Die Blockflöte ist eine Flöte und gehört zu den Holzblasinstrumenten. Hinsichtlich ihrer Tonerzeugung wird sie zur Familie der Kernspaltflöten, der Haltung nach zu den Längsflöten und der Spielweise nach zu den Schnabelflöten gezählt. Weitere Bezeichnungen sind: flauto dolce oder flauto diritto (italienisch), flûte à bec oder flûte douce (französisch), recorder (englisch) und Schnabelflöte, für die Sopranino-Blockflöte auch flautino (ital.).
In Europa etablierte sich die Blockflöte in der Renaissance als ganze Instrumentenfamilie durch alle Tonlagen hindurch (es ist immer der tiefste spielbare Ton angegeben):
Die Bezeichnungen der tiefen Blockflöten werden nicht ganz einheitlich verwendet. So wird manchmal die Bassflöte in f als Bassett und erst diejenige in c als Bass bezeichnet.
Der Tonumfang der einzelnen Blockflöten beträgt jeweils etwa 2 Oktaven. Moderne, neu entwickelte Modelle, so genannte „harmonische Blockflöten“, erreichen einen Tonumfang von etwas mehr als 3 Oktaven.
Heute gängig sind vor allem Sopranino- bis Bassblockflöte. Daneben werden für spezielle Anforderungen Blockflöten für praktisch jede andere Lage gebaut.
Die oben genannten Bezeichnungen der Blockflöten entsprechen den jeweils eine Oktave tieferen Stimmbereichen der sonstigen Musik. Die Lage der Tenorblockflöte (Tonumfang c1 bis d3) ist die normale Sopranlage, ähnlich der Sopran-Singstimme, Querflöte, Oboe oder Violine; die Bassblockflöte (f bis g2) erklingt in der Altlage, entsprechend Alt-Singstimme, Englischhorn oder Bratsche. Die Sopranblockflöte entspricht der Piccolo-Querflöte.
Die übliche Notation erfolgt dementsprechend
Der Blockflötenklang ist im Vergleich zu fast allen anderen Musikinstrumenten deutlich ärmer an Obertönen. Er wird daher als weniger "hoch" empfunden als etwa der von einer Violine gespielte gleich hohe Ton. Dies ist möglicherweise die Erklärung für die traditionellen Bezeichnungen.
Alle drei Teile einer Blockflöte bilden zusammengesteckt eine Röhre, deren Bohrung vom Kopf- zum Fußstück je nach Instrumententypus zylindrisch oder umgekehrt konisch (also verjüngend) verläuft. Am unteren Ende (Fußstück) ist diese Röhre offen, am oberen Ende wird sie im Kopfstück durch einen Kern oder Block verschlossen, der einen Windkanal (Kernspalte) bildet. Das Kopfstück ist bei den Größen bis etwa zur Tenorflöte zudem Träger des Mundstücks, auch als Schnabel bezeichnet, das an die Lippen gesetzt wird. Durch die Kernspalte über dem Block wird dem Instrument der Luftstrom zugeführt. Dieser stößt auf eine Schneidenkante, die Teil des Labiums und wesentlich für die Tonerzeugung der Blockflöte ist. Mittelstück und Fußstück sind Träger von Tonlöchern.
Blockflöten verfügen in der Regel über sieben Grifflöcher auf der Vorderseite sowie eines auf der Rückseite, welches auch als Überblasloch fungiert. Die beiden untersten Grifflöcher können als Doppellöcher ausgeführt sein, was die betreffenden Halbtöne besser spielbar macht. Bei den größeren Blockflöten werden die meisten Tonlöcher wegen ihrer großen Abstände mit Klappen geschlossen.
Der im Windkanal geformte Luftstrom (Luftblatt) gerät an der Anblaskante des Labiums in Schwingung, so dass die Luft abwechselnd ins Innere der Flöte und nach außen strömt. Die Frequenz der Schwingung und damit die Tonhöhe wird durch Resonanz mit der Luftsäule im Inneren des Instruments bestimmt. Die Klangerzeugung ist noch genauer unter Holzblasinstrumente beschrieben.
Zur Erzeugung von Tönen müssen anders als beispielsweise bei der Querflöte keine besonderen Techniken erlernt werden. Bereits durch einfaches Hineinblasen ist das Erzeugen eines Tones möglich. Allerdings ist der fortgeschrittene Blockflötist in der Lage, durch verschiedene Anblastechniken eine Vielzahl an Klangvariationen zu erreichen.
In der Barockzeit kam man darauf, die Bohrung zu verengen und sie umgekehrt konisch auszubilden. Das bedeutet: Die Bohrung verjüngt sich zum Fuß hin. Dadurch steigt die Durchströmgeschwindigkeit der Luft; außerdem erhöht sich der Luftdruck am Kopfende des Instruments, also dort, wo der Klang entsteht. Dies kommt der Lautstärke und der Ansprache des Instruments zugute: Der Klang wird deutlich lauter, kräftiger, aber auch schärfer. Eine gute Barock-Blockflöte spricht über mehr als 2 Oktaven sehr gut an. Barocke Blockflötenstücke, etwa die Solopartien in den Brandenburgischen Konzerten 2 und 4 von Johann Sebastian Bach, die Solokonzerte von Antonio Vivaldi oder die Fitzwilliam-Sonatas von Georg Friedrich Händel, sind in ihrem Tonumfang entsprechend ausgelegt. Mit einem Renaissance-Instrument wären diese Werke nicht spielbar.
Die Klangfärbung einer Blockflöte in barocker Bauweise ändert sich deutlich hörbar mit der Tonhöhe. Von den tiefen zu den hohen Tönen wird der Ton immer kräftiger und schärfer.
Schon im 18. Jahrhundert sind Blockflöten aus alternativen Baustoffen wie dem Elfenbein bekannt, dessen große Dichte und relative Feuchtigkeitsunempfindlichkeit es für den Instrumentenbau hochgradig interessant machten. Im 20. Jahrhundert wurden Blockflöten aus ebendiesen Gründen sowie wegen dessen kostengünstigen Eigenschaften aus Kunststoffen wie Bakelit und ABS gefertigt. Heute sind Kunststoffblockflöten und Kombinationen aus Kunststoff und Holz in großem Umfang und in unterschiedlichen Qualitäten erhältlich, die einerseits preisgünstiger, andererseits pflegeleichter sind und nahezu ausschließlich in der Blockflötenfrühpädagogik Einsatz finden.
Professionelle Blockflötisten greifen der besseren Klangqualität halber eher auf Instrumente aus Holz zurück, sei es in Form von Nachbildungen historischer Instrumente, sei es in Form von handwerklich hochwertigen modernen Weiterentwicklungen durch experimentierfreudige Instrumentenbauer.
Für die höheren Töne ab dem dritten Ton der zweiten Oktave deckt der Daumen das Daumenloch nur teilweise ab. Damit wird erreicht, dass der Ton zum Doppelten (Oktave) oder Dreifachen (Duodezime) der Grundfrequenz kippt, ohne dass der Spieler sich beim Überblasen übermäßig anstrengen muss.
Die gängigste Griffweise für Blockflöten ist die "barocke" Griffweise. Der Name ist jedoch nicht wirklich passend, da diese Griffweise keineswegs mit der von historischen Blockflöten aus der Barockzeit übereinstimmt. Besser sollte von der internationalen Griffweise gesprochen werden, da sie heute als einzige außerhalb des deutschsprachigen Raumes üblich ist. Als Gegenstück zur deutschen Griffweise (siehe unten) wird diese vom englischen Wiederentdecker der Blockflöte Arnold Dolmetsch eingeführte Griffweise auch als die englische bezeichnet. Sie hat die Eigenschaft, dass bereits für einen Ton der Grundskala, die vierte Tonstufe (also f2 und f3 auf einer c2-Sopranblockflöte), ein Gabelgriff nötig ist. Unter Blockflötenpädagogen ist strittig, ob dies das Erlernen des Instruments und das schnelle Spielen bestimmter Tonfolgen nachhaltig erschwert.
Mit dem erneuten Aufkommen der Blockflöte im 20. Jahrhundert kam man deshalb auf die Idee, die Bohrung und die Lage der Grifflöcher zu modifizieren, insbesondere die Bohrung des drittuntersten Tonloches zu verengen. So kann die Grundtonleiter ohne Gabelgriffe gespielt werden (deutsche Griffweise). Bei bestimmten Tönen geht dies jedoch zu Lasten der sauberen Intonation, sie fallen zu hoch oder zu tief aus, und Gabelgriffe bleiben für die meisten von der Grundtonleiter abweichenden Töne trotzdem notwendig.
Der Blockflöten-Virtuose und -Lehrer Hans-Martin Linde schreibt dazu: Sie (die deutsche Griffweise) entstand in den zwanziger Jahren aufgrund eines Mißverständnisses. Peter Harlan veränderte den vermeintlich unsauberen Griff für die 4. Stufe einer von ihm kopierten historischen Flöte. Nach seinem Griffsystem bildet statt eines Gabelgriffes lediglich der Zeigefinger der rechten Hand den Ton. Diese insgesamt gesehen unbedeutende Grifferleichterung der sogenannten deutschen Griffweise wird aber durch eine Qualitätsminderung erkauft: ihr Nachteil liegt im zu hohen Griff für die überblasene 4. Stufe sowie in weiteren Intonationstrübungen bei Halbtonschritten. (Hans-Martin Linde, Handbuch des Blockflötenspiels, Seite 36).
Die deutsche Griffweise ist daher auch im deutschsprachigen Raum auf dem Rückzug und wird höchstens noch bei Instrumenten im Schulbereich verwendet.
Die vertikal gehaltene Blockflöte, bei der das Rohr mit Grifflöchern ausgestattet war, wurde als Musikinstrument nach Europa gleichzeitig aus Afrika durch die Mauren nach Spanien, als auch durch Slawen aus Asien eingeführt. Blockflöten, die mit beiden Händen zu spielen waren, sind in Europa seit dem 11. Jahrhundert belegt.
Die Blockflöten waren alle mit sieben vorderen Grifflöchern ausgestattet; das unterste Griffloch, das sogenannte Kleinfingerloch, war jedoch doppelt vorhanden, um der uneinheitlichen Spielpraxis Rechnung zu tragen, bei der neben der heute üblichen Haltung - linke Hand über der rechten Hand - viele Musiker auch die umgekehrte Handhaltung verwendeten. Das vom Spieler nicht benötigte Kleinfingerloch wurde jeweils mit Wachs verstopft.
Inwiefern die Blockflöten dieser Zeit auf der Rückseite bereits ein Daumenloch haben, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Mittelalterliche Blockflöten haben sich nicht im Original erhalten; sie sind uns nur durch Abbildungen bekannt, die jedoch nur die Vorderseite zeigen.
Unüblich wurde es dagegen, das unterste der Grifflöcher, das Kleinfingerloch, doppelt anzulegen. Da der unterste Teil der Flöte nun beweglich war, konnte der Musiker diesen Teil in eine für ihn bequeme Stellung drehen.
Die Komponisten des Barocks schrieben Musik für Blockflöten in unterschiedlichen Besetzungen. Dabei tritt vor allem die Altblockflöte, in geringerem Maße Sopran- und Sopraninoblockflöte, auch als Soloinstrument in Sonaten und teilweise in Konzerten hervor.
An der Schwelle von der Renaissance zum Barock verwendete Claudio Monteverdi in der Orchestrierung seiner Oper L'Orfeo neben Trompeten, Posaunen, Streich- und Saiteninstrumenten auch Blockflöten.
Ebenso im Frühbarock entstand das erste und bis heute umfangreichste Solo-Werk für Blockflöte, der „Fluyten Lust-hof“ (Druckausgabe in drei Bänden ab 1648 bis 1654) des blinden Flötisten Jacob van Eyck aus Utrecht, eine sehr umfangreiche Sammlung damals beliebter Tänze, Lieder und Choräle mit jeweils einigen Variationen, so genannten „Modi“, die in aufsteigender Reihenfolge immer virtuoser und verspielter werden. Jacob van Eyck verwendete vermutlich eine fast zylindrisch gebohrte, einteilige Blockflöte in c’’, die also noch dem Typus der Blockflöte in der Renaissance entsprach (abgebildet in Band I des Fluyten Lust-hof (erste kommentierte Gesamtausgabe mit Faksimile-Seiten bei Amadeus 1984)).
Vivaldi schrieb unter anderem mindestens drei Konzerte für den „flautino“, die Sopraninoblockflöte; umstritten ist, welchen Grundton (f’’ oder d’’) das zu verwendende Instrument hatte. Er schrieb darüber hinaus mehrere hochvirtuose Konzerte für Altblockflöte in f’ oder g’ und Streicher. Bei Johann Sebastian Bach kommen Altblockflöten in den Brandenburgischen Konzerten Nr. 2 und 4 als Soloinstrumente vor, außerdem in Kantaten und Passionsmusiken. Die Flötensonaten von J. S. Bach sind jedoch für die Traversflöte bestimmt.
In England war es unter anderem Henry Purcell, der in seiner Musik Blockflöten verwendete. Später war es dann Georg Friedrich Händel, der in seiner langen Schaffensperiode in London eine Vielzahl von Sonaten für Blockflöte und basso continuo wie „The Fitzwilliam Sonatas“ schrieb, gleichsam als Nebenprodukt seines Wirkens als Komponist großer Suiten, Opern und Oratorien, denn viele der dort verwendeten Themen und Motive tauchen in dieser Kammermusik wieder auf. In England war im Barock die Blockflöte das Melodieinstrument für den Amateurmusiker. Es entstanden auch viele Transkriptionen berühmter Kompositionen für Blockflöte wie z. B. der Follia-Variationen von Arcangelo Corelli.
Weitere Komponisten der Barockzeit, von denen Musik für Blockflöte überliefert ist, sind unter anderem Jacques Hotteterre, Monsieur Naudot, die beiden gleichnamigen Vettern Jean-Baptiste Loeillet und unter den italienischen Zeitgenossen Vivaldis beispielsweise Benedetto Marcello, Giuseppe Sammartini und Francesco Mancini. Unter den deutschen Komponisten haben neben Johann Sebastian Bach der Hamburger Johann Mattheson und Georg Philipp Telemann herausragende Werke für Blockflöte hinterlassen.
Im Spätbarock koexistierte die Blockflöte lange mit der aufkommenden Traversflöte. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist Telemanns Konzert in e-Moll für Blockflöte, Querflöte und Streichorchester.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Blockflöte als Instrument so unüblich, dass Igor Stravinsky sie für eine Art Klarinette hielt, als er die Blockflöte das erste mal sah. Erst im 20. Jahrhundert wurde sie vor allem als Instrument der Haus- und Schulmusik wiederentdeckt.
Wichtige moderne Komponisten wie Luciano Berio, John Tavener, Paul Hindemith, Malcolm Tippet, Benjamin Britten, Leonard Bernstein, Erhard Karkoschka, Mauricio Kagel, Kazimierz Serocki, Gordon Jacob und Edmund Rubbra haben Musik für Blockflöten geschrieben. Die Literatur für die Blockflöte ist im 20. Jahrhundert zu einem gewaltigem Umfang angewachsen und wächst auch im 21. Jahrhundert dank zahlreicher neue Kompositionen beauftragender Interpreten kontinuierlich weiter.
Gelegentlich wird die Blockflöte auch in der Pop-Musik verwendet; sie taucht in Stücken von so unterschiedlichen Gruppen wie den Beatles und den Rolling Stones sowie Jimi Hendrix auf. Der Jazzmusiker Keith Jarrett hat zwei gesamte Alben mit der Blockflötistin Michala Petri aufgenommen, auf dem er selber Cembalo spielt. Blockflöten spielen darüber hinaus in der Folkmusik eine Rolle.
Das Kopfstück wird darüber hinaus auch als Lärm-, Rhythmus- und Effektinstrument verwendet. Dies geschieht zum Beispiel, indem einfach Rhythmen geblasen werden, die untere Öffnung des Kopfes beim Blasen mit der Handfläche ganz oder nur halb zugehalten wird oder auch durch Bewegungen der Hand an der unteren Öffnung immer wieder neue Effekte erzeugt werden. Für diese Effekte wird deutlich stärker als beim normalen Spielen, ähnlich wie bei einer Trillerpfeife, geblasen. So entsteht ein sehr lauter, schriller und durchdringender Klang. Aber auch mit schwachem Blasdruck lassen sich einige interessante Effekte erzeugen. Auch Vogelstimmen lassen sich mit Blockflötenköpfen imitieren.
Die Grundbegriffe des Spiels auf der Blockflöte - insbesondere der Sopranblockflöte - können von Kindern bereits im Vorschulalter leicht erlernt werden, so dass die Blockflöte häufig als Einstiegsinstrument eingesetzt wird. Erste Spielerfolge lassen sich sehr rasch erzielen, da weder eine komplizierte Ansatz- noch eine allzu virtuose Grifftechnik erforderlich ist. Andererseits ist es sehr schwierig, einen schönen und gleich bleibenden Klang zu entwickeln, und schon auf der Stufe der nur leicht Fortgeschrittenen wird die Griff- und Blastechnik recht komplex: Je nach Instrument und Musikstil muss für bestimmte Töne ein eigener Griff (und Blasdruck) gefunden werden.
So ist es für Blockflötenpädagogen oft eine besondere Herausforderung, Schülern den Weg von den ersten schnellen Erfolgen zu den Herausforderungen der Blockflötenliteratur von Mittelalter bis Gegenwart aufzuzeigen.
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