| Wissenschaftlicher Name
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| Himantoglossum hircinum
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| (L.) Spreng. 1826
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Die
Bocks-Riemenzunge (
Himantoglossum hircinum) ist eine auffällige, stattliche
Orchidee aus der
Riemenzungen (
Himantoglossum), die auch in den wärmeren Gebieten Mitteleuropas vorkommt und in den letzten Jahren eine Ausbreitung ihrer Areale erfahren hat.
Namensgebung
Der Name
Himantoglossum leitet sich ab von den griechischen Wörtern ίμάς
himas = Riemen, γλώσσα
glossum = Zunge und
hircinum vom lateinischen
hircus = Ziegenbock.
Der deutsche Name bedeutet im Grunde nichts anderes als der botanische Name: Nach Bock stinkende Riemenzunge.
Beschreibung
Die Bocks-Riemenzunge ist eine
mehrjährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 25 bis 100 cm erreicht, sehr kräftige Exemplare liegen auch darüber. Dieser
Geophyt bildet als Überdauerungsorgan große, länglich-ovale
Knollen. Die
Laubblätter sind 7 bis 15 cm lang und etwa 3 bis 5 cm breit. Bereits vor Beginn der Blütezeit beginnen sie zu welken.
Der Blütenstand ist reichblütig, bei größeren Pflanzen können es bis zu über 100 Blüten sein. Die Blüten riechen stark nach Ziegenbock.
Die äußeren und inneren Blütenhüllblätter sind zu einem Helm zusammengeneigt mit einer grünlich- bis bräunlichweißen Farbe. Die Lippe ist dreilappig, am Rand gewellt und an der Basis weißlichgrün mit roten Punkten versehen. Der mittlere Lappen ist 3 bis 6 cm lang, grün bis braun gefärbt. In der geschlossenen Blüte ist er eingerollt. Nach dem Aufblühen ist er zunächst spiralig gedreht und später nur noch leicht verdreht. Die Spitze ist mehr oder weniger tief gespalten. Die Seitenlappen sind 10 bis 15 mm lang.
Die Blütezeit beginnt je nach Klima im mittleren Europa in warmen Jahren wie dem Jahr 2003 bereits Anfang Mai. In der Regel beginnt sie Mitte Mai und endet Mitte bis Ende Juni.
Der Blattaustrieb erfolgt zwischen Ende des Sommers und Beginn des Herbst und ist bis zum Winter bereits weitgehend abgeschlossen. Diese Eigenschaft ist auf die Herkunft aus den Gebieten Europas mit mediterranem Klima zurückzuführen. Starker Frost führt gelegentlich zu Blattnekrosen, die aber in der Regel der Pflanze nicht schaden, wenn sie kleinflächig bleiben.
Genetik und Entwicklung
Die Bocks-Riemenzunge besitzt einen Karyotyp von zwei
Chromosomensätzen und jeweils 18 Chromosomen (Zytologie: 2n = 36).
Der Orchideensame hat keinerlei Nährgewebe zur Verfügung. Die Keimung erfolgt daher nur bei Infektion durch einen Wurzelpilz (siehe:
Mykorrhiza). Trotz der Größe und Masse der Pflanze ist der Zeitraum vom ersten, zierlichen Laubblatt bis zur erwachsenen, blühreifen Pflanze relativ kurz im Vergleich zu kleineren Orchideen.
Die Pflanzen sind oft nicht sehr langlebig. Je kräftiger die Pflanze, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie im folgenden Herbst nicht mehr oder nur noch sehr schwach erscheint.
Die Anzahl der blühenden Pflanzen schwankt an ihren Standorten von Jahr zu Jahr mehr oder weniger stark.
Verbreitung
- Allgemein:
Die Bocks-Riemenzunge ist vom westlichen
Mittelmeergebiet bis Mittel
europa verbreitet, stellenweise ist sie selten, kann aber auch sehr zahlreich auftreten.
Sie ist ein Florenelement der west- und zentral-mediterranen, west-submediterranen, süd- und mittel-atlantischen, süd-subatlantischen und süd-zentraleuropäischen Florenzonen (nach BUTTLER).
- Deutschland:
In Deutschland hauptsächlich in
Baden-Württemberg,
Rheinland-Pfalz,
Saarland und Nord
bayern. Wenige Standorte in
Hessen,
Thüringen, Süd
niedersachsen und
Sachsen-Anhalt. Die Art breitet sich langsam, aber stetig nach Norden aus.
- Schweiz:
In der Schweiz ist die Bocks-Riemenzunge vom Bodensee entlang des Rheins, weiter bis zum
Neuenburgersee und
Genfersee mit Lücken verbreitet. Von dort kommend hat sie sich das
Rhônetal hinauf an sehr wenigen Standorten ausgebreitet.
Standorte
Bevorzugt werden
Trockenrasen,
Magerrasen,
Streuobstwiesen an mehr oder weniger steil abfallenden Hängen mit Ausrichtung nach Westen, Süden oder Osten. Auch auf nicht gepflegten, nicht zu stark verbuschten Flächen ist sie zu finden. Gelegentlich wächst sie auch in dichtem, aber lichtem Gebüsch mit moosigem Boden.
Sie kann auch schnell in aufgelassenen Weinbergen Fuß fassen, die noch einen
ruderalen Charakter aufweisen und deren Böden aber dennoch genügend stickstoffarm sind.
Naturschutz und Gefährdung
Schutzstatus:
In Deutschland vollkommen geschützt.
- RL Deutschland: 3
- RL Baden-Württemberg: 3, Sachsen-Anhalt: 1, Thüringen: 2, Hessen: 2,Rheinland-Pfalz: 3, Bayern: 2, Saarland: 2
Seit den 1990er Jahren wird eine verstärkte Ausbreitung dieser Art beobachtet. Der Grund ist die Globale Erwärmung. Sie hat in Gebieten, in denen die Winter vormals zu streng waren, nun geeignetere klimatische Bedingungen geschaffen. Dort wurden zwar in der Vergangenheit schon vereinzelt Pflanzen beobachtet, die aber meist wieder verschwanden und keine stabilen Populationen aufbauen konnten.
Sehr kalte, schneearme Winter können die Vorkommen in den Randgebieten ihres Verbreitungsgebiets wieder schrumpfen lassen.
Um die Öffentlichkeit auf ihre Schutzwürdigkeit hinzuweisen, wurde die Bocksriemenzunge von den
Arbeitskreisen
Heimische
Orchideen zur "Orchidee des Jahres" gewählt.
Systematik
Der gültige Name ist
Himantoglossum hircinum (L.) Spreng. 1826.
Carl von Linné beschrieb sie als
Satyrium hircinum L. 1753.
Satyrium ist heute der Gattungsname einer hauptsächlich im südlichen Afrika vorkommenden Orchidee.
Synonyme
Folgende
Synonyme sind beschrieben:
- Orchis hircina (L.) Crantz 1769
- Loroglossum hircinum (L.) Rich. 1817
- Aceras hircinum (L.) Lindl. 183
Unterarten, Varietäten, Hybriden
Unterarten:
Verschiedene Arten der
Riemenzungen wurden in der Vergangenheit als
Unterarten zu dieser Art gezählt, mittlerweile haben diese ihren eigenen Artstatus.
Bildergalerie
Bild:Himantoglossum hircinum plant2.jpg|Stattliche Pflanze mit etwa 1m Höhe
Bild:Himantoglossum hircinum Saarland 06.jpg|Blüten unterschiedlich geöffnet
Bild:Himantoglossumhircinumblaetter.jpg|Gefrorene Blattrosette im Winter
Bild:Himantoglossum_hircinum_rosette.jpg|Besonders kräftige, hochtreibende Pflanze
Bild:Illustration Himanthoglossum hircinum0.jpg|Himantoglossum hircinum
Abbildung in:
Otto Wilhelm Thomé: "Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz", Gera (1885)
Literatur
- Standardliteratur
- Arbeitskreise Heimische Orchideen (Hrsg.): Die Orchideen Deutschlands, 2005, Uhlstädt-Kirchhasel, ISBN 3-00-014853-1
- Karl-Peter Buttler: Orchideen, die wildwachsenden Arten Europas. Mosaik Verlag, 1986, ISBN 3-570-04403-3
- Robert L. Dressler: Die Orchideen - Biologie und Systematik der Orchidaceae. (1996) - gutes Werk zum Thema Systematik *
- H. R. Reinhard et al.: Die Orchideen der Schweiz und angrenzender Gebiete. Fotorotar AG Egg, 1991, ISBN 3-905647-01-X
- Hans Sundermann: Europäische und mediterrane Orchideen. Brücke-Verlag, 2. Auflage, 1975, ISBN 3-871-05010-5
- J. G. Williams u. a.: Orchideen Europas mit Nordafrika und Kleinasien. BLV Verlag, 1979, ISBN 3-405-11901-4
Weblinks
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Orchideen
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