Als Blindgänger bezeichnet man Munition z.B. Patronen, Granaten oder Bomben, die nach ihrer Benutzung (Abschuss oder Abwurf) nicht explodiert sind. Ursache dafür kann technisches Versagen, aber auch Sabotage bei der Produktion sein.
In Deutschland stellen Blindgänger auch mehr als 60 Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs ein ernstzunehmendes Problem dar. Vor allem in industriellen Ballungsräumen (Ruhrgebiet, Köln, Berlin), die primäres Ziel alliierter Luftangriffe waren, finden sich auch heute noch eine Vielzahl von Blindgängern im Erdreich. Häufig werden diese unabhängig von der gezielten Suche bei Baumaßnahmen entdeckt.
Hochrechnungen ergaben, dass ca. 5% der von den alliierten Flugzeugen abgeworfenen Bomben Blindgänger waren.
Im Gegensatz zur Minensuche, bei der kleine Metallteile (vorwiegend Buntmetall) mit Metalldetektoren aufgespürt werden, nützt man bei der Suche nach Blindgängern die Tatsache, dass alle Bomben (Granaten, etc.) zum effektiven Druckaufbau aus ferromagnetischem Stahl bestehen. Dieser ferromagnetische Stahl bewirkt eine Störung des sonst homogenen Erdmagnetfeldes an der Erdoberfläche, die sich mit Hilfe von Magnetometern nachweisen lässt. Am häufigsten werden diese Magnetometer in einer Gradiometeranordnung verwendet. Dabei werden 2 Sonden (Magnetometer) in einem Abstand von circa 0,5...2 m ("Basis") gegensinnig angeordnet, so dass sie in einem homogenen Feld beide die gleiche Induktion entgegengesetzter Polarität messen. Schaltet man diese beide Sonden in Reihe, so zeigt der effektive Messwert die Differenz (den "Gradient") des Magnetfeldes an. Auf diese Weise lassen sich Bomben (je nach Größe) in Tiefen bis zu 6 m orten (im Überlauf circa 10 nT Ausschlag).
Zum Vergleich: Metalldetektoren zur Minensuche sind auf die Detektion von minimalen Metallteilen optimiert und haben Detektionstiefen von maximal 50 cm. Vereinzelt werden allerdings Großschleifen eingesetzt, die eine größere Suchtiefe haben (circa 4 m).
Die Empfindlichkeit der beschriebenen Gradiometer variiert stark je nach Aufwand der Bauform. Entscheidend ist neben einer Mindest-Rauscharmut der verwendeten Sonden deren Parallelisierung. Da beide Sonden nicht perfekt parallel zueinander sind, ergibt eine Bewegung/Drehung im Erdmagnetfeld mit circa 50.000 nT leicht einen Ausschlag von mehreren Nanotesla. Qualitativ hochwertige Produkte garantieren eine Suchempfindlichkeit von wenigen Nanotesla. Dies ist mit einer aufwendigen mechanischen Parallelisierung der beiden Sonden verbunden, die von Zeit zu Zeit nachjustiert werden muss.
Eine Ausnahme bildet hier die "Spannbandsonde" der Firma Foerster. Bei dieser Sonde werden die die Sondenkerne auf ein unter starker Spannung stehendes Spannband aufgebracht. Die so gefertigten Sonden sind wartungsfrei und mit hoher Präzission parallel (Änderung bei Drehung im Erdfeld < 1nT !)
Die Kampfmittelräumung in Deutschland erfolgt heute weitgehend gewerblich. Zuständigkeiten und Durchführung sind dabei in den Bundesländern unterschiedlich in jeweils eigenen Verordnungen zur Kampfmittelbeseitigung geregelt.
Auf welche Art und Weise ein Blindgänger entschärft wird hängt vom Fundort, dem Zustand des Sprengkörpers sowie der Bauart ab. So gibt es Sprengkörper amerikanischer Bauart, die bei Ausbleiben der Detonation nach dem Aufschlag sich selbst wieder sichern. Einige Typen britischer Bauart hingegen sind mit einem speziellen Ausbauschutz des Zünders versehen.
Nach dem Fund des Sprengkörpers wird daher zuerst das Herkunftsland und der genaue Typ ermittelt. Danach wird die Lage des Sprengkörpers begutachtet um festzuestellen ob eine Selbstzündung ausgeschlossen und der Zünder freigelegt werden kann ohne die Lagestabilität des Sprengkörpers zu gefärden. Gelingt dies, wird im Folgenden z.B. mit Ultraschall der Zünder untersucht und klassifiziert z.B. in 'gesichert', 'ungesichert in Ausgangsstellung' oder 'unbekannter Zustand'.
Beseitigung durch Entschärfung am Fundort
Sie ist möglich, wenn der Zünder in erkennbar guten inneren Zustand ist und die Lage des Sprengkörpers eine Entfernung oder Sicherung des Zünders gefahrlos ermöglicht.
Beseitigung durch Vernichtung am Fundort
Dieser Weg wird dann beschritten, wenn der Zustand des Zünder nicht erkennbar ist oder die Bauart einen gefahrlosen Ausbau nicht zulässt. Abhängig ist diese Art der Vernichtung auch von der Umgebung. So wurde bei einem Fund beim Bau des Münchner Stadions die Vor-Ort-Vernichtung der Entschärfung vorgezogen, da sich der Blindgänger auf nahezu freiem Feld - allerdings direkt neben der A9 - befand. Da sich die Absperrräume bei einer Vernichtung nicht von denen einer Entschärfung unterscheiden, galt die Vernichtung als die gefahrlosere und schnellere Lösung.
Kleine Sprengkörper werden direkt durch Anbringen eine Ladung gezündet. Bei Bomben werden diese in der Regel zuvor entweder durch eine Robotersäge geteilt oder angebohrt um mittels eines Lösungsmittels den größten Teil des Sprengstoff (TNT) vorher zu entfernen. Gesprengt werden dann nur noch nicht mehr entfernbare Reste und der Zünder. Der Sprengkörper wird bei der Detontation mit Sand, steinfreiem Erdreich und Stroh abgedeckt, um die Wucht (Druckwelle) zu reduzieren, den Lärm zu dämmen und um den Streukreis der entstehenden Splitter zu begrenzen.
Beseitigung durch Abstransport in scharfen Zustand
Dieser Weg wird nur dann gegangen, wenn das Risiko einer Entschärfung vor Ort höher einzustufen ist als das Transportrisiko und eine Sprengung vor Ort definitiv nicht möglich ist - z.B. in Stadtzentren. Hierbei werden je nach Sprengkörpertyp Maßnahmen ergriffen um den Zünder von Außen definitiv zu sichern. Eine der wirksamsten Maßnahmen ist das Unterkühlen mit flüssigem Stickstoff, das bei einigen Typen zu einem Verklemmen des Schlagbolzen und somit zu einer Sicherung führt. Transportiert wird der Sprengkörper entweder in Fundlage oder in Sicherungslage (Lage in der ein Auslösen nicht möglich ist).
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