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Bologna
 

Bologna * ist eine Universitätsstadt in Italien und bedeutender Verkehrsknotenpunkt. Sie liegt am Fuße des Apennin zwischen den Flüssen Reno und Savena und ist die Hauptstadt der Region Emilia-Romagna und der Provinz Bologna.

Geschichte


San Domenico90.jpgDie Geschichte der Stadt beginnt vermutlich als etruskische Gründung mit dem Namen Felsina im 6. Jahrhundert v. Chr., Spuren älterer dörflicher Siedlungen der Villanovakultur in der Gegend reichen bis ins 11./10. Jahrhundert v. Chr. zurück. Die etruskische Stadt wuchs um ein Heiligtum auf einem Hügel und war von einer Nekropole umgeben.

Im 4. Jahrhundert v. Chr. eroberten die keltischen Boier Felsina. 191 v. Chr. wurde die Stadt von den Römern erobert, 189 v. Chr wurde sie als Bononia römische Colonia. 3000 latinische Familien siedelten sich unter den Consuln Lucius Valerius Flaccus, Marcus Atilius Seranus und Lucius Valerius Tappo an. Der Bau der Via Aemilia 187 v. Chr machte Bononia zum Verkehrsknotenpunkt: Hier kreuzte sich die Hauptverkehrsstraße der Poebene mit der Via Flaminia minor nach Arretium (Arezzo). 88 v. Chr. erhielt Bononia über die lex Julia municipalis wie alle Landstädte Italiens volles römisches Bürgerrecht. Nach einem Brand wurde sie von Nero wieder aufgebaut.

Wie für eine römische Stadt typisch, war Bononia schachbrettartig um die zentrale Kreuzung zweier Hauptstraßen angelegt, dem Cardum und dem Decumanum. Sechs Nord-Süd- und acht Ost-West-Straßen teilten die Stadt in einzelne Quartiere und sind bis heute erhalten. Während der römischen Kaiserzeit hatte Bononia mindestens 12.000, möglicherweise jedoch bis 30.000 Einwohner, zahlreiche Tempel und Thermen, ein Theater und ein Amphitheater, sodass sie der Geograph Pomponius Mela zu den fünf üppigsten (opulentissimae) Städten Italiens zählte.

Nach einem langen Niedergang wurde Bologna im 5. Jahrhundert unter dem Bischof Petronius wiedergeboren, der nach dem Vorbild der Jerusalemer Grabeskirche den Kirchenkomplex von Santo Stefano errichtet haben soll. Nach dem Ende des Römischen Reiches war Bologna ein vorgeschobenes Bollwerk des Exarchats von Ravenna, geschützt von mehreren Wallringen, die jedoch den größten Teil der verfallenen römischen Stadt nicht einschlossen. 728 wurde die Stadt von dem Langobardenkönig Liutprand erobert und damit Teil des Langobardenreichs. Die Langobarden schufen in Bologna einen neuen Stadtteil nahe Santo Stefano, bis heute Addizione Longobarda genannt, in dem Karl der Große bei seinem Besuch 786 unterkam.

Im 11. Jahrhundert wuchs Bologna als freie Kommune erneut. 1088 wurde der Studio gegründet – heute die älteste Universität Europas – an der zahlreiche bedeutende Gelehrte des Mittelalters lehrten, unter anderem Irnerius. Da sich die Stadt weiter ausdehnte, erhielt sie im 12. Jahrhundert einen neuen Wallring, ein weiterer wurde im 14. Jahrhundert fertig gestellt.

1164 war Bologna in den Lombardenbund gegen Friedrich I. Barbarossa eingetreten, 1256 verkündete die Stadt das Legge del Paradiso (Paradiesgesetz), das Leibherrschaft und Sklaverei abschaffte und die verbleibenden Sklaven mit öffentlichem Geld freikaufte. 60.000 bis 70.000 Menschen lebten zu dieser Zeit in Bologna und machten die Stadt zur fünft- oder sechstgrößten Europas nach Cordoba, Paris, Venedig, Florenz und möglicherweise Mailand. Das Stadtzentrum war ein Wald von Türmen: Schätzungsweise 180 Geschlechtertürme der führenden Familien, Kirchtürme und Türme öffentlicher Gebäude bestimmten das Stadtbild.

Wie die meisten Kommunen Italiens der Zeit war Bologna von inneren Streitigkeiten geprägt. So wurde 1274 die ghibellinische Familie Lambertazzi aus der Stadt vertrieben, die die Politik des Kaisers gegen die des Papsttums unterstützten.

Nachdem Bologna 1325 in der Schlacht von Zappolino von Modena vernichtend geschlagen worden war, bat Bologna den Papst um Schutz. Während der Pest-Epidemie 1348 starben etwa 30.000 der Einwohner. Nach der Regierungszeit Taddeo Pepolis (13371347) fiel Bologna an die Visconti Mailands, kehrte aber 1360 auf Betreiben von Kardinal Gil Álvarez Carillo de Albornoz wieder in den Machtbereich des Papstes zurück. Die folgenden Jahre waren bestimmt von einer Reihe republikanischer Regierungen (so z. B. die von 1377, die die Basilica di San Petronio und die Loggia dei Mercanti errichten ließ), wechselnder Zugehörigkeit zum päpstlichen oder Viscontischen Machtbereich und andauernder, verlustreicher Familienfehden.

In der Mitte des 15. Jahrhunderts erlangte die Familie der Bentivoglio mit Sante (14451462) und Giovanni II (1462–1506) die Herrschaft in Bologna. Während ihrer Regierungszeit blühte die Stadt auf, angesehene Architekten und Maler gaben Bologna das Gesicht einer klassischen italienischen Renaissance-Stadt.

Giovannis Herrschaft endete 1506, als die Truppen Papst Julius' II. Bologna belagerten und die Kunstschätze seines Palastes plünderten. Fortan, bis zum 18. Jahrhundert, gehörte Bologna zum Kirchenstaat und wurde von einem päpstlichen Legaten und einem Senat regiert, der alle zwei Monate einen gonfaloniere (Richter) wählte, der von acht Konsuln unterstützt wurde. Der Wohlstand der Stadt dauerte an, doch eine Seuche am Ende des 16. Jahrhunderts verringerte die Zahl der Einwohner von 72.000 auf 59.000, eine weitere 1630 ließ sie auf 47.000 schrumpfen, bevor sie sich wieder auf 60.000 bis 65.000 einpendelte.

1564 wurden die Piazza del Nettuno, der Palazzo dei Banchi und der Archiginnasio erbaut, der Sitz der Universität. Zahlreiche Kirchen und andere religiöse Einrichtungen wurden während der päpstlichen Herrschaft neu errichtet, ältere renoviert – Bolognas 96 Klöster sind italienischer Rekord. Bedeutende Maler wie Annibale Carracci, Domenichino und Guercino, die in dieser Periode in Bologna tätig waren, formten die Bologneser Schule der Malerei.

Im napoleonischen Europa wurde Bologna 1796 – seit dem Ersten Koalitionskrieg vom Kirchenstaat unabhängig – zunächst Hauptstadt der kurzlebigen Cispadanischen Republik und später die nach Mailand bedeutendste Stadt in der Cisalpinischen Republik und des napoleonischen Königreichs Italien. Nach dem Fall Napoléons schlug der Wiener Kongress 1815 Bologna jedoch wieder dem Kirchenstaat zu. Die Stadt rebellierte gegen die päpstliche Restauration 1831 und erneut 1849, als es gelang, die Truppen der österreichischen Garnison zu vertreiben, die bis 1860 die Befehlsgewalt über die Stadt innehatten. Nach einem Besuch von Papst Pius IX. 1857 stimmte Bologna am 12. Juni 1859 für seine Annexion durch das Königreich Piemont-Sardinien, wodurch die Stadt Teil des vereinten Italien wurde.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Mauern der Stadt bis auf wenige Reste abgerissen, um der schnell wachsenden Bevölkerung Platz zu schaffen. 1940 zählte Bologna 320.000 Einwohner. Im den Zweiten Weltkrieg wurde Bologna in den Kämpfen des untergehenden Deutschen Reiches mit amerikanischen, britischen und polnischen Invasionstruppen der Alliierten bombardiert und beschädigt, am 21. April 1945 fiel die Stadt an die Amerikaner. Nach dem Krieg erholte sich Bologna schnell und ist heute eine der wohlhabendsten und stadtplanerisch gelungensten Städte Italiens.

Am 2. August 1980 zündete eine Gruppe von Rechtsextremisten eine Bombe im Bahnhof der Stadt. 85 Menschen starben, mindestens 200 wurden verletzt. 1995 wurden für diesen Anschlag zwei Mitglieder der faschistischen Nuclei Armati Rivoluzionari und Mitarbeiter des italienischen Geheimdienstes zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

Sehenswürdigkeiten


Bild:BO-Panorama.jpg|Blick auf das Zentrum Bolognas Bild:2tours bologne 082005.jpg|Die beiden schiefen Türme Bild:Palazzo dei Notai.01.jpg|Palazzo dei Notai Bild:Bologna014.jpg|Canale delle Moline

Wahrzeichen der Stadt sind die zwei Türme, der „Torre Garisenda“ und der „Torre degli Asinelli“. Um 1300 erbaut, war letzterer mit seiner Höhe von 94,5 Metern für 137 Jahre das höchste Gebäude Europas. Die beiden Türme sind mit wenigen anderen die letzten Überbleibsel von rund 180 Geschlechtertürmen des mittelalterlichen Bologna, die im 19. Jahrhundert zum Großteil geschleift wurden.

Bologne place 082005.jpg Als Zentrum der Stadt gilt die Piazza Maggiore mit dem Neptunbrunnen und der Basilika „San Petronio“. Diese gewaltige gotische Kirche (fünftgrößte der Welt) besitzt ein eindrucksvolles Inneres, dessen Mittelschiff 40 m hoch und 20 m breit ist. Ursprünglich als größte Kirche der Christenheit geplant, wurde der Bau, begonnen im Jahr 1390, aufgrund finanzieller Probleme bis zum heutigen Tage nicht vollendet. Im Innenraum befindet sich die Mittagslinie, 1655 eingerichtet nach Plänen des Astronomen Giovanni Domenico Cassini.

Der Dom "Cattedrale di San Pietro" mit der Pietà von V. Lombardi befindet sich auf der Via Indipendenza.

BO-Santostefano.jpg Die älteste Kirche Bolognas, die "Basilica di Santo Stefano", befindet sich in einem heute noch genutzten Klosterkomplex im historischen Zentrum der Stadt. Die Anlage verfügt über einen byzantinischen Rundbau sowie über typische romanische Kreuzgänge.

Die Wallfahrtskirche der Madonna di San Luca liegt auf dem Guardiahügel oberhalb der Stadt, von dem man einen beeindruckenden Blick in die Poebene hat. Zur Kirche hinauf führt der mit über vier Kilometern längste Arkadengang der Welt.

Der Palazzo dell'Archiginnasio war ursprünglich dafür geplant, alle Fakultäten der Universität unter einem Dach zu versammeln. Eindrucksvoll ist der durch den Krieg stark zerstörte, aber vollständig renovierte Anatomielehrsaal.

Bologna-viasantostefano.jpgBekannt ist Bologna außerdem für seine Arkaden. Sie erstrecken sich über 38 km und wurden ursprünglich geschaffen, um der wachsenden Bevölkerung der Stadt gerecht zu werden. Der Bau der Arkaden ermöglichte es, die oberen Stockwerke auszubauen und so neuen Wohnraum zu schaffen ohne den Handel und den Durchgangsbetrieb zu stark zu beeinträchtigen.

Bildung


Bologna beherbergt mit der 1088 gegründeten Universität die älteste Institution dieser Art in Europa.

Verkehr


Bologna hat einen Flughafen „Marconi“ im Nordwesten der Stadt. Einige Billigfluggesellschaften frequentieren den ca. 60 km entfernten Flughafen Forlì als Flughafen Bologna-Forli.

Ausserdem ist Bologna einer der größten Eisenbahnknotenpunkte Italiens. Seine wichtigsten Bahnhöfe sind der Hauptbahnhof „Bologna Centrale“ und der Rangierbahnhof „Bologna San Donato“. Ersterer wurde 1864 errichtet, allerdings schon zehn Jahre später von Gaetano Ratti neu konstruiert. 1926 wurde dieser Bahnhof um die westlichen Bahnsteige erweitert, 1934 auch auf der östlichen Seite. Letzterer befindet sich an der Umgehungsbahn im Nordosten der Stadt, und zwar als eine für Rangierbahnhöfe sehr seltene kopfförmige Anlage.

Bedeutende Bologneser und Bologneserinnen


Söhne und Töchter der Stadt


Sonstiges


Bologna ist die Heimat der Tortellini, das sind mit Hackfleisch gefüllte, kleine Nudeln. Diese werden meist in einer Fleischbrühe (brodo) oder mit Sugo Bolognese (aus Hackfleisch und Tomaten) serviert (die in Deutschland gängige Kombination „Spaghetti Bolognese“ wird man allerdings auf keiner Speisekarte finden!). In Bologna wird der Sugo nicht mit Hackfleisch, sondern mit ausgedrückter Salsiccia (italienische grobe Rohbratwurst) zubereitet. Eine weitere aus Bologna stammende Spezialität ist die Mortadella, eine Aufschnittwurst vom Schwein, die meist in hauchdünne Scheiben oder in Würfel geschnitten verzehrt wird.

In Bologna findet die Internationale Ledermesse Lineapelle sowie die internationale Automobilmesse "Motorshow" statt.

Seit 1963 gibt es außerdem in Bologna die wichtigste und größte internationale Jugendbuchmesse der Welt, die Fiera del Libro per Ragazzi.

Mit der Unterzeichnung der Bologna-Erklärung 1999 in der ältesten Universitätsstadt Europas begann die Vereinheitlichung des europäischen Hochschulwesens. Bologna war die europäische Kulturhauptstadt des Jahres 2000.

Beinamen

Bologna wird auch la grassa („die Fette“) genannt wegen des fetten Essens, für das die Stadt berühmt ist. Weitere Beinamen sind la rossa („die Rote“) wegen der roten Ziegel der Häuser und der vorherrschenden politischen Richtung sowie, wegen der berühmten Universität, la dotta („die Gelehrte“). Bologna wird auch la turrita genannt, nach den vielen Geschlechtertürmen, von denen die meisten erst Ende des 19. Jahrhunderts zerstört wurden.

Städtepartnerschaften

Bologna unterhält mit folgenden Städten Partnerschaften: Coventry, Vereinigtes Königreich, seit 21. April 1984 Charkow, Ukraine, seit 5. August 1966 La Plata (Stadt), Argentinien, seit 23. November 1988 Leipzig, Deutschland, seit 2. März 1962 Saint-Louis, USA, seit 30. Juli 1987 Thessaloníki, Griechenland, seit 29. Oktober 1981 San Carlos, Nicaragua, seit 21. Mai 1988 Saint-Louis, Senegal, seit 9. Dezember 1991 Tolosa, Frankreich, seit 23. November 1981 Tuzla, Bosnien und Herzegowina, seit 21. Juli 1994 Valencia, Spanien, seit 27. März 1976 Zagreb, Kroatien, seit 5. Mai 1963

Literatur


  • Max Jäggi, Roger Müller, Sil Schmid (1976): Das rote Bologna. Kommunisten demokratisieren eine Stadt im kapitalistischen Westen. Zürich: Verlagsgenossenschaft.

Weblinks


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