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Ein umfangreicher Teil des Eisenbahnnetzes im ehemaligen Jugoslawien wurde als Schmalspurbahn in 760 mm Spurweite errichtet. Die meisten Strecken in dieser Spurweite befanden sich in Bosnien-Herzegowina. Sie entstanden während der österreichischen Verwaltung dieses Gebiets in den letzten Jahrzehnten des 19. und den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Die Spurweite von 760 Millimetern wird daher heute noch als "Bosnische Spurweite" oder auch als Bosnaspur bezeichnet. Im Volksmund in Jugoslawien nannte man die Schmalspurzüge "Ćiro".

Die Keimzelle dieses umfangreichen Streckennetzes war eine als militärische Feldbahn errichtete Strecke von Bosnisch Brod nach Sarajevo. Diese wurde vom Bauunternehmen Hügel & Sager mit gebrauchtem Material, welches zuvor beim Bau des Suezkanals zum Einsatz kam, errichtet. Diese Bahn stellte das für damalige Verhältnisse erste moderne Verkehrsmittel in der Region dar und wurde rasch an die Bedürfnisse eines zivilen öffentlichen Verkehrs angepasst und erweitert.

Später wurden im Bereich der gesamten Donaumonarchie Schmalspurbahnen mit einer Spurweite von 760 mm errichtet. Im Kriegsfall sollten dadurch ausreichend passende Fahrzeuge für die kuk-Heeresfeldbahnen zu Verfügung stehen. Doch auch außerhalb Österreich-Ungarns fand die Bosnische Spurweite Verwendung, z.B. in Bulgarien, aber auch in Serbien wurde ein umfangreiches Streckennetz in dieser Spurweite errichtet.

Nach Gründung des jugoslawischen Staates nach dem Ersten Weltkrieg wurden die bosnischen und serbischen Strecken durch eine neue Strecke über das Šargan-Gebirge verbunden, womit ein zusammenhängendes Schmalspurnetz entstand, welches weite Teile Bosnien-Herzegowinas und Serbiens, sowie Teile Montenegros und des dalmatinischen Küstenlandes erschloss. So fuhren durchgehende Schnellzüge von Belgrad über Sarajevo nach Dubrovnik auf schmaler Spur. Ergänzt wurde dieses Streckennetz durch eine Vielzahl von nicht öffentlichen Waldbahnen und Industriebahnen. Die Schmalspurbahnen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg nach und nach durch Normalspurbahnen (Spurweite 1435 mm) ersetzt oder wegen Unwirtschaftlichkeit gänzlich eingestellt. Die letzte Linie für den Personenverkehr, Sarajevo - Višegrad - Titovo Užice, war auf bosnischer Spur bis zum 28. Februar 1974 in Betrieb. Einige Streckenabschnitte in Serbien verblieben noch für einige Jahre für den Güterverkehr in Betrieb. In Bosnien blieben nur einige kurze Industriebahnen vor allem im Bergbau erhalten. Die Teilstrecke über das Šargan-Gebirge in Serbien wurde zwischen 1999 und 2003 als Museumsbahn wieder aufgebaut. Diese "Šarganska osmica" (Šargan-Acht) genannte Bahn von Mokra Gora nach Šargan Vitasi ist Bestandteil eines umfangreichen Tourismusprojektes für Westserbien und soll weiter ins bosnische Višegrad verlängert werden, der nächste Streckenabschnitt über die Grenze nach Dobrun wurde im Mai 2006 eröffnet.

Bahnen in Bosnischer Spurweite werden heute noch vor allem in Österreich, Ungarn, Tschechien und Bulgarien fahrplanmäßig betrieben. In der Slowakei und Rumänien existieren ebenfalls noch jeweils wenige Kilometer Strecke. In Slowenien, Kroatien und Serbien existieren bis auf die erwähnte Museumsbahn und kurze Strecken in Industriebetrieben keinerlei Strecken mehr in dieser Spurweite.

Im britischen Kulturkreis gab und gibt es Strecken mit 30-Zoll- (762mm) -Spurweite. Trotz dieser geringen Differenz werden diese nicht zu den Bahnen bosnischer Spur gezählt.

Weblinks


Schienenverkehr_(Jugoslawien) | Schienenverkehr_(Österreich) | Schmalspurbahn | Spurweite_760_mm

Bosnisch smalspoor

 

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