Das Album Bob Dylan Live 1966 „The Royal Albert Hall Concert“ The Bootleg Series Vol. 4 wurde von Jeff Rosen produziert und am 13. Oktober 1998 regulär veröffentlicht. Alle Kompositionen darauf stammen von Bob Dylan, mit Ausnahme von Baby, Let Me Follow You Down, enthalten auf seinem ersten Album Bob Dylan von 1962. Angeblich geht die Komposition zurück auf Reverend Gary Davis (* 30. April 1896, † 5. Mai 1972), von diesem veröffentlicht unter dem Titel Baby, Let Me Lay It on You. Auf dem Album von 1962 schreibt Bob Dylan den Song einem gewissen Ric Von Schmidt zu, der Text stammt von Bob Dylan.
Auch bei der anschließenden Tournee, welche am 28. August 1965 im Forest Hills Tennis Stadium in New York begann und sich – immer wieder unterbrochen für Plattenaufnahmen zu dem Album Blonde on Blonde – über 76 Konzerte in neun Monaten auf drei Kontinenten (Nordamerika, Australien, Europa) bis zum 27. Mai 1966 (in der Royal Albert Hall in London) hinzog, wurde Dylan von einer Band, den Hawks, in der anfänglichen Besetzung Robbie Robertson, Al Kooper, Harvey Brooks und Levon Helm begleitet, die wenig später als The Band berühmt werden sollten, wobei die Musiker von Bob Dylan nie als Band vorgestellt wurden, sondern relativ anonym blieben. Jeden Abend wiederholte sich wie ein Ritual der dramaturgische Ablauf der Konzerte: Im ersten Teil der mit gedämpftem Applaus bedachte Bob Dylan ohne Begleitband in gewohnter akustischer Version alleine auf der Bühne; Unruhe, Zwischenrufe und Aggressionen aus dem in allabendlicher Erwartung des Skandals (der vorgegebene zweigeteilte Ablauf der Konzerte war längst bei den Besuchern bekannt) ungeduldig harrenden Publikums im zweiten Teil, in dem er, unterstützt von den Hawks, die elektrische Variante zu Gehör brachte.
Überall reagierte ein Teil des Publikums mit Ablehnung auf die ausgelassene Lust und ungezügelte Spielfreude, mit der die Band die elektrisch verstärkten Songs spielte. Dylan wurde vorgeworfen, sich aufzuführen und zu bewegen wie Mick Jagger und mit seiner Band wie eine Rock'n'Roll-Kapelle zum Tanz aufzuspielen. Folk-Puristen sahen einen Bruch mit dem traditionellen Folk und Bob Dylan als Verräter. Nicht gewöhnlichen, lauten und schmutzigen Rock'n'Roll hatte das Publikum erwartet, sondern idealistische Protestlieder gegen Ausbeutung, Unterdrückung und Krieg. Die Zeit schien noch nicht reif für eine Revolution, die eventuell auch Spaß machen könnte.
Dylan provozierte das Publikum wohl, kaum ein Song, der so gebracht wurde, wie es die Fans erwarteten: Desolation Row und Visions Of Johanna, auf Platte getragen von einem neuen Rock 'n' Roll-Sound, werden zu Epen eines neugeschaffenen Psychedelic Folk - ebenso Mr. Tambourine Man, eine Dylan-Komposition, die von den Byrds als Pop-Nummer berühmt gemacht wurde.
In der elektrischen zweiten Hälfte des Konzerts dann nahm Dylan einige seiner früheren Songs und stellt sie in einen neuen Zusammenhang. Das einst nette I Don't Believe You (She Acts Like We Never Have Met), in dem ein junger Folksänger in erster Linie verwirrt war, wird zu einem Ausdruck von Schmerz, Wut und Verachtung. One Too Many Mornings war einst ein kurzes, intimes Folkstück. Jetzt ist es die ultimative Verkörperung eines Rock-Songs, und Rick Danko singt nicht, er schreit mit Dylan das Ende des Refrains.
Im Verlauf des Abends steigerten sich die Unmutsäußerungen, die Dylan und seiner Band auch bereits bei den Auftritten in den USA und in Australien widerfahren waren. Aus dem Zuschauerraum ist schließlich, von nicht wenigen im Publikum demonstrativ mit Applaus bedacht, der Zwischenruf „Judas!“ zu vernehmen. Dylans lakonische Antwort: „I don't believe you... you're a liar“ und dann, zur Band gewandt: „Play fucking loud!“. Anschließend der Song Like A Rolling Stone, aufreizend langsam und, wie von Dylan gefordert, sehr laut gespielt.
Langgezogene, zornige Silben, die Dylan dem Publikum entgegengeschleudert, während Mickey Jones das Schlagzeug im Refrain mit ebensolcher Wut bearbeitet. Schwirrende, leicht schräge Gitarren und eine grandios schreiende Orgel (un)runden das Bild einer musikalischen Revolution ab.
Es war das letzte Lied an diesem Abend, eine weitere Zugabe gab es nicht, nur ein kurzes „Thank you!“, anschließend verließ Bob Dylan zusammen mit der Band die Bühne. In Teilen der englischen Musikpresse war damals von Punk die Rede, was rückwirkend betrachtet relativ gut zutrifft.
Bob Dylans schwerer Motoradunfall am 29. Juli 1966 beendete diese Schaffensphase.
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