Blasinstrumente sind zu den Aerophonen gehörige Musikinstrumente, bei denen ein Spieler durch seinen Atem mit einem Mundstück die Luft innerhalb von Röhren zum Schwingen bringt. Im weiteren Sinne werden auch Aerophone, bei denen der Luftstrom mit einem Luftsack oder Blasebalg erzeugt wird, zu den Blasinstrumenten gezählt.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Vielfalt der vorhandenen Blasinstrumente in Gruppen einzuordnen.
KelsoLevinsonWWOZ.jpg, und Dan Levinson, Saxophon: Blech und Holz]]
Traditionelle Klassifikation
Die gebräuchlichste, historisch gewachsene, aber nicht ganz von inneren Widersprüchen freie Einteilung der Blasinstrumente in Holz-, Blechblasinstrumente und Durchschlagzungeninstrumente erfolgt hauptsächlich nach der Art der Tonerzeugung.
Blechblasinstrumente musizieren in der Regel mit Hilfe einer ungeteilten, schwingenden Luftsäule, das heißt, der gesamte Luftstrahl durchläuft das Instrument bis zur Schallöffnung. Der Ton wird mit den Lippen erzeugt. Bei Holzbläsern wird die Luftsäule geteilt, also an verschiedenen Stellen Luft vorher abgeleitet. Der Ton entsteht im Instrumentenmundstück.
Die Mundstücke von Holzblasinstrumenten entsprechen Bauformen, die früher ausschließlich an hölzernen Instrumenten verwendet wurden (Rohrblatt, Kernspalte). Deshalb gehören auch Querflöten mit Metallkorpus und Saxophone zu den Holzblasinstrumenten. Dem gegenüber gehören z.B. die Alphörner oder die, kaum noch gebräuchliche, Ophikleide zu den Blechblasinstrumenten, obwohl ihr Korpus aus Holz besteht, da sie mit einem Kesselmundstück angeblasen werden. Die Schwingungserzeugung erfolgt also ausschließlich mit den Lippen. Die Mundstücke der Blechblasinstrumente sind üblicherweise aus versilbertem oder vergoldetem Messing oder aus Neusilber. Daneben gibt es auch solche aus Plexiglas oder Kunststoff (Vorteile beim Spielen bei kühler Witterung).
Die Rohrlänge beeinflusst die Tonhöhe, da eine längere Luftsäule einen tieferen Ton bewirkt. Die Rohrform und das Material beeinflussen den Klang bzw. die (Klangfarbe).
Ein Blasinstrument bei welchem der Grundton nicht anspricht, wird als Halbinstrument bezeichnet.
Holzblasinstrumente
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Die
Holzblasinstrumente lassen sich unterteilen in die
Flöteninstrumente (mit Anblaskante) und die
Rohrblattinstrumente mit einem oder zwei schwingenden Rohrblättern.
Flöteninstrumente
Die ältesten Instrumente mit Anblaskante, wahrscheinlich die ältesten Blasinstrumente überhaupt, sind jene in der Art der
Blockflöte. Auch die
Panflöte lässt sich weit in die Vorzeit zurückverfolgen. Die Flöte des Alten Testaments heißt
Chalil. Aus der
Schwegelpfeife des Mittelalters entstand die
Traversflöte, die sich zur
Querflöte und ihren Unterarten (
Piccoloflöte,
Altflöte) weiterentwickelte.
Rohrblattinstrumente
Die ältesten Vertreter dieser Art sind die primitiven Doppelrohrblattinstrumente in Ägypten und Griechenland (
Aulos), Vertreter sind
Schalmei,
Rankett und
Pommer. Im modernen Orchester findet man
Oboen (
Oboe d'amore,
Heckelphon,
Englischhorn) und
Fagotte (
Kontrafagott). Aber auch im
Dudelsack und anderen Instrumenten mit
Windkapsel (wie der
Zurna) stecken Doppelrohrblätter.
Aus dem Chalumeau mit einfachem Rohrblatt entwickelte sich die Klarinette (und ihre Unterarten Bassklarinette und Bassetthorn). Auch das Saxophon gehört zu den Holzbläsern, weil der Ton durch Schwingung eines Rohrblattes (=Holz) erzeugt wird.
Blechblasinstrumente
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Die ersten
Blechblasinstrumente (nach heutiger Anschauung) waren zwar sicherlich aus
Hornsubstanz (Kuh-, Stier- oder Widderhorn), ihre handwerklichen Nachbauten aber aus
Blech. Die heutige Materialverwendung spielt für die Einteilung keine Rolle. Auch die Blechblasinstrumente können in zwei Familien gegliedert werden, die Unterscheidung erfolgt nach der verwendeten
Mensur: Ist diese zum größeren Teil konisch, spricht man von Instrumenten der
Hornfamilie, wenn die zylindrische Bauweise überwiegt, von
Trompeteninstrumenten.
Horninstrumente
Die ältesten
Naturhörner waren Tierhörner, der
Olifant aus Elfenbein, das
Alphorn und die Bronze-
Luren. Aus Holz wurden
Zink (Musik) und
Serpent hergestellt, mit großer Fertigkeit aus Blech (Messing) gebaut wurden später
Jagdhorn und
Posthorn. Das
Kornett wurde noch vor dem modernen
Horn mit Ventilen ausgestattet. Der große Bruder des Ventilhorns ist die
Wagnertuba. Eine vollständige Unterfamilie der Horninstrumente mit Vertretern in allen Lagen sind die
Bügelhörner, zu denen auch
Flügelhorn,
Tenorhorn,
Bariton,
Helikon,
Sousaphon und
Tuba zählen
Trompeteninstrumente
Aus den
Naturtrompeten, die für
Fanfaren und militärische Signale benutzt wurden, entwickelte sich die verfeinerte, aber immer noch ventillose
Barocktrompete und später die moderne
Trompete. Die tiefen Vertreter dieser Familie sind die
Posaunen (Ventilposaunen oder Zugposaune).
Durchschlagzungeninstrumente
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Durchschlagzungeninstrumente, bei denen der Ton durch frei schwingende Metallzungen erzeugt wird, werden normalerweise mit Windwerk betrieben, es gibt aber auch Varianten, die direkt mit dem Mund angeblasen werden: Dazu zählt die
Melodika und die moderne
Schalmei (Martinstrompete). Eines der wichtigsten Instrumente in der klassischen chinesischen Musik ist die Mundorgel
Sheng, ein ähnliches Instrument wird in Japan
Shō und in Laos
Khaen genannt.
Keine Blasinstrumente
Zu den Blasinstrumenten zählt genaugenommen nicht die
Mundharmonika, da sie nicht durch blasen, sondern Atmen, d.h. mit Ein- und Ausatmung gespielt wird, im Gegensatz zu den Blasinstrumenten, die durch Blasen, d.h. Aus- oder evtl. auch
Zirkular-Atmung gespielt werden. Auch die
Handzuginstrumente fallen aus der strengen Definition von Blasinstrument heraus, da sie die Töne beim Lufteinsaugen und beim Luftabgeben erzeugen.
Harmonium und
Orgel hingegen können im weitesten Sinne auch wie Blasinstrumente betrachtet werden, da deren Blasebälge tatsächlich nur Luft ins Instrument hineinblasen.
Klassifikation nach Tonerzeugung
Eine andere Einteilung der Blasinstrumente verzichtet auf den Materialaspekt und betrachtet allein die Art des tonerzeugenden Elements, also meistens des Instrumentenmundstücks:
- Luftblatt- oder Labialinstrumente (mit Anblaskante): Flöten
- Instrumente mit einfachem (aufschlagendem) Rohrblatt: Klarinetten, Saxophone
- Instrumente mit doppeltem (gegenschlagendem) Rohrblatt: Schalmeien inkl. Oboe, Fagott, Sarrusophon etc.
- Instrumente mit Trichter-, Becher- oder Kesselmundstück, bei denen die Lippen des Spielers die Schwingung erzeugen: Blechblasinstrumente, Zink
- Instrumente mit durchschlagenden Zungen
Literatur
- Dr. Enrico Weller, Der Blasinstrumentenbau im Vogtland von den Anfängen bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, Dissertation, Chemnitz 2002, Hrsg.: Verein der Freunde und Förderer des Musikinstrumenten-Museums e.V. Markneukirchen, Geiger-Verlag, Horb am Neckar, 2004, ISBN 3-89570-986-7
Aerophon
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