Das
Bistum Hildesheim (lat.
Dioecesis Hildesiensis) ist eine
römisch-katholische Diözese in Norddeutschland. Ihr Gebiet entspricht der Osthälfte
Niedersachsens (östlich der Weser) und dem Norden
Bremens (Bremen-Nord
der Lesum und
Bremerhaven). Es ist eines der flächengrößten Bistümer Deutschlands, umfasst jedoch fast ausschließlich Regionen, in denen die Katholiken eine Minderheit bilden (
Diaspora). Nur das im Süden des Bistums gelegene
Eichsfeld sowie die Dörfer des alten "
Stifts" im Raum Hildesheim haben eine katholische Bevölkerungsmehrheit.
Geschichte
Gründung
Das Bistum Hildesheim wurde nach der Unterwerfung und Eingliederung der
Sachsen in das
Frankenreich als eines der planmäßig errichteten Missionsbistümer
815 durch
Ludwig den Frommen gegründet. Unter Bischof
Altfrid entstand 852-
872 der erste steinerne
Dombau, dessen Grundriss bis heute unverändert blieb.
Seine größte Bedeutung erlangte das Bistum Hildesheim zur Zeit der Sachsenkaiser durch die heiligen Bischöfe Bernward (993-1022) und Godehard (1022-1038). Architektur- und Kunstschätze aus dieser Zeit prägen bis heute das Bild der Stadt.
Fürstbistum
Vom Mittelalter bis zur frühen Neuzeit war Hildesheim
Fürstbistum. Ab
1500 gehörte es zum
Niedersächsischen Reichskreis. Als Folge der
Hildesheimer Stiftsfehde (1518-
1523) wurde sein Territorium um die Hälfte verkleinert.
Reformationszeit
Rat und Bürgerschaft der Stadt
Hildesheim sowie die
welfischen Territorien, die den größten Teil des Hildesheimer Diözesangebiets ausmachten, gingen im
16. Jahrhundert zum
lutherischen Bekenntnis über. Nur der Dom und mehrere Klosterkirchen der Stadt sowie die Dörfer des Stiftsgebiets nach 1523 (
Algermissen,
Bettmar,
Borsum,
Detfurth,
Diekholzen,
Dinklar,
Förste,
Giesen,
Harsum,
Ottbergen u.a.) blieben katholisch. Von den norddeutschen Bischofssitzen bestand außer
Osnabrück nur Hildesheim ununterbrochen fort.
Folgen des Dreißigjährigen Krieges
Im Zuge der territorialen Neuordnung des
Reichs als Folge des
Dreißigjährigen Kriegs wurde das
Hochstift Hildesheim 1643 in den Grenzen vor 1523 wiederherhergestellt. Die inzwischen lutherischen Gebiete, die nun wieder zur Herrschaft des Hildesheimer Stuhls gehörten, wurden jedoch nicht
rekatholisiert. Lediglich einzelne Pfarreien, Klöster und Gottesdienststationen entstanden neu (
Bolzum,
Gronau,
Lamspringe,
Peine,
Ringelheim,
Ruthe,
Westfeld u.a.).
18. und 19. Jahrhundert
Im
18. Jahrhundert hielt sich das kleine Hochstift Hildesheim durch
Personalunionen mit mächtigeren geistlichen Staaten Nordwestdeutschlands. Fürstbischof
Clemens August aus dem Hause
Wittelsbach regierte fast vier Jahrzehnte lang zugleich
Köln,
Münster,
Paderborn,
Osnabrück und Hildesheim.
Nach dem Ende der geistlichen Fürstentümer wurden die Grenzen des Bistums Hildesheim 1824 neu gezogen (Zirkumskriptionsbulle Impensa Romanorum Pontificum). Es umfasst seitdem, mit wenigen Abweichungen, den östlich der Weser gelegenen Teil der preußischen Provinz Hannover beziehungsweise des Landes Niedersachsen, damit auch das ehemals kurmainzische, katholisch gebliebene Untereichsfeld mit Duderstadt.
20. Jahrhundert
Die Zahl der Diözesanen ist durch den Zuzug ostdeutscher Flüchtlinge nach dem
Zweiten Weltkrieg stark angewachsen (zur Zeit etwa 650.000). Für diese wurden in allen Teilen der Diözese neue Pfarreien und Kirchen errichtet.
Seit der Gründung des Erzbistums Hamburg am 7. Januar 1995 gehört das Bistum Hildesheim zur Hamburger Kirchenprovinz (vorher Erzbistum Paderborn). Die südlich der Elbe auf Hamburger Stadtgebiet gelegenen Pfarren (Harburg) wurden an die benachbarte Erzdiözese abgetreten.
Gegenwart
Gegenwärtig befindet sich die Kirche von Hildesheim in einem Neuorientierungsprozess. Das gesamtdeutsche Phänomen der "Glaubensverdunstung" verschärft sich in der Diasporasituation. Den noch vom Herkunftsmilieu geprägten katholischen Vertriebenen ist eine zweite und dritte Generation gefolgt, die schlesisches oder ermländisches Brauchtum nicht mehr kennen gelernt hat. Auch im Eichsfeld und in den Stiftsdörfern lässt die prägende Kraft des Festkalenders und der katholischen Verbände nach. In der Statistik der Gottesdienstbesucher bildet Hildesheim unter den deutschen Diözesen das Schlusslicht (11 %).
Auf diese Entwicklung reagiert die Bistumsleitung mit Zusammenlegung von Pfarreien, Verringerung des Personals, mittelfristig auch mit Schließung von Kirchen. Gleichzeitig wird durch die Förderung "kleiner geistlicher Gemeinschaften" und der Subjektwerdung der Laien eine Erneuerung und Intensivierung des kirchlichen und spirituellen Lebens angestrebt.
Seit dem 13. November 1983 war Dr. Josef Homeyer Bischof von Hildesheim. Nachdem Papst Johannes Paul II seinem Rücktrittsgesuch zum 75. Geburtstag stattgegeben hatte, übernahm im August 2004 der dienstälteste Weihbischof Hans-Georg Koitz die Leitung der Diösese und wurde vom Domkapitel zum Diözesanadministrator gewählt. Die Sedisvakanz bis November 2005 war eine der längsten der jüngeren Kirchengeschichte.
Am 29. November 2005 um 12 Uhr wurde der Name des neuen Bischofs in Hildesheim und Rom bekannt gegeben. Es ist der Kölner Weihbischof Norbert Trelle. Am 11. Februar 2006 war die feierliche Amtseinführung (Inbesitznahme der Cathedra) im Dom zu Hildesheim.
Das Amt des zweiten Weihbischofs hat Dr. Nikolaus Schwerdtfeger inne.
Bis zu seiner Emeritierung lud Bischof Josef über 20 Jahre die Jugendlichen des Bistums zur Chrisammesse ein. Diese Tradition ist in dieser Form einzigartig. Bischof Norbert führte diese Tradition gleich nach seiner Amtsübernahme fort.
Zahlenwerk zum Bistum Hildesheim
- 659.500 Katholiken
- 26 Dekanate
- 313 Kirchengemeinden (Pfarreien, Kuratien und Pfarrvikarien)
- 93 Seelsorgeeinheiten
- 50 Einzelgemeinden
- 599 Kirchen und öffentliche Kapellen
- 3 Bischöfe (Diözesanbischof em., 2 amtierende Weihbischöfe)
- 463 Priester einschl. Ruheständler, davon
- 61 ausländische Priester
- 219 Priester in der Pfarrseelsorge, davon
- 170 Priester in der Gemeindeleitung, einschl. Ordenspriester
- 51 Priester in anderen Seelsorgebereichen
- 27 Ruhestandsgeistliche mit seelsorglichem Auftrag
- 5 Neupriester
- 16 Freigestellt (Studium o.ä.)
- 85 Professen, davon 74 Ordensgeistliche
- 13 Männerorden mit 15 Niederlassungen
- 18 Frauenorden mit 48 Niederlassungen und 443 Schwestern
- 3 ordensähnliche Frauenvereinigungen mit 3 Niederl. und 40 Mitgliedern
- 87 Ständige Diakone
- 138 Gemeindereferentinnen und -referenten
- 83 Pastoralreferentinnen und -referenten
- 8 Krankenhäuser
- 149 Kindertagesstätten/Kindergärten
- 12 Berufsbildende Schulen
- 14 Allgemeinbildende Schulen
- 3 Sonderschulen
- 12 Bildungseinrichtungen
- 14 Kinderheime
- 11 Heime der Behindertenhilfe
- 21 Altenpflegeheime
- 92 Beratungsdienste
- 7 Heime der Jugendhilfe
- 8 Kur- und Erholungshäuser
Stand: 31. Dezember 2004
Kirchliche Einrichtungen
- Katholisches Priesterseminar Hildesheim
- Akademie St. Jakobushaus Goslar
- Katholische Familienbildungsstätte Hannover
- Katholische Familienbildungsstätte Salzgitter
- Hospizverein im Bistum Hildesheim
In Hildesheim direkt befinden sich eine Reihe von Schulen in der Trägerschaft des Bistums Hildesheim: Zum Beispiel das Bischöfliche Gymnasium Josephinum, das Gymnasium Marienschule und die Realschule Albertus Magnus sowie die St.-Augustinus-Schule und die Don-Bosco-Schule. Dazu werden über das gesamte Bistum verteilt noch ein weiteres Gymnasium und viele Haupt-, Real-, und vor allem Grundschulen unterhalten.
Klöster
Frauenorden
- Kloster Marienrode
- Ursulinenkloster Duderstadt
- Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vincenz von Paul in Hildesheim
Männerorden
- Augustinerkloster Germershausen
- Brüdergemeinschaft der Canisianer
- Franziskanerkloster St. Antonius Hannover
- Franziskanerkloster Ottbergen
- Cella St. Benedikt Hannover
Siehe auch
Weblinks
Römisch-katholisches Bistum (Deutschland) | Körperschaft des öffentlichen Rechts (kirchenrechtlich) | Hildesheim
Bishopric of Hildesheim | Diocesi di Hildesheim