Barium (Elektronenbestzung).png nach dem bohrschen Atommodell.]] BohrAtomBm.jpg aus Grönland zum Gedenken an Niels Bohr und sein Atommodell]]
Das Bohrsche Atommodell wurde 1913 von Niels Bohr entwickelt und war das erste quantenmechanische Atommodell. Es baut auf dem Rutherfordschen Atommodell auf. Das Bohrsche Atommodell ist eine überholte Theorie.
Nach dem Bohrschen Atommodell besteht das Atom aus einem positiv geladenen Kern und Elektronen, die diesen auf diskreten konzentrischen Bahnen umkreisen, ähnlich den Planeten eines Sonnensystems.
Das Bohrsche Atommodell war das erste Atommodell, das nicht mehr von der unbeschränkten Gültigkeit der klassischen Mechanik ausging. Außerdem führte es als erstes nichtkontinuierliche Bewegungsgesetze ein und brach so mit dem bis dahin geltenden Lehrsatz natura non facit saltus (die Natur macht keine Sprünge). Die Erklärung der Stabilität der Atome im Bohrschen Atommodell entspricht im Wesentlichen der heutigen Erklärung, nur dass die Bahn durch den allgemeineren Zustand ersetzt wurde. Das Bohrsche Atommodell war das erste Atommodell, welches das Linienspektrum des Wasserstoff-Atoms erklären konnte.
Eine Erweiterung des Bohrschen Atommodells auf elliptische Elektronenbahnen stellt das Bohr-Sommerfeldsche Atommodell dar.
Hinzu kommt die Auswahlbedingung, die oft als drittes Postulat genannt wird. Sie beschreibt die erlaubten Bahnen des Elektrons: Der Drehimpuls des Elektrons ist ein ganzzahliges Vielfaches von .
(h: plancksches Wirkungsquantum).
Die Namen der Serien:
Das Modell hat entscheidend zur Entwicklung der Quantenmechanik beigetragen. Es widerspricht jedoch der 1927 entdeckten Heisenbergschen Unschärferelation, die besagt, dass es grundsätzlich unmöglich ist gleichzeitig den Aufenthaltsort und die Geschwindigkeit eines Elektrons exakt zu bestimmen. Es wird daher durch das Orbitalmodell abgelöst.
.
Nach der Auswahlbedingung muss für den Drehimpuls L des Elektrons gelten
, wobei n eine natürliche Zahl ist.
.
Auf das Teilchen wirkt eine Zentripetalkraft
Auf das Elektron mit der Elementarladung im elektrischen Feld des Protons gilt nach dem Coulombgesetz
.
Damit das Teilchen auf der Bahn bleibt, muss die nach innen gerichtete Coulombkraft genau gleich der nach außen gerichteten Zentripetalkraft sein:
.
Der Drehimpuls muss der postulierten Auswahlbedingung genügen:
.
Man erhält durch Einsetzen von in für den Radius :
.
Der kleinste Radius wird als Bohrscher Atomradius bezeichnet
.
Im Coulombfeld des Kerns gilt für die potentielle Energie des Elektrons
,
für die kinetische Energie gilt
,
also für die Energie im -ten Zustand
.
Für die Energiedifferenz vom -ten in den -ten Zustand erhält man
,
wobei diese Energiedifferenz positiv ist, das heißt Energie emittiert wird, wenn , und ansonsten Energie absorbiert wird. Diese sogenannte Rydberg-Formel wurde bereits 1888 von Johannes Rydberg ohne Kenntnis eines Atommodells allein aufgrund von beobachteten Linienspektren aufgestellt.
Für die Erklärung der Spektren ist man an der Frequenz interessiert, für die nach Planck gilt . Die Frequenz der emittierten Strahlung beim Sprung vom -ten in den -ten Zustand gilt also
.
Diese Voraussage entspricht bis auf die vierte Dezimale den beobachteten Werten.
Exaktere Werte erhält man, wenn man bedenkt, dass der Kern sich beim Kreisen des Elektrons minimal mitbewegt - beide bewegen sich um den gemeinsamen Schwerpunkt, der aber innerhalb des in der Ruhemasse 1836 Mal schwereren Protons liegt - die Mechanik liefert einen Faktor .
Lässt man gegen Unendlich gehen, erhält man die Energie, die nötig ist, um ein Elektron aus dem Unendlichen bis zum Zustand zu bewegen, also die Gesamtenergie des Grundzustands .
Nur ein gutes Jahrzehnt nach Bohrs Postulaten wurde zwar mit der Entwicklung der Quantenmechanik das bohrsche Modell abgelöst, zugleich aber auch seine Postulate vollständig begründet und erkennbar, warum das bohrsche Modell in vielen Bereichen Erfolge hatte, das heißt richtige Voraussagen traf. An dieser Stelle sollen zwei Beispiele gegeben werden, wie die bohrsche Auswahlbedingung schon durch grundlegende quantenmechanische Prinzipien - den Materiewellen beziehungsweise die heisenbergsche Unschärferelation - plausibel gemacht werden kann, ohne in irgendeiner Form den quantenmechanischen Formalismus aufzubauen.
Schon 1923 betrachtete Louis-Victor de Broglie Elektronen zum ersten Mal als Wellen (Materiewellen) und zeigte mithilfe einer relativistischen Argumentation, dass für die Wellenlänge eines Elektrons mit dem Impuls gilt
So wie die Saite einer Geige auch nur so schwingen kann, dass ein ganzzahliges Vielfaches der Wellenlänge auf die Saite passt - denn an den Aufhängungspunkten muss ein Wellenknoten vorliegen - so kann das Elektron auch nur so schwingen, dass ein ganzzahliges Vielfaches auf seine Kreisbahn passt:
genau Bohrs Auswahlbedingung.
Eine häufig gebrauchte Formulierung der Heisenbergschen Unschärferelation besagt, dass für die Ortsunschärfe und die Impulsunschärfe stets gilt
.
Gleichartige Relationen gelten aber auch unter anderem für Energie und Zeit, und, was hier benutzt werden soll, für Drehimpuls L und Drehwinkel :
.
Nun kann man bei der Messung eines Drehwinkels aber offenbar maximal einen Fehler von (360°) machen, also , und damit folgt für die maximale Unschärfe für den Winkel , und damit
.
Für minimale Unschärfe von L gilt dann:
Man kann also sagen, das der Drehimpuls einen Bereich von für sich beansprucht. Drehimpulse müssen also, um unterscheidbar zu sein, mindestens diesen Abstand oder ein Vielfaches davon haben. Also muss gelten
Dies ist genau die Auswahlbedingung von Bohr.
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