Der Blaubart ist ein französisches Märchen, das seinen Weg über die Contes de ma mère l'Oye (1697) von Charles Perrault in die internationalen Märchensammlungen wie Grimms Märchen fand.
Ein älterer Mann heiratet eine jüngere Frau aus einfacheren Verhältnissen und bringt sie in sein Haus. Er will sie auf die Probe stellen, ob sie ihn auch wirklich liebt. Der Mann gibt vor, er wolle verreisen und vertraut der Frau die Hausschlüssel an mit der Auflage, dass sie einen bestimmten goldenen Schlüssel nicht benutzt. Als der Mann eine Zeit lang weg ist, probiert die junge Frau in ihrer Langeweile die Schlüssel aus, schafft es aus Neugierde allerdings nicht, den Goldenen nicht zu benutzen. Sie entdeckt eine Kammer, in der sie Blaubarts frühere Frauen ermordet vorfindet und lässt vor Schreck den Schlüssel in eine Blutlache fallen. Blaubart kehrt zurück und merkt anhand von Blutspuren am Schlüssel den Vertrauensbruch seiner jungen Frau und will sie bestrafen. Angehörige der Frau (Schwester und Brüder) treffen ein und bewahren die junge Frau vor der Strafe. Ritter Blaubart wird am Ende getötet und die junge Witwe erbt sein riesiges Vermögen und teilt es unter ihren Rettern auf.
Perrault, der von französischen Verhältnissen und Geld-Heiraten ausgeht, brandmarkt am Schluss in Moral-Versen die Neugier der Frauen, die an allem Schuld habe, sowie in einer zweiten Moral die Schwäche männlicher Pantoffelhelden.
Die verschiedenen Märchenfassungen variieren den Stand des Mannes (reicher Bürger, Ritter, Sultan), die Zahl der früheren Frauen (sechs, sieben, großer Harem) und die Art der Strafe (Blaubart hat alle Frauen getötet oder hält sie nur gefangen). Wird Blaubart meist getötet, so kommt er bei Peter Rühmkorf mit einem grauen Bart davon ...
Das Märchen ist eine jüngere Fassung von Drachen-Mythen: Der Drache fordert eine Jungfrau und tötet sie, wenn er nicht von einem Ritter (Georg!) getötet wird. Der blaue Bart deutet an, dass Blaubart kein gewöhnlicher Mann ist. Er zeigt eine sexuelle Problematik an, da der Bart ein Attribut des Mannes ist. Ein weiteres Motiv, das häufig vorkommt, ist die Liebesprobe als Erprobung des Gehorsams (Adam und Eva dürfen die Frucht nicht essen, Psyche darf Eros nicht sehen). Eine psychologische Deutung findet sich bei Clarissa Pinkola Estéz.
Das historische Vorbild für Blaubart war der Marschall von Frankreich und Mitkämpfer der Jeanne d'Arc, Gilles de Rais, ein berüchtigter Sadist und Knabenmörder des 15. Jahrhunderts, der zusammen mit der verhassten ungarischen Gräfin Elisabeth Bathory zu den großen Bestien der europäischen Geschichte gezählt wird. Rais endete am Galgen, die Gräfin Bathory wurde lebendig in eines ihrer Gemächer eingemauert, in dem sie für den Rest ihres Lebens nur noch durch eine enge Luke versorgt wurde.
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