Blaue-banane.png Die Blaue Banane bezeichnet ein Modell des Franzosen Roger Brunet, der Europa in Aktiv- und Passivräume untergliedern wollte, aus dem Jahre 1989 und steht für einen europäischen Großraum, der eine zentrale Rolle einnimmt.
Die Blaue Banane hat ihr nördliches Ende bei den alten Stahl- und Kohleindustriezentren um Manchester und Birmingham, verläuft dann südwärts durch Großbritannien über den Großraum London. Auf dem europäischen Festland schließlich krümmt sie sich, dabei schließt sie den nördlichen Raum Belgiens, den südlichen Teil der Niederlande, die Randstad, und das deutsche Ruhrgebiet ein. Weiter verläuft sie entlang des Rheins – schließt dabei Frankfurt am Main bzw. das Rhein-Main-Gebiet ein - über Stuttgart, dann über die Schweiz und endet schließlich im Nordwesten Italiens bei den Städten Turin, Mailand und Genua.
Wenn man nun noch die so genannte Goldene Banane dazu zählt, fährt dieser Großraum entlang der Mittelmeerküste fort und endet erst in Spanien bei Valencia.
Das alte Modell besitzt also eine Nordsüdausdehnung von etwa 1.300 km (Westostausdehnung: ca. 900 km) und geht dabei durch acht Länder, die alle – bis auf die Schweiz – zu der EU gehören und dort den Kern dieser darstellen. In dieser Region leben allein 40% der EU-Bevölkerung (Europa: 740 Mio. Einwohner), was allein die Bedeutung dieses Raumes verdeutlicht.
Er sah die Blaue Banane als Entwicklung historischer Gegebenheiten, wie z. B. bedeutende Handelswege, oder als Folge der Akkumulation industriellen Kapitals. Frankreich jedoch habe hauptsächlich durch die Verfolgung von Minderheiten, er nennt die Protestanten, und die Zentralisierung auf Paris den Anschluss an diesen Großraum verloren. Brunet ließ somit gewollt den französischen Raum weg, der sich insbesondere auf den Großraum Paris konzentriert bzw. beschränkt, um der französischen Regierung die Notwendigkeit einer wirtschaftlichen Integration in diesen gesamteuropäischen Raum zu zeigen.
Die Banane wurde als blau bezeichnet, da es sich um das europäische Kerngebiet handelt und die Flagge Europas überwiegend blau (mit gelben Sternen) ist, es wurde somit die Fahnenfarbe übernommen. Andere Quellen hingegen nennen die Arbeitskleidung – im englischen existiert nach wie vor der Begriff des blue-collar-worker, der vor allem für Fabrikarbeiter steht - der größtenteils industriellen Arbeitskräfte als Begründung für den Zusatz. Gründe für die Form der Blauen Banane sind zum einen die Teilung Europas nach dem zweiten Weltkrieg, was zu einem Ausbau der Nord-Süd-Achse führte, dies kann man z.B. an dem gut ausgebauten und infrastrukturell genutzten Rheintal sehen, während die Ost-West-Verbindungen fast ganz verelendeten. Andererseits bestanden schon weit vorher große Zentren, wie z. B. Randstad, das Ruhrgebiet oder der Großraum um Manchester, die zu der Zeit der Industrialisierung an Bedeutung gewannen, so dass es entlang der Verbindungen zwischen den einzelnen Zentren zu weiterer Ansiedlung durch Industrie und Bevölkerung kam.
Die Regionen der Goldenen Banane sind hingegen für moderne Industrien bekannt, wie z.B. die Elektronik-, die Flugzeugfabrikanten und Forschungszentren, und könnte somit in Zukunft einen vernünftigen Gegenpol zu dem amerikanischen Silicon Valley und den südostasiatischen Produktionsgebieten werden. Durch die deutsche Einheit wurde zudem seit 1990 stark versucht, den ehemals sozialistisch geführten Bereich stärker wirtschaftlich in Europa einzugliedern, so dass stark subventioniert und gebaut wurde. Dennoch hat Osteuropa bzw. die Gebiete der ehemaligen DDR den Anschluss noch nicht vollkommen erreicht, auch wenn erste Ansätze bis nach Berlin gehen.
Durch den stetigen Zustrom ausländischer Immigranten, die insbesondere in die städtischen, wohlhabenden Gebiete wollen, so dass es zu erhöhtem Ausländeranteil kommt, wächst das Gebiet so stark an, dass es zu einer Polarisierung innerhalb Europas kommt, also eine Teilung in Gewinner (Blaue Banane) und Verlierer (ländliche Gebiete, Peripherie und Osteuropa). Dabei verlieren insbesondere die peripheren Räume, die auf Grund ihrer geringen Bedeutung (z.B. in ihrer Infrastruktur oder bei dem Bau überregionaler Institutionen) weniger gefördert werden. Somit verstärkt sich immer weiter der Bedeutungsunterschied und die Abhängigkeit der Bewohner ländlicher bzw. peripherer Regionen von den Stadtgebieten. Außerdem sind bestimmte Einrichtungen wie z.B. Hochgeschwindigkeitsverkehrsmittel (ICE, Magnetschwebebahn o.ä.) nur in einigen stark besiedelten, wohlhabenden Gebieten rentabel, so dass periphere Gebiete weiter ausgegrenzt und somit für wesentliche Wirtschaftszweige uninteressant werden.
Es tritt also eine steigende Zentralität des Großraumes der Blauen Banane auf, während der Zentralitätseinfluss immer größer wird – die Menschen immer abhängiger von zentralen Einrichtungen, Geschäften etc. werden - was jedoch auch Probleme innerhalb dessen mit sich bringt, wie z.B. Verkehrschaos, Überbevölkerung/Zuzug, hohe Bodenpreise, steigende Umweltbelastung und Zersiedlung im Umland. Aber auch "Verliererstädte" haben Probleme, die sich unter anderem in Arbeitslosigkeit, Abwanderung, sinkenden Steuereinnahmen und wachsenden sozialen Problemen ausdrücken. Diesem Effekt wirkt die EU seit einiger Zeit mit Förderprogrammen ärmerer bzw. peripherer Regionen entgegen.
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