Ein Bootcamp bezeichnet im Englischen ein Trainingslager für Rekruten, die dort eine Grundausbildung erhalten. Die Bezeichnung boot kommt von den neuen, schweren Stiefeln, die getragen werden müssen. Boot ist ausserdem eine ältere amerikanische Bezeichnung für Rekruten in der Grundausbildung, entsprechend dem deutschen Begriff Koffer. Die Bedeutung des englischen to boot (jemandem einen Fußtritt geben) kann auch auf die meist erniedrigende Behandlung in einem solchen Lager bezogen werden.
In neuer Zeit (seit ca. 1990) ist der Begriff als Bezeichnung für ein Lager zur Besserung und Rehabilitation von Straftätern bekannt geworden, insbesondere im Zusammenhang mit straffällig gewordenen Jugendlichen. Als Alternative zu mehrjährigen Freiheitsstrafen in einem gewöhnlichen Gefängnis können straffällig Gewordene nach 120 Tagen extremer physischer und psychischer Tortur in einem Bootcamp in die Freiheit gelangen. Bootcamps existieren unter diesem Namen nur in den USA und werden staatlich als auch privat betrieben. Das Konzept der Bootcamps wird besonders von konservativen Politikern favorisiert, vor allem weil die Kosten des Strafvollzugs für einen Delinquenten auf einen Bruchteil minimiert wird. Für Bootcamps sind nur Straftäter geringerer Vergehen zugelassen wie Diebstahl, Drogenhandel oder Körperverletzung, nicht jedoch Mord oder Totschlag.
Diese Einrichtungen werden nach den disziplinarischen Grundregeln der US-Militäreinheit der Marines geleitet. Die Philosophie dieser Camps ähnelt der der Marines: Willen brechen, um ihn später wieder aufzubauen. Dazu gehören seelische Grausamkeiten, Erniedrigungen und Sport, welche die Insassen täglich bis zu ihren Grenzen belasten.
Darüber hinaus gibt es eine zweite Form von Bootcamps, in die Jugendliche allein auf Veranlassung der Eltern als Erziehungsmaßnahme eingewiesen werden. Je nach Status der Einrichtung zahlen die Eltern für diese Dienstleistung sehr hohe Gebühren. Jugendliche, die sich dieser Einweisung widersetzen, können, ebenfalls auf Veranlassung der Eltern, mit Gewalt dazu gezwungen werden. Zu diesem Zweck gibt es professionelle Einfänger, die sich selbst "Transporter" nennen. Die Verweildauer in diesen Einrichtungen ist nicht auf 120 Tage beschränkt, sondern kann mehrere Jahre betragen. Lediglich das Erreichen der Volljährigkeit stellt eine Obergrenze dar. Die einzigen Konditionen um in ein solches Bootcamp eingewiesen zu werden, sind die Minderjährigkeit des Betroffenen und der Wille der Eltern.
Die Befürworter von Bootcamps gehen davon aus, dass diese Form der Umerziehung den Charakter der Verurteilten entsprechend einer Norm formen, die vor allem bei der Bevölkerung der USA als erstrebenswert erachtet wird: einem disziplinierten Soldaten. Auf der anderen Seite ist man davon überzeugt dass ein Gesetzesbrecher nach dieser Tortur nicht mehr straffällig werden will um diese nie mehr durchmachen zu müssen. Die Quote der Wiederholungstäter bei ehemaligen Bootcamp-Insassen ist auch deutlich niedriger als bei konventionellem Strafvollzug.
Vorallem aber werden Bootcamps von Menschenrechtsschützern abgelehnt. In Bootcamps sind seelische Misshandlungen Teil des Programms. Auch körperliche Misshandlungen sind dokumentiert obwohl in der Regel das Personal entsprechend den Vorgaben die Insassen nicht von sich aus berühren darf. Die ständigen Beleidigungen, Demütigungen und der Druck in kürzester Zeit ohne Rücksicht auf Verletzungen Aufgaben zu erledigen die nie zur Zufriedenheit erfüllt werden können verstoßen eindeutig gegen allgemein anerkannte Menschenrechte.
Annähernd 65 Jugendliche sind in den letzten 20 Jahren in Bootcamps zu Tode gekommen, überwiegend durch eigene Hand. Hinzu kommen zahllose Fälle von schweren Verletzungen wie Knochenbrüchen bei den extrem belastenden täglichen Aktivitäten die die Häftlinge bis an ihre Grenzen strapazieren. Derartige Verletzungen bedeuten den Abbruch des Bootcamps und Überführung in eine normale Haftanstalt wo die ursprünglich verhängte Haftstrafe angetreten wird, da man damit nicht mehr am Tagesprogramm des Bootcamps teilnehmen kann.
In einem weiteren Fall, in dem ein 14-jähriger vor laufender Kamera von sieben Wärtern zu Tode geprügelt wird und die anwesende Krankenschwester bloß mit den Händen in den Taschen zuschaut, haben die Angehörigen eine Klage gegen die Bootcamps eingereicht, bisher allerdings erfolglos, da die Staatsanwaltschaft der Meinung war, die Wärter hätten aus Notwehr gehandelt.
Aufgrund der schweren Aufgabenstellungen und den rigorosen Anforderungen wurde die sprachliche Parallele zu militärischen Camps hergestellt, auch der computertechnische Begriff booten, für das Hochfahren eines Computers, war für die Begriffsbildung ausschlaggebend.
Teilnehmer solcher Bootcamps üben unter Examensbedingungen komplexe Netzwerkszenarios. Tägliche Trainingszeiten von 16-18 Stunden mit wenig oder gar keinen Pausen sind die Regel. Ausbilder dieser IT-Bootcamps wurden schon "CCIE Drill Sergeant" genannt.
Bootcamp ist die Bezeichnung der Software, mit der man auf den Intel-basierten Macs Windows parallel booten kann. Quelle: http://www.apple.com/de/macosx/bootcamp/
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