Lightning3.jpg | Lightning NOAA.jpg | Lightning cloud to cloud (aka).jpg
Ein Blitz ist ein natürlicher Lichtbogen infolge einer elektrostatischen Entladung zwischen Wolken oder zwischen Wolken und der Erde. Die Vorgänge bei der Blitzentstehung sind jedoch deutlich komplexer als bei reinen Funkenentladungen. Blitze treten während Gewittern auf und verursachen Donner.
Wegen seines schnellen Zündens ist der Blitz ein Synonym für hohe Geschwindigkeit.
Umgangssprachlich werden kurzzeitige helle Lichterscheinungen unabhängig von ihrer Ursache als Blitz bezeichnet.
Die Germanen deuteten den Blitz als sichtbares Zeichen dafür, dass Thor seinen Hammer zur Erde geschleudert hatte. Bei den Slawen war es der Gewittergott Perun. Auch Zeus/Jupiter war für Blitz und Donner zuständig (In Renaissance-Darstellungen hält Zeus als Attribut ein Bündel Blitze in der Hand – antike Darstellungen dieser Art sind nicht bekannt). Den Gewittergöttern Zeus/Jupiter und Donar war außerdem die Eiche geweiht, vielleicht findet sich hier auch der Ursprung für den oft zitierten Spruch: Vor den Eichen sollst du weichen ...
Die Etrusker sahen in Blitzen Orakel, durch die sie die Zukunft und die Welt zu deuten versuchten. Die sogenannten libri fungurales erläuterten die Deutung der Blitze. Schon zu dieser Zeit (zwischen 800–600 v. Chr.) wurden Blitze kategorisiert und beobachtet.
In der biblischen Überlieferung werden Blitze (und Donner) zum Beispiel für den Zorn Gottes verwendet (2.Mose 9,24; 2.Samuel 22,15; Hiob 37; Psalm 18), für das Strafgericht Gottes (Sach 9,14), für Gottes Offenbarung an die Menschen (2. Mose 20,18; OffbJoh 4,5), für das Kommen des Menschensohnes (Matthäus 24,27; Lukas 17,24), für das Fallen des Satans (Lukas 10,18), und für das Wesen der Engel und Auferstandenen (Hes 1,14; Daniel 10,6; Matthäus 28,3).
Benjamin Franklin bewies 1752 die Hypothese, dass bei Gewittern eine elektrische Spannung zwischen Wolken und der Erde besteht, indem er einen Drachen in aufziehende Gewitterwolken aufsteigen ließ und so eine Funkenentladung auslöste.
Bis heute sind allerdings nicht alle Erscheinungformen von Blitzen, beziehungsweise Effekte, die mit Blitzen in Zusammenhang gebracht werden, umfassend und unumstritten wissenschaftlich erklärt. Insbesondere ist nicht ausreichend erklärbar, wie die Ladungsunterschiede entstehen, die zum Blitz führen.
Zur Messung von Blitzen werden häufig Raketen abgeschossen, die einen stromdurchflossenen Draht hinter sich herziehen. Der Blitz gelangt durch den Draht zur Messstation, wo er analysiert werden kann. Andere Verfahren stützen sich auf Wetterballons oder Messungen durch Flugzeuge.
In Österreich läuft auf dem Salzburger Gaisberg ein Blitzforschungsprojekt von ALDIS.
In Brasilien untersucht das DLR-Forschungsflugzeug Falcon die Entstehung von Stickoxiden durch Blitze in tropischen Gewittern.
Im Jahre 2001 konnte nachgewiesen werden, dass Blitze auch Röntgen- und Gammastrahlung aussenden. Diese Ergebnisse wurden in den folgenden Jahren vielfach bestätigt, besonders durch den Nachweis von Gammastrahlung aus Gewitterzonen durch den Nasa-Forschungssatelliten RHESSI.
Weiterhin können im Blitzkanal auch Kernfusionsreaktionen stattfinden, wie durch Messungen an der DYAIZA Einrichtung (Moskau/Vorobyevyer Berge) festgestellt wurde, wobei der während der Entladung auftretende Neutronenfluss einige Hundertfache des natürlichen Neutronenflusses (ca. 50 pro cm² und Stunde) betragen kann *.
Einer Blitzentladung geht eine Serie von Vorentladungen voraus, die gegen die Erdoberfläche gerichtet sind. Dabei wird ein Blitzkanal (Leitblitz) geschaffen, d. h. ein elektrisch leitender Kanal wird durch Stoßionisation durch die Runaway-Elektronen gebildet. Der ionisierte Blitzkanal baut sich stufenweise auf, bis er zwischen Erdoberfläche und Wolke hergestellt ist. Die Vorentladungen sind zwar Richtung Erdboden gerichtet, variieren aber alle paar Meter leicht ihre Richtung und können sich stellenweise aufspalten. Dadurch kommen die Zick-Zack-Form und die Verästelungen des Linienblitzes zu Stande. Der Leitblitz emittiert - wie neue Forschungen zeigen - auch Röntgenstrahlung mit einer Energie von 250.000 Elektronenvolt (siehe hierzu die Literaturhinweise).
Kurz bevor die Vorentladungen den Erdboden erreichen geht vom Boden eine Fangentladung aus, welche bläulich und sehr dunkel ist. Diese tritt meistens bei spitzen Gegenständen (wie Bäumen, Masten oder Kirchtürmen) aus, welche sich von der Umgebung abheben. Die Fangentladung trifft häufig, aber nicht immer mit den Vorentladungen zusammen und bildet einen geschlossenen Blitzkanal zwischen Wolke und Erdboden. Der Blitzkanal weist maximal 12 mm im Durchmesser auf. Durch diesen Kanal erfolgt dann die Hauptentladung, welche sehr hell ist und als Blitz wahrgenommen wird. Das Leuchten des Blitzes wird durch die Bildung von Plasma verursacht.
Um den Blitzkanal wird die Luft schlagartig auf bis zu 30.000 °C erhitzt, was dem Fünffachen der Oberflächentemperatur der Sonne entspricht. Dies führt zu einer explosionsartigen Ausdehnung der Luft, wodurch der Knall des Donners hervorgerufen wird. Da der Schall im Gegensatz zum Licht (ca. 300.000 km/s) nur eine Geschwindigkeit von 332 m/s (bei 0 °C) aufweist, kann man aus der Zeit zwischen dem Blitz und dem Donner die Entfernung des Blitzes berechnen (drei Sekunden entsprechen recht genau einem Kilometer). Das Grollen des Donners kommt durch Echo-Effekte und durch unterschiedliche Distanzen zum Blitzkanal zustande und ist ab einer gewissen Entfernung zum Blitzeinschlag hörbar. Blitzentladungen innerhalb der Wolke werden gewöhnlich von einem gedehnteren und weniger scharf polternden Schall begleitet. Dies hängt zum einem mit der gewöhnlich größeren Distanz zusammen, ist aber vor allem auf die verschiedene Struktur von Erdblitz und Wolkenblitz zurückzuführen.
Perlschnurblitze sind wie Kugelblitze sehr seltene Blitzphänomene. In Laboren ist es bereits gelungen, Perlschnurblitze künstlich zu erzeugen. Dennoch hat man ihre Bildung noch nicht restlos verstanden: als Ursache könnten Instabilitäten im Plasma des Blitzkanals in Frage kommen.
Die Existenz des (meistens als etwa fußballgroße Erscheinung beschriebenen) Kugelblitzes ist eine heute noch umstrittene Frage, obwohl es durchaus Fotos gibt. Die nur selten berichteten Phänomene können angeblich durch Mauern dringen und sich langsam in Bodennähe bewegen. Künstliche Kugelblitze sollen in einigen Laboren schon erzeugt worden sein.
Unter Wetterleuchten (mittelhochdt. weterleichen zu "weter" (Wetter) + "leichen" (tanzen, hüpfen), nicht verwandt mit leuchten, wie oft angenommen) wird meistens der Widerschein von Blitzen verstanden, wenn man die Blitze selbst nicht sieht. Es kann bei einem weit entfernten Gewitter oder bei Blitzen, die sich innerhalb von Wolken entladen, entstehen. Den Donner hört man wegen der großen Distanzen meistens nicht mehr deutlich.
Ein Elms-Feuer ist eine Funkenentladung. Sie tritt meistens an hohen Gegenständen wie Antennenmasten, Schiffsmasten, Flugzeugen (beim Fliegen in Gewitternähe oder einer mit Aschepartikeln durchtränkten Luftschicht) oder Gipfelkreuzen auf. Bergsteiger berichten öfters, dass diese sog. Spitzenentladung auch am Pickel auftritt, den man daher bei Gewittern nicht in der Hand tragen soll.
Die „Kobolde“ (engl.: Sprites) tauchen in der Mesosphäre in einer Höhe von etwa 70 km ebenfalls über gewaltigen Gewittern auf. Sie breiten sich im Millisekundenbereich nach oben und unten aus, erscheinen meistens rötlich und haben unterschiedliche Formen, von Pilzgebilden bis hin zu Lattenzäunen. Sie entstehen oberhalb der Wolken, unter denen sich ein positiver Blitz seinen Weg zur Erde bahnt. Das bedeutet, dass positive Blitze und Sprites zusammen auftreten – der Blitz unterhalb der Wolke und der Sprite oberhalb der Wolke.
In rund 40 km Höhe entstehen auf ähnliche Weise die blauen kegelförmigen Entladungen, die aber Zehntelsekunden dauern können und nach verschiedenen Quellen auf- oder abwärts laufen. Erste Berichte stammen aus dem Jahr 1989, doch vermutlich gab es schon vor dieser Zeit Beobachtungen von Blue Jets und Red Sprites. Flugzeugpiloten, die dieses Phänomen beobachten konnten, behielten es für sich, da sie sonst eventuell außer Dienst gestellt worden wären, wenn man ihnen nicht geglaubt hätte.
Weblink: Spiegel-online
Das Projekt wird von 70 Wissenschaftlern aus Europa und Afrika betreut (aus Deutschland das MPI Heidelberg und vier norddeutsche Institute). Die Forschungen begannen 1989 am Whipple-Tscherenkow-Teleskop, einem Metallspiegel von etwa 10 Metern. Interessant ist der Effekt weniger für Meteorologen als für Astronomen, weil diese nichtthermische Strahlung im gesamten Universum etwa soviel wie die Lichtstrahlung ausmachen könnte.
Weltweit gibt es jederzeit 2.000 bis 3.000 Gewitter, was auf der gesamten Erde täglich 10 bis 30 Millionen Blitze ergibt (andere Schätzungen gehen nur von 4 Millionen aus). Das sind über 100 Blitze in jeder Sekunde. Doch nur 10 % aller Blitze schlagen in den Boden ein. Am Ort des Einschlags können sie Temperaturen von mehreren 1000° Celsius erzeugen.
In der Bundesrepublik Deutschland gab es 2003 über 2 Millionen Blitze. In Österreich schwankt die seit 1992 registrierte Zahl zwischen 104.000 und 222.000, davon allerdings 70 % in der südöstlichen Landeshälfte und nur 10 % im alpinen Tirol. Die bisherige Regel, dass im Gebirge mehr Blitze auftreten, dürfte also nicht überall gelten.
Die allgemeine Blitzhäufigkeit in Deutschland liegt zwischen 0,5 und zehn Einschlägen pro Quadratkilometer und Jahr. Der Schnitt Bayerns liegt bei weniger als einem Blitz pro km² jährlich, in Österreich und Norditalien bei 1–2, in Slowenien bei 3. Fast überall gibt es kleinere Bereiche, in denen die Blitzhäufigkeit zwei- bis dreimal höher als in der Umgebung ist und umgekehrt.
Ferner hängt die Blitzhäufigkeit sehr stark von der Jahreszeit ab. Im Juli und August kommt es zu vielen Blitzschlägen, im Januar gibt es fast keine. Zudem gibt es in Großstädten mehr Blitze, was vermutlich mit der Luftverschmutzung und der Lufttemperatur zusammen hängt.
Am häufigsten blitzt es in Deutschland im Schwarzwald, in Österreich und Italien an den Südlichen Kalkalpen. Besonders häufig kommen Blitze in Durban in Südafrika vor.
Ein Maß für die Gewitterhäufigkeit in einem Gebiet ist der isokeraunische Pegel.
| Burgenland | Kärnten | Niederösterreich | Oberösterreich | Salzburg | Steiermark | Tirol] | Vorarlberg | Wien | Gesamt | |||||||||||
| Jahr | Anzahl | pro km² | Anzahl | pro km² | Anzahl | pro km² | Anzahl | pro km² | Anzahl | pro km² | Anzahl | pro km² | Anzahl | pro km² | Anzahl | pro km² | Anzahl | pro km² | Anzahl | pro km² |
| 1992 | 4.071 | 1,0 | 13.265 | 1,4 | 19.094 | 1,0 | 9.304 | 0,8 | 12.878 | 1,8 | 29.013 | 1,8 | 14.771 | 1,2 | 2.328 | 0,9 | 194 | 0,5 | 104.918 | 1,3 |
| 1993 | 7.979 | 2,0 | 31.293 | 3,3 | 40.701 | 2,1 | 28.291 | 2,4 | 22.614 | 3,2 | 59.656 | 3,6 | 28.155 | 2,2 | 3.384 | 1,3 | 296 | 0,7 | 222.369 | 2,7 |
| 1994 | 5.233 | 1,3 | 27.712 | 2,9 | 22.766 | 1,2 | 12.395 | 1,0 | 15.343 | 2,1 | 41.881 | 2,6 | 25.715 | 2,0 | 3.190 | 1,2 | 244 | 0,6 | 154.479 | 1,8 |
| 1995 | 5.560 | 1,4 | 24.294 | 2,5 | 23.892 | 1,2 | 10.467 | 0,9 | 12.295 | 1,7 | 34.423 | 2,1 | 17.992 | 1,4 | 2.120 | 0,8 | 426 | 1,0 | 131.469 | 1,6 |
| 1996 | 6.014 | 1,5 | 14.756 | 1,5 | 21.262 | 1,1 | 14.153 | 1,2 | 11.853 | 1,7 | 32.690 | 2,0 | 16.665 | 1,3 | 1.835 | 0,7 | 373 | 0,9 | 119.601 | 1,4 |
| 1997 | 5.164 | 1,3 | 23.893 | 2,5 | 20.043 | 1,0 | 12.299 | 1,0 | 10.380 | 1,5 | 39.761 | 2,4 | 10.793 | 0,9 | 962 | 0,4 | 241 | 0,6 | 123.536 | 1,5 |
| 1998 | 10.521 | 2,7 | 30.567 | 3,2 | 28.340 | 1,5 | 16.032 | 1,3 | 15.110 | 2,1 | 55.805 | 3,4 | 21.770 | 1,7 | 1.349 | 0,5 | 664 | 1,6 | 180.158 | 2,1 |
| 1999 | 3.770 | 1,0 | 17.771 | 1,9 | 20.592 | 1,1 | 10.261 | 0,9 | 7.786 | 1,1 | 28.270 | 1,7 | 10.252 | 0,8 | 1.224 | 0,5 | 256 | 0,6 | 100.182 | 1,2 |
| 2000 | 7.849 | 2,0 | 29.079 | 3,0 | 34.074 | 1,8 | 21.522 | 1,8 | 18.993 | 2,7 | 54.673 | 3,3 | 23.286 | 1,8 | 3.745 | 1,4 | 707 | 1,7 | 193.928 | 2,3 |
| 2001 | 5.973 | 1,5 | 17.263 | 1,8 | 24.456 | 1,3 | 16.986 | 1,4 | 10.055 | 1,4 | 29.022 | 1,8 | 14.538 | 1,1 | 1.897 | 0,7 | 368 | 0,9 | 120.558 | 1,4 |
| 2002 | 8.642 | 2,2 | 21.588 | 2,3 | 39.506 | 2,1 | 27.328 | 2,3 | 14.148 | 2,0 | 41.864 | 2,6 | 24.241 | 1,9 | 3.874 | 1,5 | 613 | 1,5 | 181.804 | 2,2 |
| 2003 | 7.620 | 1,9 | 41.241 | 4,3 | 32.510 | 1,7 | 23.636 | 2,0 | 20.555 | 2,9 | 53.095 | 3,2 | 28.483 | 2,3 | 3.419 | 1,3 | 1.196 | 2,9 | 211.755 | 2,5 |
| 2004 | 4.834 | 1,2 | 17.941 | 1,9 | 20.249 | 1,1 | 17.600 | 1,5 | 9.813 | 1,4 | 36.050 | 2,2 | 12.596 | 1,0 | 2.942 | 1,1 | 476 | 1,1 | 122.501 | 1,5 |
| 2005 | 3.996 | 1,0 | 18.923 | 2,0 | 36.400 | 1,9 | 31.584 | 2,6 | 12.289 | 1,7 | 58.585 | 3,6 | 14.318 | 1,1 | 1.577 | 0,6 | 317 | 0,8 | 177.989 | 2,1 |
| Durchschnitt | 6.230 | 1,6 | 23.542 | 2,5 | 27.420 | 1,4 | 17.990 | 1,5 | 13.865 | 1,9 | 42.485 | 2,6 | 18.827 | 1,5 | 2.418 | 0,9 | 455 | 1,1 | 153.232 | 1,8 |
Quelle: österreichische Blitzortungssystem ALDIS
Blitze richten in Deutschland jährlich Schäden in Höhe von mehreren Millionen Euro an. Durch Blitzeinschlag können Haus- und Waldbrände entstehen sowie elektrische und elektronische Geräte beschädigt werden. Zum Schutz werden viele Gebäude mit einem Blitzschutzsystem versehen. Von Versicherungsgesellschaften wird der Blitzschutz jedoch nicht ausdrücklich verlangt. Überspannungsschutzsteckdosen für elektronische Geräte wie Computer sind die letzten Glieder einer Kette von Maßnahmen des Blitzschutzes. Werden sie allein eingesetzt, schützen sie höchstens bei weit entfernten Blitzeinschlägen.
Während eines Gewitters ist man im Freien – vor allem auf erhöhten Standpunkten – der Gefahr des Blitzschlags ausgesetzt. Am sichersten ist man in einem Haus. In Autos ist man in der Regel auch relativ sicher, da diese wie ein Faradayscher Käfig funktionieren und den Blitz außen ableiten sollen. Je nach Beschaffenheit der Außenhaut des Fahrzeugs (Kunststoff) kann dies jedoch nicht immer zutreffen; es gibt in der Literatur Hinweise, dass es zu Personenschäden in Fahrzeugen gekommen sein soll.
Tödlicher Blitzschlag ist in Deutschland selten geworden; die durchschnittlich 3 bis 7 Todesopfer pro Jahr ließen sich durch weitere Vorsichtsmaßnahmen noch weiter reduzieren. Im 19. Jahrhundert wurden in Deutschland noch an die 300 Personen jährlich vom Blitz getötet, da wesentlich mehr Menschen auf freiem Feld arbeiteten und sie sich nicht in Faradaysche Käfige wie Autos, Traktoren oder Mähdrescher zurückziehen konnten. Im Jahr 2002 starben in Deutschland drei Menschen an einem Blitzschlag.
Beim Einschlag eines Blitzes kann eine elektrische Spannung von mehr als 100 Millionen Volt zwischen Wolken und Erde vorliegen. Derartige Spannungsunterschiede bauen sich durch Reibungsvorgänge zwischen Eiskristallen in Gewitterwolken auf. Beim Blitzschlag fließt ein Strom von etwa 20.000 bis 200.000 Ampere.
Die Temperatur am Einschlagpunkt, wo bei Metallen ein kleines Loch geschmolzen wird, kann bis über 30.000° Celsius betragen.
In den USA gibt es eine Selbsthilfegruppe blitzschlaggeschädigter Menschen und deren Angehöriger.
Ein besonders spektakulärer Blitzschaden ereignete sich 1970 am Langwellensender Orlunda in Schweden. Damals zerstörte ein Blitzschlag den Fußpunktisolator des 250 Meter hohen Zentralmasten des Langwellensenders und brachte diesen hierdurch zum Einsturz.
Die Sicherheit hängt vom vorausschauenden Verhalten ab: Nachdem das Gewitter bemerkt wurde, sollte abhängig von seiner Entfernung und Geschwindigkeit der sicherste erreichbare Zufluchtsort angestrebt werden. Anhand der Zeitdifferenz zwischen Blitz (Lichtgeschwindigkeit) und Donner (Schallgeschwindigkeit ca. 340 Meter/sek) lässt sich die Entfernung des Blitzes berechnen. Durch Wiederholung der Berechnung lässt sich die Bewegungsrichtung und -geschwindigkeit des Gewitters abschätzen: Jede Sekunde, die der Abstand zwischen Blitz und Donner kürzer wird, ist es 340 m näher gekommen. Unter 3 Sekunden zwischen Blitz und Donner, also unter ca. 1 km Entfernung, ist jederzeit die Möglichkeit eines Einschlags in der Nähe gegeben. Die Zeitspanne von 3 Sekunden kann annähernd abgeschätzt werden, indem man langsam "einundzwanzig, zweiundzwanzig" zählt.
Lebensgefährlich, da wahrscheinlich falsch überliefert, ist ein altes deutsches Sprichwort:
Bauliche Anlagen sind mit Blitzschutzanlagen, die den Erfahrungen der technischen Wissenschaften entsprechen, auszustatten, wenn sie durch ihre Höhe, Flächenausdehnung, Höhenlage oder Bauweise selbst gefährdet oder widmungsgemäß für den Aufenthalt einer größeren Personenzahl bestimmt sind oder wenn sie wegen ihres Verwendungszweckes, ihres Inhaltes oder zur Vermeidung einer Gefährdung der Nachbarschaft eines Blitzschutzes bedürfen. (Österreich – Auszug aus der Bauordnung Wien)
Diese oder ähnliche Vorgaben finden sich in vielen Landesbauordnungen. Der Gesetzgeber schreibt damit für jedes Bauvorhaben eine Einzelfallprüfung vor. Es ist zu prüfen, ob Blitzschlag leicht eintreten (zum Beispiel anhand der Lage und Ausdehnung des Gebäudes) oder zu schweren Folgen (zum Beispiel Personenschaden) führen kann.
In der Praxis erweist sich das als gar nicht so einfach, weil in der Regel die erforderlichen Abschätzungen eine entsprechende Erfahrung voraussetzen. Welcher Arbeitsaufwand hinter einer fachgerechten Risikobeurteilung stecken kann, lässt sich anhand der DIN VDE V 0185 Teil 2 ablesen. Diese Norm erfüllt vom Umfang die gesetzlichen Mindestanforderungen, die Anwendung ist also baurechtlich zulässig. Andererseits ist der Aufwand für die Datenerfassung und Berechnung für viele Bauvorhaben unangemessen hoch. Besonders problematisch ist jedoch, dass in Einzelfällen die Berechnungsergebnisse nicht mit dem geltenden Baurecht in Einklang stehen. Der Gesetzgeber oder die Rechtsprechung haben für bestimmte Gebäudetypen/Nutzergruppen andere Festlegungen getroffen. Weichen die Berechnungsergebnisse der Risikoermittlung von den gesetzlichen Forderungen ab, so sind grundsätzlich die höheren Anforderungen umzusetzen.
Die Risikoermittlung wird immer nur der erste Schritt bei der Planung einer Blitzschutzanlage sein, in einem weiteren Schritt sind die baurechtliche Besonderheiten zu berücksichtigen und anschließend sind die in der Risikoermittlung getroffenen Annahmen (ausgewählte Reduktionsfaktoren, Schadenfaktoren usw.) umzusetzen. Auch für die anschließende Planung des Blitzschutzes einer baulichen Anlage werden in der DIN V VDE V 0185 Teil 1 bis 4 weiterführende Aussagen getroffen.
Gewitter | Elektrotechnik | Wortexport
Llamp | Blesk | Lyn | Lightning | Rayo | Foudre | ברק (תופעה מטאורולוגית) | Kilat | Fulmino | Fulmine | 번개 | Fulgur | Blëtz | Bliksem | Błyskawica | Молния | Strela | Yıldırım | 闪电