Bora_Kvarner_Dalmatien.jpgs fehlt die Vegetation fast völlig]] Die Bora (kroatisch Bura) ist ein trockener, kalter und böiger Fallwind an der kroatischen und montenegrinischen Adriaküste. Winde vom Bora-Typ gehören mit ihrer Häufigkeit und ihren hohen Durchschnittsgeschwindigkeiten, vor allem an der Nordwest-Küste Kroatiens sowie Montenegros zu den stärksten der Welt. Mitgebracht werden sie von aus dem Polargebiet wandernden, starken Kaltluftausbrüchen, die an der 500- mb -Fläche als Tröge um 10° bzw. 20°E und am Boden als nördliche oder nordöstliche Windströmungen zum adriatischen Küstengebiet in Erscheinung treten. Vom synoptischen Standpunkt wird die regionale Beschränkung durch die topographischen Bedingungen vorgegeben. Als Randerscheinung des Hochs über Zentralasien ist die makroklimatische Form des Kaltluftabflusses mit der Gebirgsumrahmung im Adriabeckens durch die Dinariden eng verbunden. Bora kommt neben an der Ostküste der Adria noch an der Schwarzmeerküste bei Novorossik, auf Nowaja Semlja, in Skandinavien und in der Kanto-Ebene Japans vor.
Es gibt zudem verschiedene Sondernamen für eine Bora. Die Bora scura ist ein Bora bei trüber Sicht. Der Borino ist eine schwache Bora in der Gegend von Triest, während die heftigen Stöße der Bora dort Reffoli genannt werden. Ein Borasco ist heftiger Wind, meist von Gewittern begleitet, über dem Mittelmeer. Ein Levantera ist eine Bora, die in Istrien aus Richtung Osten kommt und bei bewölktem Wetter auftritt.
Bura vor Senj, vodena prasina (Wasserstaub).JPG) durch Bora-Böen]] Karl Marx entwarf 1856 ein zutreffendes Bild über die Bora:
Durch diese divergente bioklimatische Wirkung und gegensätzliche landschaftsprägende Folgen ist eine Separierung von Föhn- und boragenen Typen auch zwangsläufig sinnvoll.
Phänomenologisch lassen sie sich einfach definieren:
Über dem Gebirge stellt sich dabei ein low-level jet stream LLJ ein, der unterhalb von 5 km entwickelt ist. Dieser ist ziemlich eng begrenzt und relativ stark. Im Falle der nordadriatischen Bora ist eine hydraulische 2D Theorie hinlänglich für die Erklärung der Fallwinde, komplizierter ist der Vorgang im Südadriatischen Raum in dem die Gebirgswellen Theorie als Erklärungsursache für die Bora mit einbezogen werden muss.
Bora_2001_T.jpg Schneefälle bis an die Küste]]
Für die dinarische Bora - wie auch für die boragenen Winde Nordamerikas - gilt, dass aufgrund einer Nord-Süd Orientierung der Gebirge (Dinariden, Kaskadenkette, Rocky Mountains), eine signifikante östliche Komponente über den synoptischen Gebirgswinden herrschen muss. Die Westströmung bleibt dabei jedoch über den östlich strömenden Fallwinden. Der abkühlende Effekt wird durch die hohe Windgeschwindigkeit und Böigkeit verstärkt. Über die adiabatische Erwärmungsrate kann die Temperatur zwischen Hoch- und Tieflagen errechnet werden, die eine Vorhersage möglich macht und bei Kulturen in subtropischen Klimaten notwendig ist.
Man unterscheidet zwischen zyklonaler Bora (bora scura = schwarze Bora) mit Druckabfall über dem Meer, die durch niedrige dunkle Wolken und reduzierte Sichtweite mit Regen und/oder Dunst gezeichnet ist, sowie antizyklonaler (mit Druckanstieg über dem Festland) Bora (bora chiara = weiße Bora), die bei klarem Himmel und guter Sicht auftritt. Über den Dinariden bildet sich eine Föhnwand nur während der weißen Bora. Sie dient Seeleuten als untrüglicher Hinweis, den schützenden Hafen anzulaufen. Die antizyklonale Bora ist an der Küste sehr intensiv, erstreckt sich aber nur über eine kurze Distanz auf See hinaus. Die kritische Geländeneigung für das Auftreten von Bora liegt bei 1:100.
Die besondere Stärke der Bora kann durch den Luftdruckgradienten, sowie beim zyklonalen Fall durch die Größe des Tiefs erklärt werden. Ähnlich ist dies bei boragenen Winden in den Cascade Mountains im pazifischen Nordwesten.
Es ist keine Seltenheit, dass jedes Jahr Brücken oder Küstenstrassen zeitweise gesperrt (z.T. wurden vom Wind bereits Reisebusse ins Meer gestoßen) oder Fährlinien eingestellt werden müssen. An der neuen Autobahn A1 Zagreb-Split werden derzeit, in der Welt einzigartige, Windbarrieren getestet.
Die aerologische Situation der Bora tritt insgesamt mit hoher Frequenz auf. Kennzeichen eines Boraereignisses sind:
Am Anfang der Bora ist ein plötzlicher Temperaturanstieg, mit anschließend deutlichem Abfall festzustellen. Während der Bora ist die relative Humidität bei antizyklonaler Situation sehr niedrig. Die Höhe der Boraströmung ist normalerweise unter 3000 m. Starke Bora dämmt tagsüber Seebrisen, nachts drängt der kalte Landwind warme Seewinde weit vor die Küste ab. Stärkste Windgeschwindigkeit tritt in tiefen Schichten auf.
Maximalwerte wurden in Triest mit 231,5 km/h, Krk 69,0 m/s = 248,4 km/h, Split 48,5 m/s (29. Oktober 1994), Makarska 69,5 m/s = 250,2 km/h (26. Januar 1996) und Montenegro 42,9 m/s (5. Januar 1978) gemessen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit der Bora vom 15. November 2004 betrug an der dalmatinischen Küste 33 m/s = 118,8 km/h, Spitzenböen verzeichneten 60 m/s.
Orjen_Bora_neu.jpg unterhalb des Orjen auf. Kälteempfindliche Arten fehlen in der Vegetation fast völlig]] Wind_shape_Bora.jpgn in der Bucht von Kotor am Orjen auf]] Die Bora prägt die völlig kahlen Inseln Norddalmatiens, was fälschlicher Weise meist dem Menschen als Raubbau an der Natur angelastet wurde. Für die Entwaldung wurden Römer und Venezianer verantwortlich gemacht, oder man schob die Schuld auf den Karstcharakter und seine eigentümliche Dynamik. Da oft missinterpretiert, wird hier auf die Interaktion zwischen Landschaftsstruktur und atmosphärischen Geschehen gewiesen. Baumwachstum ist durch die mechanische Schädigung erschwert. Eine naturbedingte Wirkung bei der Versalzung der Böden durch Salzgischt ist ein sekundäre Resultat der Bora. Die Regeneration degradierter Flächen ist unter diesen Bedingungen kaum mehr möglich.
Für die Seefahrt war die Bora schon immer gefährlich. Der Seegang bei Bora ist zwar kurz, aber er erreicht eine beachtliche Höhe, die Wellenkämme werden dann zu Schaum gepeitscht, zerstäubt und in Dunstwolken (fumarea) fortgerissen. Der Seestaub ist mitunter so dicht, daß der Auslug erschwert ist. Die Höhe des Seegangs bei Borastürmen, wie am 14. November 2004 mit Spitzenböen von 60 m/s, nimmt mit der Entfernung von der Ostküste bedeutend zu. Vor den ersten Anzeichen einer Bora bleiben Seeleuten nur etwa 30 Minuten um einen sicheren Ankerplatz anzulaufen.
Die Bora bringt Frost und Schneestürme. Vereinzelt kann es selbst an der Küste zu andauernder Schneedecke kommen, wenn, wie im Inneren der Bucht von Kotor, Winde diesen konservieren. Im Winter 1965 vielen zum Beispiel in Risan 93 cm Schnee und 1983 hielt sich hier eine Schneedecke 43 Tage (bei 19 Schneefalltagen).
Im weiteren wird über die Wirkungen auf Pflanzen und Pflanzengesellschaften durch Bora die Rede sein. Ein ausgeprägter Kontrast, boragen geprägter Küste ist in der Kvarner Bucht und der Bucht von Kotor, zu beobachten. Kälteresistente Arten finden sich beispielsweise an Borahängen des Orjens, arten- und lianenreiche, subtropische Mischwälder, an geschützteren Hängen. Zusammenfassend sind die Regelmäßigkeiten in der vertikalen und horizontalen Gliederung der Vegetation im ganzen adriatischen Küstengebiet in allgemeiner Übereinstimmung mit den Klimaverhältnissen, alle natürlichen Unregelmäßigkeiten und Abweichungen der charakteristischen Folge stehen zumeist unter dem Einfluß des ökologischen Faktors der Bora zu sehen und damit unmittelbare Reaktionen der Pflanzendecke.
Auf die Waldvegetation hat die Bora dabei die geringste Wirkung. Erst in offenen Vegetationstypen greift sie stärker syngenetisch ein. Studien auf der Insel Pag, Biokovo Gebirge und Istrien zeigten eine enge Verbindung von Bora und Vegetation. Biozönosen im Kvarner in der Nordadria, sind durch extreme Winderosion und die äußerst schüttere Bedeckung der Kliffe gekennzeichnet. Zudem sind durch die salzhaltige Gischt halophile endemische Gesellschaften entwickelt. Ausgesetzte Lagen werden durch Salzgischt und Vereisung geprägt. Hierauf entwickelte glazio-boreale Biozönosen der mediterranen Inseln zeugen von der Vehemenz des Klimafaktors. Auch in höheren Gebirgsstufen haben die Orkanwinde eine andersartige Pflanzenassoziation, als sie in alpinen Rahmen entwickelt sind, hervorgebracht wie daß vorkommen einer kryomediterranen Stufe auf dem Orjen, mit Vertretern irano-turanischer Dornpolsterformationen, beweist. Von winterlichen Stürmen verfrachteter Schnee, ermöglicht im Orjen darüber hinaus auch typische Schneetälchengesellschaft mit kennzeichnenden Geophyten. Sehr exponierte, windausgesetzte Standorte, die in allen Höhenzonen von den herausragenden Gebirgsgipfeln bis hinab zur Meeresküste vorkommen, fördern viele spezifische Pflanzengesellschaften mit auftreten von endemischen Arten wie der Orjen Iris und Krim Pfingstrose im Orjen.
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