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Düne 3.jpg Die in verschiedenen Regionen Deutschlands vorkommenden Binnendünen und Flugsandfelder grenzt man traditionell von den Küstendünen an der Nord- und Ostseeküste ab. Sie sind aber durchweg vom Wind hervorgebrachte Formen (Dünen) und wurden überwiegend im jüngsten Stadium der Weichsel- bzw. Würm-Eiszeit, also vor etwas mehr als 10 000 Jahren aufgeweht. Ihre weitere Entwicklung erfolgte anschließend durch den zunehmenden Einfluss des Menschen.

Entstehung der Binnendünen


Im heutigen Deutschland war es in der ausgehenden Weichsel- bzw. Würm-Eiszeit so kalt (ca. 10 Grad kälter als heute), dass es praktisch keinen Baumwuchs und auch nur eine lückenhafte Vegetationsdecke als Tundra gab. In den vom Inlandeis bzw. den Alpengletschern erreichten Gebieten wurde zudem die Vegetation komplett zerstört und musste sich mit dem Rückschmelzen der Gletscher wieder neu etablieren. Somit konnte die Kraft der Winde nahezu ungebremst wirken. Leichte, feinkörnige Bodenpartikel, vor allem Schluff und Sand wurden von den Luftströmen erfasst, oft kilometerweit verfrachtet und an anderer Stelle wieder abgelagert. So entstanden im Laufe der Zeit vielerorts Flugsandflächen und Dünen, die bei starken Winden auch in der Lage waren zu wandern. Die meisten der heute existierenden Binnendünen wurden zu dieser Zeit angelegt. Mit dem Ende der Eiszeit vor etwas mehr als 10 000 Jahren kam die Aktivität der Dünen mit der Wiederbewaldung aber schnell zum Erliegen.

Die Form der Binnendünen schwankt je nach den herrschenden Windrichtungen und -stärken. Meist handelt es sich um eher unregelmäßige Dünen oder Flugsanddecken. Es kommen aber auch sehr gut ausgebildete Parabeldünen und Längsdünen vor.

Nahezu alle jüngeren Phasen, in denen es zur Weiterentwicklung der Binnendünen kam, sind mit den Eingriffen des Menschen auf die Vegetationsdecke verbunden. Durch gewollte oder ungewollte Rodung des Waldes wurden festgelegte Binnendünen wieder aktiviert. An Hand in den Dünen eingeschlossener Holzkohlepartikel und ihrer Datierung mit der Radiokohlenstoffmethode konnte festgestellt werden, dass bereits mit den Siedlern der Jungsteinzeit Dünen wieder reaktiviert wurden. Aber auch in der Bronze- und Eisenzeit gab es durch den Menschen bedingte Dünenaktivität.

Binnendünen im Mittelalter und in der Neuzeit


Nach der Völkerwanderungszeit begann im Mittelalter einer der Hauptphasen der Waldzerstörung und damit der Aktivierung von Dünen. Die Sandverwehungen wurden für viele Siedlungen zu einem ernsten Problem. Um ihre Weideflächen und Siedlungen vor den Sandverwehungen zu schützen, begannen die Menschen während des Mittelalters die Dünen mit genügsamen und tiefwurzelnden Gehölzen, z.B. mit Kiefern zu bepflanzen. Dennoch setzte sich, auf Grund der starken Beweidung, die Aktivität der Binnendünen bis in die Neuzeit fort. Erst ab dem 18. Jahrhundert begannen systematische Aufforstungen der Dünengebiete, so dass aktuell in Deutschland nur noch ganz vereinzelt Binnendünen aktiv sind. Die Wald-Kiefer (Pinus sylvestris) ist heutzutage der charakteristische Waldbaum (Leitart) für Flugsandgebiete und Binnendünen.

Bedeutung und Gefährdung der Binnendünen


Silbergras 1.jpg Großflächige Sandabgrabungen für bauliche Maßnahmen (z.B. Siedlungs- und Straßenbau) sowie die seit dem 19. Jh. sprunghafte Ausdehnung des Spargelanbaus und die allgemeine Zersiedelung und Verbauung der Landschaft haben in den letzten Jahrhunderten zu einem spürbaren Rückgang dieses bereits seltenen Biotoptyps geführt. Die Gefährdung ist dabei in Deutschland regional unterschiedlich. Während es im dünnbesiedelten und sandreichen Brandenburg noch zahlreiche Trockenbiotope auf Dünen gibt, gelten sie in Nordrhein-Westfalen als extrem bedroht. Auch die außerhalb der Kernbereiche der Binnendünen liegenden Flugsandflächen sind aus artenschutzrechtlicher Betrachtung unbedingt schützens– und erhaltenswert.

Die hohen Temperaturen und Verdunstungsraten während der Sommermonate sowie die allgemeine Nährstoffarmut bedingen ein reiches Arteninventar an wärme- und trockenliebenden Pflanzen- und Tierarten (z.B. Sandrasenvegetation, Heuschrecken, Wildbienen). Charakterarten der Dünen sind der Sandthymian (Thymus serpyllum), das Silbergras (Corynephorus canescens), die Blaugraue Kammschmiele (Koeleria glauca), das Sand-Hornkraut (Cerastium semi-decandrum) und die Sand-Strohblume (Helichrysum arenarium). So erfolgreich die Dünenpflanzen auf trockenwarmen Standorten gedeihen, so wenig Chancen hätten sie auf normal durchfeuchteten Böden, wo sie der Konkurrenz schnellwüchsiger Arten stets unterliegen würden. Somit haben die meisten der oben genannten Pflanzen eine sehr enge ökologische Bindung an Dünen und Flugsandflächen. Die meisten Arten der Sandrasengesellschaft gelten als gefährdet und stehen durch die BArtSchV unter gesetzlichem Schutz.

Größere Dünenareale benötigen in der Regel wenig Pflege. Mittelfristig liegt der Pflegeschwerpunkt überwiegend in der Vermeidung von allzu starkem Aufwuchs von Gehölzen und Bäumen. Im Bereich der empfindlichen Flugsandfelder sollten Spaziergänger generell auf Pfaden und Wegen bleiben und keine Abfälle in der freien Landschaft zurücklassen (Nährstoffeintrag). Auch Hundekot ist in diesem Zusammenhang eine Gefahr für die Sandrasengesellschaften.

Binnendünengebiete in Deutschland


Helichrysum arenarium.jpg (Helichrysum arenarium)]] Die flächenmäßig größten Binnendünengebiete gibt es, bedingt durch die sandreichen Ablagerungen der pleistozänen Vergletscherungen, in Norddeutschland. Die Verteilung ist aber auch dort regional unterschiedlich und kann auch kleinräumig wechseln. Als ausgesprochen dünenreich gelten Sander und trockene Urstromtäler. Es ist dabei unerheblich, ob sie im Alt- oder Jungmoränengebiet liegen. Bekannte dünenreiche Landschaften sind unter anderem die Lüneburger Heide und das südliche Brandenburg.

Eine der letzten aktiven Wanderdünen im deutschen Binnenland gibt es im Naturpark Nuthe-Nieplitz in Brandenburg. Auf einem ehemaligen sowjetischen Truppenübungsplatz, dem heute gesperrten Naturschutzgebiet Forst Zinna Jüterbog-Keilberg, wurde die Düne durch Waldbrände auf Grund der militärischen Nutzung wieder reaktiviert und ist zur Zeit noch aktiv. Die, allerdings illegale, Nutzung als Crossstrecke für Fahrräder und z.T. Motorräder verhindert effektiv ihren Wiederbewuchs.

In der Oberrheinischen Tiefebene erstreckt sich ein etwa 130 Kilometer langes Band von Dünenflächen von Rastatt bis Mainz. Hier stehen verschiedene Binnendünen unter Naturschutz wie etwa die „Sandhausener Dünen“ oder der „Mainzer Sand“. Dünen mit bis zu etwa 20 Meter Höhe gibt es speziell in den „Iffezheimer Sanddünen“, der „Hockenheimer Hardt“ sowie im „Schwetzinger Sand“.

Literatur (Auswahl)


  • Philippi, G. (1973): Sandfluren und Brachen kalkarmer Flugsande des mittleren Oberrheingebietes. Veröff. Landesst. Naturschutz und Landschaftspflege Bad.-Württ. 41: 24-62.
  • Volk, 0. H. (1931): Beiträge zur Ökologie der Sandvegetation der oberrheinischen Tiefebene. Zeitschr. f. Botanik 24: 81-185, Jena.

Weblinks


Biotop

 

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