Der Begriff Bootleg (engl. to bootleg für schmuggeln) bezeichnet im Deutschen nicht autorisierte Tonaufzeichnungen, meist von Live-Konzerten. Häufig spricht man auch synonym von Schwarzpressung oder Raubpressung.
Also dürften in Fanzirkeln kursierende Konzertmitschnitte ein wirtschaftliches Randproblem darstellen, da die Fans in aller Regel auch sämtliche offiziell erschienenen Alben ihrer Stars besitzen.
Bootlegs werden sehr oft auch deshalb produziert, weil die Originalmedien nicht mehr zu haben sind. Selbst diese Bootlegs können nach einiger Zeit – ebenso wie die längst vergriffenen Originale – Sammlerwert bekommen.
Seit es die Möglichkeit gibt, CDs selbst zu brennen, haben die Bootlegs und die dahinter stehende Industrie sehr an Bedeutung verloren. Heute ist unter Fans der Tausch von Konzertmitschnitten verbreitet, wobei oft die Covermotive der CDs aus dem Internet herunter geladen werden.
Bald entstand im Untergrund eine regelrechte Industrie. Bootleg-Firmen wie Trademark of Quality, The Amazing Kornyphone Record Label und Vicky Vinyl brachten ganze Serien von Konzertmitschnitten auf Schallplatten heraus.
Unter dem Namen BBC Transcription Services kamen damals ganze Konzertmitschnitte auf den Markt, die dem Käufer vorgaukelten, es handele sich um BBC-Promotionschallplatten. In Wirklichkeit waren es Radiokonzerte, die von der BBC gesendet und von Dritten illegal auf Platte gepresst wurden. Die Qualität der Aufmachung war so gut, dass es die LPs in ganz normalen Schallplattenläden zu kaufen gab.
Dabei erschienen zahlreiche Vinyl-Bootlegs bei verschiedenen Labels unter jeweils unterschiedlichen Titeln, teilweise um den Fans das Erscheinen von neuem Material vorzugaukeln.
Die Zahl der Titel wuchs stetig an, obwohl die Plattenindustrie Bootlegger strafrechtlich verfolgen ließ. Die Tonqualität der Raubpressungen reichte von exzellent bis schauderhaft, aber das Gerücht, wonach diese Platten ausschließlich katastrophale Aufnahmen enthalten würden, entsprang wohl eher dem Wunschdenken der Industrie.
Den wohl größten Erfolg bei der Bekämpfung von Bootlegs in Deutschland hatte Anfang der 1990er Jahre die International Federation of the Phonographic Industry: Bei Hausdurchsuchungen in Elmshorn und Pinneberg wurden insgesamt 100.000 Tonträger (70.000 CDs und 30.000 LPs) im Gesamtwert von ca. 2,6 Mio. DM sichergestellt und bei Teldec vernichtet.
Unter dem Namen „Beat The Boots“ veröffentlichte Frank Zappa offiziell LPs von vorher illegal veröffentlichten Bootlegs seiner Konzerte, da er sich darüber ärgerte, das andere Geld mit seiner Arbeit verdienten. Darunter waren „Saarbrücken 1978“ oder „As An Am“.
Zahlreiche Konzerte der Beatles wurden auf Raubpressungen veröffentlicht. Weit bedeutender sind jedoch die Bootlegs der Studioaufnahmen, etwa aus den Aufnahmesitzungen zur Platte Let it be. Dort bekommt man einen Eindruck davon, wie die Beatles im Studio arbeiteten. Übrigens stammen einige Bootlegs offensichtlich von Bändern, die im Studio als entbehrlich weggeworfen und in die Hände von Sammlern gelangt waren. Dasselbe passierte bei Elvis Presley, als ein Fan Bänder von RCA-Aufnahmen für die Elvis-Filme fand und sie unter dem Titel Behind Closed Doors 1976 in einer 4-LP-Box veröffentlichte.
Eine weitere wichtige Veröffentlichung war ein weiteres Werk der Beatles: die unbearbeitete Version von Let it be, also die Fassung, die entstand, bevor Phil Spector das Material mit Streichern und Chören aufgemischt hatte. Get back, and 12 other songs war das Album, wie es sich die Beatles vorgestellt hatten. Offiziell wurden diese Aufnahmen erst im Frühjahr 2004 unter dem Titel Let It Be ... Naked veröffentlicht.
Als sensationell empfand man die Veröffentlichung eines hochwertigen Konzertmitschnitts der Rolling Stones (Oakland Coliseum, 9. November 1969) unter dem Titel Liver than you'll ever be. Sogar im Rolling Stone erschien eine Besprechung, und es wurde behauptet, dass es sich um eine Stereoaufnahme handle und dass die Rolling Stones selbst das Band zur Verfügung gestellt hätten. Beides traf nicht zu, brachte aber den Bootleggern ein erhöhtes Prestige ein, zumal sie im Ruf standen, die Musik aus den Händen der geldgierigen Industrie befreit zu haben. Die Rolling Stones sahen sich veranlasst, als Reaktion das Live-Album Get yer ya-ya's out! zu veröffentlichen. Auf der Raubpressung war die Atmosphäre des Konzerts zu spüren, während die offizielle Veröffentlichung im Studio stark nachbearbeitet wurde.
Ein weiteres der ersten Rolling Stones-Bootlegs mit dem Titel Bright lights big city enthielt die Demo-Aufnahmen für IBC aus dem Jahr 1962 in sehr guter Qualität. Bald darauf erschienen die legendären Konzerte im Londoner Hyde Park 1969 und einige Songs von einem Konzert im nordkalifornischen Altamont 1969. Die Aufnahmen von der US-Tournee 1972 und der Europa-Tournee 1973 zeigen den Gitarristen Mick Taylor in absoluter Hochform. Die Aufnahmen von den Konzerten in London und Brüssel (Doppelalbum Nasty Music, CD Brussels Affair) vom September/Oktober 1973, als offizielle Live-Platte vorgesehen und aus rechtlichen Gründen nicht veröffentlicht, dürften die besten Konzertaufnahmen der Rolling Stones überhaupt sein. Sie entstammen einer Sendung von Radio Luxemburg. Von weiteren Tourneen wurden Radiomitschnitte auf Platten und CDs gepresst, z.B. aus Passaic und Fort Worth 1978, Hampton 1981, Atlantic City 1989, London 1990, Miami 1995. Interessanter sind häufig die Publikumsmitschnitte, da bei den Radioaufnahmen mit einer erheblichen Nachbearbeitung und mit zahlreichen Overdubs zu rechnen ist.
Bob Dylan gehört zu den Künstlern mit den meisten Bootleg-Veröffentlichungen. Jahre nach dem Erscheinen der Raubpressung Great White Wonder veröffentlichte er 1975 die darauf enthaltenen Basement Tapes offiziell. Auch eine Aufnahmesession mit Johnny Cash war nur auf einer Raubpressung erhältlich. Ansonsten erschienen unzählige Platten mit Konzertaufnahmen von ihm, darunter das Konzert mit den Hawks in Manchester 1966 unter dem Titel Royal Albert Hall – May 27, 1966 oder der berühmte Auftritt beim Isle of Wight Festival 1970. Bis zur Gegenwart gibt es nur wenige Konzerte, von denen kein Tondokument existiert. Bob Dylan nimmt in seiner offiziell erschienenen Plattenreihe The Bootleg Series – in der auch der von den Raubpressungen bekannte Konzertmitschnitt aus Manchester 1966 in brillanter Qualität erschienen ist (Bob Dylan Live 1966 „The Royal Albert Hall Concert“ The Bootleg Series Vol. 4) - mit unveröffentlichten Live-Aufnahmen direkten Bezug auf die Raubpressungen.
Auch nicht wenige Raubpressungen gibt es von Elvis Presley, doch zahlreiche der bekannten Bootlegs und auch neue Konzertaufnahmen und Studiomitschnitte wurden mittlerweile auf dem offiziellen Label FTD (Follow That Dream) veröffentlicht, das die Plattenfirma BMG im Jahr 1999 eigens für die unzähligen Elvis-Fans ins Leben gerufen hatte. Auf diesem Label wurde unter anderem auch ein Publikumsmitschnitt des Konzerts, das Elvis am 31. Dezember 1976 in Pittsburgh gab veröffentlicht. Dieses Konzert gilt unter den Fans als eines der besten des „King of Rock & Roll“ und wurde über die Jahre hinweg unter den verschiedensten Namen wieder und wieder inoffiziell veröffentlicht. Im Jahr 2003, 26 Jahre nach der ersten Bootleg-Veröffentlichung unter dem Titel Rockin' With Elvis New Years' Eve (1977), entschloss sich die Plattenfirma BMG endlich, die Aufnahmen offiziell und in bestmöglicher Tonqualität an den Fan zu bringen. Das Konzert erschien unter dem Titel Elvis New Year's Eve und enthält Raritäten wie Auld Lang Syne und Rags To Riches, wobei Elvis letzteren Song nur ein einziges Mal(!) auf der Bühne zum Besten gegeben hat. Interessant sind auch die legendären Sessions des Million Dollar Quartet mit Johnny Cash, Jerry Lee Lewis und Carl Perkins, die Sam Phillips am 4. Dezember 1956 in den Sun Records Studios mitgeschnittenen hat. Elvis' Beteiligung an diesen Aufnahmen wurde früher oft in Frage gestellt, da sie wegen mangelhafter Tonqualität nicht nachzuweisen war. Von den Aufnahmesessions zum Album Blue Hawaii (1962) sind Mitschnitte der Studiosessions erschienen, mit denen beispielsweise die Entstehung des Hits Can't help falling in love with you detailliert nachzuvollziehen ist.
Den Höhepunkt der Bootleg-Veröffentlichungen bildete das 70-LP-Paket The final option von Led Zeppelin. In dieser Luxusausgabe in einem Plexiglas-Koffer, limitiert auf 150 Exemplare, waren die besten Aufnahmen der Gruppe versammelt. Eine solche breite Anthologie hat es sonst nicht mehr gegeben.
Ein gutes Beispiel für die Bedeutung von Raubpressungen für die Würdigung einer Musikkarriere ist Van Morrison, ein Künstler, der immer wieder Konzerte für das Radio mitschneiden ließ. Anhand dieser Radiomitschnitte kann man seine gesamte Konzertkarriere verfolgen, da eine Nachbearbeitung in aller Regel nicht mehr stattfand. Von den frühesten Aufnahmen 1970 bis zu den Radiomitschnitten der Jahre nach 2000 dürfte die Zahl seiner Radiokonzerte bei über 100 liegen. Einige davon (z.B. San Francisco 1971, New York und Los Angeles 1978, Essen 1982, Montreux Jazz Festival 1980, 1984 und 1990, Dublin 1995, Basel 2000) übertreffen die offiziellen Liveplatten mit Ausnahme des Albums It's too late to stop now deutlich, was Repertoire und Darbietung angeht. Aber es gibt auch exzellente Mitschnitte, die aus dem Publikum heraus gemacht wurden. Von der Doppel-CD Pagan Streams (Utrecht 1991) war Van Morrison so angetan, dass er einige Stücke von der Raubpressung auf einer offiziellen Maxi-CD veröffentlichte.
Bruce Springsteen dagegen verhielt sich ambivalent: Am Anfang seiner Karriere trat er offen für die Bootlegs ein; als er aber die ersten großen Erfolge verzeichnen konnte, klagte er gegen Bootlegger. Inzwischen sind jedoch zahlreiche Springsteen Bootlegs erschienen. Man kann davon ausgehen, dass es ab 1992 kein Konzert von Bruce Springsteen gibt, das nicht illegal mitgeschnitten wurde. Mittlerweile gibt es von jedem Konzert gleich mehrere Mitschnitte.
Im Falle von dem Pink Floyd-Bootleg The Best Of Tour '72 – später auch erschienen als In Celebration Of The Comet... – erschien eine live aufgenommene Rohversion ihres späteren Klassikers Dark Side of the Moon sogar noch, bevor die eigentliche Studio-LP regulär im Handel erhältlich war. Durch relativ gute Klangqualität und perfekte Cover-Aufmachung übernahmen damals viele reguläre Händler diese LP in ihr Sortiment, ohne von der illegalen Herkunft dieser Aufnahme zu wissen.
Ein größeres Sammlerwerk von Bootlegs unter dem Label Tangerine Tree erscheint innerhalb einer Fangemeinde von Tangerine Dream. Musikgeschichlich sind dabei die 70er Jahre interessant, in denen die Band in den meisten Konzerten ausschließlich improvisierte. Auf diese Weise haben diese Bootlegs sogar zu einer intensiven Würdigung dieser Schaffensperiode beigetragen, die sich in offiziellen Alben so nicht wieder geben läßt.
Einige der meistgesuchten Boolegs sind:
| Band | Titel | Details | Erscheinungsjahr | Auflage (Stück) |
| Queen | Absolutely Enthusiastic | 2 LP Set, Farbiges Vinyl - TFKRL 9002-2 | 30 | |
| Rolling Stones | Atlantic City | 3 LP Set, Farbiges Vinyl, Poster A3,Single | 50 | |
| Neil Young & Crazy Horse | Don’t Spook The Crazy Horse | 2 CDs Box Set, Bonus Single,4 Poster | 100 | |
Auch alle Schallplatten der Serie Metal Acetate auf Metallbasis, bei denen es sich um sehr seltene japanische Pressungen handelt, sind begehrt.
| US-amerikanische Labels |
Im Gegensatz zu den vielen Musikern, die Bootlegs mit allen juristischen Mitteln verfolgen, hat die Gruppe Grateful Dead den anderen Weg beschritten. Bei ihren Konzerten wurden spezielle Bereiche abgetrennt, damit die Fans dort ihre portablen Anlagen zum Mitschneiden der Konzerte aufbauen konnten. Diese Aufnahmen wurden, bzw. werden zwischen den Fans getauscht, etliche sind auch auf Platten oder CDs veröffentlicht. Trotz dieser Vorgehensweise gehörte die Musikgruppe über etliche Jahre zu den bestverdienenden in den USA.
Auch andere Bands stehen Mitschnitten nicht 100% feindlich gegenüber: Jon Bon Jovi sagt manchmal: „Bootleggers, roll your tapes now“, bevor die Band einen seltenen Song spielt. Die Ärzte unterstützen das Projekt „Kill Them All“, wo Ärzte-Bootlegs gratis heruntergeladen werden können, damit Raubkopierer kein Geld verdienen, während Dream Theater ihre Bootlegs „offiziell“ vertreiben. Selbiges tun auch Queen, spenden aber alle Erlöse dem Mercury Phoenix Trust.
Von den Böhsen Onkelz gibt eine Vielzahl an Bootlegs, die aus verschiedenen unautorisierten Pressungen mit unveröffentlichen Demo-Material und Live-Mitschnitten auf CD oder LP bestehen. Teilweise werden die sogar in den näheren Oststaaten gepresst und verkauft. Eine Vielzahl der Bootlegs können die Fans unter Duldung der Band bei onkelzbootlegs kostenlos herunterladen.
Die Ska-Band Ska-P steht ebenfalls Bootlegs gelassen gegenüber. Ihre Meinung gleicht der der die Ärzte. Sie dulden die Seite „www.ska-p.de.ms“, auf denen man etliche Bootlegs der Band herunterladen kann, um Bootleggern deren illegale Geldquelle versiegen zu lassen.
Auch in der Reggae-Szene herrscht allgemein eine liberale Einstellung gegenüber Bootleggern; jedoch ist der Begriff „Bootleg“ im Umfeld der Sammler recht unbeliebt. Dafür ist in der Tauschszene oft der Satz „reggae live music is for sharing, not for selling“ geläufig. Zahlreiche Reggaebands erlaubten das Aufnehmen ihrer Konzerte zum privaten Gebrauch oder zum Tauschen untereinander, so z. B. Bob Marley & The Wailers, Peter Tosh, Toots and the Maytals, Jimmy Cliff, DemBoyz, Inner Circle und Jacob Miller.
Wie die Grateful Dead erlauben auch heute noch viele Künstler und Bands ihren Fans, Konzerte für private Zwecke aufzunehmen. Zu ihnen zählen unter anderem die Allman Brothers Band, ...And You Will Know Us by the Trail of Dead, Black Crowes, Counting Crows, Gov't Mule, U2, Iron Maiden, Dave Matthews Band, Metallica, Phish, Queens of the Stone Age, Radiohead, Sonic Youth, Therapy?, Widespread Panic und Wilco.
Bootleg recording | Bootleg | Bootleg | Bootleg | Bootleg | Bootleg | ブートレグ | Bootleg | Piratutgave | Bootleg | Bootleg | Бутлег | Bootleg