Die Pianofortefabrik Blüthner in Leipzig ist einer der ältesten und renommiertesten Klavierhersteller der Welt. Blüthner-Pianos sagt man einen warmen, romantischen, singenden Klang nach. Ihr lyrischer Charakter kommt besonders in der Kammermusik gut zur Geltung.
Der Anfang fiel zunächst bescheiden aus. Der Finanzrahmen und die Ausstattung mit Werkzeug war zunächst spärlich und reichte nur für ein paar angemietete Räume und 3 Arbeiter. Dieses wurde durch den Tatendrang von Julius Blüthner ausgeglichen. Er erschien häufig bereits zwei Stunden vor offiziellen Arbeitsbeginn, welcher auf sechs Uhr in der Frühe festgelegt war. Nicht selten war er auch derjenige, der als letzter gegen 22 bzw.23 Uhr das Licht löschte.
Seinen ersten Flügel verkaufte er im Frühjahr 1854. Professor Ernst Heinrich Weber war beauftragt worden einen guten Flügel zu kaufen. Der Blüthner Flügel musste sich mit anderen messen lassen und wurde von Professor Weber ausgewählt. So wechselte der erste Flügel für 450 Taler in Münzen den Besitzer. Im ersten Jahr wurden noch neun weitere Flügel gebaut. Schnell erregten die Instrumente aufgrund der Qualität die Aufmerksamkeit von Pianisten und Institutionen, die Verkaufszahlen stiegen schnell an.
So wuchs der Betrieb ab 1855 sehr schnell. Im vierten Betriebsjahr beschäftigte er bereits 14 Arbeiter. 1856 kam die sogenannte Blüthner-Patentmechanik auf den Markt. Dies war eine Federmechanik, mit der die Spielart erleichtert wurde. 1858 erwarb Julius Blüthner die bis dahin nur gemietenen Räume. 1862 wurde das Instrument mit der Opus-Nummer 500 fertig gestellt. 1863 wurden erstmal Pianos in der Fabrik hergestellt. Später kaufte sich ein Grundstück im gleichen Viertel und baute dort eine für hundert Arbeiter berechnete Fabrik. 1864 zog die Pianofortefabrik mit nun 37 Arbeitern in den Neubau. Kurze Zeit später war der Betrieb vollbesetzt und es wurde industriell gefertigt.
Auf Weltausstellungen wurden nun auch Blüthner höchste Ehrungen zuteil. Die steigende Nachfrage nach Instrumenten erforderten weitere Expansion. So wurde 1870 eine zweite Fabrik gebaut. Diese wurde mit modernsten Dampfmaschinen ausgestattet. 1872 baute man eine dritte Fabrik im Anschluss an die Erste und es wurden 170 neue Arbeiter eingestellt.Die größte Erfindung ist wohl die des Aliquotflügels bzw. Klaviers 1873. Die besondere Eigenart dieser Produktion ist, dass ein zusätzlicher Saitenchor, eine Oktave höher, mitschwingt und die Hörbarkeit der Obertöne(Aliquoten) künstlich verstärkt.
Blüthner8G.jpg In London wurde 1876 eine Verkaufsniederlassung gegründet, die sowohl Instrumente in England als auch in den englischen Kolonien verkaufte. Vorausschauend hatte Blüthner bereits früher mit dem Aufbau eines weltumfassenden Vertriebsnetzes begonnen. Um 1877 folgten dann abermals Erweiterungen an der Fabrik. Des- weiteren mussten Trockenspeicher und massive Trockenhäuser erbaut werden. Die ganze Fabrikanlage war nun ein Straßenviertel groß. Bereits nach zwanzig Jahren beschäftigte Blüthner über achthundert Mitarbeiter. 1878 wurde ein großzügiger Saal hergerichtet indem man alle Modelle dem Publikum präsentierte.Die Ausstellungshalle befand sich am damaligen Sitz der Firma an der Weststraße.
1878 feierte man das 25jährige Jubiläum. Die Firma expandierte, ein neues Fabrikgebäude musste im Jahre 1881 geschaffen werden. 1888 wurde ein eigenes Sägewerk in Leutzsch errichtet, um den ständigen wachsenden Bedarf an zugeschnittenen Hölzern abzudecken und ein riesiges Holzlager angegliedert, indem benötigten Holzarten lagerten. 1889 wurde das 30000 ste Instrument gefertigt.
1890 wurde ein neues Fabrikgelände errichtet, welches für 230 Arbeiter Platz bot. Die ständigen Erweiterungen der Fabrikanlagen machten Blüthner zu einer der größten Klaviermanufakturen Europas. Insgesamt gab es bauliche Erweiterungen von bis zu 55000 Quadratmetern. Die Jahresproduktion stieg bis zum Jahre 1903 auf 3000 Stück. Bis 1903 wurden insgesamt 62500 Instrumente gefertigt und verkauft. Leipzig war eine Hochburg der Klavierindustrie geworden. Neben Blüthner waren auch die Klavierfabriken Feurich, Hupfeld, Schimmel, Zimmermann und viele weitere in Leipzig ansässig. Nahmhafte Pianisten der Zeit hielten sich gerne und oft in Leipzig auf.
„Blüthner- Flügel können wirklich singen" schrieb Wilhelm Furtwängler. Viele solcher Komplimente bekam Julius Blüthner zu Gehör. Da konnten auch die berühmten Fabriken Steinway & Sons aus New York und C.Bechstein aus Berlin nur schwer mithalten, die ebenfalls beide im Jahre 1853 gegründet worden waren. 1854 gab es die ersten Lorbeeren auf einer Gewerbeausstellung in München. Insgesamt gewann Blüthner bis 1903 neben zahlreichen anderen Preisen und Auszeichnungen auf 12 Weltausstellungen die höchsten Preise.
Blüthner_Klavier_Rahmen.jpg Blüthner belieferte viele Adelshöfe darunter zum Beispiel: - die deutsche Kaiserin und Königin von Preußen – sowie den Kaiser von Österreich und den König von Ungarn –Zar Nikolaus II. – die Könige von Sachsen, Bayern, Dänemark, Griechenland, Rumänien und den türkischen Sultan. Beliefert wurde auch Königin Queen Victoria von England. Die Komponisten wie Claude Debussy, Max Reger, Richard Wagner, Pjotr Tschaikowski, Carl Orff, Dmitri Schostakowitsch oder Andrew Lloyd Webber besaßen einen Flügel der Firma. Johannes Brahms und Franz Liszt lobten die Blüthner Flügel. Auch berühmte Solisten wie Claudio Arrau, Ferruccio Busoni, Arthur Rubinstein, Wilhelm Kempff oder Oleg Maisenberg gehören oder gehörten zu den bekannteren Kunden. .
Am 13. April 1910 verstarb der Firmengründer Julius Blüthner im Alter von 87 Jahren. Der Betrieb wurde nun von den drei Söhnen Robert, Max und Bruno Blüthner übernommen. Der Ausbruch des ersten Weltkrieges 1914 brachte einige Erschütterungen für den Fabrikbetrieb mit sich. Viele Mitarbeiter der Fabrik mussten dem militärischen Befehlen folgen und verloren ihr Leben im Krieg. Wichtige Verbindungen gingen verloren, besonders Kontakte ins Ausland. Der Export stockte und im eigenen Land gab es kaum Interesse für Klavierkäufe. Zu Heereslieferungen verpflichtet, wurde viel wertvolles Holz im Krieg verbraucht.
Im Jahre 1919 begann schließlich der Wiederaufbau, der sich als nicht ganz so schwierig erwies wie befürchtet. Man bekam internationale Post, die während der Kriegszeit zurückgehalten worden war und somit auch die damit verbundenen Aufträge. Arbeiter kamen wieder und das Holzlager wurde schnell ergänzt. Absatzmärkte, die man durch den Krieg verloren hatte, wurden zurückerobert, trotz der harten Zollgesetze.
Die Nachfrage stieg derart schnell, dass die Jahresproduktion von 3600 Stück nicht mehr ausreichte. So feierte man im Jahre 1928 das 75jährigen Jubiläumsfeier mit der Fertigstellung des Instrumentes mit der Opus-Nummer 113000. 1932 erhielt die Firma von der deutschen Admiralität den Auftrag einen besonders leichten Flügel für das Luftschiff Hindenburg zu bauen. 1936 überquerte dann der erste Blüthnerflügel aus Aluminium ! mit den Zeppelin LZ 129 „Hindenburg“ per Luft den Atlantik wobei das erste Klavierkonzert live aus der Luft auf 63 Radiostationen weltweit übertragen wurde.
Im Zweiten Weltkrieg kam dann der schwerste Schlag in der bis dahin von größeren Problemen verschonten Fabrik. Nach einen Bombenangriff 1943 brannte die Firma bis auf die Grundmauern ab und mit ihr so gut wie alle Überlieferungen und die besonderen Instrumente. Nach dem Krieg begann der Wiederaufbau der Produktion. 1948 kamen schließlich die ersten Flügel wieder auf den Markt. Im Jahre 1953 war der schwierige Anfang geschafft. Durch die Verstaatlichung schwand der Einfluss der Familie Blüthner.
Die Nachfrage nach den Instrumenten war wieder so groß, dass die Kapazitäten nicht mehr ausreichten. Ein moderner Neubau für 100 Arbeiter wurde errichtet und 1970 eingeweiht. Der Betrieb firmierte nun unter dem Namen VEB Blüthner Pianos. 1978 wurde das 125 jährige Jubiläum gefeiert und die Produktionszahl 144000 erreicht. Nach dem Niedergang der DDR 1989, der sogenannten Wende, ging das Unternehmens wieder in den Besitz der Familie Blüthner über, die sofort begann viele alte Kontakte wieder zu beleben und viele neue Beziehungen zu knüpfen.
Viele neue Vertriebswege in den USA sowie in anderen Ländern wurden geschaffen. Mit der besseren Marktposition und der wachsenden Nachfrage erfolgte 1996 der Bau einer neuen Produktionshalle im Gewerbegebiet Störmthal bei Leipzig. In einem Einzelhandelsgeschäft im alten Rathaus in Leipzig knüpft Blüthner an alte Traditionen an und bietet Ihre Instrumente den Kunden an. Im Jahr 2003 feierte die Familie Blüthner das 150jährige Jubiläum mit einem großen Festakt in Leipzig. Seit Beginn der Produktion 1853 waren mehr als 150000 Instrumente mit dem Namen Blüthner in die ganze Welt geliefert worden.
Im Jahr 2005 hat der Klavierhersteller zum dritten Mal einen eigenen Klavierspielwettbewerb in Leipzig ausgerichtet. Die Teilnehmer kamen bisher vorrangig aus den Musikhochschulen der Umgebung. Die Preisträger des Jahres 2005 heißen Ha-Sun Park (Leipzig), Ying Zhou (Weimar) und Tomoko Takeshito (Leipzig).
Literatur:
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