| Wissenschaftlicher Name
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| Bordetella pertussis
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| (Bergey et al. 1923) Moreno-Lopez 1952
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Bordetella pertussis ist ein
Bakterium der Gattung
Bordetella, dem als Erreger des
Keuchhustens große medizinische Bedeutung zukommt.
Morphologie
Es handelt sich bei Bordetella pertussis um kleine (ca. 0,8 x 0,4 µm), kokkoide, unbewegliche, gramnegative Stäbchen, deren alleiniges Habitat die zilientragenden Epithelzellen des menschlichen Respirationstraktes sind. Sie erscheinen im mikroskopischen Präparat einzeln oder paarweise gelagert. Kolonien von B. pertussis sind klein, glatt und glänzend mit einer hohen Konvexität (wie eine Quecksilberperle). Der Keim kann auf Spezialmedien innerhalb von 3 bis 4 Tagen bei 37 °C in einer aeroben Atmosphäre kultiviert werden. Er wächst mit β-Hämolyse und läßt sich morphologisch nur schwer von anderen Bordetellen wie B. parapertussis und B. bronchiseptica unterscheiden.
Pathogenese
Bordetella pertussis überwindet die lokalen Immunmechanismen des oberen Respirationstraktes und kann bei völliger Gesundheit des Wirts ohne prädisponierende Faktoren eine Krankheit auslösen. Das Bakterium wird aerogen (Tröpfcheninfektion) übertragen. Mittels verschiedener Adhäsine binden sich die Bakterien sehr fest an die Zellen des Flimmerepithels und können dann durch die Freisetzung von Toxinen eine Erkrankung auslösen. Eine Invasion ins Epithel ist selten; es kommt zu (sub-)epithelialen Entzündungen und Nekrosen. Obwohl die Erreger in der Regel nicht invasiv sind, d.h. nicht in das Gewebe oder die Blutbahn gelangen, treten durch die produzierten Toxine dennoch systemische Effekte auf.
Neben der Kapsel, die dem Erreger Schutz vor Inaktivierung durch Komplement bietet, lassen sich funktionell zwei Gruppen von Virulenzfaktoren unterscheiden: Toxine und Adhäsine.
- Exotoxine Von entscheidender Bedeutung für die Pathogenese des Keuchhustens ist das Pertussistoxin (PT), das aus sechs Untereinheiten (Hexamer) aufgebaut ist und Verwandtschaft zu anderen Toxinen des A-B-Typs wie dem Choleratoxin, Shigatoxin und Diphterietoxin aufweist. Die eigentlich toxische Komponente ist das Monomer A, das von fünf anderen Untereinheiten, die zusammen das Oligomer B bilden, stabilisiert wird. Das Monomer A ist eine ADP-Ribosyltransferase, die u.a. eine veränderte Signaltransduktion innerhalb der Epithelzelle auslöst. Das PT sensibilisiert darüber hinaus den Körper für Histamin, sorgt für verstärkte Leukozytenbildung und erhöht die Insulinsekretion. Ein weiteres Protein, die invasive Adenylatcyclase (CyaA), kann in die Wirtszelle eindringen um dort zu einem unphysiologisch hohen cAMP-Spiegel zu führen.
- Endotoxine Das aus dem Peptidoglykan der Zellwand gebildetet Tracheale Cytotoxin (TCT) führt zur Stase der Zilienbewegung.
In der äußeren Membran der Bakterien befinden sich Lipooligosaccharide, die chemisch und in ihrer Wirkung auf den Wirt den Lipopolysacchariden anderer gramnegativer Erreger ähnlich sind. Auch wenn sie bei der natürlichen Infektion keine Rolle zu haben scheinen, sind sie doch möglicherweise für einen Teil der unerwünschten
Nebenwirkungen der zellulären
Vakzine (Vollkeimimpfstoffe) verantwortlich.
Erregernachweis
Da unter Umständen auch andere Erreger wie
Bordetella parapertussis,
Bordetella bronchiseptica,
Chlamydia trachomatis und
Adenoviren vorübergehend ähnliche Symptome wie
Bordetella pertussis verursachen können, kommt der bakteriologisch-serologischen
Diagnostik eine entscheidende Rolle zu. Eine definitive Diagnosesicherung ist derzeit allein durch den kulturellen Erregernachweis möglich.
Isolation der Erreger
Auf unmittelbar beimpften
Nährböden gelingt die Isolation am leichtesten im frühen
stadium convulsivum des
Keuchhustens, d.h. in den ersten beiden Wochen nach Beginn der typischen
klinischen Symptome. Die Probe sollte mit einem flexiblen Calciumalginat- oder Dacron-Tupfer vom hinteren
Nasopharynx, nicht jedoch aus dem
Rachen gewonnen werden, wobei der Abstrichtupfer etwa 5 bis 10 Sekunden dort belassen wird. Anschließend sollte die sofortige
Beimpfung des
Selektivmediums erfolgen oder bis zur Anlage der
Bakterienkultur der Abstrich in ein Transportmedium gegeben werden. Die Erfolgsrate der Erregeranzucht sinkt deutlich bei
antibiotisch (
Erythromycin oder
Trimethoprim-Sulfamethoxazol) vorbehandelten Patienten sowie bei verzögerter Anlage des Abstrichmaterials, bei lange zurückliegendem Beginn der
Symptomatik (mehr als 3 Wochen) und bei geimpften Patienten.
Kultur
Bordetella-Arten sind strikte
Aerobier und haben sehr einfach Ansprüche an Nährböden. Lediglich ein Angebot an
Nikotinsäureamid,
Cystin oder
Cystein und weitere
Aminosäuren als
Stickstoffquelle gelten als Wachstumsvoraussetzungen. Jedoch kann durch Begleitstoffe im Nährboden, wie z.B. ungesättigte
Fettsäuren,
Metallionen, kolloidaler
Schwefel und
Peroxide, das Wachstum der Kultur gehemmt werden. Mit einer
Generationszeit von 2,5 bis 5 Stunden ist das Wachstum recht langsam. Deshalb ist eine 3 - 4 tägige Bebrütung bei 37°C zur Ausbildung von Kolonien notwendig. Da das Bakterium sehr empfindlich gegenüber Austrocknung ist, ist eine ausreichende Feuchtigkeit über den Nährboden für eine erfolgreiche Anzucht notwendig. Bevor ein negativer Befund gesichert ist, sind die Nährböden mindestens 7 Tage zu bebrüten.
Identifizierung
Die definitive Identifizierung der angezüchteten Bakterien als
Bordetella pertussis wird durch den direkten
Immunfluoreszenstest oder durch
Agglutination mit spezifischen, kommerziell erhältlichen Seren erreicht.
Biochemisches Verhalten
Die sonst biochemisch relativ inaktiven
Bordetellen besitzen das
Enzym Katalase. Dennoch ist ihre Differenzierung anhand bestimmter biochemischer Parameter (Beweglichkeit, Wachstum auf
Peptonagar, Pigmenproduktion,
Nitratreduktion, Harnstoffspaltung und
Oxidasereduktion) möglich.
Epidemiologie
Das Bakterium kommt global vor. Der menschliche Organismus ist einziger Wirt. Infektionsquelle sind an
Keuchhusten Erkrankte während des
stadium catarrhale, die die Erreger aushusten. Gesunde Keimträger gibt es nicht. Darüberhinaus kann eine Übertragung über
kontaminierte Gegenstände nicht ausgeschlossen werden, da das Pertussis-Bakterium für einige Tage außerhalb des Organismus überleben kann.
Wegen des hohen
Kontagionsindex bei nicht-immunen Menschen kann sich
B. pertussis in Bevölkerungen mit niederiger
Durchseuchungsrate epidemisch ausbreiten. In Regionen mit hoher Impfrate bleibt der Pertussis-Erreger
endemisch, da der Immunitätsnachlaß eine Besiedelung erlaubt.
Es besteht keine Unterschied in der
Morbidität von Jungen und Mädchen. Ebensowenig spielen Jahreszeit und Klima für die Erkrankungshäufigkeit eine Rolle.
Immunität und Prophylaxe
Nach einer natürlichen Infektion besteht im ersten Jahrzehnt nach der Erkrankung eine tragfähige
Immunität.
Die wichtigste prophylaktische Maßnahme ist die aktive
Immunisierung. Es existierten dafür ein
Ganzkeimimpfstoff (zelluläre
Vakzine) und verschiedene azelluläre Vakzinen.
- Ganzkeimimpfstoff (whole cell vaccine): aus inaktivierten Bordetella pertussis-Zellen gewonnene Lysate
- azelluläre Vakzine (subunit vaccines): Gemische von Bordetella pertussis-Komponenten
Die gegenwärtig zugelassenen Präparate beider Kategorien bieten bei vollständig durchgeführtem
Immunisierungsschema einen sehr guten
Impfschutz, jedoch garantieren weder
Impfung noch
Erkrankung einen lebenslangen Schutz vor einer Infektion mit
B. pertussis. Erwachsene erkranken seltener und weniger schwer als Kinder oder
Säuglinge. Aus medizinischer Sicht sind Impfraten von mehr als 90% anzustreben, um einen
Kohortenschutz aufzubauen, der einen maximalen Schutz von Neugeborenen und Kindern in den ersten Lebensmonaten bietet.
Forschungsgeschichte
1906 konnte ein schwer anzüchtbares Bakterium durch die
Bakteriologen
Jules Bordet und
Octave Gengou als Erreger des Keuchhustens erstmals identifiziert werden. Zunächst wurde es als
Bordet-Gengou-Bacillus den
hämophilen Stäbchenbakterien zugeordnet. Bei der später notwendigen
Klassifizierung wurde zu Ehren
Bordets die Bezeichnung
Bordetella pertussis gewählt.
Im Jahr
2002 wurde das
Genom des Keuchhustenerregers, das aus insgesamt 3800
Einzelgenen besteht, nach über vierjähriger Forschungsarbeit von einem internationalen Forscherteam an der
University of Cambridge entschlüsselt.
Literatur
- Plum, Georg: Die Gattung Bordetella (Keuchhusten), in: Köhler, Werner et. al. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie, 8. Aufl., München/ Jena 2001, S. 359 - 365.
- Kayser, Fritz H.: Bakterien als Krankheitserreger, in: ders. et. al. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie. Verstehen - Lernen - Nachschlagen, 10. Aufl., Stuttgart/ New York 2001, S. 239 - 360.
Archaeen und Bakterien
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