Magerwiese_sehr_bunt.jpg Als Blumenwiese, also blumenreiche Wiese, werden umgangssprachlich artenreiche Wiesen und teilweise Viehweiden bezeichnet, die viele blühende krautige Pflanzen (Blumen) und blühende Gräser aufweisen (Extensivgrünland). Die Vielfalt ist vom Pflegekonzept abhängig, da eine Wiese kein natürliche Formation darstellt. Im Landschaftsbau und bei der Gartengestaltung ist die Blumenwiese ein Gestaltungsziel, das im Verlaufe der Jahreszeiten verschiedene Aspekte an Farbe, Wuchshöhe und Tierbesatz bietet.
Blumenwiesen als Grünlandbiotope sind in der Biotopkartierung und Landschaftsökologie häufig unter (artenreichen)
Pflanzensoziologisch werden diese Phytozönosen in Pflanzengesellschaften (Grünlandgesellschaften) wie Glatthaferwiesen eingeteilt. "Anthropogene und zoogene Heiden und Rasen" ist die Oberklasse der Pflanzensoziologischen Einheiten nach Oberdorfer. Vereinzelt werden auch Aufwüchse der Süßwasser- und Moorvegetation als Blumenwiese bezeichnet.
Diese umgangssprachlich als Blumenwiese bezeichneten artenreichen Grünlandbiotope sind wegen des Stickstoffeintrages (Eutrophierung durch Regen und Landwirtschaft), und durch intensive landwirtschaftliche Nutzung selten geworden. Einige dieser Grünlandbiotope stehen daher unter Naturschutz. Der Schutzstatus kann sich aber auch aus dem Vorkommen einzelner Arten der Roten Liste ergeben.
Um einen Boden gegebenenfalls auszumagern, gibt es die Möglichkeiten des vorübergehenden Anbaus stickstoffziehender Pflanzen, des Einpritzens von Sand und des Abräumens des Mahdguts einige Tage nach dem Schnitt.
Beim Einritzen (oder "Schlitzen") wird mit einem Gerät ("Schlitzer") mit zwei schrägstehenden Scheiben eine kleine Furche in die Grasnarbe geschnitten, in den grobkörniger Sand eingerieseslt wird. Eine nachgezogene Walze drückt die Grasnarbe wieder an. Mit diesem Verfahren können auch gleichzeitig Kräutersamen in den Sand gemischt werden, um den Wandel der Artenzusammensetzung zu fördern. Das Einritzen von Sand kann auch das Wasserhaltevermögen (Wasserkapazität) stark humoser und lehmiger Böden sowie die Nährstoffhaltefähigkeit herabgesetzt werden.
Selbstverständlich sollte zukünftig auf Dünger und auch Pestizide verzichtet werden.
Etwa Mitte Juli und im September (je nach Wachstumsbedingungen mal etwas früher oder später) haben die Pflanzen ihre Blüte hinter sich und "warten" auf den Schnitt. Als Faustregel gilt der "Johanni-Schnitt": Vor dem 25. Juni ("Johanni") sollte nicht gemäht werden. Ursprünglich galt dies Landwirten als Garant für eine Schön-Wetter-Periode und reife Futtergräser (Heu). Heute wird dies in Rücksicht auf Bodenbrüter und Kleinstlebewesen angewendet, da sich bis zu diesem Zeitpunkt die verschiedenen Blütenhorizonte entwickeln können.
Bei Magerwiesen wird ein Schnitt pro Jahr (in der Regel im September) ausreichen, in Ausnahmen sogar nur ein Schnitt alle zwei oder gar drei Jahre, um Verbuschung zu vermeiden.
Die Artenvielfalt ist bei seltenen Mahdterminen in der Regel höher, da vor allem auch die Obergräser und Kräuter blühen, Samen bilden und sich aussäen können.
Bei häufigen Terminen werden diese Pflanzen zu oft beschädigt, sie vermehren sich dann auch nicht mehr vegetativ (also durch Ableger), sondern verschwinden. Bei häufigerer Mahd werden lediglich die Untergräser und Rosettenpflanzen gefördert, während langsamwüchsige Kräuter unterdrückt werden.
Das Mahdgut sollte noch bis 14 Tage liegen bleiben, um die Wiese vor der Intensität der Sonnenstrahlung zu schützen, den Samen noch das Ausreifen zu ermöglichen und den Tieren eine Zeit für den "Umzug" zu geben.
Partiell absterbende Gräser können auf nährstoffreichen Böden toleriert werden, da solche Kahlstellen das Keimen von Kräutern ermöglichen, die wegen Konkurrenzdruck sich sonst nicht etablieren können.
Aus Rücksichtnahme auf die Tierwelt sollte die gesamte Wiese nicht auf ein Mal gemäht werden, sondern verteilt in mehreren zeitlichen Abschnitten.
Staudensäume am Rande sollten dabei stehen gelassen werden, und, wenn nötig nur im Spätherbst gemäht werden. Auf diese Weise kann man "Streuwiesen" oder "Hauwiesen" nachahmen. Solche Sondernutzungsformen waren früher häufig auf ertragsschwachen Standorten, auf denen ein später Schnitt zur Erzeugung für Einstreu für Stallungen im Winter produziert wurde.
Sofern maschinell gemäht wird, sollte von innen nach außen gemäht werden, da viele Wiesenbewohner die Deckung aufsuchen und so vom Mäher weglaufen, statt in ihn hinein.
Besonders schädlich sind rotierende Mähwerke (Walzen-, Tellermähwerke, Mulch- oder Häckselmäher, etc.), da sie Tiere mit töten oder gar verstümmeln. Zu empfehlen sind lediglich Balkenmäher, die außerdem Bodenverdichtung vermeiden und das Schnittgut locker und gleichmäßig ablegen. Die Mahd mit der Sense ist jedoch immer noch die schonendste Alternative.
Für bestimmte Wiesentypen hat sich das "natürliche" Mähen mit Hilfe von Schafen bewährt. Wobei hier positiv zu vermerken ist, dass ein Teil der verdauten Gräser gleich wieder der Blumenwiese als Dünger zugeführt wird.
Das Wollige Honiggras bietet im Hochsommer auch einen Farbaspekt, und Knaulgräser können in stattlichen Horsten auf feuchten Böden bis zu 2 m Höhe erreichen. Das Knaulgras D. glomerata wird jedoch durch Mahd im Sommer verdrängt. Die Vielfalt der zu verwendenden Gräser-Gattungen und -Familien ist schwer zu überschauen.
Von Standard-Gebrauchsrasen Mischungen (RSM) oder Dauergrünlandmischungen der Landwirtschaft wird abgeraten, weil sie nicht dem natürlichen Artenprofil entsprechen. Einige Naturschutzfreunde scheuen deshalb keinen Aufwand und säen sogar eine Gräsermischung mit für die Gegend typischen, langsam wachsenden Gräsern neu aus.
In den meisten Fällen dürfte dieser meist "vorbelastete" Mutterboden, besonders wenn er für eine schnelle Begrünung im Umfeld von Baustellen verteilt wurde, oder auch anstehender nährstoffreicher Boden, nicht gut geeignet sein, ein artenreiches Grünland herzustellen. Meistens wird man hier mit einem zu kräftigen Aufwuchs der Gräser zu kämpfen haben. Aufgebrachter oder anstehender nährstoffreicher Boden kann ausgehagert werden oder sein pH-Wert kann eingestellt werden, so dass ein artenreicherer Standort entsteht. Im Laufe der Zeit versauern aber die meisten Böden. Dem Laien ist hier dringend eine Bodenprobe angeraten und die Beratung durch einen Fachmann, denn nicht in jedem Fall ist eine Aushagerung oder Versauerung sinnvoll.
Es stellt sich auch die Frage, ob und welche eine spezielle "Wiesenblumenmischung" aufgebracht werden soll. In Supermärkten erhältliche Mischungen ("Blumenwiese") beinhalten oft Samen von Neophyten (zum Beispiel Goldmohn) und eher für Ackerflächen geeigneten Arten (Kornblume, Klatschmohn). Solche Mischungen, die Samen von Neophyten oder von nicht standortgerechten Pflanzen enthalten,sollten generell nicht im Garten verwendet werden. Eine Auswahl von Arten sollte immer die Typik der Region und des Bodens berücksichtigen.
Gegen echte Wiesenblumenmischungen spricht: sie sind teuer, das Einsäen ist recht viel Arbeit (die Grasnarbe muss dazu aufgerauht werden), es dauert in der Regel zwei Jahre bis zum ersten Blütenaspekt (Wiesenpflanzen blühen selten im ersten Jahr) und sie spiegeln nicht wirklich das natürliche Pflanzenprofil am Ort wieder.
Für eine Aussaat spricht, dass man so auf der Fläche rasch interessante Pflanzen und insbesondere auch einige persönliche Lieblingsblumen (Hornklee, Malve, Schafgarbe, Wilde Möhre, Gemeine Wegwarte ...) etablieren kann. Es gibt auch Naturfreunde, die das Mahdgut anderer naturnaher Wiesen auf der neuen Fläche verteilen, um die Samen der trocknenden Pflanzen dort niedergehen zu lassen, um so der ortsüblichen Vielfalt schnell nahezukommen.
Es gibt Studien, dass Samen im Boden (Samenbank) bis zu 70 Jahre überdauern. Es können auf diese Weise Pflanzenarten wieder spontan aufkeimen, die sogar als lokal ausgestorben galten. Darüberhinaus verbreiten nicht nur Vögel, sondern auch andere Tiere wie zum Beispiel Ameisen Samen über längere Strecken. Es gibt auch Beobachtungen, dass der Anteil von Leguminosen in Rhythmen zu- und abnimmt.
Günstig ist es auch, auf betonierte oder asphaltierte Wege (sie wirken als Hindernisse) und auf Leuchtkörper (sie irritieren nachtaktive Insekten massiv) zu verzichten.
Der Hauptvorteil besteht darin, dass für Pflanzen- und Tierarten ein Lebensraum geschaffen bzw. erhalten wird. Somit können Ziele des Umwelt- und Naturschutzes auf diese Weise umgesetzt werden.
Der Verzicht auf Dünger wirkt sich vorteilhaft auf die Grundwasserbelastung mit Nitraten aus. Für den Einsatz von Herbiziden besteht kein Grund mehr. In der Regel entstehen langfristig geringere Kosten.
Klimatisch führt eine Wiese im Sommer ein um einige Grad kühleres Klima als ein Rasen herbei.
Für junge und alte Menschen ergibt sich ein Naturerlebnis (manche pflücken sich auch einen Blumenstrauß).
Bestimmte Rasenmähertypen sind für hohes Gras allerdings nicht mehr geeignet. Der Privateigentümer muss sich also umstellen. Für die Gartenbaufirmen ist die Umstellung über einen längeren Zeitraum nicht ganz so schwierig (aus Unternehmersicht ist fast nur wichtig, dass man sein Geld erhält).
Es gibt häufig Akzeptanzprobleme in der Bevölkerung. Hohes Gras gilt je nach Wertesystem als faul und unordentlich. Einige Nachbarn fühlen sich ferner durch "Unkrauteintrag" bedroht. Eine gesetzliche Handhabe haben diese jedoch nicht. In Schrebergartenanlagen gibt es jedoch fast immer Regularien durch den Trägerverein, die zu beachten sind.
Aus der Sicht der meisten Allergiker ist es ziemlich gleich, ob eine Wiese blüht oder ob ein Rasen häufig gemäht wird. Übrigens ist insbesondere Lolium, das man in Rasenmischungen kennt, für viele Allergiker eine Problempflanze.
Es gibt Menschen mit einer Arachnophobie, die mit einem Anstieg der Spinnenpopulation rechnen.
Ein häufiges Gegenargument ist, dass in Blumenwiesen der Unrat schlechter zu entfernen sei und deshalb Ungeziefer und Ratten anziehe. Gleichwohl hat eine eventuelle Vermüllung kaum etwas mit dem Pflegekonzept und mehr mit den Zuständigkeiten zu tun.
Dort, wo eine starke Nutzung erwünscht oder erwartet wird oder zum Beispiel die Sicht an Verkehrskreuzungen und Auffahrten behindert wird, kann man nach wie vor gegebenenfalls häufiger mähen.
Im landwirtschaftlichen Bereich ist der Ertrag an Futtergras sicher geringer und wird von den Tieren weniger gerne gefressen.
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