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(* 6. Juni 1956 in Stockholm, und in Södertälje aufgewachsen) ist ein ehemaliger schwedischer Tennis-Spieler und gilt in der Tennis-Fachwelt als der Begründer des modernen Tennis.

Im Laufe seiner relativ kurzen Karriere gewann er 62 Einzeltitel, davon 11 Grand Slam Titel. Er gewann in den Jahren 1976 bis 1980 fünfmal in Folge das Tennisturnier von Wimbledon, errang sechs Titel bei den French Open und holte 1975 den Davis-Cup nach Schweden. Zudem gewann er zweimal das Tennis-Masters der Herren.

Borg war in erster Ehe mit der rumänischen Tennisspielerin Mariana Simionescu verheiratet, und er hat einen Sohn (Robin) von dem schwedischen Model Jannike Björling. Gegen Ende der 1980er lebte er mit der italienischen Sängerin Loredana Berté zusammen. Nunmehr ist Björn Borg mit Patricia Östfeldt, einer schwedischen Immobilienmaklerin, verheiratet.

Karriere


Zu der Legende Björn Borg gehört seine phasenweise Unbesiegbarkeit auf seinem Lieblingsbodenbelag, dem roten Sand. Er ist der einzige, der die Internationalen Meisterschaften von Paris sechsmal gewinnen konnte. Insgesamt hat er dort in seiner gesamten Karriere nur ganze zwei Matches verloren, was eine Quote von über 98% ergibt.

Seine drückende Überlegenheit auf den europäischen Sandplätzen veranlasste die ehemalige Nr. 1 im Welttennis, Ilie Năstase, zu der Aussage: „Man sollte Borg auf einen Planeten schießen. Wir spielen Tennis - er spielt etwas Anderes.“

Borgs Rekord für die Ewigkeit sind jedoch seine Erfolge in Wimbledon, obwohl man dort als Sandplatzspezialist naturgemäß wenig Chancen hätte, weil das Spiel dort viel schneller und aggressiver ist. Noch heute gibt es jeweils verschiedene Spezialisten für Rasen und für Sand, die auf dem jeweils anderen Boden nicht spielen, um durch die Spezialisierung höhere Chancen zu haben. Und obwohl Borg für das Spiel auf Rasen kein spezifische Ausbildung mitbrachte, wurde er dort zur Legende. Seine fünf Siege nacheinander in Wimbledon schafften auch ausgewiesene Rasenspezialisten wie Pete Sampras, John McEnroe, Stefan Edberg oder Boris Becker nicht. Borg schaffte zudem den unglaublichen Hattrick, in drei aufeinander folgenden Jahren sowohl Paris als auch Wimbledon in einem Jahr zu gewinnen.

1982 erklärte er mit 26 Jahren seinen Rücktritt. Mehrere Comebackversuche, zuletzt 1993, brachten nicht den gewünschten Erfolg.

Spiel-Stil


Björn Borg revolutionierte das Tennis-Spiel, indem er eine grundlegend neue Griff- und Schlagtechnik weiterentwickelte und perfektionierte. Während bis dahin für Vorhand und Rückhand mehr oder weniger der gleiche Universalgriff ("Shake-Hand-Griff") üblich war, verwendete Borg für die Vorhandschläge eine ganz andere Griffhaltung ("Western") als für die Rückhandschläge ("Eastern"). Er war zwar nicht der erste Spitzenspieler mit beidhändiger Rückhand -auch der ältere Jimmy Connors spielte auf der Rückhandseite bereits beidhändig-, aber er war dadurch in der Lage, auf der Rückhandseite vor allem verdeckt zu schlagen, was die zeitlichen Möglichkeiten des Gegners, darauf zu reagieren, enorm verkürzte. Die bereits durch Rod Laver weiterentwickelte Top-Spin-Technik perfektionierte Borg und kombinierte sie mit einer ungeahnten Präzision und Zuverlässigkeit. Durch diese überlegene Technik diktierte Borg seine vielfach ausgesprochen spektakulären Spiele vor allem von der Grundlinie. Gegen seine kraftvollen und dabei enorm präzisen Top-Spin-Schläge standen Tennis-Spieler mit veralteter Griff- und Schlagtechnik von vorneherein zumeist auf verlorenem Posten. Der Nachteil des Top-Spin-Schlages, die drastisch reduzierte Ballgeschwindigkeit, wurde durch die erhöhte Präzision und die weitaus grössere Sicherheit mehr als kompensiert. Zumal diese "geraden" und damit schnelleren und druckvolleren Schläge aufgrund der gestreckteren Flugbahn ein höheres Risiko beinhalten, entweder im Netz zu landen...oder hinter der Grundlinie.

Auf dieser revolutionären Technik beruhte in erster Linie die überragende Stellung von Björn Borg im Spitzen-Tennis. Mittlerweile ist die von ihm kreierte Technik Grundlage des modernen Tennis geworden und obligatorisch auf sämtlichen Ebenen des Tennis - vom Anfänger bis zum Spitzenspieler.

Björn Borg war jedoch auch besonders bekannt für seine "Coolness": Nie sah man ihm während eines Matchs Emotionen an. Weder aussichtslose Rückstände noch Eskapaden seiner Gegenspieler oder Fehlentscheidungen der Schieds- und Linienrichter brachten ihn aus der Ruhe. Das trug ihm in der englischen und amerikanischen Presse den Spitznamen "Ice-Borg" ein. Oftmals spielte er erst am Rande der Niederlage sein bestes Tennis und drehte verloren geglaubte Matches noch um. In seiner Autobiographie enthüllte Borg nach Ende seiner Karriere den Grund für seine scheinbare Teilnahmslosigkeit: Als Junior war er auf Grund eines heftigen Wutanfalls nach einer krassen Benachteiligung für mehrere Monate gesperrt worden. Zwar ließen ihn danach Fehlentscheidungen nach wie vor klarerweise nicht kalt, jedoch ließ er sich seinen Unmut nicht mehr anmerken. Borgs Coolness resultierte aus einem hohen Grad an konsequent durchgezogener Selbstdisziplin.

Zu seinem Image gehörte auch seine für damalige Verhältnisse außergewöhnliche Fitness. Er war stets voll austrainiert, und selbst seine Gegner können sich nicht erinnern, ihn jemals ernsthaft schwitzen oder auch nur schwer atmen gesehen zu haben. Dahinter steckte jedoch beinhartes und ausgeklügeltes Training mit seinem langjährigen Trainer Lennart Bergelin oder seinem persönlichen Freund Vitas Gerulaitis, damals selbst ein Top-10-Spieler. Borg brachte einen neuen Grad Professionalität in den "Herrensport" Tennis. Ivan Lendl, Martina Navratilova und Steffi Graf sollten ihn hierin später sogar noch übertreffen.

Einfluss


Auf Grund seines Nimbus wurde Björn Borg das prägende sportliche Vorbild - besonders für die sportlich interessierte Jugend und weit über das Tennis hinaus. Borg löste einen wahren Tennis-Boom aus. Viele, die früher mit Tennis nichts anzufangen wußten, interessierten sich plötzlich für Tennis; unzählige Kinder begannen das Tennis-Spiel zu erlernen, nur um ihm nachzueifern. Von daher war es durchaus berechtigt, wenn in der Tennis-Welt - in Anlehnung an die "Beatlemania" - von einer "Borgmania" gesprochen wurde. So gebührt Björn Borg das hohe Verdienst, das bis dahin doch eher eine Nischen-Sportart darstellende Tennis zu einem ausgesprochenen Breiten-Sport gemacht zu haben.

Bahnbrechend war auch seine Vermarktung. Die heute weltweit tätige Marketing- und Modelagentur IMG des inzwischen verstorbenen Mark McCormack wurde mit Sport-Persönlichkeiten wie Borg und dem Golfer Arnold Palmer groß.

Die überschaubare Welt des Tennissports verlassend und vertrauend auf verschiedene Ratgeber begab sich Borg auf das Parkett des Big Business. Mehrere großangelegte wirtschaftliche Projekte erzielten jedoch auf Grund von unzureichender Unternehmungsberatung nicht den gewünschten Erfolg. Obwohl sein Vermögen gegen Ende seiner Karriere auf etwa 80 Mio. US$ geschätzt wurde, meldete er 1996 in Schweden Konkurs an. Dieses wirtschaftliche Tief hat Borg mittlerweile überwunden, er ist heute als erfolgreicher Geschäftsmann in Schweden tätig.

Seit einigen Jahren ist Björn Borg Namensgeber für eine vor allem in Skandinavien erfolgreiche Bekleidungs- und Parfummarke. 2004 gaben Kunden rund 70 Millionen Euro für Björn Borg-Produkte aus. Am 20. Dezember 2004 ging die Markeneigentümerin World Brand Marketing (WBM) an den Stockholmer Neuen Markt (Börse).

Es gilt nach wie vor: So wie Ingemar Stenmark für den alpinen Ski-Lauf, so ist Björn Borg das Sport-Idol für das Tennis.

Weblinks


Mann | Schwede | Tennisspieler (Schweden) | Geboren 1956

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