article

Am 11. Juli 2006 ereignete sich eine verheerende Anschlagserie im Nahverkehr in der indischen Metropole Mumbai. Dabei wurden nach offiziellen Angaben mindestens 160 Menschen getötet und mehr als 400 weitere verletzt. Im abendlichen Berufsverkehr detonierten in kurzer Zeit in voll besetzten Vorortzügen sieben Bomben. Ein achter Sprengsatz in einem Zug der 14- Millionen-Metropole wurde von indischen Sicherheitskräften entschärft.

Der Terroranschlag ist der schlimmste weltweit seit den Madrider Zuganschlägen 2004.

11 July 2006 Mumbai bombings - map showing locations.png | Bombay3.jpg

Die Anschläge


Die Bomben detonierten in den Nahverkehrszügen der Hauptlinie (Western Line) im Westen Mumbais. Die erste Explosion ereignete sich um 18:24 IST (14:54 MESZ) und die folgenden sechs innerhalb von elf Minuten, bis 18:35 Uhr, also während einer der Stoßzeiten im Nahverkehr der Stadt, in der viele Menschen auf dem Heimweg von der Arbeit waren. Die Bomben waren in Erste-Klasse-Abteilen der Züge platziert worden, einmal im südlichen Teil Mumbais, dem Viertel Churchgate, im Zentrum der Stadt und am Ende der Western Line. Die Explosionen ereigneten sich nahe der Regionalbahnstationen Matunga Road, Khar Road, Santacruz, Jogeshwari, Mahim, Borivali und Bhayandar, wo zwei Bomben explodierten.

Hintergründe

Der indische Innenminister Shivraj Patil äußerte sich in der Hauptstadt Neu-Delhi vorsichtig: „Man kann raten, wer dahinter stehen könnte. Man kann zu gewissen Schlüssen kommen. Aber erst wollen wir die vollen Informationen haben und sie analysieren. Vorher können wir als Regierung keinen Kommentar abgeben. Wir haben eigene Schlussfolgerungen, die wir Ihnen aber erst präsentieren werden, wenn sie schlüssig sind.“

Die Bombenattentate ereigneten sich wenige Stunden nach einer Serie von Granatenattacken in Srinagar, der größten Stadt im indischen Bundestadt Jammu und Kashmir, bei dem acht Personen, darunter sechs indische Touristen, getötet und 35 verletzt wurden. Sicherheitsbehörden vermuten einen Zusammenhang zwischen den beiden Ereignissen und gehen davon aus, dass die islamistische Terrorgruppe Lashkar-e-Toiba, welche von Pakistan aus operiert, für den Anschlag verantwortlich ist. Das indische Innenministerium prüft, ob es einen Zusammenhang mit dem Kaschmir-Konflikt gibt.Times of India: Srinagar blasts: Centre promises all help (11.07.2006)

Auch aufgrund des Datums wurde in Betracht gezogen, dass eine Verbindung zum Terrornetz Al-Qaida herzustellen sein könnte. Wie diese Anschläge in Mumbai, erfolgten auch die Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA und die Madrider Zuganschläge (11. März 2004) jeweils am elften Tag des Monats.

Verletzte und Tote

Terroranschläge in Mumbai 2006
S-Bahnstation Zeit (IST) Tote Verletzte Quellen
Mahim 18:26 ? ?
Borivali1 18:35 ? ?
Jogeshwari 18:25 ? ?
Khar Road 18:24 ? ?
Matunga Road 18:30 ? ?
Mira Road 18:29 ? ?
Santacruz2 ? ?
Insgesamt 174-190 464-700
1 Zwei Bomben explodierten an diesem Ort, eine dritte Bombe konnte hier entschärft werden
2 Diese Bombe explodierte zwischen der Station Santacruz und Khar Road
Die Nachrichtenagentur Press Trust of India berichtete am Mittwochmorgen, dass 190 Menschen getötet und 625 verletzt worden seien, MSNBC spricht von 190 Toten, Reuters berichtete von 179 Toten und bis zu 700 Verletzten und CNN berichtete von 174 Toten und 464 Verletzten. Die Todeszahlen erhöhten sich von Stunde zu Stunde. Starker Monsun-Regen behinderte die Bergungsmannschaften, Verkehrstaus erschwerten den Transport der Überlebenden.

Auswirkungen


Aus Angst vor weiteren Anschlägen und möglichen Unruhen rief die indische Regierung höchste Alarmstufe für weite Teile des Landes aus. In Mumbai verbreitete sich zunächst Panik und Unsicherheit. Die Telefonnetze waren überlastet. Vilasrao Deshmukh, der Ministerpräsident der Landesregierung Maharashtras, rief zur Ruhe auf: "Ich appelliere an die Bevölkerung, besonnen zu reagieren. Gleichzeitig gibt es eine Untersuchung der Anschläge. Wer auch immer schuldig ist, wird verhaftet werden. Dafür wird die Regierung sorgen. Was geschehen ist, das ist schmerzhaft, doch ich appelliere an alle, jetzt ruhig zu bleiben."

Internationale Reaktionen


  • : Der afghanische Präsident Hamid Karzai sagte: „Das afghanische Volk wird seit Jahren von Terroristen heimgesucht und empfindet den Schmerz und die Leiden, die durch Terrorismus hervorgerufen werden, nach. Meine Gedanken sind bei den Hinterbliebenen der Opfer und den Angehörigen der Verletzten.BBC: Mumbai bombs: Reaction in quotes (11.07.2006)

  • : Bundeskanzlerin Angela Merkel brachte in einem Kondolenzschreiben an Indiens Premierminister Manmohan Singh ihre Bestürzung zum Ausdruck. Sie bekundete dem indischen Volk ihr „tief empfundenes Mitgefühl“ wegen der zahlreichen Opfer. „Die Bundesregierung verurteilt diese Terrorakte scharf“, erklärte Merkel. Den Verletzten wünschte sie baldige Genesung.Bundeskanzleramt: Kondolenzschreiben Bundeskanzlerin Merkel an den indischen Premierminister Singh (12.07.2006) Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier verurteilte die „heimtückischen Terrorakte“ auf das Schärfste. Die Verantwortlichen, die so viele unschuldige Zivilisten zum Ziel ihrer sinnlosen Gewalt gemacht hätten, müssten schnellstmöglich ermittelt und zur Rechenschaft gezogen werden.Auswärtiges Amt: Zu den Anschlägen in Indien (11.07.2006)

  • : Die österreichische Außenministerium Ursula Plassnik verurteilte die Anschläge auf Schärfste: „Ich hoffe sehr, dass die Urheber dieser barbarischen Anschläge rasch gefunden und vor Gericht zur Verantwortung gezogen werden“. Weiterhin sprach sie den Angehörigen der Opfer ihr „tiefstes Mitgefühl“ aus und wünschte den „bei diesem schändlichen terroristischen Akt“ Verletzten „eine rasche Genesung“.Bundesministerium für Auswärtige Angelegenheiten: Außenministerin Plassnik zu den Bombenanschlägen in Mumbai (Bombay) (11.07.2006)

  • : Pakistans Präsident Pervez Musharraf verurteilte die Anschläge als „verabscheuungswürdigen Terrorakt, der zahlreiche unersetzliche Menschenleben gekostet hat“. Shaukat Aziz, der Premierminister des Landes, sagte: „Der Terrorismus ist die Geißel unserer Zeit. Er muss verurteilt, zurückgewiesen sowie umfassend und wirkungsvoll bekämpft werden.BBC: Mumbai bombs: Reaction in quotes (11.07.2006)

  • : Der russische Präsident Wladimir Putin erklärte, dass „ein derart zynisches und ungeheuerliches Verbrechen durch nichts zu rechtfertigen“ sei. „Die für dieses Verbrechen verantwortlichen Terroristen müssen hart bestraft werden“, fügte er hinzu.BBC: Mumbai bombs: Reaction in quotes (11.07.2006)

  • : Das Schweizer Außenministerium nahm „mit Bestürzung“ die Terroranschläge zur Kenntnis und verurteilte sie „in aller Schärfe“. Den indischen Behörden, den Angehörigen der Opfer und der Bevölkerung drückte es „sein tiefes Mitgefühl und seine Solidarität in diesen schmerzlichen Momenten aus“.Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten: Bombenanschläge in Mumbai (11.07.2006)

  • : Spaniens Premierminister José Luis Rodríguez Zapatero, der Indien erst eine Woche vor den Anschlägen besucht hatte, teilte seinem indischen Amtskollegen Manmohan Singh in einem Beileidsschreiben mit: „Ich möchte Ihnen angesichts der erschütternden Terroranschläge in Ihrem Land meine tiefe Ergriffenheit und Anteilnahme ausdrücken.“ Weiterhin verwies er auf die Madrider Zuganschläge des Jahres 2004 und erklärte in diesem Zusammenhang: „Spanien fühlt sich Indien besonders verbunden und verurteilt strengstens die terroristischen Angriffe in Mumbai, die so viele Tote und Verletzte gefordert haben.ABC: El mundo entero condena los atentados de Bombay (12.07.2006)

  • : Premierminister Tony Blair erklärte: „Ich verurteile diese brutalen und schändlichen Anschläge aufs Schärfste. Für Terrorismus darf es keine Rechtfertigung geben. Unsere Gedanken sind bei den Opfern und deren Hinterbliebenen. Wir stehen Seite an Seite mit Indien, der größten Demokratie der Welt, die unsere Werte und unsere Entschlossenheit, Terrorismus jedweder Art in seine Schranken zu weisen, teilt.BBC: Mumbai bombs: Reaction in quotes (11.07.2006)

  • : US-Präsident George W. Bush hat die Bombenanschläge scharf verurteilt. „Solche Taten stärken nur die Entschlossenheit der internationalen Gemeinschaft, sich vereint gegen den Terrorismus zu stellen und eindeutig zu betonen, dass es keine Rechtfertigung für die Ermordung unschuldiger Menschen gibt“, hieß es in der Stellungnahme. Außenministerin Condoleezza Rice sagte: „Es gibt keine politischen Gründe, die den Mord an unschuldigen Menschen rechtfertigen. Die Vereinigten Staaten stehen im Kampf gegen den Terrorismus an der Seite Indiens. Die für diese Gräueltaten Verantwortlichen sollten schnellstens vor ein Gericht gestellt werden.BBC: Mumbai bombs: Reaction in quotes (11.07.2006)

Hilfe


Angehörige

  • Der Ministerpräsident des indischen Bundesstaates Maharashtra, zu dem Mumbai gehört, Vilasrao Deshmukh, sagte, dass die Angehörigen jedes Getöteten 100.000 Rupien (ca. 2.000 Euro) als Entschädigung erhalten
  • Verletzte erhalten bis zu 50.000 Rupien.

Nach ersten Einschätzungen des Berliner Außenministeriums sind keine Deutschen unter den Opfern.

Frühere Anschläge auf Züge in Mumbai


  • 13. März 2003: Bei einer Bombenexplosion in einem Vorortzug sterben elf Menschen. Dutzende werden verletzt.
  • 29. Oktober 1993: Ein Sprengsatz in einem Vorortzug verletzt rund 40 Menschen, mehrere von ihnen lebensgefährlich.
  • 9. November 1991: Bei einem Anschlag auf einen Vorortzug sterben mindestens zehn Fahrgäste. Etwa 60 Menschen werden verletzt.

Sonstiges


Nach der verheerenden Anschlagserie auf Nahverkehrszüge in Mumbai sind am Abend auch in New York die Sicherheitsvorkehrungen im U-Bahn-Netz verschärft worden. Nach Angaben eines New Yorker Polizeisprechers wurden hunderte Beamte zusätzlich zur Überwachung auf Bahnhöfen und in den Zügen bereit gestellt. Allerdings seien die Maßnahmen rein präventiv. Erst in der vergangenen Woche waren geplante Anschläge auf die Verbindung zwischen Manhattan und dem benachbarten New Jersey bekannt geworden.

Siehe auch


Quellen


Weblinks


Indien Anschlag | Weltgeschichte | 2006

Terrorangrebet i Mumbai 2006 | 11 July 2006 Mumbai train bombings | Atentados del 11 de julio de 2006 en Bombay | Attentats du 11 juillet 2006 à Mumbai | 11 जुलाई 2006 मुम्बई विस्फोट | 2006年7月11日におけるムンバイでの列車爆破事件 | Bomaanslagen in Mumbai | 11 ஜூலை 2006 மும்பை இரயில் குண்டுவெடிப்புகள் | 2006年7月11日孟買火車連環爆炸案

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Bombenattentat in Mumbai 2006".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld