Das
Bistum Mainz (lat
Dioecesis Moguntina) ist eine
Diözese in Teilen der Bundesländer
Hessen und
Rheinland-Pfalz. In
Baden-Württemberg gehört
Bad Wimpfen als Exklave zum Bistum. Die Diözese kann auf eine 1.600-jährige Historie zurückblicken. Die 1.000-jährige Geschichte als Erzbistum wurde entscheidend von der Position des Erzbischofs als
Kurfürst und
Reichserzkanzler des
Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation beeinflusst.
Mainz ist neben Rom die einzige Diözese der Welt, die den Titel eines Heiligen Stuhles führt.
Geschichte
Das Bistum in römischer und fränkischer Zeit
Karte roemisch-fraenkisches mainz.png
Die Anfänge
Das Bistum Mainz geht auf die frühchristliche Gemeinde der Stadt zurück. Der Lyoner Bischof
Irenäus erwähnt in seiner Schrift „Gegen die Häretiker“ (
Adversus haereses) Christen, die in beiden Germanien leben. Daraus wird oft auch auf Christengemeinden in den Provinzhauptorten Mainz und Köln geschlossen. Wenn es diese Christen gegeben hat, lebten sie jedoch so unauffällig, dass sich keine literarischen oder archäologischen Spuren erhalten haben. Erst im
4. Jahrhundert, als die Kirche von Mainz Strukturen annahm, lassen sich wenige Spuren nachweisen.
Als erster Bischof wird oft
Martinus (oder Marinus) im 4. Jh. genannt, der aber nur in den mittelalterlichen Quellen zweifelsfrei erwähnt wird. Angeblich gehörte er zu den Bischöfen, die in der später kompilierten Unterschriftenliste des sogenannten Kölner Regionalkonzils von
346 genannt sind. Diese Synode ist aber eine Erfindung der Karolingerzeit. Ein Bischof Μαρτϊνος ist in den Listen der Synode von Serdika genannt, allerdings ohne Herkunftsort. In den mittelalterlichen Bischofslisten wird dann ein Marinus aus einer vorangegangenen Aufzählung römischer Päpste irrtümlich als früher Mainzer Bischof mit in Anspruch genommen. Es wird dennoch in den meisten Abhandlungen davon ausgegangen, dass Martinus der erste namentlich bekannte Bischof war. Ist dies auch möglicherweise nicht ganz sicher verifizierbar, so gilt auch in kritischen Schriften als sicher, dass in Mainz in der Mitte des 4. Jh. ein Bischof residierte.
Der in älteren Abhandlungen genannte Bischof Crescentius, der
Apostelschüler gewesen sein und im ersten Jahrhundert in Mainz residiert haben soll, hat dagegen nach heutigen Erkenntnissen nicht existiert. Möglicherweise wollte man in späteren Zeiten auf diese Weise die Bedeutung und das Anrecht auf die Präzedenz gegenüber den Erzbistümern
Trier und
Köln herausstellen.
Die Regierungszeiten und Namen der ersten Bischöfe sind nicht belegt. Die Bischofs-Listen entstanden erst zwischen dem 10. und 14. Jahrhundert und weisen wegen des großen zeitlichen Abstandes in jeder Version unterschiedliche Namen und Schreibweisen auf.
Schon Kaiser Konstantin erkannte im 4. Jh. wie auch viele Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation nach ihm die Bedeutung der christlichen Lehre und vor allem der Organisation für den Zusammenhalt des riesigen Reiches und förderte den Ausbau der Strukturen.
Nachdem das Christentum in der kaiserlichen Residenzstadt Trier – Kathedralsitz des ältesten deutschen Bistums – Fuß gefasst hatte, breitete es sich fast schon folgerichtig bis nach Mainz aus, das zu dieser Zeit nicht mehr hauptsächlich Garnisonsstandort (das große Legionslager war zu Beginn des 4. Jh. abgetragen worden), sondern Sitz hoher Kommando- und Verwaltungsorgane war. Eine frühchristliche Kathedralkirche ist archäologisch bisher nicht nachgewiesen. Sicher gab es um die Mitte des 4. Jhs. aber mindestens einen aus den Schriftquellen bekannten christlichen Versammlungsraum. Als Standort dieses Raumes wird bisweilen das Gebiet zwischen dem Westwerk des heutigen Domes und der St. Johanneskirche angenommen. Hier könnte die erste Bischofskirche in Mainz gestanden haben. Ein sicherer Nachweis für eine christliche Gemeinde in der Stadt sind jedoch die christlichen Grabinschriften, die in alten Gräberfeldern entdeckt wurden.
Nach dem „Martyrologium des Rabanus Maurus“ erlitt ein gewisser Alban bei einem Einfall der Hunnen das Martyrium. Zu seinen Ehren errichtete man, vielleicht noch im 5. Jahrhundert vor den Toren der Stadt die St. Albansbasilika. Diese Kirche und ihr Nachfolgerbau waren im frühen Mittelalter die weitaus wichtigste Kirche des (Erz-)bistums. Alban war nicht der einzige, der die Überfälle der Völkerwanderungszeit nicht überlebte. Der Kirchenvater
Hieronymus berichtet in einem Brief, dass „Mainz, die einst hochgerühmte Stadt (...), erobert und zerstört * - und in der Kirche (...) viel tausende von Menschen niedergemetzelt“ wurden.
Die Auswirkungen des Zusammenbruchs des Imperium Romanum
Der Einfall der Alanen und Vandalen gehörte zu den Vorzeichen des Zusammenbruches des
Imperium Romanum. Trotz großer militärischer Anstrengungen konnte nicht verhindert werden, dass die Angriffe immer stärker wurden.
451 gelang es dem Hunnenführer
Attila, den Rhein zu überqueren. Er eroberte Mainz und ließ es zerstören. Zwar gelang es den Römern unter
Flavius Aëtius noch einmal, die Hunnen zurückzudrängen, dazu brauchte der Heerführer aber die Unterstützung der
Franken und
Westgoten. Doch als Aetius
454 ermordet wurde, brach die römische Herrschaft in
Gallien und
Germanien endgültig zusammen. Die damals noch heidnischen Franken übernahmen nun selbst die Herrschaft. Das christliche Leben in der Stadt war durch die Wirren der Kriege fast völlig ausgelöscht. Die Gemeinde war offenbar so unbedeutend geworden, dass über ihr Schicksal in den ersten Jahren der fränkischen Herrschaft nichts bekannt ist.
Neubeginn in fränkischer Zeit
Das fränkische Reich bestand zunächst aus einigen Kleinfürstentümern. Das änderte sich unter König
Chlodwig I., dem die Errichtung eines fränkischen Großreiches gelang. Um
498 ließ er sich auf Grund eines Gelübdes taufen, was ein entscheidender Moment in der Geschichte des abendländischen Christentums und somit auch der Diözese Mainz war. Chlodwig berief
511 ein Reichskonzil ein, das neue kirchliche Strukturen schaffen sollte. Seine Nachfolger
Theuderich I. (511 - 534) und
Theudebert I. (534 - 548) übernahmen die Durchsetzung der Beschlüsse. Dazu setzten sie auf aquitanische Kleriker, die sie bevorzugt auf die Bischofsstühle ihres Reiches hoben. Nach Mainz schickten sie den aus dem Rhône-Loire Gebiet stammenden
Sidonius. Wann Sidonius genau in Mainz eintraf, ist nicht bekannt. Sicher ist, dass er
566 noch in Mainz weilte, wo er den Dichter
Venantius Fortunatus beherbergte, der ihn deswegen in seinen Versen verewigte.
Sidonius als Bischof von Mainz
Unter Sidonius kam die christliche Gemeinde wieder zu Ansehen. Venantius berichtet, dass der Bischof die Stadt vor dem weiteren Verfall bewahrt hätte, Dom und
Baptisterium erneuert habe und auch neue Kirche errichtet habe. Ab diesem Zeitpunkt führte der Dom wie alle seine Nachfolgerbauten das
Patrozinium des fränkischen Nationalheiligen
Martin von Tours.
Als Sidonius nach 580 starb, herrschten in der Diözese wieder geordnete Verhältnisse und eine lebendige Gemeinde. Das Bistum hatte fast seine späteren Grenzen erreicht.
Sidonius war der letzte Galloromane auf dem Mainzer Bischofsstuhl. Mit seinem Nachfolger Sigimundus begann die Reihe der germanischen Bischöfe. Über sie ist nicht sehr viel bekannt. Oftmals fehlen sogar Informationen über ihren genauen Namen wie auch über die Reihenfolge ihrer Pontifikate. Fest steht, dass die Mainzer Kirche zu dieser Zeit einen immer größeren Einfluss im Reich erlangte. Die Bischöfe waren meist verdiente Beamte des jeweiligen Königs, für die das Erlangen der Bischofwürde der Abschluss ihrer Karriere war. Für die geistliche Leitung der Diözese stellte sich dies überaus negativ dar.
Die Bedeutung des Bischofssitzes stieg parallel mit der der Stadt. Durch die fränkische Expansionspolitik war Mainz schon längere Zeit kein östlicher Vorposten mehr, sondern vielmehr Bindeglied zu den neu erschlossenen Missionsgebieten in Hessen und Thüringen. Mit dem Reich dehnte sich auch das Bistum auf wetterauische und thüringische Gebiete aus. Im 8. Jh. kamen die Gebiete um Aschaffenburg hinzu, welche im späteren Kurstaat das so genannte Oberstift bilden sollten. Mit der Gründung der Diözese Würzburg 741 wurde die Ostgrenze des Bistums endgültig festgelegt. Im Westen konnte sich die Mainzer Kirche vor allem auf das günstig an der Nahemündung gelegene Bingen stützen. Dahinter grenzte die Diözese an das Bistum Trier.
Verfall christlichen Lebens
Trotz des Verbotes des heidnischen Kultes und der Annahme des Christentums konnte sich dieses im Frankenreich nur mühsam durchsetzen. Zwar war die fränkische Kirche in 125 Bistümern und 11 Kirchenprovinzen strukturell scheinbar gut organisiert, an der inneren Aufnahme des Christentums durch die Bevölkerung mangelte es aber offenbar noch. Dazu kam das Fränkische Eigenkirchensystem, nach dem das Sippenoberhaupt nach alten germanisch-heidnischen Vorstellungen die Aufsicht über den Kult führte. Das Sippenoberhaupt stellte also den Priester an, was zu einer Lockerung der Verbindung zum Ortsbischof führte und somit zwangsläufig zu Disziplinlosigkeiten auch hinsichtlich der Bekämpfung heidnischer Vorstellungen führte.
Dies führte zu Lockerungen der kirchlichen Strukturen und zur faktischen Auflösungen der Metropolitanverbände. Das christliche Leben verfiel.
Das Wirken von Erzbischof Bonifatius
Dieser Prozess konnte erst durch die
iroschottische Festlandsmission aufgehalten werden, die
581 vom irischen Mönch
Columban von Luxeuil begonnen wurde. Fortgesetzt wurde sie auch von englischen Mönchen.
Deren bedeutendster Vertreter war der
672 in
Wessex geborene
Winfrid-Bonifatius. Winfrid reiste
718 nach
Rom um sich dort vom
Papst als
Missionar beauftragen zu lassen. In den folgenden Jahren zog er durch das Reich, um den christlichen Glauben wieder zu restaurieren und ihn dorthin zu tragen, wo er bislang noch nicht angenommen worden war.
719 erhielt er von Papst
Gregor II. den Namen Bonifatius und wurde offizieller Germanenmissionar,
722 weihte der Papst ihn überdies zum Bischof ohne festen Sitz.
723 kehrte Bonifatius in die hessisch-thüringischen Missionslande zurück, wo er so erfolgreich war (u.a. mit dem Fällen der
Donareiche bei
Fritzlar), dass ihn Papst
Gregor III. 732 zum Erzbischof ernannte, mit dem Recht Bischöfe einzusetzen.
737 entzog ihm der fränkische Hausmeier Karl Martell, wegen der Schwäche der Merowingerkönige seit langem der eigentlich starke Mann im Reich, auf Drängen etlicher Fürsten seinen bis dato gewährten besonderen Schutz. Bonifatius verließ das dadurch unsicher gewordene Thüringen und setzte seine Tätigkeit - nach einem weiteren Romaufenthalt zum päpstlichen Legaten mit der Befugnis zur Einrichtung vom Bistümern ernannt - in Bayern fort. Er gründete zu Beginn der 40er Jahre auch die Bistümer Büraburg und Erfurt, was auf Kosten der Diözese Mainz geschah.
Im Jahre 742 (oder auch 743) berief Bonifatius eine Synode ein, um dort die Reform der kirchlichen Organisation zu forcieren. Die Synode sah auch die Errichtung einer ostfränkischen Kirchenprovinz mit Sitz in Köln vor. Diese sollte die Suffraganbistümer Tongern/ Maastricht, Utrecht, Mainz, Worms, Speyer, Büraburg, Würzburg und Erfurt umfassen. Erster Metropolit der Kirchenprovinz wollte Bonifatius selber werden. Aus diesem Grund verwehrte sich die fränkische Adelsopposition den Plänen der Synode. Das überaus bedeutende Köln sollte nicht Sitz eines angelsächsischen Erzbischofs werden.
Pippin - inzwischen Alleinherrscher - gab dem Drängen des Adels aus eigenen Machtinteressen nach. Bonifatius blieb daher nur das Bistum Mainz, dem er sich nicht sehr verbunden fühlte. Dort hatte er 745 den wegen ausgeübter Blutrache für seinen Vater für unwürdig befundenen Gewilib als Bischof abgesetzt. Begleitet wurde Bonifatius von Lullus, den er 737 in Rom kennengelernt hatte. 752 weihte ihn Bonifatius zum Chorbischof - einer frühen Form des heutigen Weihbischofs. Nachdem Bonifatius 754 auf einer Missionreise in Friesland das Martyrium erlitten hatte, folgte ihm Lullus auf den Mainzer Bischofsthron.
Das Erzbistum im Mittelalter
Metropolitanverband Erzbistum Mainz.png
Bonifatius' Nachfolger
Lullus bemühte sich sofort nach der Ernennung, das Bistum zum Erzbistum aufsteigen zu lassen. Diese Bemühungen waren nach anfänglichen Fehlschlägen von Erfolg gekrönt, als das Bistum um
780/82 durch den
Papst zum Erzbistum erhoben wurde. Lullus und seine Nachfolger erreichten, dass viele neu gegründete Bistümer in die
Kirchenprovinz Mainz eingegliedert wurden. Das Ergebnis dieser Politik war die größte Kirchenprovinz nördlich der Alpen. Der Metropolitanverband des Erzbistums umfasste schließlich die Bistümer
Worms,
Speyer,
Straßburg,
Würzburg,
Eichstätt,
Augsburg,
Paderborn,
Halberstadt,
Hildesheim,
Verden,
Havelberg (948 - 986, danach
Erzbistum Magdeburg),
Brandenburg (948 - 986, danach Erzbistum Magdeburg),
Olmütz und
Prag (Olmütz und Prag schieden
1344 aus dem Metropolitanverband aus, Prag wurde Erzbistum mit Olmütz als
Suffraganbistum). Im 18. Jahrhundert kamen die neuen Bistümer
Fulda (ab 1755) und
Corvey (ab 1794) hinzu.
Von besonderer Bedeutung ist das Wirken von Erzbischof Willigis anzusehen, unter dessen Ägide der Mainzer Dom erbaut wurde und die Bedeutung des Mainzer Erzbischofsstuhls durch die dauernde Verbindung mit der Erzkanzlerwürde erheblich aufgewertet wurde.
Der Erzbischof von Mainz war von da ab Erzkanzler des Reiches und einer der sieben Kurfürsten, die den König wählten (siehe Kurmainz). Die Goldene Bulle von 1356 bestimmte, dass der Erzbischof von Mainz seine Stimme als letzter abzugeben hatte, so dass ihm bei Stimmengleichheit die Entscheidung zukam.
Schon vor der Zeit des Willigis nämlich 955 wurde der Mainzer Erzbischof in einigen Quellen als Bischof des Heiligen Stuhles von Mainz bezeichnet. Siegfried II. von Eppstein (1200-1230) führte schließlich die Bezeichnung "Sigfridus Dei gratia sanctae Maguntinae sedis archiepiscopus" (Siegfried, von Gottes Gnaden Erzbischof des Heiligen Stuhles von Mainz) im Wappen. Viele Wappen der nachfolgenden Erzbischöfe zeigten ähnliche Formulierungen. Mainz selbst wurde ab dem Mittelalter als "Goldenes Mainz, der römischen Kirche besondere Tochter" ("Aurea Moguntia - Romane Cicle - Specialis filia") bezeichnet. Der Erzbischof betrachtete sich als zweiten Mann neben dem Papst.
Im Spätmittelalter setzte eine wechselvolle Geschichte ein. 1344 wurden die Suffranganbistümer Olmütz und Prag zugunsten der neu gegründeten Erzbistums Prag abgespalten.
Neuzeit
1514 wurde
Albrecht von Brandenburg Erzbischof, der außerdem auch noch die Erzbischofwürde von
Magdeburg innehatte und
Administrator von
Halberstadt war. Eine derartige Ämterfülle kostete den Erzbischof eine Menge Geld, beschafft wurde dies vor allem mit Ablassbriefen, die im wesentlichen durch den Ablassprediger der Mainzer Kirchenprovinz
Johann Tetzel verkauft wurden. Tetzel und sein Handel wurde kurze Zeit später, nämlich
1517 mitursächlich für die
Reformbewegung Martin Luthers.
Die Reformation fand in Mainz besonders schnell großen Anklang, was auch durch den von
Johannes Gutenberg erfundenen
Buchdruck begünstigt wurde. Schriften konnten so schnell in großer Auflage hergestellt werden. Doch das Mainzer
Metropolitankapitel wählte als Nachfolger Albrechts
1545 den katholischen
Sebastian von Heusenstamm zum neuen Erzbischof. Das Erzbistum blieb so
katholisch.
In der Barockzeit begann im Bistum vor allem zur Amtszeit des Erzbischofs Johann Philipp von Schönborn (1647-1673) eine Phase der Konsolidierung nach den Wirren des Dreißigjährigen Kriegs, der sich eine neue Blütezeit von Erzbistums und Stadt anschloss. Außerdem war der Erzbischof auch maßgeblich am Westfälischen Friendensschluss beteiligt. Für die neue Blütezeit des Katholizismus ist auch der indirekte Nachfolger des Erzbistums aus der gleichen Familie, Lothar Franz von Schönborn, maßgeblich verantwortlich.
Die Auswirkungen der Französischen Revolution auf das Erzbistum
Nach der
Französischen Revolution wurde das Erzbistum Mainz/Kurmainz säkularisiert.
Der
Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 beschloss die Übertragung der Würden des Erzbistums auf die Kirche von
Regensburg. Am 1. Mai 1805 bestätigte Papst
Pius VII. die
Translation. Die seit 782 bestehende
Kirchenprovinz hatte damit aufgehört zu existieren. Im
Wiener Kongress 1815 wurden zwar die Gebietsabtretungen des Reiches an
Frankreich zurückgenommen, das Erzbistum Mainz wurde jedoch nicht wiedererrichtet, sondern als
Suffraganbistum der neugegründeten
Oberrheinischen Kirchenprovinz mit
Metropolitansitz in Freiburg (siehe:
Erzbistum Freiburg) zugeschlagen, zu dem es noch heute gehört.
Die
1821 gezogenen Mainzer Kirchengrenzen decken sich bis heute mit dem Gebiet des ehemaligen
Großherzogtums Hessen-Darmstadt. Daher ist auch heute noch die württembergische Stadt
Bad Wimpfen, ehemals Exklave des
Großherzogtums Hessen-Darmstadt, Teil der Diözese Mainz.
Neubeginn: Das Bistum Mainz
Maßgeblich für die Erneuerung des Bistums war nach dem Untergang der alten Erzdiözese der neue (von
Napoleon eingesetzte) Bischof
Joseph Ludwig Colmar, der auch den
Dom vor dem Abriss bewahrte.
Im späten 19. Jh. errang der Mainzer Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler in der Sozialdebatte der katholischen Kirche (Sozialenzyklika Leos XIII.) eine überdiözesane Bedeutung.
Der später zum Kardinal ernannte Bischof Hermann Volk nahm am Zweiten Vatikanischen Konzil teil, wo er sich entscheidend einbringen konnte.
Die seit Jahren rückläufigen Kirchensteuereinnahmen, Katholikenzahlen und Priesterweihen werden in Zukunft dazu zwingen, nicht nur Pfarreien auf Basis eines neuen Seelsorgekonzepts zu fusionieren, sondern auch Kirchen zu schließen (Siehe auch: Kirchensterben). Problematisch wird hierbei die künftige Nutzung der dann ehemaligen Kirchengebäude sein.
Seit 2004 befindet sich das Bistum in einem Erneuerungsprozess "Lebendige Gemeinden in erneuerten pastoralen Einheiten". Dieser Bistumsprozess findet auf breiter Basis unter Beteiligung aller Betroffenen statt. Pfarrgemeinden werden zu einer verbindlichen Kooperation in Pfarreienverbünden und Pfarrgruppen angehalten. Die Seelsorge soll vertieft und missionarisch ausgerichtet werden.
Frühere Bischöfe
Bistumsgliederung
Das Bistum Mainz gliedert sich 20 Dekanate:
- Alsfeld
- Alzey / Gau-Bickelheim
- Bergstraße Mitte
- Bergstraße Ost
- Bergstraße West
- Bingen
- Darmstadt
- Dieburg
- Dreieich
- Erbach
- Gießen
- Mainz-Stadt
- Mainz-Süd
- Offenbach
- Rodgau
- Rüsselsheim
- Seligenstadt
- Wetterau-Ost
- Wetterau-West
- Worms
Dom- und Diözesanarchiv
- Heringsbrunnengasse 4
- Rochusstift
- 55116 Mainz
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Wallfahrtsstätten
Ein Überblick über alle Wallfahrtstätten findet sich auf der Homepage des Bistums, siehe unten unter Weblinks. Im Bistum gibt es etwa 35 Wallfahrtsstätten, die meistens zur Verehrung von Heiligen oder Reliquien stattfinden. Bedeutend sind vor allem:
Siehe auch
Literatur
- Friedhelm Jürgensmeier: Das Bistum Mainz. Von der Römerzeit bis zum II. Vatikanischen Konzil, Knecht Verlag, Frankfurt/ Main 1988 ISBN 3-782-00570-8
Weblinks
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