| Daten | - | Weinbaugebiet: | Bordeaux | - | Land: | Frankreich | - | Weinbau seit: | ca. 2. Jh. (römische Zeit - nicht belegt) | - | Fläche: | > 120.700 Hektar im Jahr 2002 | - | Produktion: | ca. 5,7 Mio Hektoliter (2002) | - | Anteil Qualitätswein: | > 75% | - | Karte | - | Weinbaugebiete-frankreich-bordeaux.png |
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Typisch sind die trockenen, langlebigen Rotweine, die im Médoc fruchtiger und in Saint-Emilion und Pomerol sanfter und voller ausfallen. Knapp 20 % der Produktion entfällt auf Weißwein. Die Spitze stellen die edelsüßen Sauternes und Barsac dar. Die charaktervollsten trockenen Weißweine stammen aus dem Bereich Graves südöstlich von Bordeaux. Seit 1990 gibt es auch eine Appellation für Schaumwein, den Crémant de Bordeaux.
Im Jahr 2002 wurden auf gut 120.000 Hektar Anbaufläche insgesamt 5,74 Millionen Hektoliter Qualitätswein erzeugt.
Zusammenfassend bezeichnen Bordeaux-Kenner Médoc und Graves oft auch als „Linkes Ufer“ und das Libournais als „Rechtes Ufer“.
Vignes_Moulis.jpg Die Landschaft des Bordelais ruht auf einem riesigen Kalksteinsockel aus dem Tertiär. Dieser tritt allerdings nicht überall zutage, sondern ist zumeist von eiszeitlichen Ablagerungen aus Sand und Kies bedeckt. Sie wurden von den Flüssen Isle, Dordogne und Garonne herangetragen. Im Médoc können sie mehrere Meter dick werden. Diese Kiessandkuppen ermöglichen eine tiefe Einwurzelung der Reben bei hervorragendem Wasserabzug. Auf ihnen wachsen daher die meisten Spitzenweine, die Grands Crus. Die tieferen Böden in unmittelbarer Lage der Flüsse (Palus) sind dagegen für den Qualitätsweinbau ungeeignet. Im Libournais sind die Verhältnisse komplizierter. In Saint-Emilion bietet das Kalkplateau ebenfalls hervorragende Bedingungen für die Reben. Andere Spitzengewächse wachsen dort auf Molasse, im benachbarten Pomerol teilweise auf Kiessand, aber auch auf Lehmböden. Bemerkenswerterweise gibt es auch einige Spitzenweine, die auf durchfeuchteten Böden stehen. Dies trifft für einige Châteaux von Pomerol, Graves und Sauternes zu.
Der nahe Atlantik sorgt für ein mildes, ausgeglichenes Klima ohne extreme Temperaturschwankungen. Die großen Wasserläufe und das ausgedehnte Waldgebiet der Landes üben zusätzlich eine ausgleichende Funktion aus. Die unterschiedlichen Standorte (Hanglage und Geländebeschaffenheit) allerdings schaffen viele Bereiche mit eigenem Mikroklima.
Charakteristisch sind in der Regel frostfreie Winter, feuchte Frühjahrsmonate und sonnige Sommer von Juli bis Oktober. Die mittlere Sonnenscheindauer pro Jahr beträgt ca. 2000 Stunden bei einer Niederschlagsmenge von ca. 900 mm. Das Klima variiert jedoch von Jahr zu Jahr sehr stark, so dass die Qualität der Jahrgänge sehr unterschiedlich ausfällt. Damit ein großer Jahrgang entsteht, müssen in der Vegetationsperiode vom 1. April bis zum 30. September folgende Voraussetzungen erfüllt werden:
Da sich die Weinlese häufig bis weit in den Herbst hineinzieht, spielt auch das Wetter im Oktober noch eine wichtige Rolle für die Qualität eines Jahrgangs.
Der berühmte Rotwein von Bordeaux wird vorwiegend aus drei Rebsorten gewonnen: Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc. Eine Nebenrolle spielen Petit Verdot und Malbec. Die Carmenère, von der die Cabernet-Sorten und der Merlot vermutlich abstammen, ist hingegen nach der Reblauskrise weitgehend verschwunden. Meistangebaute weiße Sorte ist der Sémillon, der diese Position seiner hervorragenden Eignung zur Erzeugung edelsüßer Weine verdankt. Trockener Weißwein wird vorwiegend aus Sauvignon Blanc gekeltert, es gibt aber auch Cuvées, in denen der Sémillon dominiert. Daneben spielen noch Muscadelle, Ugni Blanc und Colombard eine Rolle, in Spitzengewächsen allerdings nur die erstgenannte dieser drei Sorten.
Bei den kommunalen Appellationen ist es keine Pflicht, dass alle Weinberge auf dem Gebiet der jeweiligen Gemeinde stehen. Es dürfen auch Trauben benachbarter, aber gleichwertiger Gemeinden verwendet werden. Der Wein darf aber stets nur unter dem Namen einer Appellation verkauft werden. So besitzen Güter aus Pauillac auch Weinberge in der Nachbargemeinde Saint-Julien. Prinzipiell darf Wein aus einer ausgezeichneten Gemeinde natürlich auch unter einer subregionalen Appellation oder als „Bordeaux“ verkauft werden. Aufgrund des höheren Marktwertes wird jeder Winzer seinen Wein jedoch nach Möglichkeit unter der höherrangigen Appellation abfüllen, sofern die strengeren Bedingungen auch erfüllt werden. Das Château d’Arsac produziert daher sowohl einen Margaux als auch einen Haut-Médoc. Letzterer stammt aus den Weinbergen außerhalb des Gebietes der AOC Margaux.
Gilt eine Appellation ausschließlich für Weiß- oder Rotwein, so darf anderer Wein nur unter der für ihn zugelassenen subregionalen oder regionalen Bezeichnung verkauft werden. So sind die roten Weine der Gemeinden Barsac und Sauternes mit ihren edelsüßen Spitzengewächsen lediglich „Graves“, und der sehr hochwertige weiße Pavillon Blanc des berühmten Château Margaux ist sogar nur ein „Bordeaux“.
Als Rebsorten sind für Rotwein Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Carmenère, Malbec und Petit Verdot zugelassen. In der Praxis sind nur die ersten drei von Bedeutung, wobei der Merlot den größten Anteil hat. Der Mindestalkoholgehalt muss 10 Vol.-% betragen, wobei der Most einen Zuckergehalt von mindestens 178 g/l aufweisen muss. Die regionale AOC sieht zwei verschiedene Arten von Roséwein vor. Neben dem klassischen Bordeaux Rosé gibt es als regionale Spezialität den Bordeaux Clairet, einen hellroten, leichten Rotwein.
Für Weißwein sind Sémillon, Sauvignon Blanc und Muscadelle als Hauptrebsorten sowie Merlot Blanc, Colombard, Mauzac, Ondenc und Ugni Blanc als komplemetäre Sorten mit einem Maximalanteil von 30 % erlaubt. Im trockenen Weißwein dominiert zumeist der Sauvignon, die komplementären Sorten spielen heute kaum noch eine Rolle. Beträgt der Restzuckergehalt weniger als 4 g/l, so ist der Zusatz Sec obligatorisch. Die Produktion von weißem Bordeaux AOC ist seit Mitte der 1970er Jahre im Rückgang begriffen, die Menge sank von 783.000 hl im Jahr 1992 auf 400.700 hl im Jahr 2002. Dagegen stieg im gleichen Zeitraum die Rotweinerzeugung von 2,6 auf rund 2,85 Millionen hl.
Formal höheren Anforderungen muss der Bordeaux supérieur genügen. Faktisch wird die Appellation vor allem für kräftige, lagerfähige Rotweine verwendet, während roter Bordeaux AOC eher fruchtbetont und jung zu trinken ist. Der Basisertrag ist auf 40 hl/ha festgelegt, dazu kommen dann die jahrgangsabhängigen Zuschläge. Der Mindestalkoholgehalt des Rotweines muss 10,5 Vol.-% betragen, Weißwein sogar 11,5 Vol.-% aufweisen bei mindestens 212 g/l Zuckergehalt des Mostes. Weißer Bordeaux supérieur ist ein Wein mit unvergorenem Restzuckergehalt, wird allerdings nur noch auf ca. 50 Hektar (Stand 2003) produziert.
Der regionalen Appellation zuzurechnen sind auch die unter den Bezeichnungen Bordeaux Haut-Benauge (nur für Weißwein) und Bordeaux Côtes de Francs (für Weiß- und Rotwein) vermarkteten Weine. Sie dürfen nur in den jeweils dafür zugelassenen Gemeinden erzeugt werden. Das Haut-Benauge liegt im südlichen Teil des Entre-Deux-Mers, östlich der Premières Côtes. In Abgrenzung zum Entre-Deux-Mers Haut-Benauge muss der Bordeaux Haut-Benauge ein höheres Mostgewicht besitzen und nicht trocken ausgebaut sein. Die Bedeutung in der Praxis ist allerdings gering.
Eine nennenswerte Produktionsmenge weisen dagegen die Côtes de Francs auf. Das relativ kleine Gebiet (536 ha) liegt im Osten des Libournais an der Grenze zum Département Dordogne. Hier sind die Anforderungen mit Ertragsgrenzen von 50 hl/ha und Mindestalkoholgehalt von 11 Vol.-% für Rotwein höher. Für trockenen Weißwein müssen sogar 11,5 Vol.-% erreicht werden, und auch süße Weißweine sind in der Appellation vorgesehen. Die Produktion konzentriert sich allerdings auf Rotweine, von denen 2002 22.781 hl erzeugt wurden, während dem nur 284 hl Weißwein gegenüberstehen.
Château-Weine stammen dagegen aus Trauben eines einzigen Gutsbesitzes. Das Château muss kein (Schloss-) Gebäude besitzen, seine Bezeichnung muss sich aber wenigstens aus einem Flurnamen herleiten. Bereitet werden kann der Wein auch in einem benachbarten Gut oder in einer Genossenschaftskellerei. Der Ruf des Châteaus spielt bei der Beurteilung eines Bordeauxweines eine ebenso große Rolle wie die Appellation, aus der er stammt.
GrandsCrus 1.jpg Die systematische Anlage der großen Médoc-Châteaux als Wirtschaftsbetriebe und die allgemeine Ausrichtung von Bordeaux auf Exportmärkte ließen die Weine schon früh zu internationalen Markenartikeln werden. Schnell bildeten sich aufgrund der unterschiedlichen Qualitäten und Marktwerte inoffizielle Hierarchien unter den Weinen. Im Jahr 1855 wurde dann anhand langjährig erzielter Verkaufspreise eine offizielle Klassifikation der Rotweine des Médoc und der Süßweine von Barsac-Sauternes erstellt. Ursprünglich war vorgesehen, diese Einteilung in Abständen zu überprüfen und zu erweitern. Tatsächlich gab es aber seither nur eine einzige Revision, den Aufstieg von Château Mouton-Rothschild von der zweiten in die erste Klasse im Jahr 1973. 1955 erfolgte die erste Klassifikation der Güter von Saint-Emilion, die als einzige regelmäßig überprüft wird. 1959 wurden auch die Rot- und Weißweine der Region Graves klassifiziert. Somit bleibt Pomerol die einzige Spitzen-Appellation ohne Klassifikation. Die klassifizierten Château-Weine dürfen sich mit dem Prädikat Grand Cru Classé (Großes Gewächs) schmücken. (Details hierzu siehe Klassifikation der Bordeaux-Weine) Im Médoc gibt es mit den Crus Bourgeois (Bürgerliche Gewächse) eine weitere Klasse, die seit 2003 wiederum in Crus Bourgeois Exceptionnels, Crus Bourgeois Supérieurs und Crus Bourgeois gegliedert ist. Schließlich folgen noch die Crus Artisans, eine seit 150 Jahren existierende Bezeichnung, die seit 1989 von einer Erzeugergemeinschaft wiederbelebt wurde.
Die Klassifikationen markieren zwar die Oberklasse von Bordeaux, können aber keineswegs als alleiniges Kriterium für Spitzenweine gelten. Güter, die zu klein oder qualitativ in der Krise waren, fanden 1855 keine Berücksichtigung. Zahlreiche Crus Bourgeois stehen den Crus Classés heute an Qualität und Konstanz kaum nach. Dasselbe trifft auf manche Zweitweine führender Güter zu. Definitiv durcheinandergewirbelt wurde die Hierarchie durch die in den Neunzigerjahren aufgekommenen Garagenweine. Sie zeichnen sich typischerweise durch hohe Konzentration aus, zum einen durch starke Selektion des Traubengutes, zum anderen durch extremen Einsatz neuer Barriquefässer. Der Terroirgedanke gerät dabei in den Hintergrund. Ob sich diese häufig durch starkes Medieninteresse und spekulative Preissprünge gekennzeichneten Gewächse dauerhaft in der Spitzengruppe etablieren können, muss die Zukunft zeigen.
Auf die Grands Crus und die ihnen gleichgestellten Gewächse konzentriert sich zwar die Aufmerksamkeit der Weinwelt, auf sie entfallen jedoch nur geschätzte 4,5 % der Produktion von Bordeaux. Weitere 5 % erzeugen die Crus Bourgeois des Médoc.
Nach einem Niedergang in der Völkerwanderungszeit mit dem Einfall der Barbaren und Normannen wurde der Weinbau nur noch in katholischen Gemeinden zur Feier der heiligen Messe aufrecht erhalten. Als die Mauren im 8. Jahrhundert Spanien besetzten, ließen sie alle Reben roden und behielten nur noch die Tafeltrauben. In der Folge konnte sich das Weinbaugebiet kurzzeitig als Rotweinlieferant der Städte Cordoba, Sevilla und Valencia etablieren, wodurch sich Weinbau und –handel im Mittelalter wieder belebten. Die Stadt Bordeaux hatte dabei den strategischen Vorteil, über See ungehindert die Märkte Nord- und Westeuropas beliefern zu können. Problematisch war jedoch für die Rotweinregion Bordeaux, dass in Nordeuropa Weißweine begehrter waren. Schiffe, die in La Rochelle Salz luden, hatten dort auch die Möglichkeit, Weißweine des Loire-Gebietes zu laden.
Einen großen Schub erhielt Bordeaux im Jahr 1152: Durch die Heirat von Henry Plantagenet, des späteren Königs Heinrich II. von England, mit Eleonore, der Erbin von Aquitanien, geriet ein großer Teil Westfrankreichs unter britische Herrschaft. Ihr Sohn, der britische König Richard I., hielt häufig in Bordeaux Hof. Sein Bruder und Nachfolger John schloss mit den Bürgern von Bordeaux ein Abkommen, das ihnen als Gegenleistung für die Stellung von Kriegsschiffen Steuervergünstigungen einräumte. Die Rückeroberung von La Rochelle durch den König von Frankreich 1224 brachte Bordeaux schließlich sogar eine Monopolstellung im Weinhandel mit England ein. Im Jahr 1300 bestand die Bordelaiser Weinflotte aus 900 Schiffen. Im Durchschnitt des 14. Jahrhunderts exportierte sie jährlich 800.000 hl Wein, davon stets mindestens die Hälfte nach England. Die Rebfläche von Bordeaux betrug damals schätzungsweise 100.000 Hektar. Der Hundertjährige Krieg brachte 1453 zwar die Rückkehr Aquitaniens zu Frankreich, der französische König bestätigte aber die Privilegien Bordeaux’. Besonders wichtig war das Recht, den Wein des Haut Pays erst auf den Markt zu lassen, wenn der eigene Wein verkauft war. Fasswein war wenig haltbar und diente dem unmittelbaren Konsum. Der Bordeaux war damals eher hellrot. Aus dem französischen Wort „Clairet“ entstand die englische Bezeichnung Claret für Bordeauxwein. Die kräftigeren Weine von Cahors und Gaillac dienten zum Aufbessern des schwächlichen Bordeaux.
Die Privilegien Bordeaux' (le privilège des vins) wurden in der Folge von den französischen Königen Ludwig XI. (im Jahr 1462), Karl VIII. (Oktober 1483), Ludwig XII. (Juli 1498), Heinrich II. (am 28. Juni 1551), Karl IX. (1561), Heinrich III. (Juli 1583), Heinrich IV. (Oktober 1602), Ludwig XIII. (Juni 1610), Ludwig XIV. (September 1643) und Ludwig XV. (Mai 1716) bestätigt. Erst ein Edikt von Ludwig XVI. vom April 1776 sowie ein Gesetz vom 4. August 1789 hoben diese Privilegien auf.
Im 19. Jahrhundert erlebte das Bordelais, vor allem das Médoc, seine erste große Blütezeit. Von ihr zeugen die vielen klassizistischen und historistischen Schlossbauten, die in dieser Zeit in den Weingütern errichtet wurden. Einen Höhepunkt markiert die anlässlich der Weltausstellung von 1855 vorgenommene Klassifizierung der Weingüter des Médoc und von Sauternes-Barsac. Sie fixierte die Hierarchie der führenden Châteaux und verlieh ihnen eine weltweite, bis heute nachwirkende Sonderstellung. In den 1860er und 70er Jahren kam es zu einer regelrechten Spekulationswelle um die Weingüter. Baron James Rothschild, damals reichster Mann Frankreichs, kaufte sich 1868 für die Rekordsumme von 4,4 Mio. Goldfrancs das Château Lafite. Ein Ende bereiteten ihr die ab 1870 durch Mehltau und Reblaus verursachten Verheerungen. Gegen den Mehltau wurde recht schnell ein Gegenmittel gefunden, die Bordeauxbrühe. Die Reblaus erforderte dagegen die Neuanlage aller Weinberge mit resistenten Pfropfreben. Mitunter griffen sogar renommierte Châteaux auf Hybridreben zurück. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war der Bordelaiser Weinbau in die Krise geraten.
Im weltweiten Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg konnte sich Bordeaux aus der Krise befreien. Der Qualitätsweinbau profitierte nicht nur von der steigenden Nachfrage nach den Spitzengewächsen, sondern auch von der neu entstandenen Önologie, der Wissenschaft vom Wein, die maßgeblich an der Universität Bordeaux entwickelt wurde. Der bordelaiser Weinbau errang damit weltweit eine Vorbildfunktion. Mit zunehmender Technisierung änderte sich, wenngleich behutsam, allmählich auch der Weinstil. 1970 markierte als letzter klassischer Bordeaux-Jahrgang einen Wendepunkt. In den 1970er Jahren wurden viele zu tannin
Dieses Jahrzehnt mit seiner sonst seltenen Folge vieler guter Jahrgänge fachte das weltweite Interesse an Bordeaux weiter an. Große Aktiengesellschaften erwarben Châteaux im Médoc und ermöglichten so die zum Teil extravagante Erneuerung der Einrichtungen. Beispiele hierfür sind AXA (Château Pichon-Longueville-Baron), Alcatel (Château Gruaud-Larose) und Chanel (Château Rausan-Ségla). Wie im 19. Jahrhundert streben die reichsten Franzosen wieder nach dem Prestige, eines der führenden Châteaux zu besitzen: 1993 erwarb der Milliardär François Pinault das Château Latour, und 1996 konnte Bernard Arnault nach langem Tauziehen das Château d'Yquem seiner LVMH-Gruppe einverleiben.
Die wachsende Nachfrage nach vollmundigeren Tropfen kam den Weinen des Libournais entgegen, die sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg von der Dominanz des Médoc emanzipieren konnten. Die erste Klassifikation der Gewächse von Saint-Emilion 1954 war dazu der Auftakt. In den 1980er Jahren zogen die Spitzenweine wie Château Petrus und Château Ausone dann auch preislich auf und davon, später taten es ihnen Gewächse wie Château Pavie oder Garagenweine wie Château Le Pin und Château Valandraud nach. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Bodenpreisen wieder: Der Wert eines Hektars Rebland in Pomerol stieg in den 1990er Jahren um über 150 %, damit lag er 2001 mehr als doppelt so hoch wie in den kommunalen Appellationen des Médoc.
Ein kurzfristiger Ausweg ist die Destillation: Im Bordelais wurden 2005 1,5 Millionen Hektoliter Wein mit Hilfe von EU-Subventionen zu Industriealkohol verarbeitet, weil sie unverkäuflich waren. 2006 plant das Syndicat, zum ersten Mal zur Finanzierung einer weiteren Destillation einen Kredit von 15 Millionen Euro aufzunehmen. Auf mittlere Sicht erscheint eine Reduzierung der Anbaufläche unausweichlich. Seit Beginn der 1980er Jahre war sie von 90.000 auf 120.000 Hektar angewachsen, wobei der Zuwachs per saldo ausschließlich den roten Rebsorten zugute kam. Die vorgeschlagene Einführung eines Landweines Vin de Pays de la Gironde würde aufgrund der erlaubten höheren Hektarerträge zwar die Produktionskosten senken, das Problem der Überproduktion aber eher noch verschärfen.
So sind heute viele Weingüter hoch verschuldet und stehen teils auf Druck der Banken zum Verkauf. Dies betrifft auch Châteaux in angesehenen kommunalen Appellationen, deren Produktionskosten nicht wesentlich unter denen der führenden Güter liegen. Zur Zeit wird um den künftigen Besitz zweier hoch renommierter Deuxieme Grand Cru gerungen: Das Château Montrose in Saint-Estephe steht wegen fehlender familiärer Kontinuität zum Verkauf. Nach Berichten von Anfang Mai 2006 steht das Gut Château Pichon-Longueville-Comtesse de Lalande entweder zum Verkauf, oder aber ein kapitalbringender Minderheitseigner wird hinzutreten: die Inhaberin, Madame May-Elaine de Lencquesaing, ist kinderlos und feierte vor kurzem ihren 80. Geburtstag. Als Grund für das Verkaufen wird oftmals die hohe Erbschaftssteuer in Frankreich benannt.
Lediglich die „Top 100“ des Bordelais, die Grands Crus und ihnen gleichgestellte Châteaux, brauchen sich keine Sorgen zu machen. Die weltweite, spekulativ angeheizte Nachfrage nach bekannten Namen und hohen Parker-Punktzahlen erlaubt es ihnen, ihren 2005er nur an diejenigen Negociants zu verkaufen, die sich gleichzeitig auch zur Abnahme der nachfolgenden Jahrgänge zu vom Château festgelegten Konditionen verpflichten. Teils werden Privatleute für hoch begehrte 2005er Weine nur dann zum Zuge kommen, wenn sie auch schwächere Vorjahre wie 2002 und 2004 subskribierten. In den für Mai und Juni 2006 kommenden Subskriptionslisten der Händler werden erstmals Premier Cru-Weine des Medoc auftauchen, deren Flaschenpreise 250 oder gar 300 Euro überschreiten.
Somit ist der Markt für junge Bordeaux-Weine ein breit gespannter und gespaltener Markt, auch ein spannender und fallenreicher. In der Breite gibt es große Probleme wegen deutlichen Absatzrückgangs und tiefer Preise, aber in der qualitativen Spitze ist Wein aus Bordeaux für Konsumenten teuer.
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