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Wikipedia:Qualitätssicherung Die Diskussion über diesen Antrag findet auf der Qualitätssicherung/4. Juli 2006# statt.
Hier der konkrete Grund, warum dieser Artikel auf den QS-Seiten eingetragen wurde: Dieser Artikel ist inhaltlich jetzt endgültig ins Fabulieren wissenschaftlich unhaltbarer Aussagen abgerutscht. Ich urgiere noch einmal eine Überarbeitung durch großere Esstörungsnetzwerke. Oder wenigstens diese Essstörungsnetzwerke einmal um einen Kommentar zu bitten :->! Zezek 14:36, 4. Jul 2006 (CEST)


Essstörungen bezeichnen eine Verhaltensstörung mit meist ernsthaften und langfristigen Gesundheitsschädigungen. Zentral ist die ständige gedankliche und emotionale Beschäftigung mit dem Thema "Essen". Sie betreffen die die Nahrungsaufnahme bzw. deren Verweigerung und hängen mit psychosozialen Störungen und mit der Einstellung zum eigenen Körper zusammen (Psychosomatik). Wenn die Störung zwanghaft ist, spricht man von Sucht bzw. Abhängigkeit. 0k9093-1i.jpg

psychologische Wirkmechanismen


Bei allen Essstörungen handelt es sich um Sucht-Mechanismen oder Abhängigkeit (Medizin). Obwohl der Begriff "Sucht" nicht von "suchen" kommt - steht psychologisch hinter der Sucht immer eine stellvertretende Suche nach Beziehung, Liebe, Glück, Kontakt, Lust, Zufriedenheit etc., die natürlich auf diesm Weg erfolglos bleibt. Im Wesentlichen handelt es sich um eine Ersatzhandlung, bei der die geistige und emotionale Energie auf die Auseinandersetzung mit dem Suchtmittel gerichtet ist. Die Notwendigkeit menschlicher Kontakte und oft auch die Anforderungen des Alltags werden missachtet. Bei den Essstörungen ist das Suchtmittel weniger die Nahrung an und für sich, sondern die Beschäftigung mit Ernährung und dem eigenen Körperbild. Wie bei allen Süchten sind die Suchtmittel veränderlich und die vielfältigen Formen der Essstörung können ineinander übergehen und sich vermischen.

medizinischer Wirkmechanismus


Medizinisch handelt es sich immer um eine Störung der Energiebilanz: oder

Hauptformen


Die bekanntesten, häufigsten und anerkannten Essstörungen sind die unspeziffische Ess-Sucht, die Magersucht (Anorexia Nervosa), die Ess-Brech-Sucht (Bulimia Nervosa) und die Fressattacken (neu: Binge Eating). Die einzelnen Störungen sind nicht klar gegeneinander abgrenzbar. Oft wechseln die Betroffenen von einer Form zur andern und die Merkmale gehen ineinander über und vermischen sich. Zentral ist immer, dass die Betroffenen sich zwanghaft mit dem Thema Essen beschäftigen. Bei allen chronisch gewordenen Essstörungen sind lebensgefährliche körperliche Schäden möglich (Unterernährung, Mangelernährung, Fettleibigkeit). Frauen sind verstärkt betroffen. Bei ihnen treten auch Störungen im Menastruationszyklus auf, bis zum totalen Aussetzen der Menstruation (Amenorrhoe).

Die Übergänge zwischen "normal" und "krankhaft" sind von vielen Faktoren abhängig. Ein Mensch, der aus religiösen oder ideologischen Gründen besondere Ernährungsformen pflegt oder gar sich selbst kasteit, ist nicht unbedingt essgestört. Ebensowenig wie jemand, der sich unbekümmert ein Zuviel an Kilos auf die Rippen isst. Eine Essstörung kann sich jedoch in einem ideologisch verbrämten Umfeld etablieren oder dadurch aufrecht erhalten werden. Manche Ess-Süchtige sind körperlich und in ihrem Verhalten völlig unauffällig - die Sucht spielt sich bei ihnen ausschliesslich im Kopf ab.

Ess-Sucht

Ess-Süchtige essen zwanghaft und denken dauernd an "Essen" und an die Folgen für ihren Körper. Sie essen entweder zu viel und leiden an Übergewicht oder Fettleibigkeit, oder sie kontrollieren ihr Gewicht mit komplizierten Systemen von Essen, Diäten, Fasten und Bewegung.

Ess-Sucht führt häufig zu Übergewicht oder Fettleibigkeit (Adipositas), mit den zugehörigen gesundheitlichen und sozialen Problemen. Fehlernährung kann zu zusätzlichen Problemen führen.

Magersucht

Magersucht (Anorexia nervosa) ist durch einen absichtlich selbst herbeigeführten Gewichtsverlust gekennzeichnet. Durch Hungern und "Kalorienzählen" wird versucht, dem Körper möglichst wenig Energie zuzuführen, durch körperliche Aktivitäten soll der Energieverbrauch gesteigert werden. Die betroffene Person sieht dabei den eigenen körperlichen Zustand häufig nicht, sie empfindet sich als zu dick, auch noch mit extremem Untergewicht (Körperschemastörung).

Die Folgen der Magersucht sind Unterernährung, Muskelschwund und Mangelernährung. Die Langzeitfolgen sind z. B. Osteoporose und Unfruchtbarkeit. 5 bis 15 % der Betroffenen sterben, jedoch meist nicht durch eigentliches Verhungern, sondern durch Infektionen des geschwächten Körpers oder Suicid.

Ess-Brech-Sucht

Bei der Ess-Brech-Sucht (Bulimie, Bulimia nervosa) sind die Betroffenen meist normalgewichtig, haben aber große Angst vor der Gewichtszunahme, dem "Dickwerden"; man kann das als "Gewichtsphobie" umschreiben. Sie ergreifen deshalb ungesunde Gegenmaßnahmen wie Erbrechen, exzessiven Sport, Abführmittelgebrauch, Fasten oder Einläufe. Dadurch kommt der Körper in einen Mangelzustand und es kommt zu so genannten Ess-Attacken, wobei große Mengen Nahrung auf einmal verzehrt werden. Neben diesen Heißhunger-bedingten Fressattacken kommt es noch zu stressbedingten. Das Überessen und Erbrechen wird häufig als "entspannend" erlebt.

Die Ess-Brech-Sucht kann zu Störungen des Elektrolyt-Stoffwechsels, zu Entzündungen der Speiseröhre, zu Zahnschäden sowie zu Mangelerscheinungen führen. Da durch einen gestörten Elektrolythaushalt das Herz angegriffen werden kann, kann es zu Herzversagen und somit zum Tod kommen.

Fress-Attacken (Binge Eating)

Binge Eating Disorder ist ein amerikanischer Begriff für Fress-Attacken (früher Fress-Sucht). Der Patient leidet unter anfallsweise auftretenden unkontrollierbaren Heißhungerattacken. Die Betroffenen essen in der Regel ungeheure Mengen an Lebensmitteln, haben Schwierigkeiten, zwischen Hunger/Appetit und anderen Bedürfnissen (z. B. Schlaf, Zuneigung, Unterhaltung) zu unterscheiden und ihren Körper richtig wahrzunehmen. Häufig setzt das normale Hungergefühl komplett aus. Als Kontrollversuch verordnen sie sich für die nächste Mahlzeit oder den nächsten Tag extreme Essregeln (bis hin zu Mahlzeiten völlig ausfallen zu lassen) oder überanstrengende Sportprogramme. In Kombination mit mit Sport-Sucht gibt es hier Parallelen zur Kotz-Fress-Sucht. Das Ausfallenlassen ganzer Mahlzeiten und auch das Beschränken der Nahrungsmittel auf ein Minimum führen erneut zu Heißhunger und damit einem Fressanfall.

Binge Eating führt häufig zu Übergewicht oder Fettleibigkeit (Adipositas), mit den zugehörigen gesundheitlichen und sozialen Problemen. Dicke fühlen sich als Versager und Aussenseiter.

Pica-Syndrom

Das Pica-Syndrom (auch: Picazismus) beschreibt ein seltenes, wenig bekanntes Krankheitsbild, bei dem Menschen ungewöhnliche und ausgefallene Dinge essen, wie zum Beispiel farbige Papierschnipsel, Gartenerde, Ton oder Kreide. Darunter fallen auch Dinge, die bei anderen Menschen Ekel hervorrufen können, wie beispielsweise Exkremente (Koprophagie). Diese Essstörung kommt häufiger bei Menschen mit geistiger Behinderung oder Demenz vor. Bei kleinen Kindern ist zunächst einmal von einem bloßen Ausprobierverhalten auszugehen, bei dem buchstäblich alles in den Mund genommen wird. Erst dann, wenn es häufig und offenbar absichtsvoll gewollt zu unterschiedslosem Aufessverhalten kommt, besteht möglicherweise Anlass, ein Pica-Syndrom anzunehmen.

Es kann dabei u. a. zu Vergiftungen, Unterernährung oder Verstopfung führen. Auch bei sonst harmlosen Materialien kann es zu Infektionen oder Vergiftungen kommen.

Orthorexia nervosa

Orthorexia nervosa bedeutet krankhaften "Gesund"-essen. Betroffene verbringen mehrere Stunden täglich damit, zwanghaft Vitamingehalt und Nährwerte zu berechnen und Lebensmittel auszuwählen, wobei sich die Auswahl der "erlaubten" Lebensmittel immer mehr verringert. Folgen sind Unter- und Mangelernährung und Soziale Isolation. Die Betroffenen zeigen oft Angst vor als ungesund geglaubten Lebensmitteln, die manchmal auch wahnhafte Formen annehmen kann.

Anorexia athletica

Durch übermäßigen Sport und den damit verbundenen Kalorienverbrauch versuchen die Erkrankten, an Gewicht zu verlieren. Diese Störung ist als Sport-Sucht bekannt und wird als Begleitstörung einer Ess-Sucht beobachtet. Als eigenständiges Krankheitsbild ist sie nicht anerkannt.

XYZ-Bulimie

Neuerdings werden viele Süchte fälschlich als "Bulimie" bezeichnet. Kaufsucht z.B. hat aber nichts mit Essstörungen zu tun.

Therapie


Essstörung

Zur erfolgreichenden Therapie ist meist eine mehrwöchige Arbeit in einer Spezialklinik für Essstörungen oder einer Sucht-Klinik erforderlich (siehe detailiert in Psychosomatische Klinik), ergänzt durch regelmässige langjährige Mitarbeit in einer Selbsthilfegruppe (Overeaters Anonymous bzw. www.overeatersanonymous.de).

Übergewicht und Untergewicht

Über- oder Untergewicht sind eigenständige Krankheitsbilder und in über 95% aller Fälle die Folge einer falschen Energiebilanz als ''Verhältnis von Essen und Bewegung. Zur Therapie siehe: Adipositas, Ernährungsumstellung und Ernährungslehre.

Medizinische Einordnung und Forschung


Diagnostik

Die Diagnostik der Störungen erfolgt durch Interview mit dem Patienten und über Fragebögen. Unter- und Übergewicht und Adipositas werden mit dem BMI und anderen Kennzahlen gemessen.

Kategorisierung

Krankheiten werden im deutschsprachigen Raum nach den "diagnostischen Leitlinien" der ICD-10 kategorisiert. ICD-10 ist eine beschreibende Sammlung von Symptomen und hat wenig mit dem Stand der Forschung und klinischer Theorie zu tun. Essstörungen sind dort nur teilwese beschrieben: im Kapitel sind nur die Bulimie und die Anorexie eindeutig erfasst. Die meisten Patienten zeigen Verhaltensweisen aus verschiedenen Formen der Esstörungen und fallen dadurch unter "Sonstige Essstörungen", werden aber der Einfachheit halber unter Bulimie oder Anorexie verschlüsselt. Ess-Sucht: F50, F50.3, F50.4, F50.8 eingeordnet, oft in Verbindung mit E66
Magersucht: F50.0, auch in Verbindung mit F50.5
Ess-Brech-Sucht: F50.2, oft in Vebindung mit F50.3 und F50
Binge Eating: in ICD-10 nicht erwähnt, in der amerikanischen DSM-IV Kandidatenstatus
Alle anderen Störungen werden unter "Sonstige Essstörungen" F50.8 oder F50.4 und werden in der Praxis oft durch Kombination mit Schlüsseln anderer Erkrankungen umschrieben.

Häufigkeit

Adipositas stellt ein weltweit zunehmendes Problem dar. So sprechen die Weltgesundheitsorganisation und die CDC inzwischen von einer globalen Epidemie bzw. Pandemie, die ebenso ernst genommen werden sollte wie jede zum Tode führende Infektionskrankheit. Weltweit leben rund eine Milliarde Menschen mit starkem Übergewicht (WHO). Sollte sich dieser Trend fortsetzen, wird die Zahl der übergewichtigen Menschen innerhalb der nächsten 10 Jahren auf 1,5 Milliarden ansteigen. Die gesundheitlichen und durchaus auch finanziellen und sozialwirtschaftlichen Folgen von Übergewicht sind enorm.

Da die Formen der einzelnen Essstörungen oft ineinander übergehen und sich vermischen sind sie schwer zu trennen. Deshalb sind einzelne Zahlen mit Vorsicht zu geniessen. Hier ein paar Zahlen für Deutschland: Magersucht: ca. 100.000 Menschen sind betroffen. 90% der Betroffenen sind Frauen zwischen 15 und 35 Jahren. 10 % sind Männer. Essstörungen bei Männern sind bisher noch wenig erforscht. Ess-Brech-Sucht: ca. 600.000 Menschen sind betroffen. Binge Eating: ca. 2 % der Bevölkerung ist betroffen, wäre damit die häufigste Essstörung.

Geschichte

Hilde Bruch "Eating disorders: obesity, anorexia nervosa, and the person within" (1973), war Wegbereiterin psychotherapeutischer Forschung zu Essstörungen. Seit 1980 gibt es in Deutschland spezifische Sucht-Kliniken und Selbsthilgegruppen (OA). 1999 wurde in Deutschland die Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik gegründet.

Kulturgeschichte, Literatur und Medien

Essstörungen spielen in der Erzählkultur eine Rolle z.B. im Märchen "Der süße Brei" oder vom Schlaraffenland. In der Literatur in Franz Kafkas "Hungerkünstler" (Anf. 20. Jh.), François Villon's Ballade (Nachdichtung von Paul Zech) mit der bekannten Zeile: "Vor vollen Tischen muss ich Hungers sterben...", Jagger/Richards "I can't get no satisfaction". Eine genaue Schilderung familiärer Bulimie-Wahrnehmungen enthält "Lange Tage" von Maike Wetzel. Ulrike Draesner hat 2002 den Roman "Mitgift" zum gleichen Thema vorgelegt. Die bekannte klassische Violonistin Midori Goto beschreibt in ihrer Biografie, wie sie Bulimie überwindet (dt. 2004). Im Film: "Das große Fressen".

Internetforen und spezielle Webseiten sind eine ausgezeichnete Quelle für Information, Rat und Hilfe für Betroffene, Angehörige und Behandler.

Weblink


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