufs Wasser hinaus und zünden es an.
Auf der Rückreise lief die Pandora am 29. August 1791 vor der Küste Australiens auf ein Korallenriff und sank. Neben 31 Männern der Crew ertranken die angeketteten Gefangenen Stewart, Hillbrant, Skinner und Sumner. Die 99 Überlebenden legten in Beibooten etwa 1.100 Meilen zurück – wiederum nach Kupang.
William Bligh erhielt den Auftrag zu einer zweiten Brotfruchtreise, diesmal auf einem geeigneten Schiff und eskortiert von HMS Assistance. Er brachte die Pflanzen am 24. Januar 1793 nach St. Vincent und am 5. Februar nach Jamaika. 1801 nahm er direkt neben Nelson an der Seeschlacht von Kopenhagen teil, wurde wegen seiner Tapferkeit besonders gelobt und 1805 zum Gouverneur von New South Wales bestellt. Er stand einmal wegen seines Umgangstons mit einem untergebenen Offizier vor Gericht und erlebte zwei weitere Meutereien, wurde jeweils rehabilitiert und zuletzt zum Vizeadmiral befördert. Ab 1810 erhielt er jedoch kein Kommando mehr. Er starb im Dezember 1817.
John Fryer blieb im Flottendienst und wurde Kapitän, obwohl Bligh ihm eine Referenz verweigerte. Er starb in England, ein halbes Jahr vor Bligh.
Thomas Hayward und John Hallet reisten mit der Strafexpedition der HMS Pandora. Ihre Begeisterung, nach dem Schiffbruch die Torresstraße ein weiteres Mal im offenen Boot befahren zu müssen, soll sich in Grenzen gehalten haben. Beide kamen später auf See um.
Peter Heywood durfte nach der Begnadigung in der Marine bleiben und brachte es ebenfalls bis zum Kapitän. Aus seinen Aufzeichnungen aus Tahiti entstand das erste Wörterbuch der tahitianischen Sprache. Er starb 1831.
Der Zimmermann William Purcell starb als letzter Überlebender der Bounty am 10. März 1834 im Haslar Hospital, Portsmouth. Sein Sterbezimmer soll Ausblick auf Spithead gehabt haben, wo die Bounty 47 Jahre zuvor Segel gesetzt hatte.
1957 führte der Unterwasserfotograf Louis Marden im Auftrag der National Geographic Society eine Tauchexpedition nach Pitcairn durch. Ihm gelang es, zusammen mit Tom Christian, einem Nachfahren von Fletcher Christian, die Überreste des ausgebrannten Wracks aufzufinden. Der Kiel des Schiffes war noch auszumachen, außerdem fanden sie Beschlagteile, eine Kanone, Kanonenkugeln und den Anker. Die Kanone und der Anker sind inzwischen gehoben und vor dem Gemeindehaus am Zentralplatz von Adamstown ausgestellt.
Bountywrack.pngIm Oktober 1998 suchte eine Gruppe von Unterwasserarchäologen der James Cook University in Townsville (Queensland), Australien, das Wrack erneut auf. Die Taucher fanden mehrere Beschlagteile und eine weitere Kanone, die ebenfalls gehoben wurde. (Expeditionsbericht siehe *)
Das Wrack liegt heute noch in der Bounty-Bay vor Pitcairn nahe der Landestelle ("The Landing") in 3 bis 5 Metern Wassertiefe. Die Stelle liegt im Brandungsbereich, sodass ein Tauchgang – der nur mit Genehmigung des Inselrates durchgeführt werden darf – nicht ungefährlich ist. Hölzerne Überreste des Schiffes sind nicht mehr erkennbar, allerdings sind die großen Kieselsteine aus dem Ballast, die sich in Form, Struktur und Färbung deutlich von der Umgebung unterscheiden, gut sichtbar über ein Areal von etwa 8 x 15 Metern verteilt (Stand März 2000).
Die Gegenseite brachte andere Darstellungen zu Papier:
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"Bounty (Schiff und Meuterei)".
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