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Die Blutrache ist ein Prinzip zur Sühnung von Verbrechen.

Hierbei straft die Familie des Opfers den Täter und seine Familie, oftmals auch um die Familienehre wiederherzustellen. Unter Familie ist dabei zum Teil nicht nur die biologische Verwandtschaft zu verstehen, sondern auch ein Clan oder eine (Verbrecher-)Bande. Ein Ausgestoßener, für den sein Clan keine Blutrache üben würde, ist in diesem System schutzlos.

Theoretisch gilt hierbei das Talionsprinzip (Auge um Auge, Blut für Blut oder Leben für Leben). Das heißt, dass durch den Tod des Mörders der Konflikt beendet werden sollte. Dabei ist es nicht unüblich, dass beide Familien unter Hinzuziehung eines Schlichters (oft auch eines Richters) in einem Treffen das Vorgehen abklären. In der Tradition anderer Völker ist die Strafe dagegen oftmals schlimmer als das vorangegangene Verbrechen. Die Blutrache kann dann zu langen, blutigen Auseinandersetzungen führen, da die bestrafte Familie meist Rache für die Strafe nimmt, die andere Familie wiederum dafür Rache nimmt.

Vorkommen


Die Blutrache ist Kennzeichen von Rechtssystemen, in denen der Staat nicht in der Lage ist, für Recht und Ordnung zu sorgen (Fehlen eines staatlichen Gewaltmonopols), so auch in Deutschland im Mittelalter. Unter diesen Umständen diente die Rache beispielsweise als Schutz eines Reisenden außerhalb seines eigenen Stammesgebiets. Noch heute glauben viele Bewohner Nordalbaniens, nach Tötungen und Streitereien Ehrenmorde begehen zu müssen. Dabei halten sie sich aber meist nicht mehr an die detaillierten Vorschriften des mündlich überlieferten Gewohnheitsrechts Kanun, der unter anderem die Blutrache regelte. Blutrache wird auch bei serbischen, montenegrinischen und kroatischen Südslawen praktiziert, jugoslawische Gerichte trugen ihr Rechnung, indem sie Bestimmungen des Gewohnheitsrechts anerkannten und sich ihrer bei der Rechtsprechung bedienten. Einen spektakulären Fall gab es in den frühen 90er Jahren im katholischen Wallfahrtsort Medjugorje: Von 3000 Bewohnern des Ortes wurden bei einer Fehde zwischen drei Sippen, dem sogenannten "kleinen Krieg von Medjugorje", 140 Personen getötet, die Fehde konnte erst durch das Eingreifen einer größeren Einheit der kroatischen Armee beendet werden.

Das erste Verbot der Blutrache findet sich bereits in verschiedenen babylonischen Gesetzessammlungen (ca. 2000 v. Chr.) wie dem Codex Hammurabi.

In der Türkei soll es ein Dorf geben, in dem sämtliche Männer im Verlauf einer Blutfehde zu Tode gekommen sind.

Dichtung


Eine der bedeutendsten europäischen Blutracheerzählungen ist die isländische Saga der Leute aus dem Lachswassertal (Laxdœla saga).

Siehe auch


Fehde, Rache, Verwandtschaft

Rechtsgeschichte

Vendetta | Bloedwraak | Vendetta | Кровная месть | Gjakmarrja | Blodshämnd

 

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