Bivio (deutsch und bis 1902 offiziell Stalla, rätoromanisch Beiva) ist eine politische Gemeinde im Kreis Surses, Bezirk Albula im Kanton Graubünden in der Schweiz.
Bivio liegt am Fuss der Alpenpässe Julier und Septimer und ist das einzige Dorf nördlich der Alpenwasserscheide, in dem italienisch gesprochen wird.
In das als Val d'Agnel nordwestlich des Julierpasses beginnende Haupttal münden von links die Seitentäler Val Grevasalvas, Val d'Emmat, das zum Septimer führende Val Tgavretga, Valletta da Beiva und Val Gronda. Der steilere rechte Talhang ist wenig gegliedert.
Die das Territorium nach Westen begrenzende Bergkette erreicht durchwegs - auch in den drei Einsattelungen Stallerberg, Fuorcla da la Valletta und Forcellina - Höhen von über 2500 m; sie kulminiert im Piz Surparé (3078 m) und ganz im Süden im Piz Turba (3018 m). An der südöstlichen Grenze dominiert der Piz Lagrev (3165 m). Der Piz d'Agnel markiert nicht nur den nördlichsten, sondern mit 3205 m auch den höchsten Punkt der Gemeinde.
Außer dem Hauptort, der sich als Strassendorf auf einer Verebnung links der Julia erstreckt, gehören zu Bivio noch einige kleine Aussensiedlungen: Tgavretga, Stalveder mit Tges'Alva, Val Beiva und Mot. Extreme Waldarmut, durch verstärkte Rodungen seit dem Spätmittelalter verursacht, kennzeichnet das gesamte Gemeindegebiet. Der Ortskern selbst liegt aber vor Lawinen sicher am Fusse eines sanften Höhenrückens.
Im Jahr 1997 wurden 48.8 % der Gemeindefläche landwirtschaftlich genutzt, der Wald nahm 2.2 % ein, die Siedlungen 0.4 %. Als unproduktiv galten 48.6 %.
Nachbargemeinden sind Marmorera, Bever (Exklave), Silvaplana, Sils im Engadin/Segl, Stampa (Exklave Maloja), Soglio, Avers und Mulegns.
Als Teil der Septimerroute war Bivio - Zentrum der Port Stalla, Umladeplatz und Pferdewechselstation - im Besitz des Bischofs von Chur und später Mitglied des Gotteshausbundes. Dort bildete es zusammen mit Marmorera und Avers ein eigenes Gericht. Mit den Bergeller Nachbarn trat ein Teil der Bevölkerung im 16. Jahrhundert zum protestantischen Glauben über. Seither sind in der Gemeinde beide Konfessionen etwa gleich stark vertreten.
Wie das gesamte Oberhalbstein erlebte das Dorf nach dem Verlust des Transitverkehrs Ende des 19. Jahrhunderts eine Rezession. Nachdem 1959 der erste von mittlerweile drei Skiliften gebaut wurde, setzte eine touristische Entwicklung ein. In den 1980er Jahren wurde das Gebiet Plaz rechts der Julia überbaut.
| 1850 | 211 |
| 1900 | 141 |
| 1950 | 224 |
| 1980 | 238 |
| 2003 | 227 |
Im Dorf werden seit dem Mittelalter drei Sprachen gesprochen: neben der traditionellen Amtssprache Italienisch beherrschen die meisten Bivianer auch Deutsch und Rätoromanisch. Mit dem aufkommenden Tourismus entwickelte sich das Deutsche mehr und mehr zur Umgangssprache. Die italienische Ortsmundart entspricht weitgehend dem Bergeller Dialekt (seinerseits ein Unterdialekt des Lombardischen), weist aber lokale Besonderheiten auf. Das nur noch von wenigen Bewohnern gesprochene Bivio-Romanisch steht zwischen den Idiomen Surmiran und Putér. Da auch das Deutsche - ebenso wie das Italienische - in mehreren Varietäten vertreten ist (Schriftdeutsch, Bündnerdeutsch und das durch die Medien überwiegend verbreitete "Züritütsch"), zählen Sprachwissenschaftler bis zu sieben in Bivio gesprochene Sprachen und Dialekte.
Bei der Volkszählung 2000 nannten als Hauptsprache: Deutsch 55.4 %, Italienisch 29.4 %, Romanisch 12.3 %. Der Ausländeranteil betrug 8.4 %. In der Landwirtschaft waren 31 Personen tätig, im produzierenden Gewerbe 20 und im Dienstleistungssektor 111.
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