Beer-Paulaner-Salvator-Doppelbock.jpgBockbiere, auch Starkbiere genannt, sind ober- oder untergärige Biere, deren Stammwürzegehalt über 16 % liegt. Es gibt helle und dunkle Bockbiere.
Ein Starkbier wird mit einem höheren Stammwürzegehalt als ein normales Voll- oder Schankbier eingebraut. Grob gesagt ist die Maische dickflüssiger, da weniger Wasser hinzugegeben wird.
Ein Doppelbock ist ein Bockbier, welches mit einem Stammwürzegehalt von über 18 % eingebraut wird. Der Alkoholgehalt beträgt dabei zwischen 5 und 10 %. Diese haben in Anlehnung an den ältesten Doppelbock, den Salvator der Paulanerbrauerei München, meist die Endsilbe -ator im Namen. Doppelbockbier wird normalerweise nur in der Zeit um die Fastenzeit herum gebraut und ausgeschenkt.
Als Maibock werden Bockbiere bezeichnet, welche meist in der Zeit von April bis Juni verkauft werden. Der Maibock ist ein untergäriges Starkbier mit über 6 % Vol. Alkohol.
Mit normaler Bierhefe lassen sich Alkoholgehalte bis ca. 12–13 % vol. Alkohol realisieren. Danach tötet der Alkohol die Hefe ab. Um stärkere Biere zu erhalten muss also Wasser aus dem Bier entzogen werden. So wird beim Eisbock z.B. das Bier gekühlt und das gefrorene Wasser teilweise entfernt. So lassen sich auch viel höhere Alkoholgehalte realisieren, ohne gegen das Reinheitsgebot zu verstoßen.
Geschichte
Bock
Der Ursprung dieser Biersorte liegt in der
Hansestadt
Einbeck in
Niedersachsen. Das dort im
Mittelalter gebraute
obergärige Bier galt als Luxusware und wurde über weite Strecken, u.a. bis nach
Italien, exportiert. Um die dafür nötige Haltbarkeit zu erreichen, braute man es mit einer ungewöhnlich hohen
Stammwürze. Das Resultat war ein schweres, alkoholreiches Bier.
Auch der herzögliche Hof der Wittelsbacher in München ließ sich im 16. Jahrhundert aus Einbeck beliefern, bis man 1589 beschloss, selbst Bier zu brauen und dafür das Hofbräuhaus errichtete. 1614 wurde der Braumeister Elias Pichler von Einbeck an das Hofbräuhaus abgeworben, der fortan sein ainpöcksches Bier in München braute. In der Münchner Mundart wurde daraus im Lauf der Zeit die Bezeichnung Bockbier. Das Wort Starkbier ist wesentlich jünger, es kam erst im 20. Jahrhundert auf.
Obwohl die beiden Begriffe vom Wortlaut abgesehen nichts miteinander zu tun haben, ist auf den Etiketten mancher Bockbiere ein Bock, also ein gehörntes Tier abgebildet.
Doppelbock
Im Zuge der
Gegenreformation rief der bayerische Kurfürst
Maximilian I. Paulanermönche in sein Land. Sie gründeten
1627 in der Münchner Vorstadt
Au das
Kloster Neudegg ob der Au. Der Orden legte seinen Mitgliedern strenge Fastenregeln auf, unter anderem durfte während der
Fastenzeit nur flüssige Nahrung verkonsumiert werden. Die
Mönche kamen aus Italien, und das Fasten fiel ihnen im klimatisch rauheren
Bayern besonders schwer. Zunächst behalf man sich mit dem ainpöckschen Bier aus dem Hofbräuhaus, welches nicht unter die Fastenregeln fiel. Dieses starke Bier war sehr kalorienhaltig, zumal es im Gegensatz zu heute noch nicht
filtriert wurde, und wirkte damit sättigend und kräftigend. Es gelang den Paulanern von Maximilian ein Privileg zum Brauen zu erhalten, und ab
1629 stellten sie ihr eigenes Bier her. Dabei hoben sie die Stammwürze nochmals an; es war stärker und sättigender als das ainpöcksche Bier aus dem Hofbräuhaus. Der spätere Name
Doppelbock geht darauf zurück. Zur Ehre ihres Ordensgründers, dem heiligen
Franz von Paola, wurde es alljährlich bis zum
2. April, seinem Todestag, gebraut und
Herrenbier,
des heiligen Franz Öl oder auch
Sankt-Vaters-Bier genannt. Letztere Bezeichnung wandelte sich in den Begriff
Salvator. Den Paulanern war zwar das Brauen gestattet, ein Schankrecht hatten sie aber nicht. Trotzdem begannen sie bald, ihr starkes Frühjahrsbier im Garten und Keller des Klosters an die Bevölkerung auszuschenken. Von der Obrigkeit wurde dies geduldet, obwohl die Münchner Wirte und Brauer dagegen protestierten.
Die heutige Bekanntheit des Münchner Starkbiers geht auf den Frater Barnabas genannten Paulanermönch Valentin Stephan Still zurück. Er kam am 15. Februar 1750 in Fischbach bei Nittenau als Sohn des Braumeisters Georg Still zur Welt und erlernte selbst den Beruf des Braumeisters. Im Alter von 23 Jahren trat er als Laienbruder in das Paulanerkloster Amberg ein. Einige Jahre später wurde er der Braumeister der Paulaner in der Au. Er führte ein, den bayerischen Kurfürsten Karl Theodor zum alljährlichen Anstich des Starkbiers am 2. April einzuladen und ihm den ersten Krug Bier auszuschenken. Im Gegenzug gestattete Karl Theodor den Paulanern am 26. Februar 1780 offiziell den öffentlichen Bierausschank. In der Säkularisation im Jahr 1800 wurde das Paulanerkloster enteignet und fiel an den Kurfürsten Maximilian IV. Joseph. Franz Xaver Zacherl pachtete kurz darauf die Paulanerbrauerei, welche damit zu der bürgerlichen Brauerei Paulaner wurde. Zacherl führte die Tradition des alljährlichen Starkbieranstichs fort und nach und nach entwickelte er sich zu einem gesellschaftlichen Ereignis, bei dem Prominente, bevorzugt Politiker, derbleckt, d.h. kabarettistisch aufs Korn genommen werden. Heute ist er als Starkbieranstich am Nockherberg bekannt.
Etwa ab 1840 begannen auch andere Münchner Brauereien, Doppelbockbier unter dem Namen Salvator zu verkaufen. Zacherl klagte dagegen. Das Gericht gab ihm recht und die Brauereien waren gezwungen, ihren Doppelbock umzubenennen. Dabei wurde die Nachsilbe -ator in der Regel beibehalten; auch heute tragen viele Doppelbockbiere einen auf -ator endenden Namen. Der Asterix-Band Auf geht's zu de Gotn! in bayerischer Mundart spielt darauf an: Dort wird der Zaubertrank Zauberator genannt.
Eisbock
Es wird erzählt, dass um das Jahr 1890 ein Brauergeselle im
oberfränkischen Kulmbach Fässer mit Bockbier im Freien stehen ließ. In der folgenden Winternacht gefror ein Teil des im Bier befindlichen Wassers; der Alkohol und die restlichen Bestandteile des Biers sammelten sich in konzentrierter Form im Inneren dieses Eisblocks an. Am Tag darauf ordnete der Meister seinem Gesellen an, die Blöcke zur Strafe aufzuschlagen und die Flüssigkeit im Inneren auszutrinken. Zur Überraschung der beiden war diese durchaus genießbar: Sie hatten durch Zufall den Eisbock erfunden, ein Bier das stärker war als alles andere, was man zuvor nach dem
Reinheitsgebot brauen konnte.
Bekannte Starkbiere
- Adamator (Adam Bräu, Bodenmais)
- Arcolator (Graf Arco Bräu)
- Awetator (Weideneder, Tann)
- Asam Bock (Weltenburger)
- Brunator (Brunner-Bräu, Spanberg-Eggenfelden)
- Coronator (Arcobräu)
- Claudiator (Andorfer, Passau)
- Ergolator (Wittmann, Landshut)
- Herminator (Ziegelbräu, Mainburg)
- Heylator (Privatbrauerei Josef Lang, Jandelsbrunn)
- Humorator (Hacklberg, Passau)
- Kulinator (Brauerei Hutthurm)
- Kapuziner Doppelbock (Innstadt, Passau)
- Keiler (Weizenbock, Weißbräu Kößlarn)
- Maibier (Löwenbrauerei, Passau)
- Pfaffenator (Stöttner, Pfaffenberg)
- Regenator (Falter-Bräu, Regen)
- Respektator (Drachselsrieder Schlossbrauerei)
- Silvator (Dampfbierbrauerei, Zwiesel)
- Spektakulator (Weissbräu Jodlbauer, Rotthalmünster)
- Sündenbock (Schlossbrauerei Herrngiersdorf)
- Tassilator (Wasserburger, Dingolfing)
- Tannator (Schlossbrauerei Hohenthann)
- Eichator (Schlossbrauerei Eichhofen)
- Jakobator (Jakob, Bodenwöhr)
- Landlator (Bender, Mühlhausen)
- Märkator (Märkl, Freudenberg)
- Palmator (Prößl Bräu, Adlersberg)
- Pirkator (Pirker Brauhaus, Pirk)
- Rubator (Bauer, Schwarzenfeld)
- Gladiator (Dimpfl Bräu, Furth im Wald)
- Superator (Brauerei Bruckmüller, Amberg)
- Primus (Weizenbock Brauerei Fuchsbeck, Sulzbach-Rosenberg)
- Erlanger Urbock (Privatbrauerei Kitzmann; Erlangen)
- Poculator (Brauerei Geismann später Patrizier)
- Donnerbock (Schorschbräu, Gunzenhausen)
- Bambergator (Fässla, Bamberg)
- Josefi Bock (Keesmann, Bamberg)
- Kathreinbock (Grasser, Huppendorf)
- Schlenkerla Urbock (Heller, Bamberg)
- Absolvinator (Meinel-Bräu, Hof)
- Doppelbock (Brauhaus Faust, Miltenberg)
- Kulminator (Kulmbacher Brauerei, lange Zeit das stärkste Bier der Welt)
- Maibock (Zehendner, Mönchsambach)
- Weihnachtsbock (Zehendner, Mönchsambach)
- Sympator Doppelbock (Würzburger Hofbräu)
- Gauder Bock (Österreichs stärkstes Festbier zum Gauderfest aus Tirols erster Privatbrauerei "Zillertal Bier", Zell am Ziller)
- Ottakringer Bock (Starkbier aus der Wiener Ottakringer Brauerei)
- Gösser Bock (aus der steirischen Gösser Brauerei, mit 7,1% alc.)
- Stefani Bock (Bockbier der Brauerei Zipfer)
Andere
- Eichbaum Apostulator
- Licher Doppelbock
- Rostocker Freibeuter
- Rostocker Bock - hell und dunkel
- Berliner Bürgerbräu- Heller und Dunkler Bock
- Einbecker Urbock - ganzjährig
- Mai-Ur-Bock (Einbecker)
- Martinator (Martini-Brauerei, Kassel)
- Samichlaus (Brauerei Eggenberg)
- Stralsunder Frühlingsbock und Stralsunder Traditionsbock der Stralsunder Brauerei
- Reudnitzer Ur-Bock (Leipziger Brauhaus zu Reudnitz)
- Doppel-Bock Festbier (Sonnenbräu)
- Spallator Bockbier (Spallbräu, Ravenstein-Ballenberg)
- Karlsberg Bock
- Carolus der Starke (Binding Brauerei, Frankfurt)
- Winterbock (Flensburger Brauerei)
- Ulmer Maibock (Renchen-Ulm, Baden)
- Hexator (Michelsbräu Babenhausen, Hess.)
- Fischers Böckle, Brauhaus Mössingen, Baden- Württemberg
- St. Nikolaus (Pfungstädter)
- Jever Maibock, Friesland
- Landskron Maibock, Sachsen
Weblinks
Biersorte
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