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Unter Blindheit versteht man in Deutschland nach der gesetzlichen Definition eine Sehschärfe (Visus) von höchstens 0,02 bzw. eine Einschränkung des Gesichtsfeldes auf 5 Grad und weniger, jeweils bezogen auf das bessere und voll korrigierte Auge. Eine Reduktion der Sehschärfe auf unter weniger als 0,05 wird als hochgradige Sehbehinderung bezeichnet. Die Kriterien der WHO für die Definition von Erblindung sind weniger streng.

Nicht zur Blindheit nach obiger Definition gehören die Farbenblindheit (Achromatopsie) und die Nachtblindheit.

Ursachen und Epidemiologie


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Nach dem WHO-Report von 2004 leben In Deutschland 164.000 (0,2%) blinde und 1.066.000 (1,3%) sehbehinderte Menschen. In Deutschland erblinden ca. 10.000 Menschen im Jahr neu. Dies entspricht einer Inzidenz von 12,3/100.000. Während es zwischen 1990 und 2002 nur zu einem moderaten Anstieg der Blinden um 9% gekommen ist, konnte ein Anstieg von Sehbedhinderungen um 80% registriert werden. Dies ist vor allem auf die erhöhte Lebenserwartung zurückzuführen. Während bei Menschen bis zum 39. Lebensjahr die Optikusatrophie als häufigste Erblindungsursache gilt, so ist dies in der Altersgruppe vom 40. bis 79. Lebensjahr die diabetische Retinopathie und ab dem 80. Lebensjahr die altersbedingte Makuladegeneration, gefolgt vom Glaukom. Da 48% aller Erblindungen ab dem 80. Lebensjahr auftreten, ist die altersbedingte Makuldegeneration insgesamt die häufigste Ursache für Erblindung in Deutschland. 68% aller Neuerblindungen betreffen Frauen.

Schulung und Hilfsmittel für Blinde


Förderung

Da therapeutische Optionen in Fällen von Blindheit meistens nicht bestehen, kommt den Schulungsmaßnahmen (Rehabilitation) eine große Bedeutung zu. Das Ziel ist hierbei vor allem, den Blinden eine selbständige und eigenverantwortliche Lebensführung zu ermöglichen. Insbesondere bei blinden und sehbehinderten Kindern ist eine Frühförderung im Rahmen von spezialisierten Kindergärten und Sonderschulen eine wichtige Voraussetzung, um die intellektuelle Entwicklung und die beruflichen Chancen abzusichern.

Allgemeine Hilfsmittel

Blinde Menschen benutzen einen Langstock (umgangssprachlich oft als Blindenstock bezeichnet), (siehe auch Tag des weißen Stockes). Dieser dient nicht nur zur Orientierung, sondern auch als Kennzeichen im Straßenverkehr, damit jeder Verkehrsteilnehmer auf die Behinderung aufmerksam gemacht wird. Zusätzlich tragen Blinde meist einen Anstecker oder zwei Armbinden. Dort sind auf gelben Untergrund drei schwarze Punkte abgebildet.

Einige Blinde vertrauen sich auch einem Blindenführhund oder einem Blindenpferd an.

Um sich völlig selbständig orientieren und bewegen zu können, muss die Umgebung allerdings so ausgestattet sein, dass sie akustisch oder taktil ausgewertet werden kann. Dazu dienen Markierungsstreifen auf Gehwegen, ergänzende akustische oder vibrierende Signaleinrichtungen bei Verkehrsampeln, Geländer und Handläufe, aber auch eine vorschriftsmäßige Absicherung von Gefahrenstellen wie Baustellen oder Bodenöffnungen. Das Zurechtfinden in unvertrauten Gegenden bleibt für Blinde aber trotzdem oft schwierig.

Elektronische Hilfsmittel

Um den Computer für Blinde nutzbar zu machen, wurde ein spezielles Ausgabegerät entwickelt, das so genannte Braille-Display oder Braillezeile, mit dem der Text auf dem Bildschirm in Brailleschrift Zeile für Zeile ertastbar wird. Das Braille-Display kann, je nach Bauform, bis zu 80 Zeichen abbilden und benötigt eine spezielle Übersetzungssoftware wie z.B. Blindows (Screenreader).

Grafische Benutzeroberflächen erschweren den Umgang für Blinde gegenüber dem klassischen Textmodus. Screenreader aber werden ständig weiterentwickelt, die Betriebssysteme arbeiten besser mit ihnen zusammen, sodass inzwischen auch die meisten Blinden den Umstieg zu Betriebssystemen mit grafischer Benutzeroberfläche gemeistert haben. Dank dieser Technik ist es ihnen möglich, viele Funktionen eines PCs zu nutzen.

Vorlesesysteme setzen Bildschirminhalte in synthetische Sprache um, so dass Sehbehinderte, die die Brailleschrift nicht beherrschen (viele Späterblindete haben nie eine Blindenschule besucht), komfortabel mit diesen Systemen arbeiten können.

Auch für das alltägliche Leben gibt es viele verschiedene Hilfsmittel. Das fängt bei einfachen Dingen wie sprechenden Uhren und Weckern an und geht über den Milchalarm, der das Überkochen der Milch verhindert bis hin zu einer Herdüberwachung, die piept, wenn der Herd zu lange angeschaltet ist oder die Kochplatten gefährlich heiß werden.

Viele Spielehersteller bieten mittlerweile auch Versionen ihrer Spiele für Blinde an. Schon seit geraumer Zeit gibt es Skat-Karten, die mit einer Plastikfolie überzogen sind, so dass Sehende wie gewohnt spielen und Blinde die Karten gleichzeitig ertasten können. Auch für den Computer gibt es mittlerweile eine große Auswahl an Soundgames, bei denen der Spieler die Informationen über den Spielverlauf über die Lautsprecher erhält statt über den Bildschirm. Diese Art der Spiele wird auch bei Sehenden immer beliebter.

Medien

Die von Louis Braille entwickelte Blindenschrift, die so genannte Brailleschrift, ermöglicht blinden Menschen das Lesen und Schreiben von Texten. Das Moonalphabet, eine weitere Blindenschrift, wurde fast vollständig von der Brailleschrift verdrängt. Das Schreiben von Texten ist z. B. mithilfe der Blindenschreibmaschine möglich, welche bereits 1899 von Oskar Picht erfunden wurde. Es gibt heute auch Braille-Drucker für den PC. Es gibt diverse Zeitschriften für Blinde. Die Zeitschrift Brigitte war die erste deutsche Frauenzeitschrift, die es vollständig in Blindenschrift gibt. Auch wird diese in elektronischer Form als Textdatei angeboten, um sie mithilfe eines durch Sprachausgabe, Braillezeile und/oder Schriftvergrößerung (für Sehbehinderte) modifizierten PCs lesbar zu machen. Viele Zeitschriften, auch Hörzeitschriften (auf Cassette oder DAISY-CD aufgesprochene Beiträge), werden durch Blindenbüchereien oder gemeinnützige Vereine vertrieben. Aber auch die immer mehr aufkommenden Hörbücher ermöglichen blinden Menschen einen weiteren Zugang zur Literatur.

In vielen bekannten Bauwerken werden auch Modelle zum taktilen Erleben aufgestellt. Auf Bahnhöfen werden die Bahnsteige mit speziellen Einkerbungen, sog. Leitlinien, versehen, die es Blinden ermöglichen, sich dort zurecht zu finden. In der Kartographie arbeitet man intensiv an Blindenkarten, die helfen sollen, die räumliche Situation der Umgebung für Blinde erfahrbar zu machen.

Einige Fernsehsender senden Filme im Zweikanalton, bei denen auf dem zweiten Kanal per Audiodeskription die Handlung erzählt wird.

Das jüngste Medium für Blinde heißt DAISY. DAISY ist der Name eines weltweiten Standards für navigierbare, zugängliche Multimedia-Dokumente. Die Abkürzung DAISY steht für "Digital Accessible Information System", zu deutsch: digitales System für den Zugang zu Informationen. Im Frühjahr 2004 wurde die DAISY-CD im deutschsprachigen Raum eingeführt, welche die veraltete Kompaktkassette bald ersetzen soll.

Blindheit in Sprache, Kunst und Literatur


Blindheit taucht vielfach als Motiv in Mythen, Erzählungen und bildlichen Darstellungen aller Art auf. Genannt seien etwa der sagenhafte griechische Seher Teiresias und der alte Ödipus. Joh 9,25 berichtet von der wundersamen Heilung eines Blinden durch Jesus Christus. Die Geschichte wurde von dem Maler El Greco aufgegriffen, aber auch von John Newtons berühmtem Lied Amazing Grace. Das Gleichnis "Wenn aber ein Blinder den anderen führt, so fallen sie beide in die Grube" (Mt 15,14) liegt dagegen Pieter Brueghels Bild Der Blindensturz von 1568 zugrunde. Desgleichen stehen Blinde im Zentrum literarischer Werke (z. B. in Vladimir Nabokovs Roman "König Dame Bube").

Von Helen Keller stammt das Zitat "Blindheit trennt von Dingen, Taubheit trennt von Menschen".

Im übertragenen Sinne steht die Fähigkeit zu sehen oft für die Fähigkeit, die Wirklichkeit überhaupt wahrzunehmen. Die selbe Metapher gilt für das Fehlen der beiden Fähigkeiten.

"Ich will die Sache im Auge behalten" oder "Ich will ein Auge darauf haben." bedeutet: "Ich will dafür sorgen, dass die Sache zufriedenstellend weiterkommt."

"Nachsicht üben, nicht genau hinschauen, ein Auge zudrücken, durch die Finger sehen" bedeutet "Mängel oder Verstöße nicht so behandeln, wie es richtig wäre."

"Jemand ist politikblind, wirklichkeitsblind." bedeutet: "Er versteht nicht die Zusammenhänge der Politik, der Wirklichkeit." "Liebe macht blind" bedeutet: "Wer liebt, erkennt die oder den Geliebten nicht so wie sie oder er wirklich ist." "Die waren auf dem rechten (auf dem linken) Auge blind." weist auf eine parteiliche Haltung hin, welche gegenüber der politischen "Rechten" (der politischen "Linken") zu Duldsamkeit und Nachsicht neigt.

"Dem muss ich mal die Augen öffnen." bedeutet: "Dem will ich erklären, was wirklich geschieht und womit das zusammenhängt." Wenn ein Sachverhalt ganz und gar eindeutig ist, sagt man volkstümlich derb: "Das sieht doch ein Blinder mit dem Krückstock."

Berühmte Blinde


Museen - Erlebnis-Laboratorien


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Literatur


  • "Enzyklopädie des Blinden- und Sehbehindertenwesens" - 516 Seiten mit Abbildungen, 3,50 Euro

Siehe auch


Weblinks


Blindheit | Augenheilkunde

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